Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Stimme

Stimme

, f., mnd. auch m.
I menschliche Lautäußerung
  • 1 beim Sprechen, insb. in Bezug auf Stimmlage, Tonfall und Lautstärke; meton.: Sprechweise; mit klagender Stimme rufen das Gerüfte erheben, mit Zetergeschrei (auf etw., jn.) aufmerksam machen
  • 2 als unartikuliertes Schreien (von Säuglingen); das Schreien des Neugeborenen gilt nach sächs. Recht als notwendiges Anzeichen für eine Lebendgeburt, ist nach justinianischem Recht hingegen nicht erforderlich (C. 6,29,3)
  • 3 als Singstimme
  • 4 mit lebender/lebendiger Stimme mündlich, auch: bei Leben; lebende/lebendige iU. zu tote Stimme mündliches iU. zu schriftliches Zeugnis
II Sprache (II) (einer Sprachgemeinschaft)
III Wahlstimme, Votum
  • 1 in Bezug auf Stimmabgabe, Gewicht und Zahl der Stimmen sowie Art des Stimmrechts, etwa als individuell abzugebende Einzelstimme (Virilstimme) oder Kollektivstimme (Kuriatstimme), auch als ausschlaggebende Stimme im Falle einer Stimmengleichheit (I) (Dezisionsstimme) und in Abgrenzung zur (bei der Abstimmung nicht zählenden) beratenden Stimme (votum consultativum)
  • 2 in Bezug auf das Abstimmungsverfahren, insb. die Reihenfolge der Stimmabgabe; erste Stimme Recht auf die Stimmabgabe als Erster
  • 3 in Bezug auf das Abstimmungsergebnis; mehrere/meiste Stimme(n) (uä.) wie Stimmenmehrheit; aus einer/mit gemeiner Stimme einstimmig, einhellig; halbe Stimme Hälfte aller Stimmen; jmd., auf den die Stimme gefallen Gewählter; mit der Stimme getroffen sein gewählt sein
IV Abstimmung; Stimmabgabe
V wie Stimmrecht; formelhaft ua. mit Session (I), Sitz (IV), Stelle (III) für die stimmberechtigte Mitgliedschaft in einem Gremium; Stimme führen Stimmrecht ausüben
VI Aussage, Rede, Wortäußerung
VII Leumund (I u. II), allgemeine Kenntnis
VIII Macht, Einfluss
IX Befugnis, Entscheidungsbefugnis; Stimme in dem Recht Prozessführungsbefugnis
X Ansicht, Meinung, Auffassung
XI Stimmlage; Stimme in einem Tonsatz; auch: Schlagton (einer Glocke)
XII Lautäußerung (eines Tiers)