Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Maut

Maut

, f.

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bair.-österr., vereinzelt ae. und mnl., zu Etym. u. Sache grundlegend: P. Wiesinger, Bairisch-österreichisch "Maut"/Beitr. z Erforschung d. dt. Sprache 6 (Leipzig 1986) 108f., vgl. auch Kluge22 469 u. HRG. III 399f
Zoll, Abgabe

I Weggebühr (auch für Wasserwege), Transitabgabe, auch Marktabgabe, um eingeführte Waren verkaufen zu dürfen; Judenzoll, Abgabe des reisenden Juden
  • ut quandocumque predicta sex carra ad prefatum locum sal accipiendum venerint, nullum theloneum ministri eiusdem loci ab eis exigere presumant, et ubicumque tam eundo quam in redeundo transitum sive accessum habuerint, nullum theloneum neque quod lingua theodisca muta vocatur aut portaticum aut pontaticum
    837 MGDiplDtKarol. I 29
  • nonam partem mutae ad R.
    885 OÖUB. II 27
  • ut ... licentiam habeant hoc sine multa [!] seu navigio sive cum carris afferre
    898 Meichelbeck,Fris. I 1 S. 147
  • dicentes, se iniuste theloneo et iniqua muta constrictos
    um 906 OÖUB. II 54
  • ut in adducendo sive in deducendo quidlibet sine vectigali quod vulgari muta dicitur libere veniant et libere recedant
    1180 BabbÖstUB. I 78
  • sine naulo quod vulgo dicere possumus mutam 
    1190 BabbÖstUB. I 106
  • de paratis variis pellibus nullus dabit mûtam 
    1192 BabbÖstUB. I 118
  • mutam et fuͤrfart
    1198 BabbÖstUB. I 146
  • ratione thelonei, quod maût vel zôl dicitur
    1208 BabbÖstUB. I 211
  • mauta theloneario eius detur
    um 1230 SteirUB. II 376
  • muta in Nova Civitate recipiatur sub hac forma: de bove unus denarius circa confinium
    1244 Schwind-Dopsch 84
  • 1253 Schwind-Dopsch 93
  • ich fuͣere dhain gůt, dauon man maute solle gern
    1257/59 (Hs. 1504/16) Biterolf(Schnyder) V. 855
  • et sic quoque ipse iudeus nonnisi debitam solvat mutam, quam solveret unus civium civitatis illius, in qua iudeus eo tempore commoratur
    1264 CDPolon.3 I 564
  • allen vnsern zollnern vnd mautern gebieten ... wir hertichlich, das sy von den ... burgern von F. maut oder zoel vordern oder ayschen [in] chainer weis
    1277 SteirGBl. 1 (1880) 55
  • muta hoc est vngelt
    1278 RegErzbSalzb. I 112 (nr. 869)
  • es ensol auch niemant weder auf wasser noch auf land dhain maut nemen in einem rechten gesworen landfride, wann wo man ze recht mauten sol
    1278? ÖLR. Art. 57
  • um 1280 MBoica 36, 1 S. 285
  • dheinen zol, mavtte, vngelt oder gelait von newen dingen
    1310 Dollinger,MaxFinanzref. 495
  • gest die in die stat chöment mit wol oder mit harbe ... gewent die gewoͤndleich maut dem mauter
    um 1310? Wiener Neustadt/Keutgen,Urk. 364
  • daz ... saltz sol in auch an vnser mauttstat ze Gmvnden ledichleich an mawt fur gen
    1313 SeitenstettenUB. 156
  • die geistlichen herren ... beweisent habent ..., daz si vreyung habent, auf der Tunow ... tze fuͤren an mautt vnd an czol zway phunt chuffen vnd sechtzehen chuffen weites saltzs vnd ain halb phunt chufflein vnd zwen stübich tze fullsaltz aller jerechlich
    1330 HeiligenkreuzUB. II 130
  • von der maut in der stat
    um 1330 BrünnRQ. 348
  • ob iemant unsers mitpurgers guet vuert auf seim guet den er um lon gedinget hat, der schol ledick sein von der pruckmaut und von der aller maut 
    um 1330 BrünnRQ. 371
  • wo die iuden ... ein toten iuden vuren von ainer stat czu der andern ... so welle wir, daz si di mauter an nichte peswern und chain maut nicht nemen von in
    um 1330 BrünnRQ. 383
  • von den rechten, die wir Regenspurger ze recht sullen haben in Oesterreich an der maut hin ab und hin uf
    Mitte 14. Jh. RegensbUB. I 712
  • in denselben czehen tagen, her kawffe oder verkawffe, do gibt her [purger oder gast] keyn mawt nicht, von welcher lay dinck das sey
    vor 1368 IglauOberhof 104
  • wer do ausfuͤhrt und dy maut nicht enricht, ... vnd das hutlon ... nicht gibt vnd das verfurt vber dy pruken, der hat dy ros verloren von der mawt wegen
    1388? BudweisUB. 254
  • gelt von mäuten vnd von zollen vnd von münz vnd von andern dingen ist verdient auf welhen tag der man beschaiden wil
    Anf. 15. Jh. Schwsp.(Kurzform II/Eckh.) 109 (Km)
  • chumpt ein man mit seiner war an den markcht in der wochen und leit do still unz auf den markchtag und stellt sich ze markch, so geit er zol und chain maut 
    1414 NÖsterr./ÖW. XI 222
  • gy zult den wasdom van uwer muten in ene hellinckborse sluten
    vor 1420 MnlWB. IV 2030
  • das ir auch gemainer stat freyhaitten an den meuthen und drewssigisten nit missbrauchen ... wollet
    1437/1530 MHungJurHist. V 2 S. 5
  • wenn man ... die maut absamen wil, so sol der mauter ... zu aim richter geen daselbs und den piten, daz er ainn gesessen man darzu schaff, dem die maut wissentlich sei
    um 1450 Tomaschek,Wien II 61
  • vor 1465 NÖsterr./ÖW. VIII 438
  • das wir ... besteen ... den vngellt in der statt daselbs vnd auf dem lannd das stattgericht die maut vnd kor ... drew ganntze jar
    1478 MHabsb. I 2 S. 632
  • 1492 OÖsterr./ÖW. XIII 222
  • ain ïgleicher inwaner der zu selden ist, der ist maut schuldig
    2. Hälfte 15. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 20
  • wan man ain praut uber die prugk her in das aigen fuert, so gibt mon zu maut von ainer wittib zwelf phening, von ainer junkfrauen sechs phening und nicht mer
    1512 NÖsterr./ÖW. VIII 320
  • sein wier an etlichen enden vast hoch beschbert mit ungewonlichen meutten und niderlegung
    1515 BeitrSteirG. 14 (1877) 121
  • ain ieglicher gesesner hie, was wär er furt davon, ist er in ainer meil weegs von hin kain maut davon phlichtig zu geben dann sonder di gewondlich roßmaut
    1520 NÖsterr./ÖW. VII 101
  • das die herschaft S. und der selben armen leut gefreid sein drei meil wegs weit und praid fur meit, zol und aufschleg
    1523 NÖsterr./ÖW. IX 858
  • das auf dieselb klam ain zimbliche maut gesetzt oder gemacht würde. von demselben gelt mues man alsdann die weg vnd steg machen
    1525 MittSalzbLk. 27 (1887) 249
  • 1525/26 ActaTir. III 133
  • ob ain ... fuerman ... ain maut verfuert oder verpotten war darneben fuert, ... der ist schuldig den nachtail und genumen gueter zu bezallen
    1528 ZeigerLRb. 308
  • in kauffmans war ist an zollen vnnd mauten niemands gefreyt
    1546 Perneder,Proz. 38r
  • wer zu verpottner zeit kuplet und deßgleichen die mauth verfürth, der ist darumben die wahr verfallen
    1572 NÖsterr./ÖW. IX 332
  • verbesserung ... bej vnserm aigenthumb, zölln, meutt, cässten
    1591 Dollinger,MaxFinanzref. 103
  • ain jeder mullner ... der sol haben ain grechts mässl, des sulln gen an ain metzen zwai und dreissik, domit er sein maut nimbt
    16. Jh. Steiermark/ÖW. VI 66
  • 1643 NÖsterr./ÖW. VII 579
  • hat es ... wo ... privilegien von ... frembden juden nicht vorzuweisen, bey dem alten herkommen, das ist der doppelten mauth, sein verbleiben
    1659 WienMautO. 14
  • daß ... von denenjenigen waaren, welche berait einmahl herein ... vermauttet, ... nur die halbe mauth hinauß ... bezahlt werden solle
    1659 WienMautO. 15
  • 1663 CAustr. III 187
  • die juden-weiber auch dero knechte bißher nur die helffte des mauths gegeben
    1682 LeipzStO. 135
  • ain offne aufgerichte maut 
    1688 Steiermark/ÖW. X 216
  • weilen dißer markt W. ... järlich zwen freikürchtag hat ... ist damallen, so lang die freiung gewert und außgestöckt ist, die maut alle doppelt
    17. Jh. Steiermark/ÖW. VI 190
  • wellicher die maut verfiert ... soll umb die wahr, es sei vich oder anderst, auch am leib gestrafft werden
    17. Jh. Kärnten/ÖW. VI 527
  • 1732/68 NÖsterr./ÖW. VII 407
  • unsern stift ... gebühret die ... einehmung des standgelts (... allhier mauth)
    1763 NÖsterr./ÖW. VIII 485
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große und kleine Maut: als Kompensation für Frondienste unterschiedlich festgesetzte Mautabgabe von bestimmten Waren (Getreide, Holzprodukte), im Eisenbergbau der Steiermark ist die kleine Maut eine Transitabgabe, während die große Maut die Abgaben an den Landesherrn (Fron V 1 und Wechsel) ersetzt
vgl. Mautner
  • alle die in der grossen maut sind die geben dem hern ruͤg-₰, und die in der klein maut sind geben dem richter
    Ende 15. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 350
  • die burger daselbs nemen ein ain mautt, haisst die klain mawtt, albeg von ainer ganntzen mass eisen, die bey vii oder acht zennten hat, 3 phening ... die gross mawtt wirt genommen für fron vnd wechsl, ye von ainem zennten rauchs vnd mäss eysen 18 ₰ ain helbling
    um 1500 SteirGBl. 4 (1883) 211
  • die khlain maudt daselbs im Eysenarzt 3 ₰
    1565 ArchÖG. 89 (1901) 633
II das Recht, die Zollabgabe zu erheben
  • mercatum Judenpurch cum usu qui muta dicitur, thelono et pretereuntium merce
    1103 SteirUB. I 111
  • ius nostrum, quod vulgari můta dicitur
    1188 BabbÖstUB. I 95
  • iusticia ipsius ecclesie in A., que uulgo můta dicitur
    13. Jh. OÖUB. I 388
  • swer auch die maute hat, der sol die prukken machen
    1308 Schwind-Dopsch 163
  • wollen wir dheinerley nuwe lantgeriechte zolle oder mute nit geben
    1401 RTA. IV 421
  • die ligenden güetter sollen verstanden werden als ... meut, perkrecht, ewige zinß
    1552 Walther,Trakt.(Ri.) 36
III
der Ort, an dem die Zahlung erfolgt, Mautstatt, Mauthaus; offen zu Maut (I, II u. IV)
  • cum teloneis duobus qui vulgo mûtta vocantur
    940 Mainz/MGDipl. I 118
  • ut bona illius, que singulis annis ab Austria illuc ducuntur, ubique aput thelonea sive mutas nostras absque omni iuris persolutione usque ad prefatum locum liberum habeant transitum
    1196 BabbÖstUB. I 126
  • 1230/46 SteirUrb. 47
  • wo der sizt, der es yberfuhrt, der soll in die mauth ein ℔ geben
    1258 Grünberger,PassauZünfte 51
  • 1294 DOrdHessenUB. I 438
  • das wir ... haben gegeben zu ainem sellgeraͤtt freyung vnd fuerfart an vnnserer mawt zu A.
    1300 OÖUB. IV 347
  • 1311 Kurz,Fried.d.Sch. 455
  • wo ein iude ... an ein maut chem, so schol man nicht mer von im czu maut nemen, den daz ein ander purger geb, der von der stat sei da der jude von ist
    um 1330 BrünnRQ. 369
  • daz mein herren habent lazzen beschreiben der mawtt recht ze Ö.
    1394 MHungJurHist. V 2 S. 3
  • was ainer verlaugent an der maut und chumpt der mauter darauf, so ist es dem mauter vervallen und der mauter sol im die maut geben
    1414 NÖsterr./ÖW. XI 223
  • die ausserist österr. maut auf der Crembsbruggen
    1751 SchlernSchr. 52 S. 154
IV Amt, Tätigkeitsbereich des Mautners 
  • daß ain ieglicher mauthner soll warthen seiner mauth an billichen stetn alß es von alter herkumben ist
    1602/15 NÖsterr./ÖW. VIII 105
  • daß die juden zue keinen offentlichen aembtern, mautten oder zolln sollen zugelassen werden
    1619 Lazius,Wien II 67
V Getreideabgabe als Mahllohn (I) des Müllers
  • [die Müller sollen] khainerlay mauth ab den müllen yberall auf dem Yhn zu Passaw, noch daruon nit fihren noch bringen ... dann all wochen nur am sambstag vor vesper
    1371 Grünberger,PassauZünfte 44
  • der ... richter ... schol fleiszig sein, daz die muͤlner zu maut recht metzen nemen, der achtzehen auf ein statvirtail gen
    1376 PettauStR. Art. 67
  • schuͤllen se [Müller] uns und unserem closter zu unser nottuͤrft ... auf einem rad malen an mauͤt und an khermel
    1409 CDMorav. XIV 111
  • derr mulnerr ... sol ... zumaut nemmen dy zwelifte mass von aller lay getraÿt
    vor 1439 OfenStR.(Mollay) Art. 144
  • sol auch ein ytlicher hie gesessen mülner ... von aynem ygelichen umb sein müe und arbeyt zu maut nemen von einem viertall den dreyssigisten metzen
    15. Jh.? MBoica 24 S. 238
  • alle die vnderthon, so müll haben, die vor nit vmb di maut gemallen haben, vnd sich icz vndersteen wellen vnd vmb di maut mallen, di sollen gestrafft werden
    1. Hälfte 16. Jh.? BeitrSteirG. 22 (1887) 88
  • von alter ist herkumen, das ain ieder mullner sich von ainem mezen draith zu mallen mit dem mullmezen fur die maut vergnuegen lassen solle
    Mitte 16. Jh. OÖsterr./ÖW. XIII 232
  • 1640 NÖsterr./ÖW. VIII 1088
  • welcher aber sein malter nit peitlen lassen will, ist den müllner nichts als die maut ... schuldig
    17. Jh. Salzburg/ÖW. I 13
VI Abgabe allgemein
  • æd-eauas me mynittre mot ðæs cyniges [lat.: ostendite mihi nomisma censús]
    2. Hälfte 10. Jh. The gospel according to St. Matthew, ed. W. Skeat (Cambridge 1887) 181
  • so sein auch all unsere urbarsleut nit schuldig dem richter ainicherlai maut zu geben, wieß dann von alter her gebraucht worden ist
    15./16. Jh. Steiermark/ÖW. VI 276
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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