Frevel

frabel, vrä(f)fel(in), fraufl, fravail, v(e)rafel, vrebil, frevil, vrevende, frefny, frobil, firpel
I in Althochdeutschen Glossen
II Übermut, Gewalt(tat), böser Wille
II 1
II 2 gewalttätige Beeinflussung
  • ane jengherhande dwank, drowe eder frevel ..., sunder umme myner echten nod willen
    1388 HildeshUB. II 406 Faksimile
III Rechtsverletzung
III 1 allgemein
  • duumviri unde triumviri hiezen die uber fravali dingoton
    um 1000 Notker I 151 Faksimile
  • pro iniuriis quae vocantur fravail
    1210 Bern/GrW. IV 461 Faksimile
  • vorme rate umbe frevel wirt gewettet
    1270 StraßbUB. IV 2 S. 6 Faksimile (PDF)
  • wolle wir iuch wisen, wie man vraevel unde ander ungerihte buzzen soll
    1275/87 Schwsp.(R.) LR. Art. 86 § 1
  • ain frevel ... an dem frid der stat
    1277 Herrgott,MAustr. II 1 S. 256
  • vor den vrebil ... bessern
    1278 CDPruss. I 173
  • swer ... ain freveli tut
    1297 ZürichUB. VII 1 Faksimile
  • in criminibus ... qui vrevende nuncupantur
    1302 ZürichUB. VII 252 Faksimile
  • clagen ... die frevel oder laidigung ... dem pischoff
    vor 1307? Tomaschek,Trient Art. 16
  • vrevel
    1324 AussigUB. 8 Faksimile
  • wilgerkinne verafel ofe geschichte da ... geschege ..., dy wett ofe bruchge solent sy ... richten
    1350 SiegenUB. I 203 Faksimile
  • umb die ... frefny er in den turn geleit wart
    1381 ZürichStB. I 267 Faksimile
  • offene frevele, dotslege verurteilt man an dem gerihte, aber heimeliche mörde, die urteilt man in dem rate
    1445 HagenauStatB. 193 Faksimile
  • haben sie dem probst ... heimgewißen die eigenschaft, als daß uf uns herkommen ist, alle frevel, die an den feuertagen geschehen, gar und ganz, und die an den werktagen geschehen, daß zweittheil daran, und darzu die geclagte freveln, sie geschehen wan und wo sie wöllen, auch ganz
    1448 GrW. V 550 Faksimile
  • wo einer den andern blutrustig macht oder sust mit gewaffenter hant sich zweien: das ist ein freffel
    1459 Miltenberg 335 Faksimile
  • hadt zue richten über alle fräuel und vbergryff vnd soll da haben stockh vnd galg
    1475 Thurgau/GrW. I 264 Faksimile
  • umb ein frevel und gerichtsschrei ist die buß 10 pfund
    Ende 15. Jh. WürzbZ. I 1 S. 500 Faksimile
  • wann der von L. burger ... mit und einander frevel geben [lies begen]
    1512 Lünig,RA. XIII 1292 Faksimile
  • aß sie ... alle frevel mit oder ohne recht zu straffen und büßen macht haben
    1524 Lünig,RA. XIII 304 Faksimile
  • welcher einen rathman ... mit frevel begeben wurde, der sal ... 10 gulden zur strafe vorfallen
    1534 FrankenhausenStR. 482 Faksimile
  • ein iedlicher, der zu frevel gesprochen, also daß er einem freventlich zuclagt, und sein clag weder beweisen noch darthun kan, derselb ist verfallen ... dritthalbe pfund
    1575 WürzbZ. I 1 S. 92 Faksimile
  • greifen auf seine gueter mit fraufl
    16. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 42 Faksimile
  • hat man auf der ganzen Raitwisen ..., sovil frais und fräfl betrifft, die jurisdiction gehabt
    1618 Strnadt,Grenzbeschr. 719
  • ist aller gewalt und frevel ... strafmäßiger als die vergwaltung von haab und gueth
    1753 Chorinsky,Mat. IV 315
  • fräflinen, darum ein vogtmeyer dreystens jm jahr richten mag
    oJ. GrW. I 250 Faksimile
  • Schmeller² I 585 Faksimile
III 1 – sich strafbar machen
  • uffene unrechte gewalt ... daz sie der widersten und weren mogen ane vrevil
    1300 WormsUB. I nr. 508
  • daz sie von allen gelasten karn und wagen, sy farn dorch die stat zue F. oder uber die ... brucken mit penden ane frevel inne ieclichen geriechten darzu halden mogen, daz sie daz ... wegegelt yn geben
    1361 FriedbergUB. I 228 Faksimile
  • wo wir somech wurden unde dy ... korngulde nit enrichten ..., so mogent dy ... herren ... an unse deyl dez gudez ... griffen unde tasten myt gerichte oder ane gerichte unde ane allen frabel
    1386 DChr. IV 1 S. 138 Faksimile
III 2 Art, Größe der Straftat
  • in causis sanguinis, iis quae vulgo dicuntur frevel
    1254 Kollnig,ZentSchriesheim 8
  • wer ... den walt stilt by naht, der hat den grösten frevel begangen
    1353 MWirzib. VI 43 Faksimile
  • gericht umb das blut und alle fräfne groß und klein
    1384 BadenArgStR. 43 Faksimile
  • eynen klaynen vrevel verpust eyn man mit 72 hallern
    14. Jh. IglauOberhof 110 Faksimile
  • wa ainer ainen schlechten fräfel verschult, der erlich und redlich ist ..., das man den darumb nit in den turm legen sol, wenn er das recht vertrösten mag
    1452 FürstenbUB. VI 414 Faksimile
  • wa sich mer fräfflen dann ainer in ainer sturig erheben wurde, da sol man nach dem höchsten frävel richten
    1484 SGallenOffn. II 227 Faksimile
  • ain großer frauel zu B. ist von alter genomen der gestalt, wölcher frevelt von dinstag nach mittag an bis mittwochs wider zu mittem tag
    1528 Reyscher,Stat. 126 Faksimile
  • ein jeder schlechter frevel, der ohne weitern schaden und ohne blutrunst geschicht, als messerzuckt, in die wehr greifen und handanlegung
    1541 ZSchweizR. 9 (1861) RQ. 33 Faksimile
  • die hochen frefel, alß boßhafte verruckhung ... der bahnsteinen
    1697 BaselRQ. I 2 S. 669 Anm. Faksimile
  • beschiecht ... solches [Obstdiebstahl] bei dem tag, so ist es für ain fräfl zu strafen
    17. Jh. ÖW. I 187 Faksimile
  • die ... frevel und geringeren verbrechen
    1756 CMax. IV 16 § 1 Faksimile
  • Friedli,Bärndütsch IV (1914) 241
III 3 Hausfriedensbruch
III 4 trockener Frevel im Gegensatz zu Blutfrevel: Körperverletzung ohne Wunde
IV Strafzahlung
IV 1 allgemein
  • multa ... in fisco solvatur et 60 solidos pro fredo [glossa: frevele]
    um 725 LAlam. I 2, 64
  • sleht der boum ein vih ze tode, er sol ez gelten ... unde sol dem rihter wetten ein vraevel
    1275/87 Schwsp.(R.) LR. Art. 172
  • an nieman ... kein gutt, da er lon angedienet, verbietten, wann allein um freffne
    1300 BremgartenStR. 31 Faksimile
  • der ammann diu vrevel sol erchlagen und sol sie in nemen
    1300 NördlingenStR. 5 Faksimile
  • ist och, daz eines herren lute mit anander fraevenlich gewerbent uf der gemainen straze, diu fraeveli sol gemain sin
    1303 FürstenbUB. V 262
  • bußen und frefinnen
    1356 ZürichStB. I 180 Faksimile
  • geschee ez, ... daz einer ... in dem dorffe nit me enhette, dan den frevel, der in dem dorffe verwirket worde, oder ein wenig gutes darzu
    1372 (Hs.) KlKaiserr. II 118
  • daz dhain richter ... dheinem burger umb dhein fräfel ge, der im gewiz darumb ist
    1377 MünchenStR.(Auer) 293 Faksimile
  • swer ... uf ein pfant bietet, daz uf dem markte get und im daz umbe daz selbe gebot belibet und er die pfennige niht git umbe daz selbe pfant, der ist umb ein frävel komen
    14. Jh. MeranStR. 420 Faksimile
  • der ist unz umb die frevel 30 ℔ pfenning schuldig
    14. Jh. WienerNeustadtStR. Kap. 61 Faksimile (Abschnittsbeginn)
  • er muße es verbußen und han 1 frabel gewyset
    1449 FrankfOHof 381 Faksimile
  • dem probste einen guten frevel geben
    1471 Hertzog,Maursmünster 109
  • was fräflinen und bußen in dem gricht zu R. verfallen
    1489 Schauberg,Z. 2 (1847) 61 Faksimile
  • sal fur eyn abetrag des frabels 2 gulden zu buß geben
    1494 Hansen,QHexen 594
  • ein fließende wunden ... die soll frevel geben nach erkanntnus der oberkeyt
    15. Jh. GrW. III 616 Faksimile
  • des hochsten frevels uberwunden für gericht
    15. Jh. LeutenbergStR. 443 Faksimile
  • waz ... ob 5 ℔ ₰ ist an fräfli, da sol ain clainer rat zil zu geben gewalt haben
    15. Jh. ÜberlingenStR. 106 Faksimile
  • zue bürgerlichen rechten setzet mein gnädiger herr zue A. die große frevel
    1502 WürtLändlRQ. II 8 Faksimile
  • man spricht kain frevel an disem gericht, darumb etwan mer dan aine ungeschicklickait ungestrafft ... bleibt
    1532 WürzbZ. I 1 S. 103 Faksimile
  • wenn dorffrechnung gehoͤrt, frefel getheidingt oder ... die jahrrechnung auffgelegt ... werden
    1599 OPfalzLO. 93 Faksimile, Ausgabe VD16-Nr. ZV 16290
  • der zunftgenoß ... mit einer gmainen frävel gestraft werden soll
    1601 WürtLTA.² II 820
  • ob soͤlich nachts beschaeche, alldann [sol] der fräffel an zit unnd pfenningen zwiffach sin
    oJ. BernStR. I 245
IV 2 von bestimmter Höhe
  • dev vraeuel ist ein pfunt oder fuͤnf schilling nach des landes gewonhait
    um 1275 DspLR. Art. 76 Faksimile (Abschnittsbeginn)
  • den mag man twingen mit der hohesten frefel, alle dage drittehalb phund heller
    1374 GrW. IV 636 Faksimile
  • der ist schuldig der alten puze, daz ist dem rihter ain frevel und iedem scheppfen 12 eschillinge
    14. Jh. NürnbPolO. 8 Faksimile
  • einen slechten frevel verfallen
    1437 Loersch,Ingelh. 35 Faksimile
  • die hohen frevel und bußen ..., die die blutige hand antreffen
    1450 Burckhardt,Hofr. 77 Faksimile
  • ander gemeine sachen ... werden mit einem frebel, sein 20 alde groschen, vorbust
    1516 ErbbLangensalza
  • der klein frevel ist 6 ℔ heller und wird vom gericht auch nicht minder noch mehr gesprochen
    1557 Wiesloch 715 Faksimile
  • die frevel des dorfs ist zweierlei: ein bluetfrevel ... ist 6 ℔ heller, ... aber straigfrevel ... ist 3 ℔ hlr
    1568 Pfalz/GrW. V 571 Faksimile
  • ein großer frevel ist zu R. 10 gulden, ein kleiner frevell ist 3 ℔ hlr.
    1577 WürtLändlRQ. I 701 Faksimile
  • undersagt man im daß einmal und thuets dariber, ist dem dorfrichter acht fräfel und den geschwornen iedem ein fräfl
    16. Jh. NÖsterr./ÖW. VIII 525 Faksimile
  • einen schlichten frevel, d.i. 2 pfund geldes
    1604 SolothurnStR. 208
  • ein mitle frevel ist 3 ℔ 6 ß
    17. Jh. GrW. VI 280 Faksimile
  • den niedern frevel, ... das ist 30 ₰
    1747 CCBrandenbCulmb. II 1 S. 160 Faksimile
  • verpuzzen mit dem hochstin freuil: das ist 11 schilling
    oJ. IglauOberhof 177 Faksimile
  • so is hy op ein vrevel, dat is te weten viertich denaris
    oJ. LimbWijsd. 221 Faksimile
V Strafgerichtsbarkeit; Einkünfte daraus
  • iudicium quos causidicus sub se habet potestas iudicandi non est in furta vel frevelas, sed tantummodo in geltschuldas
    12. Jh. Straßburg/Keutgen,Urk. 94 Faksimile
  • frevela est nostra in villis et campis
    1252 GrW. VI 37 Faksimile
  • der scultheizze richtet umbe scult ..., der vogt tiubde unde vrevel
    1260 BaselDienstR. 17
  • swaz von vrevele unde von dübe alleine an des schultheißen hant gebesseret wird
    1262 StraßbBischReg. II nr. 1698
  • erkauft samt dem rechte ... questiones iudicii cognoscendi et iura, que vulgo dicuntur haftin et vraeflin et getwink
    1275 Wopfner,Almendregal 63 Faksimile
  • die vogte ... rihtent ... wunden, haimsuche, diupstal, vraefel unde allen gewalt
    1276 AugsbStR. Art. 6 Textarchiv: AugsbStR. Art. 6
  • zu der stat ze W. hat die herschaft twing und ban und vrevel
    1306 HabsbUrb. I 520 Faksimile
  • mit tuͥbe, mit frefni, mit twingen, mit bennen
    1341 BremgartenUrk.(Merz) nr. 21
  • ist ... der nahtschach und tübi und dü groz frefli einz vogtz
    1344 GrW. I 310 Faksimile
  • han wir yn verluhen ... bestheubte ynzunemen und frevele ane hoeste buze
    1362 Mainz/MünchenRArch.
  • was in dem banne vellet von vrefeln und von bußen, das ist gemeine des apts
    1369 MittPfalz 27 (1904) 225
  • das von allen freveln, wetten, eiden und enpfengnissen das dirteil sie der huober und die zweiteil des meigers und der feude und des fougtes
    1385 GrW. V 514 Faksimile
  • ein viertel habern und ein huon ze vogtey und dar zue sinü gerichte, tübstal und freven
    14. Jh. GrW. I 161 Faksimile
  • wir wysen unserm ... herrn ... den fisch im wasser, den vogel in der luffte ... und der zent frevel groß und klein
    1430 ArchHessG.² 1 (1894) 201
  • alle frävel und wandl sein eines richter
    1440 NÖsterr./ÖW. VIII 1057 Faksimile
  • buosen, freflinen und fasnachthüener gehörent einem herren und vogt zue
    1467 GrW. V 126 Faksimile
  • ein probst in S. hat alle gericht an tüp und frefen
    15. Jh. Hotz,Zürich I Sp. 10
  • twing und ban, schutz und nutz, und allü recht an die größen fravelina
    oJ. GrW. I 318 Faksimile
VI Anzeige wegen kleiner Straftat

frevel

Nbf. freven
I
I 1 übermütig, frech
I 2
I 2 a frevelhaft, strafbar, widersetzlich
I 2 b
  • der abpt ... hat ... alle vraevleu wandel und vliezund wunden [Geldstrafe für Frevel]
    1330 NÖsterr./ÖW. VIII 958 Faksimile
I 2 c böswillig
  • wirt er vrevele funde, so werde er ouh von deme clostre vertribin
    13. Jh. HohenfurtBened. 276 Faksimile
  • welcher ain stain uffhept mit fräveller handt und mit würfft ... der ist verfallen die groß buß
    1432 GrW. I 280 Faksimile
  • so ein gesell ... seinem meister erzürnete mit bösen worten oder mit fräwlen dienst ... so soll derselb gsell ... der straf steen
    1544 FreiburgZftO. 21 Faksimile
II plötzlich