Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): 1Mund

1Mund

, m., mnd. u. mnl. auch f.
I der Körperteil
  • 1 Teil des menschlichen Gesichtes
  • 2 Maul eines Tieres
II als pars pro toto für die Person und in Wendungen, die auf metonymischem Gebrauch von 1Mund (I) beruhen
  • 1 da Mündlichkeit die persönliche Anwesenheit voraussetzt, steht Mund in verschiedenen Wendungen für mündlich und zugleich persönlich und unmittelbar
    • a persönlich (I), in eigener Person
    • b insb. in Rechtsformeln im Zsh. mit Ladungen vor Gericht oder Mahnungen als Bez. für die unmittelbare Zustellung an eine Person im Unterschied zur Ladung zu Haus und zu Hof oder durch Brief oder auch als Ggs. zu schriftlich 
    • c in verschiedenen Wendungen steht 1Mund für die mündliche Äußerung, insb. von Zeugen vor Gericht (vgl. C. Schott, Ein Zeuge, kein Zeuge/Fschr. F. Elsener (Sigmaringen 1977) 222), oder für eine Willenserklärung; im Munde haben wird für Personen oder Sachen verwendet und bedeutet sprechen bzw. beinhalten; (wieder) in den Mund schlagen heißt in diesem Zsh. das Zurücknehmen einer Äußerung (vgl. Maul IV)
    • d bei Wendungen wie mit einem Mund, gemeinem Mund einstimmig, gemeinsam
  • 2 in Rechtsformeln und Fügungen, die rechtlich bedeutsam sind
    • a js. Mund sein js. Bevollmächtigter sein; jm. seinen Mund geben jn. bevollmächtigen
    • b nach dem beschlossenen Mund nach dem Tode; in beschlossenem Mund behalten die Schweigepflicht wahren
    • c etwas im oder aus dem Mund versterben ein Erbgut wird von jm. hinterlassen
    • d als manch Mund als manch Pfund und ähnliche Formeln bezeichnen die erbrechtliche Teilung nach Köpfen
    • e geküßter Mund / auf den Mund küssen Bez. einer Rechtsgebärde bei einem Friedensschluß oder bei einer Lehnsübertragung
    • f mit gichtigem Munde geständig; bestätigend
    • g Johannes mit dem goldenen Mund j., der schön redet, schmeichelt oder besticht; abgeleitet von Johannes Chrysostomos, genannt oris aurei oder Goldmund
    • h die Formeln mit Mund und Halm, mit Mund und (gesamter) Hand, mit Mund, mit Hand und mit Halm [ore, digito culmoque] bezeichnen bei Vertragsabschluß (auch bei Stipulation), insb. bei der Auflassung von Grundstücken, sowie bei Gelöbnissen verschiedener Art den konstitutiven Teil des Rechtsaktes
    • i mit 2lachendem (I) Munde als Zeichen der Zustimmung zu einem Rechtsgeschäft
    • j in Verbindung mit geschlossen, mehlmundig, melbig, moltig, olmig, tot usw. steht Mund für eine verstorbene Person, gegen die Ansprüche durch Klage gegen die Erben geltend gemacht werden können, wenn die Gläubiger am Grab des verstorbenen Schuldners den Eid geleistet haben
    • k reinen Mund halten bei der Hexenprobe als Zeichen für die Unschuld des Angeklagten; übtr.: eine wahre Aussage machen
    • l unhöfischer Mund Ehrverletzung, Beleidigung im Ggs. zu höfischer Mund: dem den gesellschaftlichen Formen entsprechenden Benehmen
    • m unzüchtiger Mund Verleumdung
III in übtr. Bed.: Wunde