1Mark, f., selten n.

hochalem. Nbf. merche, merk n. (vgl. SchweizId. IV 391); ahd. marka, march(i)a, marc f., mhd. marke, march, marc f., as. marka f., mnd. mark(e) f., mnl. mark(e), merk(e) (gleichbed. marche, maerche, maertse, martse aus afrz. marche, marce abgeleitet, vgl. MnlWB. IV 1157) f. u. n., afries. merke f., ae. mearc f., mlat. marchia, marcia; gelegentlich tritt -t an; aus dem Germanischen ua. in die Romania entlehnt; zur Herleitung aus der idg. Wz. *mereg- "Rand, Grenze" vgl. DudenEtym. 423, Kluge²² 462, NlEtymWB. 429 u. IEW. 738
Sachhinweis: Schmidt-Wiegand,Stammesrecht 335ff.; dies., Mark und Allmende (1981)
I Gebiet
  • [bereits westgotisch:] jah jainþro usstandands galaiþ in markos Twre jah Seidone
    vor 384 (Hs. um 500) Ulfilas Mark. 7, 24
I 1 (eingegrenzte, größere) Raumeinheit, aber auch Grenzsaum, Wohn-, Flur- und Nutzungsbereich einer Siedlung (meist Dorf, aber auch Stadt), innerhalb, aber auch außerhalb des ¹Etters (II) liegendes Land, Gemeinbesitz der Mark- und Hofgenossen, (Gerichts-)Bezirk, Bereich einer Hundertschaft
Sachhinweis: HRG.¹ III 280f.
I 2 abgetrennter Anteil einer ¹Mark (I 1)
II Grenze, offen zu ¹Mark (I 1) und ²Mark
III Herrschaftsgebiet eines Grafen, Grafschaft, auch das gesamte Herzogtum oder Land Bayern (Beleg von 1027); vgl. VjschrSozWG. 37 (1944) 2f.
IV an der Reichsgrenze liegender Herrschaftsbereich, Markgrafschaft
Sachhinweis: HRG.¹ III 286f.
  • xxx regales mansos ... quos ipse in eiusdem marchiae locis ad plenitudinem elegerit
    1025 Bamberg/MGDipl. IV 35 Faksimile
  • marchiam Austrie in ducatum commutauimus
    1156 Privilegium minus/OÖUB. II 281 Faksimile
  • vocantur autem usitato more marcomanni gentes undecumque collectae, quae marcam incolunt
    1163/72 Helmold(Stoob) 238
  • in ducatu nostro et in marchia nostra
    1164 BabbÖstUB. I 50
  • coniunctis tam feodis quam allodiis ..., dominus imperator marchiam imperii ex eis constituet, quam marchiam comes Haynoensis a domino imperatore accipiet et ex ea princeps imperii et ligius homo censebitur
    1184 MGConst. I 423 Faksimile
  • Georgius de marka Brandeneburg
    1221 WestfUB. III 87 Faksimile
  • 1224/35 Ssp.(Eckh.²)LR. II 12 § 4 Textarchiv: SspLR. II 12
  • nenes gesculdenen ordeles ne mut men ten ut ener grafscap in ene marke, al hebbe de greve de grafscap van deme markgreven; dit is dar umme, dat in der marke nen koninges ban n'is unde er recht tweiet; dar umme scal men is vor dat rike ten
    1224/35 Ssp.(Eckh.²)LR. II 12 § 6 Textarchiv: SspLR. II 12
  • seven vanlen sint ok in deme lande to Sassen: dat hertochdum to Sassen unde de palenze; de marke to Brandeborch; de lantgravescap to Duringen; de marke to Misne, de marke to Lusaz; de gravescap to Aschersleve
    1224/35 Ssp.(Eckh.²)LR. III 62 § 2 Textarchiv: SspLR. III 62
  • cum ... lantgravio Thuringie de marchia Misinensi gratiam fecimus
    1227 MGConst. II 152 Faksimile
  • um 1260/70 SächsWChr. 230 Faksimile
  • in terris Carniole et marchie Sclavice que vulgo Windischmarich dicitur
    1286 MGConst. III 355 Faksimile
  • wir seczen ..., das der landesherr die herren von dem land nicht dringe ze varn herüber das gemerk, er tůe es dann mit gůt oder mit pete, wann dicz lande ain rechte march ist
    1298 Schwind-Dopsch 102 Faksimile
  • 1351 MWittelsb. II 417 Faksimile
  • also unseres orteils beruffunge sich zuhit zu hoern steten, unde doch wol die marke hoer sy an dem richtstule, denne die graveschaft, doch mag man sich mit eyner beruffunge zhin uz eyner marke
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 231 Faksimile
  • die marken und marggrafschaft zu Brandemburg, das ein kurfurstentume und erzkamerampte als ein ubererleuchtes und uberedel gelide des heiligen romischen reichs ist
    1400 CDMorav. XIII 33 Faksimile
  • erbschenk in der marke Brandenburgk
    1571 BrandenbSchSt. III 20
V übertragen: wie Markrecht (II)
VI übertragen: Gesamtheit der vereidigten Markgenossen, auch als Schiedsgericht
  • alle die partheyen, so vor der march ze handlen haben, sollen nach verhör beyder partheyen clag antwurt die sach den marchleiten vbergeben
    1530 RheinfeldenStR.(SchweizRQ.) 250 Faksimile
  • die marchleut sollent ... einem jeden souil im gepürt, wie das die gerechtigkeyt der schnur vnd růten nach mutmassung erfordert, zůtheylen vnd zuerkennen, vnd alles das thun, so einer geswornen march zethun gepürt
    nach 1530 RheinfeldenStR.(SchweizRQ.) 211 Faksimile
VII Grenzfestsetzung durch die ¹Mark (VI)
  • die marchleut sollent sweren, einem schultheussen, ouch gantzer gemeinde vnd insonders menigclichem, richen vnd armen, von denen sy zů holtz oder veld vmb die march angeruft werden, denselben rechte, gliche vnd billiche vndergeng vnd march ze thůn
    nach 1530 RheinfeldenStR.(SchweizRQ.) 211 Faksimile