Gast

I
I 1 Hausgast
I 1 a
  • die muder is gast in des sons geweren unde di sone in der muder
    1224/35 (Hs. 1369) SspLR. I 20 § 7 Textarchiv: SspLR. I 20
  • sime werde, dar he geherberget is, unde sime gaste unde svie to sinen gnaden vlüt
    1224/35 (Hs. 1369) SspLR. III 78 § 7 Textarchiv: SspLR. III 78
  • gast, der in sein haus wandelt
    um 1330 BrünnRQ. 403 Faksimile
  • also lang er gast by im blibet
    1347 SchlettstStR. 42 § 27
  • ein jeder sehe wohl zu, wen er beherberge, damit der wirth des gastes nicht entgelte
    1560 RevalStR. I 240 Faksimile
  • das du mich beherbergst unnd mir gütlich thuest als aim gast
    1774 Eyb II 13
  • jungfern zu gaste am nyen jars abende und gibt ihnen kuchendeich
    oJ. CTradWestf. I 173 Faksimile
  • schippers myt orem volke was tho gaste biddende, dat se sick myt ome wolden vrolik maken up syner borch
    oJ. OstfriesUB. II 162 Faksimile
I 1 b in Haft beim Kläger
  • swer ze gaste gegeben wirt, über den het der cleger gewalt, das er ime sin gut nemen mag, wo er es vindet
    1297 WinterthurStR. 483
  • welcher och weder pfand nach pfening ... zu geben hant, den sol man dem cleger ze gast geben
    1472 SGallenOffn. II 21 Faksimile
I 1 c Zunftgast, Festgast, Hochzeitsgast
  • sal nymandt eynen borger to gaste up den hoff [= Artushof] laden
    1421 Danzig(Hirsch) 288 Faksimile
  • [bei einer Hochzeit] dieselbe nicht mit unter die obbestimmte zahl der zugelassenen gästen gerechnet ... werden sollen
    1592 MünsterPolO. 19 Faksimile
  • gar vil gest zue disem fest herkhomen waren
    16. Jh. EndingerJudensp. 21
I 2 Wirtshaus-, Klostergast
I 3 Mitbewohner im Gegensatz zum ansässigen Besitzenden
  • welr gnoß oder gast het ein ehafti in dem hof
    15. Jh. GrW. I 164 Faksimile
  • sol kainer, weder gast noch hausgenoß auf meins herren ... grünten nicht lesen
    15. Jh. NÖsterr./ÖW. VIII 979 Faksimile
  • wo man einen unbendigen vnd vnnütten gast aus seinem haus bringen solle
    oJ. GrW. III 214 Faksimile
  • raub ... daz dreibet den wiert aus seinem haus mit sampt seinen gesten
    oJ. WienStRb. Art. 44 Faksimile
II Stadtgast
II 1
II 1 a
II 1 b
II 1 c im Dorf hieß ein die Dorfrechte nicht genießender Besitzer gast oder ausmann
II 1 d im Schuldrecht
II 2
II 2 a dem als Strafe Vorrechte eines Bürgers entzogen werden
  • sol der amman dem, der ze gast ist gemachet, gebieten, daz er unverzogenlich uß der statt gericht ... vare und darin niemerme köme
    1400 ÜberlingenStR. 78 Faksimile
  • dat hey en up der strate dan verborgen sall ... und to eme gaste gemaked der sake
    oJ. DortmStat. 271 Faksimile
  • Planitz,Verm. 94
II 2 b jemand, der eines Dinges beraubt wird; entfremdet
  • dem syn wasgelt worde geeschet und des nicht eyn geve, dey were siner gilde eyn gast
    1403 DortmStat. 223 Faksimile
  • Germania 6 (1861) 466
III
III 1 Marktfremder, Kaufmann, Händler
III 1 – fremder Kaufmann als Gildemitglied
  • wil ienych hoveman broder edder gast werden, de schal enen borgen vor sick setten
    1407 RevalStR. II 19 Faksimile
  • wy nabers ... unde eynn ander tho holden schuldich syndt nycht allene de ... hußbunden, geste, gesellen, jungens
    1529 GartenRJacobsf. 15
  • welck broder, de dar geste biddet
    oJ. RevalStR. II 24 Faksimile
IV Landfremder
IV 1
IV 2 landfremder Fürst
  • daz wir [Johann von Böhmen] si [Kärnten] mit dehainem gaste übersetzen sullen
    1330 ZFerd.¹ 7 (1832) 219
  • das wir das land mit kainem gaste besetzen
    1339 BairFreibf. 15 Faksimile
IV 3 Landfremder als Feind
V freier Lohnarbeiter, Zinsmann
  • praedicti autem rustici et eorum heredes, qui vulgariter gasti dicebantur ab huius modi servitute de cetero sunt exempti
    1268 HMeißenUB. I 163 Faksimile
  • servi, qui vulgariter gaste nuncupantur ecclesiae et capituli nostri
    1286 HMeißenUB. I 209 Faksimile
VI
VI 1 nordfries.
junger Mann, Unverheirateter
VI 2 im Zunftrecht: Geselle, der vorübergehend (14 Tage) bei einem Meister arbeitet
VI 3 Gehilfe, Matrose
  • F. Schröder, Bedeutungsgeschichte von Gast/ZDPhil. 56 (1931) 386
VII rotwelsch: Betteljude, Heiratsvermittler
VIII nicht gehegte Tiere
  • man spricht, daz das wilde swin und der eichorn geste sin, darumme habe allirmelch recht darzu; dannoch so sal man er in einis herrin walde ane orloup nicht iagin
    Ende 14. Jh. EisenachRb. 751 Faksimile