1Bürger

ahd. burgâri, mhd. burgære, mnd. borgere, hd. Nebenformen purger, perger, purgel, pari(n)ger [Südtirol], aus dem Deutschen: holl. burger, mengl. burgher, dän. borger, schwed. borgare, magyar. polgár, rumän. pirgar, kroat. burgar, purgar, lett. birgeris, birgelis
Die Bedeutungsentwicklung ist beeinflußt vom lat. burgensis und frz. bourgeois
Sachhinweis: Franz Beyerle/ZRG.² Germ. 50 (1930) 38
I
I 1 Bewohner einer Burg, Burgmann
I 2 Genosse des "Burgrechts"
II Stadtbewohner
II 1
II 1 – insbesondere Gegensatz zu Gast, Einwohner
II 2 Gegensatz zu Burgmann II
II 3
  • swelich dhenistman enen borgere sculdich is
    1227 BrschwStR. § 17
  • oft eenigen vremden quamp te Tricht woonen en wilde daer borger worden
    1283 CoutMaestricht 12 Faksimile
  • das ettelich herre anegriffe sin man, der von ime gevaren were unde burger were worden in ettelicher des riches stat
    1297 MGConst. III 545 Faksimile
  • swer ein burger welle sin und burger reht welle han, daz der sumer und winter baeulich und haeblich in der stat sei, da er burger ist
    1298 MGConst. IV 28 Faksimile
  • wer er ain burger ze Brülingen und ist ze Villingen sessehaft
    1303 FürstenbUB. II 13 Faksimile
  • daz chainer, der da gesessen ist in einem marckt, wie wol er mit worten ist burger worden in der stat
    vor 1307? Tomaschek,Trient Art. 86
  • ein ietlicher der zu S. kumet unt da sitzet in burgers wis
    1310 GrW. I 763 Faksimile
  • den burgern armen unde richen
    1315 ErfurtUB. I 412
  • ainen ze burger nemen
    1324 FürstenbUB. II 89 Faksimile
  • daz die purger von Vilingen ir gepauren ze purgern nicht nemen sullen
    1336 FürstenbUB. II 134 Faksimile
  • enes borgheres bute is drittich schilinghe lutteker penninghe, sin wereghelt is achteyn punt pundigher penninghe
    1. Hälfte 14. Jh. GoslarStat. 85 Faksimile
  • welcher burger hat eygene dorffer und gerychte
    1351 NMittThürSächs. 7, 2 (1844) S. 116 Faksimile
  • burger von F. edel oder unedel, die lehens genossen sint
    1363 FreiburgÜRec. III 170
  • wenne ein edelman oder ein appet oder ein jude hie burger wirt
    1383 SchlettstStR. 325 Faksimile
  • zu burger ingenomen
    1416 SchrBodensee 44 (1915) 89
  • ein itczlicher burger, her zey gesessen am ringe ader yn der gassen
    1453 KrakauZftO. 16 Faksimile
  • ock en schal nymant yn twen steden borgher wesen by verlust der hense
    1470 HanseRez.² VI 327
  • welck man ... eschet des ampte broderschop, de sal ... wesen ein borger
    1487 Stieda-Mettig 243 (nr. 6, 3) Faksimile
  • zu burgern uf- und angenommen
    1557 Wiesloch 716 Faksimile
  • so moiss der scharffrichter bürger zu Urtzigh werden, ehe er den missthedigen richte
    1569 GrW. II 368 Faksimile
  • so offt einer zu burger oder gemeinsmann angenommen
    1599 OPfalzLO. 258 Faksimile, Ausgabe VD16-Nr. ZV 16290
  • 1600 WürtLändlRQ. I 794 Faksimile
  • keinen ... so nicht unserer allein seeligmachenden catholischen heiligen religion zugethan, zum burger anzunehmen
    1623 CAustr. I 292 Faksimile
  • unsere leuth und unterthanen, so darin häuser bauen ... zu burgern geschöpft und gemacht
    1642 Grothe,Gottschee 215
  • freiheit ..., darinnen wür innwohner vor burger gesprochen worden
    1660 NÖsterr./ÖW. VIII 117 Faksimile
  • ein bürger im eigentlichen verstande wird derjenige genannt, welcher in einer stadt seinen wohnsitz aufgeschlagen und daselbst das bürgerrecht gewonnen hat
    1794 PreußALR. II 8 § 2
  • svilich man verit zu Mulhusin in dis richis stad unde sich hi nidirleizit, also daz he sich hi denkit zu bigene unde burgeri zu werdini
    oJ. MühlhsnRb. 38, 1
  • ainer der in der stat gesessn ist und purger haist
    oJ. Ruprecht II 69 S. 310
  • isz sal och keyn rechter geborner Polen borger werden czu Marienwerder
    oJ. ZMarienwerder 48 (1910) 30
II 4 mit Attributen
II 4 – ganze b., leere b. mit, bzw. ohne Anteil an Gemeinderechten
II 4 – bedingter b. "in Rat und Gericht nicht wählbarer, sonst den übrigen gleichgestellter Bürger"
II 5 Bürger und Bauer
  • we dar wel sulveshere werden ... de schall tovorn borger und bur werden
    1361 LünebZftU. 21 Faksimile
  • alle de binnen onsen wikbolde to Meppen ende dar borger end buer synd
    1387 Diepenbrock,AmtMeppen 671
  • uf dis geet das gemeine sprich wort: einen burger und einen gebawer zweit nicht me, wen der zaun und di mawir
    1400 Böhlau,NC. 64 Faksimile
  • man sal nymandes zu bur und börger entphangen, he sy denn elich geborn
    15. Jh. Größler,Eisleben 49 Faksimile
  • einen burger und einen gebuer scheit nicht me wen ein czuhin und ein muer
    oJ. LiegnitzGl. zu SächLehnr. 72/Ssp. II 1 S. 359 Faksimile
II 6
  • Hainrich Grämelich, ritter, amann ze Phulndorf, Rudolf Grämelich, burger ze P.
    1294 SalemUB. II 455 Faksimile
  • Sudermann borghere tu Dorthmunde
    1341 ClarenbergUB. 15 Faksimile
  • Marx, der maler, ein burger zu Straßpurgk
    1457 ZGO. 82 (1930) 101
  • Zawnberger, bürger zue Botzen
    1495 ZFerd.³ 50 (1906) 519
II 7 Patrizier
II 8 Ratsmitglieder, Beigeordnete
II 9 Juden
  • der jude, der in unser stat ziehen wil, sol für den rat gan und dunket die, daz er ufzenemen si, so sol man in ze burger enpfahen als ander juden
    1335 ZürichStB. I 87 Faksimile
  • welhe jude gen Nüreinberg fert, den die gemaine der juden für einen burger emphahen, derselbe jude sol alle die recht haben, die die andern juden zu N. haben
    1347 MGConst. VIII 416 Faksimile
II 10 Mehrzahl: Bürgerschaft, Stadtgemeinde
II 11 als Losung
  • wann bey nachtzeit die vor der wache vorbeypassirende ... gut freund oder bürger antworten, soll die schildwache mit dieser antwort zufrieden seyn
    1706 CCPrut. III 83 Faksimile
III übertragen
III 1 Markt- und Dorfbewohner
III 2 Kleinsiedler
III 3 Glied einer kirchlichen Gemeinschaft
III 4 akademischer Bürger
III 6 Weltbürger
  • es wird also nicht mehr euer kind, es wird ein mensch für sich, es wird ein bürger sein
    1767 Sonnenfels,GesSchr. III 450