Joch

zur Tiefstufe einer indogermanischen Wurzel *ieu(g) "verbinden, zusammenjochen" gehört urgerm. *juka-m (als Lehnwort finn. jukko), got. juk, ahd. joh, ae. gioc (westsächsisch geoc), ne. yoke; as. und anfrk. juc; mnl. und mnd. joc, juc; zur abgelauteten Vollstufe derselben Wurzel *ioug- lat. iugera (aus iougesa), welches ahd. und mhd. (bair.) jiuch, jūch- "sachlich und sprachlich beeinflußt" hat (Walde,WB.³, 1938, I 727); aus letzterem stammt das mundartliche jeuch (bair.) und jauch (schwäb., tirol.)
vgl. Juchert
I konkret
I 1 eine Vorrichtung, durch die ein Paar Zugtiere aneinander und an den Wagen oder Pflug gespannt wird.
I 1 a allgemein
  • [auf Wiesen wild wachsendes Gestrüpp gilt nicht als Wald und gehört somit nicht dem Herrn, solange] ysz tzwene ochsen mit eyme joche nit nyder mogen gedrucken
    1338 Dreieich/GrW. I 502 Faksimile
  • 1550 Schöpper,Syn. 79
I 1 b eine Vorrichtung zur Sicherung von weidenden Tieren
vgl. jochen, Kamme
  • [tut jemandes Vieh Schaden mit Wissen des Eigentümers,] er aber kein jock oder hett darauf leget und das vieh weiter schaden thut, der brücht 6 ß
    1722 Nerong,Willk. 90
  • Nerong,Willk. 74
I 2 Vorrichtung zum Schließen von Gefangenen
  • daß der teufel ... zu ihme ins gefaͤngniß gekommen, ... auch einstens die von dem eissernen ioch gehabten beede hand-schellen abgebrochen
    1719 Ansbach/JournDeutschl. 3, 1 (1786) 324 Faksimile
II durch ein Joch (I) verbundenes Paar
II 1 Rinder
II 1 – auch Tiere, die nicht zum Ziehen verwendet werden
II 2 übertragen auf Menschen: Gruppe von 2 Personen
  • aldaer commen de inwonders van M. ende N., ende ter expedicie van dien, de wet haer bedeelende es twee ende twee te ghaedere, te wetene: eenen man van leene met eenen scepenen, sittende alzo ghedeelic in viven of in vi jocken, twee ende twee, hebbende in elck jock een biledt, daerinne zy teekenen sommierelyck ende int curt de bedrachten daer voor hemlieden commende
    1559 CoutAlost 683 Faksimile
  • wie theuer der fürst das joch menschen verkaufe
    1784 Schiller, Kabale und Liebe II 2
III übertragen auf verschiedene technische Konstruktionen
III 1 im Bergbau: bei der Streckenzimmerung der horizontale Verbindungsbalken zwischen den vertikalen Stempeln
  • ist aber ein pau, das stempel und joch hat, und nicht klůft, paut er das nicht in dreien vierzehen tagen, er hat sein recht verloren
    1336? ZeiringBO./Schwind-Dopsch 171 Faksimile
  • wo ain alts fur das erst joch gepaut ist, gibt ain man auf seinen tail da nicht in achttagen
    1486 ZBergr. 48 (1907) 502
  • ain veld paw da joch vnd stempl inne ist, hat an den hohen pirgen recht drey- viertzehen tag
    1517 MaxBO. Art. 49 Faksimile
  • ein offner neuschurff ... hat ... [nur] 14 tag frey-recht / darnoch sol der / ... mit joch und stempel ... verfangen ... werden
    1553 FerdBO. Art. 23 Faksimile
III 2 im Brücken- und Deichbauwesen
III 2 a hölzerne Stützkonstruktion einer Brücke
III 2 b Wasserdurchlaß in einem Damm (Provinz Groningen)
IV Feldmaß: die Fläche, die mit einem Joch (II) Rinder in einer bestimmten Frist bearbeitet werden kann (zunächst Ackerland, dann auch auf Weinberge, Wald und dergleichen übertragen
vgl. Juchert
IV – auch als Streckenmaß
  • ein wazzer [fließt unterirdisch] wola zehen juche lenga
    11./12. Jh. Merigarto/MSD. 96 Faksimile
  • ein bruck 32 joch lang
    1558 Montanus 422 [hier vielleicht kontaminiert mit Joch II 2]
  • die viechtrift aus dem ambt N. ... biß auf den U. weg 2 joch präut
    um 1630 NÖsterr./ÖW. VII 131 Faksimile
V übertragen: das Joch des Dienstes, der Knechtschaft
  • mín ioh ist suozi
    830/35 Tatian 67, 9 (Lukas 10, 30)
  • di knecht, di da sint vnter dem ioch
    2. Hälfte 14. Jh. CTepl. 1. Tim. 6, 1
  • und hierdurch ... under dass joch [komen]
    1584 SchwyzLB. 92 Faksimile
  • der stadt V., so von dem kayser Augusto ... vnder das joch gebracht worden
    1619 Lazius,Wien I 15 Faksimile
  • alles wurd ins feindes joch gebracht
    1664 Hohenberg III V. 184
  • da sowol die L. / als die J. / ... das roͤmische joch auf sich nehmen mussten
    1689 Valvasor,Krain II 57 Faksimile
  • daß die M.N. ... aus dessen [des Teufels] dyrannischen jog und dienstbarkeith sich erretten ... wollen
    oJ. Rautert,Hexproz. 36