Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Johannssegen

Johannssegen

I geweihter Wein, den der Priester am Tage Johannis Evangelist (27. XII.) der Gemeinde reicht, zum Gedenken an den Heiligen, dem nach der Legende vergiftete Tränke nicht zu schaden vermochten
  • item ain her sol ainem lainpriester alle jar ain halben aymer win [geben], das er den lütten an sant johannstag jm weihnachten sant johanssegen zu trinken geb
    1518 Thurgau/GrW. I 243
II Abschiedstrunk

II 1 im ursprünglichen Sinne
  • es ist noch recht, das man sant johanssegen trinckt, wan gůte fruͤnd von einander scheiden woͤllen. es wuͤrt aber auch mißbrucht von den leichten luͤten, die einander zůsauffen ein maß weins zůmal
    1522 Pauli,Schimpf(Bolte) I 300
  • im abscheiden hetten sie einandern s. johanns segen zu drinken dargebotten
    16. Jh. ZimmernChr.2 III 124
  • AberglWB. IV 754f.
II 2 des Sterbenden
  • sy begert awch for zw trynken sent johans segn 
    16. Jh. Nürnberg/AberglWB. IV 756
II 3 des armen Sünders vor der Hinrichtung
  • da bracht man [den Verurteilten auf ihrem letzten Gange], wie man spricht, sant johanns segen oder den scheidttrunck
    1524 ZRG.2 Germ. 44 (1924) 326
  • darnach [die Kindsmörderin] dem nachrichter an die hand bevelhen, durch den vom thurm für den spital, s. johanssegen zu trinckhen, alsdann [zu den Säcken zu führen]
    1576 Schindler,VerbrFreib. 238
  • alda dann der arm jung sollt ... sant johannssegen drinken
    16. Jh. ZimmernChr.2 II 582
  • ehe man den armen sünder ausführt, soll ihme st. joannissegen gegeben auch dessen evangelium oder ein anderer segen über ihm gesprochen werden. darzue soll auch der nachrichter angehalten werden
    17. Jh. Schmeller2 I 1618
  • 18. Jh. v.Hentig,Henkersm. 27
  • Mackensen/ZRG.2 Germ. 44 (1924) 325ff.
-- übertragen Trunk eines Teufelsbündlers, der vor Ablauf seines Paktes St. Johannisminne trinkt und dadurch gerettet wird
  • also name zu danck ein anfang sanct johannessegen 
    16. Jh. ZDMyth. 3 (1855) 300 [als Ursprung des Johannessegens gedeutet, vergleiche dazu aber A. Franz, Die kirchlichen Benediktionen im Mittelalter (Freiburg 1909) I 294ff.]
II 4
Schlußtrunk der Trauungszeremonie
  • nach dem hochamte ist gewöhnlich die trauung, wobey der johannissegen getrunken wird
    1796 Hübner,ErzstSalzb. II 386
II 5 Abschiedstrunk bei der Hochzeitsfeier
  • welch frowe zů der hochtzit ingat, der mag man von der hochtzit, ob man wil, wol ainen ertrunk wins geben und so si dannan gat, sant johanns segen und nicht mer aͧne alle geverde
    1376/1445 UlmRotB. Art. 424
II 6 Abschiedstrunk bei Kindbettbesuchen
  • [Besucherinnen, die nicht zur Verwandtschaft gehören,] sol man den erwin und sant johanssegen geben und da mit enweg lassen gan
    1422 ZürichStB. I 394
II 7 bei der Abfahrt der Salzschiffe in Passau