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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Abschied

Abschied

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(abscheid, abescheit, abberscheed, afscheit, avescheit) 

I Vermögensteilung
  • daz er ein abescheit und deillunge mit sinen kinden duwe
    1454 Loersch,Ingelh. nr. 314 S. 372
-- Aufteilung eines Gesellschaftsvermögens
  • von entrichtung der gesellschafter auff abschied der gesellschaft nach abred derselben. nach dieser Überschrift im Text: so sich endet die gesellschaft, so sollen die gesellschafter außgericht werden nach abred u. beding derselben gesellschaft. ist nichts ausgemacht, soll ein yeder nach marckzal oder anzal nemen u. empfahen parschaft, pfenwert u. schuld. stirbt ein Gesellschafter und wollen die überlebenden und die Erben des verstorbenen die Gesellschaft nicht fortsetzen, soll es mit dem abschyedt des abgegangen erben desgleichen gehalten werden
    NürnbRef.(1479/84) XXX 8
-- der bei dem Abschied gewährte Vermögensteil, Abfindung
  • hirmede schal desulve unse gemal, de tidt dat wy liven und leven, einen gentzlichen avescheit hebben örer entheltnisse
    1491 Urk. H. Wilhelms v. Braunschweig/Erath, Tractat v.d. Erbtheilungen 90
  • [von den beiden Brüdern, Landgraf Heinrich und Ludwig von Hessen] welchen das frawigen [Elisabeth v. Meißen] kore, der solte herr und regierer im lande sein, und der ander solte sich lassen benügen mit einem abschied 
    1520 Joh. Nohe v. Hersfeld, HessChronik/Senckenb.,Sel. V 432
  • dass die wittwen und wittwer, so sich in den bauerhof gefreyet, wann kinder vorhanden, nur den so genannten abschied oder alten theil bekommen
    1742 CCHolsat. I 156
  • 1905 RGZiv. 60 S. 49f.
  • SchleswHWB. I 11
  • SchleswHWB. I 81
-- bei dem Wechsel in Besitzverhältnissen (abscheiden I 5) dafür erhobene Abgaben mit Abschied bezeichnet
  • ist aber das ein kauf geschicht auf widerlosung etlicher jar, so sol man mit aufschid und abschid geben und nemen verziehen, pis das disselbiges jar verschinen
    16. Jh. Tegernsee/ÖW. V 15, nr. 2 I
II das Scheiden der Personen voneinander ist von Formen begleitet; der Abschied wird gegeben und genommen
-- es wird etwas zum Abschiede, um die Erinnerung an den Abscheidenden zu erhalten, gegeben
  • das er [Gf. Heinrich von Fürstenberg] uns testamentiert vermacht und zu rechtem eigen zu einem valete letz und abscheidt nach disem zit geben und zugeordnet hat stellgelt messgelt ...
    1485 FürstenbUB. IV nr. 49 S. 39
III
Entlassung aus einem Dienstverhältnis und urkundliches Zeugnis über geleistete Dienste

III 1 Gesinde
  • wann bißweilen die herrschaften auch denjenigen dienern, die sich nit der gebůr nach verhalten, dannoch guete abschid geben ... aber hierdurch andere herrschafften verführt werden, also sol fürterhin ein yeder seinem diener keinen andern abschid geben als allein der warheit u. seinem verhalten allerdings gemeß, auch solchen abschid nicht allein mit seinem insigel oder petschafft fertigen, sonder zu verhütung alles betrugs sich noch darzu mit aignen handen underschreiben
    BairLR. 1616 S. 657 (IV 10, 2)
  • schriftlichen abschied 
    1810 PreußGesindeO. 171
III 2 im Hörigkeitsverhältnis
  • wer sich hie nider will richten ..., der soll kuntschaft bringen von seiner herrschaft, da er vor gewesen ist, das er ein redlichen abschid than hab
    16. Jh. ÖW. IX 639
  • welcher man oder knab weibet und sein ungenossame nimbt, der bessert unseren gn. heren 5 gulden Baßler wehrung für ihren insitz u. soll gleich alsobald seiner frawen abscheid u. ledigzahlung der leibeigenschaft aussbringen
    1611/1654 Farnsburg/BaselRQ. II nr. 635 Art. 88 S. 138
  • wegen der erb-unterthänigkeit ... sollen die fräwliche personen gute acht haben ... dasz sie sich mit keinem zur ehe vermählen, der seines abschiedes keinen schein hätte
    PreußLR. 1685 II 4
  • da der abtzug bey herrn und unterthan richtig, so ist der herr schuldig, dem unterthan ... ein schriftlichen und landtsgebreuchigen abschiedt zu geben
    oJ. NÖLTfl. I 2 B. 8 Tit. § 4
  • PreußLR. 1685 IX 2 S. 369
III 3 im Handwerk
  • welcher ... die zunft zum ross zu kaufen begert, der soll zuvorderst seine mannrecht u. abscheyd ... anzeigen
    15. Jh. FreiburgZftO. S. 7
  • es soll auch ein ider gesell von seinen meister einen ehrlichen und redlichen abscheit nhemen
    1578 Riga/Stieda-Mettig 477
III 4 im Soldatenstande
  • zum dritten sollen die soldaten schweeren, dass sie ... auch nicht wollen ihren abschied nehmen ohne geheiß und befehl des namhaften fürsten
    1508 K. Maxim I. Articuls-Brieff/Lünig,CJMilit. 3
  • der junge hertzbruder aber entledigte sich mit 30 reichsthalern, davor ihm sein capitain einen ehrlichen abschied gab
    1669 Grimmelshausen,Simplic. I 201, 1
  • 1672 Lünig,CJMilit. 123
  • es ist beliebet worden, das dimissionsgeld, welches diejenige reuter dragoner und mousquetiers, so sich im lande häuslich besetzen, mithin ihrer krieges-dienste erlassen seyn wollen, für ihren abschied zu erlegen, wieder auf den vorigen fuß zu krieges-zeiten zu setzen, derogestalt daß ein reuter u. dragoner 10 thaler, ein mousquetier aber 20 thaler für seinen abschied zu erlegen ...
    1728 HannovRegierungsausschreiben/BrschwLO. III 3 S. 175
  • wer von dem regiment, darunter er gehöret, ohne abschied heimlich davon läufft, dessen name soll krieges-gebrauch nach öffentlich an die justitz geschlagen ... werden
    1736 HannovKriegsart. Art. 123/BrschwLO. III 3 S. 32
  • ein verächter gottes u. seines heiligen wortes soll bey dem regimente nicht geduldet, sondern ohne abschied davon gejaget werden
    oJ. BrschwLO. III 3 S. 2
-- Abschied bildet den Gegensatz zum Willkomm. In den Zuchthäusern wurde damit die Prügelstrafe bezeichnet, die den Sträflingen bei Einlieferung und Entlassung zuteil wurde
  • 1794 Lenel,BadRVerw. 196
  • mit ... zuchthausarbeit nebst willkommen und abschied bestraft werden
    oJ. HannovGesetzsamlg. 1825 Abth. 3 S. 84
  • Wächter, Zuchthäuser 90ff.
III 5 Entlassung aus dem Dienste des Staats, der Gemeinde, der Kirche
  • ein jeder radtsfreund, weil er in leben, sofer er alters oder anders eerlichs abscheids auß dem radt komen, ist frei alles dorhuttens, wachens, frönens
    1526 Mosbach/OStR. I 590
  • innerhalb eines jahrs hundert ducaten pro cautione stellen oder sein abscheit zu begehren
    1726 Kierdorf/Koeniger,SendQ. 51
  • die beiden angebogenen abschiedsgesuche der zeitigen bibliothekare Grimm gehen an das oberhofmarschallamt wegen besorgung der ausfertigung der flachen abschiede 
    1829 Verfügung des Kurfürsten Wilhelm II. v. Hessen/Albert Duncker, die Brüder Grimm (1884) S. 68 [nach dem Original der Landesbibliothek zu Cassel]
  • ihme sein abscheit gegeben
    oJ. Koeniger,SendQ. 50
  • ob der landesherr ohne erhebliche ursachen seinen bedienten den abschied zu geben befugt ist?
    oJ. Strube,RBed.2 III 144
III 6 auch ohne das Vorliegen dienstlicher Verhältnisse wird jemandem das friedliche Scheiden aus einer Stadt von der Obrigkeit bescheinigt
  • dem bruder Jacob von Großglogau bezeugt der Nürnberger Rat, daß er mit predigen u. anderm nach laut seiner legacion u. gewalts ettliche zeit bei uns geubet u. seinen abschaide redlich u. erberglich widder von uns genommen hat
    1468 NürnbChr. IV 304 A. 1
-- Zeugnis über das Verhalten des Abscheidenden
  • 1587 WürtLändlRQ. II 296
  • item so iemandt im rhat zum burgermeister, undergang und messer zu ziehen, desgleichen mannrecht und abschied ehrlichen verhaltens zu erkennen, tritt ein schultheiß ab
    1588 Bruchsal/OStR. I 930
  • das ... richter und rath ... in markt Varau mit ihren aigenen habenden markt insigil alle geburtsbrüef abschidt und kundschaften ... färtigen sallen
    1603 Vorau/ÖW. VI 117
  • keinen holden ohne ... fürbringung gueter abschüet oder kuntschaft aufnemben
    1664 Pütten/ÖW. VII nr. 17 S. 85 Note
  • keiner soll eingelaßen werden, er habe dann sein ehrliche kuntschaft und abschiet fürzuweisen
    1667 Speising/ÖW. VII 664
  • Ende 17. Jh. Gars/ÖW. VIII 761
  • van ainen abschüdt oder kuntschaft auf pärgäment 6 ß, auf papier 4 ß
    17. Jh. Weiz/ÖW. VI 199
IV Entscheidung eines Rechtsstreits durch gerichtliches Urteil oder Ausspruch einer Verwaltungsbehörde; auch durch den Schied eines Schiedsrichters
  • kannst du aber uber all dein vleiß, die partheyen nit richten [gütlich vergleichen], so gibe deins guetbedunckhens den partheyen ain abschid; wöllen aber sy von bayden oder ainem thail den abschid nit annemen, so zayg in an, wölhe parthey wölle, die möge solher sachen halber von dir auff N. tag ain bericht gen hof empfahen, und was der ortt weitter geschafft werd, dem wölst du undterthenig volziehung thun
    1531 LaijischeAnzeigung A vv
  • wie wol ich pfleger allerlay mitl den partheyen fürschlůg, so hab ich doch solchs in der güet mit irem willen nit richten mögen, darauff inen disen abschid geben ... solhen abschid nam Früeauf [der Kläger] in der haubtsach zu danckh an ..., aber Flaischman [der Beklagte] beschwert sich solchs meines abschids zum höchsten und pat deßhalben aller handlung schriftlichen bericht an e[wr] f[ürstl.] g[naden] zu geben
    1531 LaijischeAnzeigung A vv
  • auf das groß clagen u. schreien gefiell dem pfaffen zu abschid von einen erwern rath traf der Rat gegen den Pfaffen den Entscheid 
    1541 Regensburg/BayrStChr. 185
  • zur Abschneidung der freventlichen Appellationen bewilligt der Kaiser, es solle niemand von sr. liebde regimenten gütlichen abschieden u. decreten in den sachen ... lauterlich u. unzweifflich befunden, weder an uns ... oder unser kayserl. cammergericht nicht appelliren, ... sondern dieselben urtheilen erkänntnüssen decreten u. gütlichen abschiede gantz kräfftig u. mächtig seyn
    1559 Lünig,RA. I 1 S. 674
  • darup de verordneten weddehern beyden parten dessen affscheidt gegeven
    1567 Lübeck/Wehrmann,Zftr. 169
  • will seine churfürstl. gnaden einen irrevocablen abscheid selbst geben
    1590 Ledebur,Arch. XVI 204
  • wann ein abschid bey den undergerichten ergangen u. die verlustigte partey in gebürender zeit von denselben an den fürstlichen hofrath oder regierungen nit gewaigert [appelliert, eigentlich sich regen] soll auff anruffen der obsigenden partey die vollziehung solches abschids geschehen
    BairLR. 1616 S. 52 (summar. Proceß X 1)
  • wann ein partey abschrifft eines ergangnen abschids oder beschaids begert
    BairLR. 1616 S. 462
  • copia eynes furstlichen gegeben abscheites 
    oJ. BrandenbSchSt. I 5 nr. 8 [eine wie es scheint spätere Überschrift, denn die Urk. selbst (v.1423) nennt sich einen ,entscheidebrief". Für die nicht urteilmäßige Erledigung eines Rechtsstreits durch einen Pfleger oder Richter wird seit Ende des Mittelalters in manchen Gegenden A. im Sinne eines gerichtlichen Vergleichsvorschlages verwendet]
  • zu abschied geben
    oJ. BrandenbSchSt. II 661. 680 [später gewöhnlich zu bescheid [beschiedt] geben (ebd. 684. 687)]
  • dazu:
    oJ. Stölzel,GelRspr. II 657
  • A. Stölzel, Geding und Appellation, Hof, Hofgericht und Raete, Abschied und Urteil (Berlin 1911) 40
  • Stölzel,GelRspr. II 411ff.
  • Stölzel,GelRspr. II 509
  • Stölzel,GelRspr. II 735ff.
  • Rosenthal/ZRG.2 Germ. 31 (1910) 538
V
abschlägige Antwort
  • se beden wol um geleyde / aber des wart neyn affscheyde 
    15. Jh. Schichtspiel/BrschwChr. II 150 V. 1502
-- fruchtlos zu Ende gehen
  • darmidde de termyn u. gerichtsdagh synen affscheit genomen
    1503 BrschwChr. II 528
  • sein also die geschickten mit stumpen abscheide, weile sie ysz weiter nicht brengen mochten, vom rothause ... gegangen
    1515 GörlitzRatsAnn. I/II S. 380
VI Abrede, Vereinbarung
  • makeden dar ein avescheit mit Grotekoppe
    1492 Brandis,Diarium 115, 23
  • so oͤverst jemandt ane vorloͤff unde baven voͤrwoͤrde unde affscheit ein perdt lenger rith, so moth he dat perdt so gut wedder tho ruͤgge averantworden, alse jdt was, do he idt annahm
    1593 JütLow.3 III 54 § 3
-- die letzte Abrede
  • item herr Jobst Haller sol sein abscheidt von unserm herrn dem keiser genomen aufzeichnen
    1475 NürnbChr. IV 429 A. 4
-- Plan, Vorhaben
  • wy kemen tor Vinenborch, alse de klocke to negen was, so unse avescheit was
    oJ. Brandis,Diarium 157, 37
VII am Schlusse einer Beratung wird deren Ergebnis in einer Urkunde zusammengefaßt: dat avescheident (abscheiden II 8) oder die Abscheidung (II) wird zum abschied, einem im Lauf des 15. Jh. üblich werdenden Worte. Außerhalb des Rechtsverkehrs scheint es ungebräuchlich
  • abescheid des tages nativ. Joh. ao 45 von der bebeste wegen
    1445 Janssen,RKorr. II 1 S. 82 nr. 121
  • wullet uns auch abescheid und verhandelunge des vorgeschriben dages ... mit diesem unserm boten schriben
    1450 Neustadt/Janssen,RKorr. II 1 S. 109 nr. 166
  • nachdem im abschid, Martini verlassen, unter andern begriffen ist, daß zwischen haubten u. gliedern frid gehalten werde
    1467 RAbsch. I 219
  • wo wir unsern verlassen abschid hinder uns verendern; ... lassen wir es bleyben, wie wir abgeschieden sind nach laut des receß
    1472 AlbrAchillesMerckB. 20
  • ain abschid ist zu Rewtlingen durch gemain hawptlewt und rath des punds im land zu Schwaben auff dem gehalten tag zu Rewtlingen verfasst in nachvolgender maynung
    1488 UrkSchwäbBund. I S. 16
  • als sich zu vorgehaltenen reichstägen begeben, daß die abschied je zu zeiten dem rechten original nicht gleichförmig gedruckt u. verkauft worden, wollen wir, daß diesen abschied dieses gehaltenen reichstags niemand drucken soll, es werd dann durch Andresen Rücker, mayntzischen und des reichs handlung secretarien, dem drucker das besiegelt original angezeigt
    1526 RA. v. Speyer/RAbsch. II 279 § 30
  • hat man alhie ainen grossen rhat gehapt von des abschedts wegen, den anzunemen oder abzuschlagen; darauf ist das mer weit worden, daß man den abschidt nit soll annemen
    1530 AugsbChr. V 393, 26
  • uber soviel handlung, reichstag / uber viel abschied und zusag / uber unser ehrlich erbieten / mit gwalt und schwert wider uns wüten
    1546 HistVolksl.(Lilienc.) IV S. 316 V. 421ff.
  • Kaiser Karl V. verlangte von Magdeburg den reichs abscheiden nach zuleben
    1550 MagdebChr. II 35, 21
  • es werde dem abschid von Bern nicht nachgelebt
    1879 EidgAbsch. III 1 S. 54
-- das Verkehrsleben, so auch die Hanse, zog internationale Ausdrücke vor; hier war nicht Abschied, sondern Rezeß üblich, zuerst 1354 HanseRez. I 1 S. 151 nr. 192 ob. unter abscheiden. Dann auch ,abscheid u. receß" verbunden
  • nachdem zufolge des von der allgemeinen hansestete abgesandten zu Lubeck beschloszenen abscheides u. reces ein ehrbar rath allhie zu Luneburg dem ampt der laknmacher allhier befohlen
    1598 LünebZftU. 256
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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