Diebstahl

I Diebstahl als Straftat
bdv.: 4Stahl
I 1 Diebstahl im heutigen Sinne
I 2 abgestuft nach der Schwere
  • vom ersten vnd allerschlechtesten heymlichen diebstal. jtem so einer erstlich gestolen hat vnter funff guldein werdt, und der dieb mit soͤlchem diebstal, ee er damit an sein gewarsam kuͤmpt, nit beschriren, beruͤchtigt oder betretten wurde, auch zum diebstal nit gestigen oder geprochen hat, und der diebstal nit funff guldein oder daruͤber werdt: ist ein heymlicher vnd geringer diebstal
    1507 BambHGO. Art. 183 Volltext (und Faksimile), Ausgabe von 1507
  • so aber der dieb ... eyn geschrey oder nacheyl machte, ... ist eyn offner diebstall
    1532 CCC. 158
  • so aber ein dieb iemandts bei tag oder nacht einbricht oder steigt, oder mit waffen zum stelen eingehet, darob odder darnach berüchtigt odder betretten, so ists ein geflissener gefährlicher diebstal, der am leben und mit leibstraff gestrafft wirt
    1558 Gobler,StatB. 152
  • den weibspersonen, so an volgenden klainen diebstallen, als da ist, mit abtragungen obs, krauth, genss vnd dergleichen, sollen den lasterstain zu tragen aufferlegen
    1590 BregenzStbr. 41
  • welcher ein ding findet ... und es verschwigt, der soll gestraft werden nach grichts erkantnus, denn es ist ein halber diebstal
    1615 Graubünden/ZSchweizR.² 6 (1887) 214 Faksimile
  • ein geringer [Gegensatz grober] diebstahl, deßwegen die person den strang zwar nit, jedoch andere leibs ... straf verwürkt haben mögte
    1663 WürzbZ. I 1 S. 488 Faksimile
  • diebstähle geringe: dieberey, so wol im felde als guarnisonen, soll ernstlich verbothen seyn
    1668 Lünig,CJMilit. 102 Faksimile
  • da aber ein diebstahl mit einbruch geschehen, ... soll derselbe mit dem strange bestraffet werden
    1672 Lünig,CJMilit. 117 Faksimile
  • welche straffe [des Gehängtwerdens] hingegen gelindert wird, da es nur ein schlechter diebstahl, in einer geringeren quantität ... wäre
    1707 SudetenHGO. Art. 19 § 28 Faksimile (Abschnittsbeginn)
  • der grosse diebstahl ist der jenige, so das werth der fuͤnff gulden uͤbersteigt ... der allerschlechteste und heimliche diebstaͤhl da einer gestohlen hat under fuͤnff gulden waͤrth
    1709 Mutach 135 Faksimile
I 3 Sprachgebrauch
I 4
I 4 a Feld- und Forstfrevel und ähnliches
  • wellicher dem andern sin bereut ... böm us sinem ingefriden garten ... uszücht ... der sol im des und der herrschaft als für ein diepstal bessern
    1457 Obersimmental/AbhSchweizR. 28 S. 411
  • wo aber soliche beschedigung [der Äcker und Hölzer] bey nacht beschähe, das wil ein erber rat für einen diebstal halten und ... straffen
    15. Jh. NürnbPolO. 329 Faksimile
  • [Felddiebstahl] by nacht, das will man für ein diepstal achten
    1534 BaselRQ. I 1 S. 307 Faksimile
  • NürnbRef. 1564 XXIV 2 Volltext (und Faksimile)
  • wer bey naͤchtlicher weil yemand sein frücht ... nimpt, ..., das ist auch ein diebstal, und wie ander diebstal ... zustraffen
    1574 SteirPGO. I 127 Volltext (und Faksimile), Ausgabe von 1575
  • wan einer dem andern aus seinem fischteich ... fische stielt, soll der solchen diebstall mit 30 mark verbüssen
    1583 HadelnLR.(Pufendorf) 59 Faksimile
  • 16. Jh. ÖW. VI 147 Faksimile
  • daß keiner keine seegh darauff tragen solle einen baum damit abzusegen, dan dasselb halten wir vor ein diebstall
    1617 LuxembW. 498 Faksimile
  • 17. Jh. ÖW. I 187 Faksimile
  • die jungen ... [schadbaren Gänse] in zaun flechten, jedoch das er das fleisch henngen lass, sunsten erwürde ein diebstall daraus
    oJ. Salzburg/GrW. III 683 Faksimile
I 4 b Unterschlagung und Untreue
  • [wenn der Käufer einer gestohlenen Sache den ihm bekannten Verkäufer nicht angibt,] so sol er liden die pin vnd die bůße der diebstal
    1309 BruggStR. 17 Faksimile
  • alle hüttenherren müssen ihr goldt in zehenden überantworten, dürfen keines anderswo verkaufen, es wurde sonst für ein diebstahl gerechnet
    1509 Wutke,SchlesBergb. I 164 Faksimile
  • so einer sich eins eingesetzten pfands odder eines zu bhalten gegeben oder gelihen gůts, anders dann mit im abgeredt, wider des rechten eygenthumbsherrn willen gebraucht, wirt auch etlicher massen ein diebstal geachtet
    1558 Gobler,StatB. 151
  • wär aber das ein persohn dergleichen [eine bei einem Brande gerettete Sache] gar uber den dritten tag verhielt und verschwieg, so soll es dieselb persohn biessen als ain diebstall
    1581 ÖW. IX 11 Faksimile
  • so die freunde den schiffer ... untreu befinden würden, soll es ihnen als diebstall gerechnet ... werden
    1614 HansSeeR. V 3 Faksimile
  • dass er etwas von des abgelybten gut an sich zuge, soll jhme solches für ein diebstal gerechnet ... werden
    1616 WaadtStat. 224 Faksimile
  • [Bankrotteure, die etwas zu hinterziehen suchen,] sollen ... als umb einen diebstahl gestraft werden
    1718 Graubünden/ChurBund. 285
  • keme auch ein ander auf seinem trost [das heißt im Auftrage eines flüchtigen Esten, um dessen zurückgelassene Habe zu holen]: bekeme er das, es were diebstahl
    oJ. Arbusow,LivlBR. 88
II
II 1 (Paar)formeln
II 2 als eine der "3 (4 oder 5) Sachen"
  • 1329 OÖUB. V 557 Faksimile
  • dú grossen gericht richt drier handen gericht: blůtigen slag, dúpstal und nachtbrant
    1330 FRBern. V 775 Faksimile
  • über disú vier sachen daz ist das mord, dúbstal, den notzog, vnd úber todschlag sol man rihten von des richs vnd des gotzhus wegen
    1379 Appenzell/GrW. I 191 Faksimile
  • rügen ... drü stücke, wonden vnd watschar, heilallgeschrey vnd diepstall
    1388 Wetterau/GrW. III 401 Faksimile
  • sol man kein fangen dan um dreierlei sach, das erste ist diebstal, das ander ist nothzwang, das dritt ist mörderei
    1412 Eichstätt/GrW. III 629 Faksimile
  • diese vier nachvolgende artickel sal ein yeder zenthschopffe ... rugen ..., nemlich dipstal, mordtgeschrey, flissende wunden, vnd das ere vnd glimpff andreffe
    1457 Franken/GrW. III 531 Faksimile
  • soln ... rugen drierlei, blutrußtig, dupestale und heilergeschrei
    1480 Wetterau/GrW. V 296 Faksimile
  • die vier artickel zent und mortgeschrei, diebstal, bintwar wunden und wos die er berürt
    15. Jh. Osterburken/OStR. I 1042 Faksimile
  • 1570 NÖsterr./ÖW. VII 560 Faksimile
  • fünfferley malefizstuckh alss raub, mord, brandt, ehebruch, vndt diebstal
    1604 Mühlfraun 70 Faksimile
III übertragen
III 1 Strafsatz
  • wer garbm intregt in dem snit an urlaub ... in frevel, bergreift man den, der ist verfallen schedlich ein diepstal und der herschaft 32 tal.
    1450 Westungarn/ÖW. VII 1038 Faksimile
  • wan ainer ainen weinstogk durch ain rain zeucht im zu frum und seinem nagsten zu schaden, der ist umb ain halben diepstal
    16. Jh. NÖsterr./ÖW. VIII 40 Faksimile
III 2 Diebesgeschrei oder Diebesschelte?
  • gramschnit ruegt der schöpf fließend wunden, diebstal [das ist, wan ainer ainen ein dieb schilt], mord oder waffengeschrai
    1575 WürzbZ. I 1 S. 86 Faksimile
IV das Gestohlene, Diebesgut
IV 1
IV 2 Wert der gestohlenen Sache
  • vmb diebstahl werdes funff schilling oder darüber soll einer erhenckt werden
    1493 LibriFeud.(Pflantzm.) d III
  • welcher diebstal undter gemellter summa [nämlich 80 ₰], das sol khain vitzdombhanndl sein
    1553 BairFreibf. 225 Faksimile
  • da der diebstall under fünff ungersche gülden ist und es das erste mal, soll er zur staupe geschlagen werden
    1583 HadelnLR.(Pufendorf) 58 Faksimile
  • wan ... der diebstall sich über zehen gulden belaufft ... der ist als ein dieb landtgerichtlich zu bestraffen
    NÖLGO. 1656 II 84 pr. Faksimile
  • da der diebstahl ein wenigers [als 12 Tlr. 12 Gr.] beträget, und also ohnedem auf die todes-strafe nicht erkannt werden mag
    1746 CAug. Forts. I 1 Sp. 346 Faksimile