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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Schirm

Schirm

, m., auch n.

auch Scherm u. Schirn; zur lexikalisierten Metonymie (Personenbezeichnung) vgl. Schirme m.

I von einem Herrn (zB. Kaiser, König, Adligen) oder einer Herrschaftsinstitution (zB. Reich, Stadt) auf Dauer oder zeitlich begrenzt gewährter und ausgeübter Schutz für Leib, Leben und Gut von einzelnen Personen oder bestimmten Personengruppen in Form von juristischem oder bewaffnetem Beistand; das Schutzverhältnis ist oft nicht an die grund- oder lehnsherrliche Bindung gekoppelt, als Gegenleistung sind zumeist Abgaben zu erbringen; der Schirm wird häufig urkundlich verbrieft (vgl. Schirmbrief (I)) und durch Vorweisen des Siegels nachgewiesen; häufig formelhaft mit 1Schutz; im Schirm gesessen in den Schutzbereich (zB. eines Herrn) gehörig
bdv.: Schirmnis

I 1 Belege in definitorischen Bezügen
  • sint in des riches rechte steit geschriben: "wer des keysers guit czu siner czit werrechtet, de sal is besiczcen in des keysers schirme"
    um 1350 KlKaiserr.(Hs. Corvey) II 121
  • das wir und all unser erben und nachkomen ... allermenigklich reichen und armen, wittiben und waisen, gaistlichen und weltlichen gleiche recht und schirm schaffen söllen
    1392 BairFreibf. 31
  • das voelcker recht ist auch natürlich eingepflantzt aller menschen gemuͤte vnd sitten, als die gegenwehr, schutz, vnd schirm leibs vnd gůts
    1553 Gobler,StatB. I 2 § 3
  • schutz und schirm gibt keine obrigkeit
    1752 Greneck 115
  • anhaͤngiger schirm: ein schutz, der nur eine gewisse zeit dauert
    1798 RepRecht II 67
I 2
geistlichen Herrschaften, Institutionen oder Personen gewährter Schutz; mangels Waffenfähigkeit sind Geistliche idR. auf einen weltlichen Schirmer (I) angewiesen
  • haben wir [Stadt Bern] die vorgenenten geistlichen heren, ir lüt und guͤt als unser lieben und eygen mittburger ... treuwlich in unser schirm genomen
    1256 (Hs. 15. Jh.) FRBern. II 427
  • das wir ... lütte und gůt des benempten gotzhuses in unsren schirm und geselschafft unsers burgrechts hand enphangen
    1265 FRBern. II 628
  • daz die erberen herren ... des closters Z. ... inphangen hant aigenlich mit allem rehte in ir phelihte und shirn daz frowin closter
    1292 WirtUB. X 88
  • wir [König] haben ... den ... bischof C. [und seine Güter] in unser besunder genade und scherm genomen
    1315 MGConst. V 279
  • wir haben ouch die ... abbtei und die kirichen der probstei ... mit ir phafhaiten ... in unsern und dez richs schirme und gnade genomen
    1332 SchrBodensee 41 (1912) 203
  • wir [marggraff zu Brandenburg] ... haben ... das closter und auch des closters gut ... in unseren schirm, hegunge und schutz genommen
    1370 Spandau/CDPolon.3 III 360
  • das heilige rœmische rich, von dem die heilige kirche und cristenheit trost, schirm und hulffe haben solde
    1400 Zeumer,QS.2 223
  • daß diejenigen [priester], so in ihren [der Stadt] ringmauern ... beschirmt werden, und deshalben gleichen nutzen an schirm des leibes und des gutes empfangen [wie bürger und hintersäßen, hierfür auch] ... gleiche buͤrde tragen
    1526 Ochs,Basel V 543
  • seind zü vns [Dominikanerinnen von Steinheim] komen die wirttembergischen raeth. haben wöllen von vns haben das wir den schirm bekennen
    1566 UrkWürtKlosterfrauen 178
I 3 Adligen, auch Reichsständen gewährter Schutz
  • wir [romescher kunig] han ouch in [pfallentzgrave ze Rine] ... in unsern schirm unde in unser helfe genomen
    1294 MGConst. III 485
  • das wir [erzbischof zu Trier] ... dieselben von Waldeck us besundern gnaden unser lebtage lank in unsern sundern schirm verspreche und verantwurtunge genomen haben
    1490 Lamprecht,WL. III 296
  • hat herrn G. ... für ratsam und gut angesehen, damit er und seine phlegsöne ain schirmb [haben], in ain verstandt und burgrecht mit der statt Rotweil ... sich einzulassen
    1558/66 ZimmernChr.2 I 608
  • darneben ihnen [schwaͤbische ritterschafft] auf nothdurffts-fall, gleich den staͤnden, gebuͤhrender schutz, schirm, huͤlf und rettung versprochen wuͤrden
    1622 Moser,StaatsR. 31 S. 353
  • eine gattung von bindnissen sind diejenige, ... welche von reichsstaͤnden sowohl mit auswaͤrtigen maͤchten, als constatibus um des schutz und schirms wegen, active und passive eingegangen werden
    1770 Kreittmayr,StaatsR. 170
I 4 Schutz für bestimmte Ländereien, Besitzungen oder Orte sowie deren Bewohner; weltlichen Untertanen gewährter Schutz
  • swer bvrge hat, der sol antwvͤrten fvr alle, die dar vfe bvrclehen habent, ... vnd fvr alle, die darvfe in sinem schirme sint oder in siner choste
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 16
  • got hât sînem namen ze lobe geschaffen bûliute, ritter unde pfaffen: die ritter süln bûliute vertreten mit schirme 
    1300 Hugo v.Trimberg(Ehrismann) I Vers 2214
  • C. ... git von einer hovestat, die er den herren willeclichen ufgab durch schiermes willen ein phunt wasses und ein vasnath hůn
    1313 ArchUFrk. 22 (1874) 620
  • wir ... bekennen ... daz wir vns durch gemeyne nücze vnd sünderleich schawr vnd schirme vnserr aller lande vnd lewte ... mit einander ... vereynt haben
    1378 MZoll. IV 428
  • die hoͤfe zů E. ... gehoͤrn gen B. in daz ampte mit schauwer vnd mit schirme 
    1380 MWirzib. VII 354
  • welcher anderstwo schirm an sich nimpt, burgrecht als landtrecht, der soll ussen gerichten ziehen
    1432 Thurgau/GrW. I 282
  • darauf pefelchn wir [Geschworene, Gewerke und Berggemeinde zu Schwaz] uns eurn furstlichen gnadn in eurn schirbn und gnade
    um 1461 Worms,SchwazBergb. 148
  • wer in dem markt wanhaft will sein, der soll das thun mit ainß richterß und der purger willen und kainß aussern herrn scherbm haben den unßerß genädigisten herrn anwald
    15. Jh. OÖsterr./ÖW. XII 522
  • soll kain handwerchsgesell noch sonst ain dinstknecht in dem markt geduldt werden, der anderswo scherm und sich ainer andern herrschaft angevogt hette
    1523 OÖsterr./ÖW. XII 67
  • das ire vordren vor vil jaren ein schirm gelt geben, der selb schirm inen aber im appenzeller krieg abgegangen sig
    1525 SGallenAbteiRQ. II 1 S. 183
  • wo man unser halter umbzug und unser nit achten wolt, so sol uns der herr am P. ein scherm halten
    1546 NÖsterr./ÖW. VII 80
  • so hat derselb grundtherr seine grundholden an andere mechtige herren ... angevogt, und also den holden in derselben herren ... schutz und scherm ergeben
    1558 Walther,Trakt.(Ri.) 30
  • daß wir N. den hamerschmidt ... in vnsern sonderlichen schirm ... auffgenommen haben ... daruff hat vns der genant N. gelobt, getrew vnd hold zu sein ... vnnd soll vns eins jeden jars fuer schirmgelt n. gulden ... geben
    1568 Zwengel 180v
  • Osthaim ... ist der edelleuth, aber der marggraue hat den schirm daselbst
    16. Jh. FrkZentb. 144
  • also ergaben sy [die Engwiler] sich von fryem willen an ... einen herren von Costanz, durch schirms willen, und also het sy ein herr ingenommen
    1611 Thurgau/GrW. I 284
  • daß fuͤrohin kein meister, in einem dorff vnsers hertzogthumbs vnd schirm gesessen, tuch verkauffe
    WürtLO. 1621 S. 810
  • daß wir [nicht] alle neü ankommende leüte ohne unterscheid in unsern schutz und schirm annehmen wollen
    1682 KirchheimW. 76
  • ist ein jeder territorial herr seinen unterthanen schutz und schirm zu leisten schuldig
    1705 KlugeBeamte I2 628
  • flethfoͤring ist aber, wann sich jemand um einen ehrlichen und ziemlichen unterhalt willen mit all seinen guͤtern zu einem andern floͤtet und fuͤhret und sich dessen patronat, tutel, schutz und schirm untergiebt
    1717 Blüting,Gl. I 124
  • [Manumission:] daß J.L. hinfüro wohl andern schirm, eigenschaften und burgerrecht ... annemen und suchen mag
    1758 SchrBodensee 17 (1888) 65
I 5 Bürgern und Stadtbewohnern gewährter Schutz; ua. in Straßburg wird unter Schirm ein Bleiberecht für Nichtbürger verstanden
  • der stete reht ist daz. sleht ein man den andern ze tode ... vnd entrinnet der schuldige von dannen, so sal sin wirtin sitzen alsein eliche witewe in schirme libes vnd gutes, die wile si ir manne vngehorsam ist
    1253 Öhringen/CorpAltdtOrUrk. I 55
  • daz wir [Friedrich III.] ... di purger gemeinlich ze Regenspurch in unser hulde und gnade in unsern schirm und fride gnomen ... haben
    1321 MGConst. V 491
  • wir [romischer kaiser] ... verjehen offenlichen ... daz unser burger ze M. gefriet sint von uns, ... und haben in ze schirme und ze pflege ... geben den vesten manne E.v. Hirshorn
    1345 MosbachStR. 550
  • als ... der rat und die burger der statt ze Berne ... mich ... R.v.A. hant genommen in ir stat frist, schirm und burgrecht über die herrschaft S.
    1385 AbhSchweizR. 28 S. 35
  • das wijr ... van romischer kunglicher macht ... igliche burgere vnd inwonre der stat zu L. ... in vnsere vnd des heilgen romisschen richs achte getan ... vnd vsz vnserem vnd desselben richs friede vnd scherme genomen vnd in den vnfrieden gesetzet haben
    1410 LübUB. V 337
  • wenn aber semliche vneliche kint zů iren tagen koment, denn moͤgent si an die herschaft vmb schirme weͣrben vnd an sich neͣmen ein burgrecht nach ir notdurft
    1437 BernStR. I 36
  • diewil die ... junckfrow G. in der statt B. pflicht und schirm geseßen
    1479 AbhBern 2 (1851) 329
  • das alle schurmsverwande künfftighin ... in dennen abgaben mögen gemindert und gleichgestellt werden, wie auch äußerste rechnung gut geheißen, in einkauffung des schurms als einkauffung des burgerrechts
    1789 ElsMschr. 3 (1912) 542
I 6
Juden gewährter Schutz
  • nam der gross rat ... die ... J., die júden, und ir sún S. und J. in iren schirme, also, daz si der rat schirmen sol als ander burger und júden
    1377 KonstanzRbfRotB. 5
  • sein sie [juden] in unsers herrn kaysers schutz und schirm, dan sie ir schirmgelt, wie man itzund uff sie gesetzt hat, das haben sie geben
    1521 HeilbronnUB. III 598
  • das wir [Landgraf Philipp] Daviden judden zu unserm undertan und mitsampt seinen gebroten dienern, iren leibern, haben und gutern in unsern furstlichen verspruch, schutz, schirm und geleit zehen jar lang die nehsten auf- und angenomen haben
    1530 MarburgRQ. II 560
  • wir gebietten ... allen vnd jeden vnnsern nachgesezten obrigkheiten, ... das ir offternannten W. juden, sambt den seinigen ... bey disem vnserm gegebnen schuz vnd schirmb, auch anderer mitgetheilt genad vnd bewilligung vestiglich handthaben [sollt]
    1584 Tänzer,GJudVorarlb. 13
  • alle ... in unßeren [Fürstbischof] schutz und schirm genohmene juden
    1661 ZWestf. 94, 2 (1938) 200
I 7 Amtspersonen, auch deren Angehörigen, gewährter spezieller Schutz
  • wollen wir [Ks. Maximilian] ... unserm schatzmaister ... zu volzug ... diser contract gegen meniklich gnedigen ruecken und schirm halten und beweisen
    1514 Fellner-Kretschmayr II 73
  • so wöllen die keyserliche maiestat ... jede des keyserlichen cammergerichts personen in irer ... maiestat und des heyligen reichs verspruch, schutz und schirm hiemit aufgenommen ... haben
    1555 RKGO.(Laufs) I 49 § 4
I 8 Geleitschutz für Reisende, insb. für Marktbesucher und Kaufleute
  • diu stat Oringowe stet also. wer drin var, daz der haben sol schirm an libe vnd an gute von dem voite vnd von den schultheizen
    1253 ZWirtFrk. 1, 3 (1849) 36
  • das ir ... in únserem schirm und geleit varen súnt, so verre wir des gewaltig sin
    um 1302 FürstenbUB. II 5
  • wir nemen auch deroselben khost des ... gotthauses ... in vnsern besundern schirm vnd gelaitt, swann zeit man deu fuͤrt durch vnser lant
    1333 OÖUB. VI 95
  • wer ine [wochenmarckt] suchet mit siner kauffmanschafft, dem geben wir unser und des riches friede, schirme und geleit dar und dannen
    1341 Steinbach 988
  • daz er sy [herren pfründ] frúntlich und tugenlich halt wie ander pfründen, die sich unnsers zusagens, schirms und verschribung in der gestalt ouch vertruwent
    1482 FreiburgHlGeistUrk. II 338
  • leutt, so solichen jarmarckt ... besuchen, [haben] ... alle ... gnad, freyheit, recht, freyung, frid, gelait, schirm 
    1482 MittSalzbLk. 5 (1865) 205
  • auch geburt sich ofte, das sich ander leute, kaufleute auß andirn furstenthumen und herschaft undir uns und yn unßir stat keyn Breßlaw czihen durch schucz und schirmes willen, und meynen do fredes und unßer stat breßlaw freyheyt zu gnyssen
    um 1490 RechterWeg II 823
  • ewer gnad ... woͤlle ... ewer almůsen in speyse, tranck, herberg ... auch mit schutz vn[d] schirm zů der fart milttigklich mitteilen
    Hugen 1528 Bl. 40v
  • khein fried, schirm, trostung noch geleidt der herren
    1574 Frey,Pract. 56
I 9 als Asyl
  • welher der ist ... der von schirms wegen in die friung hie ze Ysni wicht, wie der darnach durch můtwillen oder anderer sach wegen heruss giengi ... derselb ist ze stund der stat vellig worden XX pfund haller
    1413 IsnyStR. 178
II Sicherheit, Garantie, Gewähr; bei Kauf bzw. dinglichen Klagen: (Zusage für) Schutz und Verteidigung des Erwerbers durch den Verkäufer und ggf. Schadensausgleich, wenn das erhaltene Gut von einem berechtigten Dritten beansprucht wird; Schirm des Rechts durch das Recht gegebene Garantie, dass die Ansprüche des Einzelnen geschützt sind (Beleg 1509)
  • fur allen den chrieg auf den selben weingarten haben gesaczt mit perchmaisters hand zu rechtem scherme und ze rechter ebentiur unser peunt datz S. und unser lehen datz P.
    1287 SPöltenUB. I 166
  • nos in tutelam et defensionem quod vulgariter gewer et scherm dicitur iuxta terre consuetudinem in bonis prehabitis predicto monasterio obligamus
    1289 FRAustr. VIII 341
  • daz F. ... vnt sein hovsfrowe iêr zvain gotshovssern ... nach aigens reht sherm vnt gvishait taten vber den chovf
    1290 AltenburgNÖUrk. 52
  • hon ich im ze scherm gesatzzet einen acker
    1292 NÖsterr./CorpAltdtOrUrk. II 687
  • obligans me ad tutelam et defensionem prestandam, quod vulgariter gwer et scherm dicitur
    1293 GöttweigUB. I 205
  • daz ich ... gelobe ... dem closter ze Z. rechten scherm nach des landes sitte vber drittehalb pfunt gulte ze P.
    1295 Dürnstein/CorpAltdtOrUrk. III 327
  • das das [Kaufvertrag] stet beleib und unzebrochen, secz ich im ... ze scherm den hoff ze C.
    1297 SPöltenUB. I 188
  • chaufet ein man ein haus oder ein weingarten, oder swelcherlai erib das ist, daz einer chaufet, er sol im scherm haizzen setzen, ee das er die werung aus der hant geb, und sol derselb scherm innerlandes sein, und lediges guet
    um 1300 WienStRb. Art. 81
  • wer vor gericht zu rechten taͤgen seine recht erlangt auf ein erb mit wissen ander gelter untz daz im der scherm daruber erfunden und ertailt ist worden
    1376 PettauStR. Art. 70
  • hindert einer einen, also das er in nit fridlich lasset sitzen, ... darumb ist gemacht dise clage, durch die du deinen besitz beheltest ... nach dem iare magst du nit clagen vff den werdt, sunder allein vff den schirm des besitze vnd vff ewige verbietung der betrübung
    1436 (ed. 1516) Klagsp.(Brant) 21r
  • wolle der ... E. weisen, des zu recht gnug ist, das die egemelten von Dannczk, die burger und einwoner daselbs, so sich sein und seiner bruder vetterlichs erbs und guts untterzogen sollen habn, handthabung und schirm beweist, das sie im auch zusagung getan habn, sein bruder und ine einzuseczen
    1473 ProtBKammerger.(1465/80) 257
  • vnd was vnbillich verlorn, angefochten oder nider gefallen waͤr, durch schirm, gegenwer vnd kunst des rechten widerumb auffrichten vnd eroberen
    Layensp. 1509 A 6v
  • wo kein schermb verschriben ist, kan man dem landsbrauch nach keinen begehren
    1650 Suttinger,Obs. 56
  • welcher vmb das aigenthumb ligendter güetter rechten, oder auch alter auf dem guett hafftender schulden vnd gerechtigkheiten halber beclagt würdt, vnd hat derentwegen einen verschribenen scherm, verthrett: vnd schadtloß haltung, so soll er also baldt seinen schermer dem gericht nambhafft machen
    1654 NÖLO. I 16 § 1
  • seynd die staͤndte ... befugt ... solche guͤter ... zu verkauffen, und sich, wie lands-braͤuchig, scherm zu verschreiben
    1671 Lünig,CJFeud. II 435
  • wann ein kauffer von einem andern ein gut kaufft, und wird hernach a tertio quodam ... um dasselbe gut gerichtlich angesprochen, so kan er scherm weigern, und sich auf seinen venditorem beruffen, der muß vor ihn in den scherm ... eintretten und evictionem ... præstiren
    1688 Beckmann,Idea 140
  • der scherm, vocatur latine evictio, die schadloß-haltung eines erkaufften oder ererbten gutes
    1688 Beckmann,Idea 431
  • die revision [ist] zum schutz und schirm der gerechtigkeit und darthuung der unschuld eingefuͤhret
    1717 CAustr. III 903
III
von einem Schirmer (III) gewährter Schutz zur Absicherung einer nach ersessener Anleite erfolgenden Nutzgewere
  • wellicher dann syn nützlich gewer besitzet drü landgricht unversprochen, und das vor gericht kündlich macht, den sol man darnach setzen inn schirm; wellicher dann synen schirm besitzet drü landgricht unversprochen, und das vor gericht kündlich macht, dem sol man darnach die guott, daruff er geanleittet ist, inn antwurten, als rächt ist
    15. Jh. ZSchweizR. 1 (1852) RQ. I 45
  • hat jemandt in seinen recht gethan / zu der aufweisung sein relation, / mit ordnung soll er dieselb formiren, / ein gerichts zeugbrief des 1 schermss zu inserirn, / auf das ein jedliche partheÿ / im procediren dessto gwisser seÿ
    1617 ArchKärnten 22 (1927) 20
IV elterlicher Schutz, Vormundschaft; auch personifiziert
  • mit ... gvnst meiner svne ... vnd ouch ander meiner erben, dev noch zv ier iarn niht chomen sint, ... fvr dev wier baidev, ich ... vnd ouch mein baide svn ... rechter scherm werden, vntze si zv ier iarn chomen
    1294 HeiligenkreuzUB. I 272
  • [Übschr.:] wie lang eliche kint in irs vatters schirm soͤllent sin
    1437 BernStR. I 36
  • muͤssen dieselbige [unmuͤndigen] durch ihre vormuͤnder, pfleger oder mombar, unter deren tutel und schirm sie sein sollen, vertreten werden
    1739 Bewer,Rechtsfälle V 32
V vom Papst gewährter Schutz, der Freiheit von weltlicher Herrschaft verschafft
Sachhinweis: LexMA. VII 1467
  • sô ein iegelich geistlich leben mit prîvilêgien unde vrîheite des stûles von Rôme sî ûzgenomen von werltlichem gerihte, sô ist ouch daz billich, daz dirre heilige orden ... des Thûschen hûses von Jherusalem des entsebe, daz er in sunderlichen des bâbestlichen stûles schirm sî entphangen
    1264 DOrdStat. 30
VI für den Schirm (I) geleistete Abgabe
  • das gotteshaus Blaubeuren gibt ... 10 malter vogthaber und 5 ohm wein zu schirm 
    1522 AltwürtLagerb. II 19
  • Geißlingen, ein schutz und schirmdorff giebt jährlich 16 malter schirmbs uff den casten Uffenheim
    1608 JbMittelfrk. 45 (1896) 79
VII Schutzbrief
  • edierung und fürweisung dergleichen ... schermen und documenten der angemassten exemption
    1626 AktGegenref.2 II 764
VIII in der Doppelformel Schatten und Schirm: Unterkunft, Behausung
  • söllen die sün der muter ir läben lang vnd alle wyl sy anderer ehe halben vnuerenderet blybt, nach der fründen erkandtnuß, schatten vnd schermen geben
    1605 ArgauLsch. I 54
  • [da seit einiger Zeit viele Untertanen] uß fryem gůtem willen alhar khommen und handtliche hilf an dem werck der be[fe]stigung geleistet, so hat sich ouch zimen und gepüren wöllen, dz man denselben die nachtherbrig, schatten und schärmen geben söllen
    1622 BernStR. XI 235
  • der landjäger soll mit schatten, schermen, feur und licht, so ihme ein baur gibt, zufriden sein
    1753 SchweizId. VIII 1280
IX von Flurteilen, Wald- und Tierbeständen: Pflege, Schonung; meton. auch: dem Schutz dienende Einfriedung (Beleg 1608)
  • der äschenleich soll den ganzen merzen us wären und der alenden den ganzen meyen; die nasen aber haben dheinen schirm 
    1510 SchweizId. VIII 1289
  • [ordenung der heingereder:] sollen sye ... alle geheg undt greben jeder zeit gesehen undt inn vleissigem schutz und schirme haltenn
    vor 1527 RheingauLändlRQ. 35
  • das wir [stathalter und rhat zů Bern] geursachet worden, denselbigen [hochwald] in schirm und ban zeleggen
    1535 KonolfingenLGR. 173
  • es soll ouch bemelter nüwer efad ... nach efads recht gemachet sin und fürhin in der gmeind schirm und straff gehalten werden
    1544 ZürichOffn. I 124
  • [das] die efaden und andere ... zünungen in eren gehalten und alles derglychen in gůtem schirm und vor unordenlichem abgang und verwüstung bewaret werde
    1584 ZürichOffn. I 102
  • anbelangend den hag oberthalb der jüngst yngschlagnen matten ... söllend sy dermaßen ... in frid vnd schirm legen, vff das, wanns vych in die brach gschlagen wirt, wärschaft erfunden werd vnd khein schad beschäch
    1608 ArgauLsch. I 461
  • solche [gebanete wäld] nun in schirm vnd huot zuohalten sind gestimbt vnd gesetzt worden zwen ban- old waldvögt
    1645 EngelbergThalr. 113
X gerichtliche Unterstützung; Rechtsmittel, hier insb. in Vertragsklauseln zum Rechtsmittelverzicht; auch: gerichtliche Zuständigkeit (Beleg 1419)
  • [dass] die priuileigin von dem stvͦl, von dem rich noch von der Richin Oͮwe keinen schirm gebin sv&komma;nt wedir an geistlichim gerihte noch an weltlichim
    1293 Mergentheim/CorpAltdtOrUrk. III 135
  • har vber verzihen wir vns alles dez schirmes beide geistliches vnde wertliches gerihtes vnde gewonheite, da mitte wir vns behelfen moͤhten wider disen brief
    1297 Straßburg/CorpAltdtOrUrk. IV 93
  • ich verzihe mich oͮch alles schirmes, gaischeliches vnd welteliches gerihtes, gemaines vnd svnders, aller gewonhait vnd aller geseͥzede der lande
    1316 FürstenbUB. II 55
  • ist dann, das die sache nit ... geistlich ist und auch keyn persone angeet, die sonderlich von recht in geistlichen schirme gehöret als witwen, weysen ..., so sollen die geistlichen richtere den burger von der sachen an werntlich gericht wysen
    1419 Riedner,SpeierGeistlG. 64
  • ich ... H.v.H. ritter verzyhen auch fur mich unnd ... meyne erben, unns alles schirms trostung, ... unnd aller privilegien, ... di unns samptliche oder sonderliche nit zu hilff, oder zustatt in disen sachen [Vertrag über Gülte] kommen sollen
    1509 Kratsch,Justiz Anh. 7
XI
Scheinübereignung einer Mobilie oder Immobilie zur Verhinderung des Zugriffs durch den Anspruchsberechtigten (zB. Erbe, Gläubiger)
  • swa dekein burger ald der in disem gerihte gesessen ist sin guot ... einem andern burger ... durch schirn ald durch fristunge git
    1291 SchaffhRbf. 52
  • swer dem andern sin gůt uf git oder fuͤget oder us treit uf schirn, das er den luͥten da mitte ir gelt und ir gůt enpfloͤhen welle, en mag da der, der das gůt uf genomen oder us getragen hat, nicht ze den heiligen swerren, das er es uf keinen schirn genomen ... habe, so sol er den gelten
    1313 ZürichStB. I 81
  • were, daz jeman ... sin gůt us der hant und enweg gebe uf schirm oder es verkouft uf fluchtzal
    1374 SchlettstStR. 293
  • das niemant sin gůt durch schirm noch durch fluchtsami uffgeben sol, der gelten sol oder bu̍rg ist, e das er vergiltet sin redlich gu̍lt, ald darumb er bu̍rg ist
    1399 FeldkirchStR. 163
  • so ein habe verkaufft ist worden umb schirmes willen ... ist dir die selb habe verpflicht und obligiert
    1436 (ed. 1516) Klagsp.(Brant) 45r
  • ob der man, dewil er in leben gewesen, geseit hett, was vnd wie vil er sim eewib zu morgengab gelopt old verheißen hab, das sol nit kraft haben noch bewist sin, damit nieman betrogen werd, vnd sömlichs nit vff ein vffsatz old schirm beschech
    Ende 15. Jh. LuzernStR. Art. 2
  • ob iemands wárr, der oder die sich des andern guts vnderzúgen in schirm weiß zu schaden oder nachthail dem andern, als das ainer ain gut versprech fúr das sein, vnd doch nit anders dan ain schirm were, ... vnd sich das erfind, sol auch gebessert werden mit dem klainen freuel
    1503 EngenStR. 367
XII Schutz und Bewahrung eines Rechtsanspruchs, zB. eines Erben oder Gläubigers
  • wär aber ain erb aussers lants, so soll im der ambtman den scherm tragen und soll im warten 30 jar und ain tag
    1489 NÖsterr./ÖW. IX 38
  • ob recht furkämen, das ainem sein eer verletzt worden, es wär man oder fraw ..., die doch bei iren jarn und vernunft wären, unpunden und ungefangen mit dem ainen fueß in die schrann käm, soll der richter ime scherm tragen untz dieselb person mit dem andern fueß hinnach kombt, dasselb recht auch weder heben noch schieben untz so lang wie vor verstanden
    17. Jh. Salzburg/ÖW. I 66
XIII Begründung, Rechtsgrundlage
  • wan solchen vnhaußlichen leüthen jemandt ... etwas geben, fürstrekhen, lehnen oder verthrauen wurde, vnder was schirm oldt vorwandt solches sein möchte, solle selbigem vmb sein schuldt kein recht gehalten [werden]
    1685 SchwyzLB. 186
XIV ein Grubenmaß; Breitenausdehnung eines Grubenfeldes
  • wer ain neu fund vindt, der plos am tag läg, dem sol man dreu veldpau verleihen und zwai nachgeund pau und ain scherm 
    1486 Puntschart,QGGörzTirolBergR. 499
  • was daselbs vmb perkhwerch sein sol der saiger funfftzehen khlaffter geben werden dartzue den scherm vnnd abschneident eysen
    1517 MaxBO. Art. 17
  • den [grueben oder bew] soll ihr maß am tag, in fierst und sol, desgleichs in den scherm, naͤmlich ainer fundtgrueben zweintzig chlaffter, und ainer yeden andern grueben funffzehen claffter, zwischen fyrst und sol in den saiger, und fuͤnff schnier oder lehen in den schermm gegeben werden
    1532 SalzbBergO.(Lori) 207
  • jedwede gruebe ... soll von dem andern vier schnier und zween schnier in scherm haben
    1532 ArchKärnten 41/42 (1953) 171
  • was aber hinfuͤran ... bey ... unsern bergwercken von neuen gefunden ... wird, es sey auff stehenden oder flachen kluͤfften, den sol ihr maaß am tag im fuͤrst, poll und scherm, nemlich einer fund-gruben 17. klaffter und einer jeden andern gruben 15. klaffter zwischen fuͤrst und sol ein seiger und acht schiener oder lehen in dem scherm gegeben werden
    1553 FerdBO. Art. 26
  • auf einem jeden ... berg-werk solle einer fund-gruben 50 klafter stehenden saiger und 50 klafter scherm ... zugestanden ... werden
    1731 VorderöstBO. Art. 11
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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