dringen

I einen Zwang irgendwelcher Art gegen jemanden ausüben
I 1 allgemein: jemanden in eine Zwangslage versetzen; ihn nötigen, daß er etwas duldet oder tut
  • wil der burger ... tůn alles daz der rat ... teilent uf den eit, den burger sullen wir niht vurbaz dringen ...
    1304 SpeyerUB. 176 Faksimile
  • zu keyme halzgerichte nicht twingin nach dringin
    1371 PaulinzelleUB. 249 Faksimile
  • were daz er ... uff koste gedrungen worde, daz wir die koste tragin wollin
    1383 HMeißenUB. II 208 Faksimile
  • ob sie dor zu [zu einem Verkauf] icht gedrungen und bezwungen
    1388 MWirzib. IX 524 Faksimile
  • hebben uns dar to ghedrunghen, dat wy moten us untzeghen van nodes weghen
    1423 OstfriesUB. I 280 Faksimile
  • ob sy [Frau] von yeman dartzů [zum Verkauf von Morgengabsgut] gezwungen oder gedrungen sige
    um 1430 RottweilHGO.(Irtenkauf) XI 11
  • dringen, das abezetun
    1444 MainzKämmW. 155 Faksimile
  • gedrungen und genotigt
    1472 Arndt,BreslKzl. 102
  • haben ... mich also darzo gedrungen, dat ich si mit lantrecht ... angelangt hain
    1479 JülichLTA. I 220 Faksimile
  • woͤrmede se my ... myt en to vedende hebben ghedrunghen
    1488 OstfriesUB. II 272 Faksimile
  • dartho geengedt unde gedronghen
    1495 OstfriesUB. II 445 Faksimile
  • mussen ein schopfen sampt dem hinderstant an der zent haben, doch seien sie nit hoch uf den hinderstand getrungen worden
    15. Jh. WürzbZ. I 1 S. 498 Faksimile
  • wer doch möglich, das ein grausam weyb einen weychen man zu einer notwerh dringen möchte
    1507 BambHGO. Art. 170 Volltext (und Faksimile), Ausgabe von 1507
  • in zu vorkeuffen dringen
    1522 LübbStB. 162
  • die durch den thuren trungen sind worden, das sie sich in die aigenschaft haben müssen ergeben
    1525 Augsburg/ZSchwabNeuburg 6 (1879) 315
  • zu dem bettlbrot gedrungen
    1528 ZeigerLRb. 316 Volltext
  • die gerhabschaft ist ain gemain offen ambt, darzue ain ieder ambtman gedrungen werden mag
    1528 ZeigerLRb. 435 Volltext
  • de ... holtes to vorkopende hedden, ..., de mosten ereme naber umme des gemeinen besten und nottruft willen vorköpen, wen se ok nicht gerne wolden, drungende und werende des bouwes
    vor 1531 RügenLR. Kap. 97 § 6 Textarchiv: RügenLR. Kap. 97
  • auß richters ampt darzu getrungen werden, seinen gewalt fürzubringen
    1536 Gobler,GerProz. 127r Volltext (und Faksimile)
  • mach hem die raet daertoe dringen borger te wordden
    vor 1537 LeeuwardenStR. Art. 5
  • wurden aber die schifleute ... von den knechten sie ... zu fueren mit gewalt gedrungen
    1538 JülichLTA. I 213 Faksimile
  • sol keine grube gefährlicher weiss getrungen noch genöthigt werden, einer andern fürdernüss zulassen
    1553 FerdBO. Art. 50 Faksimile
  • [der Arbeiter soll bei der Lohnzahlung] über seinen willen nicht mit pfenwerten eigennert [verderbt aus geinnert?] noch getrungen werden
    1553 FerdBO. Art. 95 Faksimile
  • daß niemand getrungen werden sol, ain fleisch zu nemen
    1553 BairLO./Schmeller² I 567 Faksimile
  • ob sich zweene buͤrger ... [wegen Rauferei] sich selbst guͤtlich unter einander richten, ... mag sie [der Richter] daruͤber [die ihm zustehende Wehre] zu keiner klage dringen
    Zeitz 1573 S. 276 Faksimile
  • kainen richter uber zwai jar nicht dringen [zur Versehung seines Amts]
    1579 NÖsterr./ÖW. VIII 220 Faksimile
  • de man, de ... was so geengstiget unde gedrungen, syn egen lyff ... tho werende, daruͤmme eme geboͤret, sinen frede tho beholdende
    1593 JütLow.³ II 12 § 1 Faksimile
  • dahin zu waͤltigen und zu tringen, sich mit ihnen ihres ... unbefugten fuͤrhabens zu vertragen
    1599 OPfalzLO. 137 Faksimile, Ausgabe VD16-Nr. ZV 16290
  • gedrungen ... mit des löblichen gerichts zwang
    1609 SiebbWB. II 79
  • die alte formb der rechnungserscheinung ... widerumb vor- und an die handt zue nemmen gethrungen und bedacht
    1640 SchwyzLB. 104 Faksimile
  • mit arresten, repressalien oder executionen nit tringen, bekhümmern oder beschweren
    1655 SchrBodensee 18 (1889) Anh. I 72 Faksimile
  • solle jeder auf sein anhalten, darzue zwar niemand getrungen sein solle, daß burgerrecht ... verliehen werden
    17. Jh. ÖW. VI 294 Faksimile
  • würde der testierer testament zu machen, von iemand unziemlicher weise gedrungen
    SiebbLR. 1721 II 5 § 7
I 2 zu Abgaben und Diensten anhalten
I 3 (in eine Mühle oder Kelter) bannen uä.
  • was fryer wingarten die von E. da haben, daz ouch die fry sin sullen und in kain unser kälter gedrungen sullen werden
    1399 EßlingenUB. II 381
  • wie ir ... sy mit niderlag ... tringet und phrennget
    1482 MittSalzbLk. 5 (1865) 216 Faksimile
  • einne moellen ..., dairinnen is gedrongen ind gezwongen M.
    1516 NrhAnn. 6 (1859) 24
  • die scheffen sullen gemaint werden umb des lantfursten gedrongen moelen [Bannmühlen]
    oJ. NrhAnn. 6 (1859) 23
I 4 jemanden zu einer Geldleistung nötigen, zum Teil erpressen
  • wer vor einig schuld bürgen nimpt, der mag sein bürgen nicht fordern, dringen oder pfenden, er habe dann den hauptschuldner zuerst erfordert und ußgepfand
    1321 SaarbrückenLR. IV 6 § 1
  • si niht dringen oder anvordern wider irn willen ... vmb kein gelt mer, ..., weder mit lihen oder mit geben
    1345 Würzburg/MBoica 46 S. 98
  • ab man in doruber [Abtretung des verschuldeten Hüttenwerks] icht hoher treiben ader dringen muge
    1400 Iglau/LSchrP. 187 Faksimile
  • ghelaefde gave en machmen eenen niet hoeger dringen, dan alsoe hi vermach
    1417 CleveStR./ZRG. 9 (1870) 448 Faksimile
  • vff das dye mannen zwgesagte summen zwgeben von ko. mt. gedrungen wurden
    1509 GörlitzRatsAnn. I/II 9 Faksimile
  • [soll] hierüber [nämlich: eine ziemliche verehrung] kein radtmeister ... nicht beschwehrlichen gedrungen werden
    1663 CAustr. III 185 Faksimile
I 4 – erpressen
I 4 – höheren Lohn erzwingen
I 5 zu einem Eid, Versprechen uä. zwingen
I 5 a allgemein
I 5 b höher dringen zu weiterem Beweis zwingen
  • [vgl.] auf höcher eid zu tun nicht dringen
    1427 LeipzigSchSpr. 137 Faksimile
  • schadens, ab sie den getan hetten, den sie mit iren slechten wortten sprechin, vnde nicht höher czu dringen zcu erwieszene, gancz gar vorgnugit
    1457 MittOsterland 5 (1862) 253 Faksimile
  • so is he by syner unschuld neger to blivende, wen one H.H. hoger dringen moge
    15. Jh. MagdebSchSpr.(Friese) 169 Faksimile
I 6 jemanden zum Erscheinen vor Gericht (als Partei oder Richter) zwingen; gerichtlich vorgehen
  • welcher scheffe ... ein kindbette hat mit siner elichen hußfrauwen, der ist nit zu dringen oder zu pfenden an das gericht
    1422 Miltenberg 319 Faksimile
  • arme luthe czu rechten notrechten dringen
    1425 FreibergStB. 209 Faksimile
  • von nyemants zu recht getrungen werde wider seinen willen, danne vor ein hern des stifts
    1443 ArchUFrk. 22 (1874) 114 Faksimile
  • mit recht gedrungen ... zu buwen
    1452 MiltenbergTrR. 52
  • wer es sache, daß imandt den andern forder, drunge adir lude in die ffeme adir vor ander fremde gerichte
    15. Jh. DanzigWillk.(Simson) 29 Faksimile
  • uff das dorfsrecht getrungen
    1583 HönggMeierg. 101
  • darüber nit getrungen, sondern bei ordentlichen rechten gelassen werden
    FrkLGO. 1618 I 2 § 7
  • auff das ... verpfandtes gut gegen den dritten dessen besitzer tringet
    1713 TrierLR. XIII § 5 Faksimile
  • auf ablösung des gült-briefs rechtlich dringen
    BernGS. 1762 S. 102, 39
  • so ein gemeinsmane den andern zu keinem kaufgericht hat zu dringen
    oJ. Spessart/GrW. VI 26 Faksimile
  • diegeen die uutlendich wonen ... dair die woenachtich sijn dair mit recht toe drijngen ende aen te spreken
    oJ. NijmegenStR. 410 Faksimile
I 7 erbrechtliche Auseinandersetzung verlangen uä.
II bedrängen
II 1 beeinträchtigen, zusetzen, jemanden in seinen Rechten schmälern
  • nicht gestatin, daz in ... wider recht ymand beschedige adir drynge in dheine wiis
    1370 FreibergUB. II 34 Faksimile
  • ein besessener burger ..., der hinter dem rat und der gemein schreibt unsern hern, das etzlich aus dem rate ine gar sere dringen
    14. Jh. LeipzigSchSpr. 345 Faksimile
  • de ... stichte ... dringhen edder enghen an dem O.
    1410 CalenbergUB. IX 185 Faksimile
  • das die ritterschaft ... vil zwang leidet und vast gedrungen wirdet an iren rechten
    1422 BairFreibf. 74 Faksimile
  • das her von euch dorch newe fund faste sulde gedrungen werden vnd bey der alde gewonheit ... nicht worde gehalden
    1441 Danzig(Hirsch) 280 Faksimile
  • wie sie von den unsern von C. widder ire alte gewonheyt und ordenung ... gedrungen werden, nemelich das die von C. in fürnemen, vor den von L. in das feld ... zu zihen
    1454 KamenzUB. 81 Faksimile
  • daz ... die unsern mit frömbden viech nicht gedrungen noch beswert werden
    15. Jh. ÖW. VI 231 Faksimile
  • bei ... diser ... bestettigung genzlich beleiben und di dawider nicht dringen noch beswärn lassen
    1537 ÖW. VI 64 Faksimile
  • darwider [diesen ... gnaden und freyheiten] nit urtheilen, richten, exequiren, dringen, schwären
    1559 Leutkirch/Lünig,RA. XIII 1296 Faksimile
  • were es sach, daß uns iemand darin [Jagdberechtigung] tringe
    1566 ArchUFrk. 23 (1875/76) 381
  • sie wider ihre alte freyheiten ... nit tringen und keineswegs in unbillichen sachen beschwären
    DOrdStat. (1606/1740) 119 Faksimile
II 2 tätlich auf jemanden losgehen, ihm mit Gewalt drohen
III verdrängen, vertreiben
IV zur Beschleunigung drängen
  • weil sichs aber vorzceuth und der her probst ... zcum vorbescheide dringet und eylet
    1524 MittOsterland 6 (1863/66) 94 Faksimile
V durch Vorstellungen etwas zu erreichen suchen
VI in ein Siegel dringen Vollstreckungsurteil ausfertigen?
  • zo dem dritten gebode, en kompt hey [der Beklagte] nyet, so dringt men yn yn eyn siegel
    1400 SiegburgWQ. 74 [dafür früher: asdan sal man yn siegelen 1386 SiegburgWQ. 1] Faksimile
VII adj., unumgänglich, durch Zwangslage berechtigt