Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): kämpflich

kämpflich


I 1 bei der Herausforderung zum Zweikampf und bei der Kampfklageerhebung fast ausschließlich in formelhaften Wortverbindungen verwendet, die die symbolischen Handlungen - Gesten oder Gebärden - im Rahmen der formgebundenen Kampfklageerhebung oder Herausforderung bildhaft widerspiegeln

I 1 a kämpflich ansprechen, kämpfliche Ansprache 
  • der in kampflîche an ê sprach
    um 1200 Wolfram v. Eschenb.,Parzival 411, 5
  • vulvorderet aber he sine klage na rechte ane kamp, unde untgeit eme jene mit siner unscult, he blift is ane scaden, he ne hebbe ene kampleken an gesproken
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. I 62 § 4
  • swer in dan vor geriht kamphlîch an sprichet / daz alte hovereht er an im brichet
    um 1250 Reinmar v. Zweter Nr. 182 V. 7
  • es soll noch mag kein ausswartmann vmbe keinerley sache nicht laden, noch kempflichen ansprechen, keinen vnsern burgern von der vorgenannten statt [Rothenburg an der Tauber]
    1274 Majer,GOrdalien 285
  • swer den andern ane sprichet kämphliche und engât er im mit rehte, er muoz dem büezen den er an gesprochen hât und auch dem rihter
    um 1275 Dsp.(Eckh.) 71 § 9
  • sprichet ein man den andern an, er hab in gewundet, unde wil ener unschuldic sîn, diser ist dar umbe dem rihter niht schuldic, er habe in danne kämphlîch ane gesprochen
    um 1275 Dsp.(Eckh.) 87 § 4
  • unde sprichet ein man den andern an. er habe in verwundet. vnde wirt iener dez vnschuldig. er habe in denne kamphlich an gesprochen
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 98 b [uö.]
  • von kamphlicher ansprache ... vnd sprichet man einen man kamphlichen an. er mag dez kamphes wol vͥber werden. ob er von dem lande nvͥt geborn ist. dar inne er in ansprichet
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 296
  • sprichet ein frowe einen man kamphlichen an, umbe swelhe sache daz ist da ein kamph umbe erteilt wirt, unde ist niemen friunt da der ez dur reht muge tun, wirt ir der kamph erteilt
    1276 AugsbStR. Art. 47 § 3
  • ez ist auch gesetzet daz kain burger kainen gast soll kampflichen anesprechen ... swer daz bricht, der gibt zehen pfunt
    13./14. Jh. NürnbPolO. 18
  • spricht der clager dem antwürter chemphleich an, er antwürt im ob er wil chemphleich oder slechtleich, wan daz stet an seiner wilchür
    um 1330 BrünnRQ. 389
  • wer aber, daz si yemant darumb uͤbervaren wolde an iren freyheiten und gnaden, di si von uns [König] und von unsern vorfarn ... haben, so muͤgen si darumb dieselben wol laden und kempflich ansprechen vor irem amptman
    1350 FriedbergUB. I 182
  • von ganczen gotlichen rechte so finden wir nergen, daz eyn mensche daz ander kemplichen angesprochen moge, wenne god recht hinder ome had gelassen, do ome eyn iczlich man sulde an losse gnugen
    nach 1358 Rb.n.Dist. IV 22 Dist. 1
  • wurde yeman kemplich angesprochen ... den sal der amptman dem greuen antworten
    1372 CDRhMos. III 2 S. 770
  • 14. Jh. GlWeichb. 109
  • ist das eyner den andern kampflichen ansprechen will, der drit vur das gericht und bidt den richter, dass er ym einen vürsprechen erlaube das tut er
    14. Jh. Gelnhausen/MittFrankf. 5 (1874/79) 298
  • von dem einen angesprochen wart / der von Francrîch / vor gerihte kemphlich 
    14. Jh. ÖRChr. II Vers 86052
  • do das [der eines Mordversuchs am Kaiser verdächtigte] lantgrave Herman erfur, do bot her seyne unschult unde sprach den marggraven [der ihn anzeigte] dorumbe kemphlichen an
    1. Hälfte 15. Jh. Rothe,DürChr. 315
  • 1459 TalhoffersFechtbuch 22
  • ob man einen lamen mann kaͤmpfflichen anspricht
    1609 Schwsp./Goldast 170
  • 1781 Scherz-Oberlin 757f.
  • ein buͤrger, der wegen eines verbrechens kaͤmpflich angesprochen wird (daß er seine unschuld durch den zweikampf erproben soll) kan sich mit zwoͤlf zeugen, die seine unschuld eidlich erhaͤrten, von der anklage losmachen [im kaiserl. Privileg von 1230 / Nachzitat]
    1800 Gemeiner,RegensbChr. I 325
I 1 b
kämpflich bereden 
  • sol niemandts den andern in der stadt zu kampff dringen noch kempflich bereden
    1540 JenaStO. 56
I 1 c kämpflich beschreien 
  • so muz in der vorderer kempliche zuteidingen als recht ist; he muz si beschrien, he muz si begruzen kempliche, als recht ist
    um 1300 FreibergStB. 81
I 1 d kämpflich erklagen 
  • wann es unser lieber getrewer U.V. ritter in unsern [kaiserlichen] hof und vor unsern hof gericht kaempflichen und zu rechten tagen auf in erclagt hat, als recht ist, darümb dass derselb H. an das heil. röms. reich gerahten hat, und das in unsern hof nicht verantwortt hat, als er ze recht solt habn gethan
    1376 Ludewig,Rel. IV 304
  • daß niemand an ihm gefrevelt hat, der ihn angreift von der klag wegen des C., der das kämpflich auf ihn erklagt und erlangt hat, als recht ist
    1410 Nürnberg/OberbayrArch. 36 (1877) 181 Anm.
I 1 e kämpflich fangen 
  • het he di kempliken gevangen
    nach 1325 Buchsche Glosse/SspLR. 312
I 1 f kämpflich fordern 
  • ungeret ist im geschen, daz einer sin vrunt gewunt ... unde mit derselben wunden von deme lebene zu dem tode bracht ist. daz wil he vorderen kempfliche mit allem rechte
    um 1300 FreibergStR. 26 § 3
  • 1459 TalhoffersFechtbuch 21
  • [bothen] besagen, die da kaͤmpfer sind, ... die soll der richter kaͤmpflich fordern, mit recht ohne alle wiederrede
    1576 Freiberg/Walch,Beitr. III 237
-- kämpflich vorfordern 
  • (kempflich) furfordern
    um 1600 NürnbRatsbrf. 196
I 1 g kämpflich gewinnen 
  • wirdet der geswornin burgere einer czu tode geslagin adir gewundit einir kamperin wundin, des got nicht wolle, der, czu deme der wunde adir sin vorderer vordirt den totslag adir die wunde kumit he czu gerichte, der mac wedir vurmundin noch burgin nicht gehabin. man darf in ouch kempflich nicht gewinnin
    1305 FreibergUB. I 43
I 1 h kämpflich grüßen, begrüßen; kämpflicher Gruß 
  • swe kambleke groten wille enen sinen genot, de mut bidden den richtere, dat he sek underwinden mote enes sines vredebrekeres to rechte, den he dar se
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. I 63 § 1
  • vint aver en man sin gut under eneme, dat eme of gerovet oder gestolen ist, den he nener hanthaften dat gesculdegen ne mach, de mut an sinen weren ten, of men ene san kampleke dar umme grut
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. III 35 § 2
  • swie kamphliche wil grůzen einen sinen genoz; die můz biten den richtere, daz her sich vnderwinden můze eines sines vredebrecheres zů rechte, den hie dar sie
    1261 BreslUB. 24
  • so muz in der vorderer kempliche zuteidingen als recht ist; he muz si beschrien, he muz si begruzen kempliche, als recht ist
    um 1300 FreibergStB. 81
  • daz sal he teidingen, ee he boten bite zu dem kemplichen gruze
    um 1300 FreibergStB. 86
  • wer kemplich wil grusin eynyn synyn genosyn, der mus betin den richter, daz her sich undirwinden muse eynis synis vredebrechers czu rechte
    Mitte 14. Jh. MagdebBresl. II 2 Kap. 53 (S. 41)
  • nach 1358 Rb.n.Dist. IV 22 Dist. 1
  • wer kempflichen grussin wil eynen siner genozin, der muz den richter bitten, daz er sich underwinden moge synes fredebrechers zu rechte
    14. Jh. GlWeichb. 109
  • wenne kempflichen gruzin ist alzo vil, alzo pynlichen ansprechen
    14. Jh. GlWeichb. 330
  • 14. Jh. WSB. 75 (1873) 81
  • 14. Jh. ZwickauRb. 236
  • 1459 TalhoffersFechtbuch 21
  • kampf-gericht, ... war bey denen Teutschen, sonderlich Sachsen, wenn einer seines gleichen kaͤmpflich gruͤssen wollte, und den richter um erlaubniß bat, sich eines seiner friedbrecher ... zu rechte zu unterwinden
    1737 Zedler XV 158
  • [Buchtitel:] Grupen, C. U. von kämpflichen grüssen, oder der herausforderung zum duell ... 1746.
    1781 Scherz-Oberlin 758
  • heißt nach sachsenrechte ... kaͤmpflich gruͤßen, so viel als peinlich anklagen, an den leib sprechen
    1785 Krünitz,Enzykl. 34 S. 3
I 1 i
kämpflich (ein)heischen; kämpfliche Heischung 
  • wurden auch ir arme menner einer oder me kempflichen an unser [erzbischöflichen] zent eine geeischet und geladen, so sollen wir unser nachkommen und amptleude si wider heim an die gericht, da sie dan wonhaft ... wisen
    1290 WirtUB. IX 340
  • damit sal die vorgenant kempflich heischunge abe vnd dot sin
    1342 MecklUB. IX 387
  • will N. kempflich haischen
    Mitte 15. Jh. Würzburg/Schneidt,Thes. II 590
  • 1459 TalhoffersFechtbuch 21
  • ob sich begebe, dasz einer den andern kempflich an das gericht hische, der kampf mag nit volfurt werden ân einen graven
    1534 Würzburg/GrW. VI 80
  • 1609 Goldast I 236f.
  • daz dieselben foerster etteliche uns. burger von Eger fuir sein hofegericht zu Fuirt kempflich furgeladen und geheischet hant
    um 1715 Scherz-Oberlin 758
I 1 j kämpflich heißen 
I 1 k kämpflich klagen 
  • 1576 Walch,Beitr. III 237
  • do klageden gemeynliche / de forsten over Henriche [des Löwen] / unde de markgreve Diderich / over den forsten kempichlich 
    oJ. ScrRBrunsv. III 57
I 1 l kämpflich (dar)laden 
  • ich lade in kampflîche dar / gein mir ze komen in kamphes vâr
    um 1200 Wolfram v. Eschenb.,Parzival VI 321, 22
  • wurden auch ir arme menner einer oder me kempflichen an unser [erzbischöflichen] zent eine geeischet und geladen, so sollen wir unser nachkommen und amptleude si wider heim an die gericht, da sie dan wonhaft ... wisen
    1290 WirtUB. IX 340
  • sit dem male, daz er kempflichen geladen ... worden
    1381 Franken/SchrrBayrLG. 54 S. 160
I 1 m kämpflich sprechen 
  • wo ain man gen dem andern kemphlicht spricht, ... und der antwurter gicht, er sei sein hausgenoss nicht, das well [er] erzeugen wie er sol
    1237 ÖLR. Art. 53
  • do clageden de vorsten alle over den hertogen Heinrike [des Löwen], unde de marcgreve D. van L. sprac up ene kamplike dur dat de Wenede hadden gebrant de marke to Lusiz mit des hertogen rade
    13. Jh. SächsWChr. 230
I 1 n kämpfliches Vorbot, Vorladung
  • hat H.U. ein kempflich furbot genommen
    1397 Nürnberg/SchrrBayrLG. 54 S. 161
  • ihm ... mit urtheil ein kempfflich fuͤrbot erthailt sey
    nach 1410 Nürnberg/Burgermeister,TCJ. I 709
I 1 o kämpflich vorladen 
  • swe ungerichte klaget op enen, de dar nicht jegenwardich n'is, kumt he seder vore unde ne klaget jene op ene nicht, he mut deme richtere wedden unde jeneme buten; ok delet men jenen der klage ledich; vulvorderet he aver sine klage, al untgeit he em mit recht, he ne lidet dar nene not umme, he ne hebbe ene kampleken vor geladen
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. II 8
  • daz dieselben foerster etteliche uns. burger von Eger fuir sein hofegericht zu Fuirt kempflich furgeladen und geheischet hant
    um 1715 Scherz-Oberlin 758
I 1 p kämpfliche Worte 
  • mit kampleken worden mach en man den anderen to kampe van
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. I 68 § 3
  • mit den narwin der wundin unde mit kamplichin wortin mak eyn man den andirn czu kamphe vahin ane vleischzwundin
    13./14. Jh. NeumarktRb. 153
  • wat eyn porter mesdeit, dee den anderen voer gericht, inder vriheit, kemplic woirdt toesprieckt
    1380 CoutMaestricht 100
I 1 q kämpflich zusprechen 
  • do wir do czu ym quamen, des derhuben sich teyding, des vnser purger eyner dem andern czusprach vm vngeneme sach kempfleych 
    Mitte 14. Jh. IglauOberhof 122
  • der gheen dee also den anderen kemplic toespreke
    1380 CoutMaestricht 100
I 2 kämpflich antworten, sich wehren; die Einlassung der Beklagten auf die Kampfklage
  • kein scheppenbare vrie man antwert nicht zu rechte nymande kempflich yn eynem andern gerichte
    14. Jh. GlWeichb. 109
  • wem, und wen er solch kempfflich geantwort und verkuͤndigt habe
    nach 1410 Nürnberg/Burgermeister,TCJ. I 707
I 3 kämpfliche sache, wie kampfwürdig 
  • daß ... vmb kempliche sachen, zu kampe, vmb gut, scholt aigen, lehen, pfandschaft ... von niemand ... uss der statt Franckford geladen ... werden ... sollen
    1442 Majer,GOrdalien 287
  • 1482 Eyb,NürnbLG. 8
I 4 Eidesschelte
  • muessen wol ledigk werden [wegen Totschlags Angeschuldigte, die nicht auf dem fluchtigen fues begriffen werden] mit yres eides handt auf den heiligen, ... wer darwider sprechen wil, der mues es kempflich widersprechen
    14. Jh. EisenachStR. 44
I 5 beim gerichtlichen Zweikampf

I 5 a kämpfliches Streiten 
  • sus wart bî den zîten / daz kampflîche strîten / mit urteile ûf geleit
    nach 1291 Reinfried V. 6836
I 5 b kämpflich fechten 
  • 1235/40 R.v.Ems,Wilhelm/W.Grimm,KlSchr. III 547
  • moht aber ... / diu zart ... / einen helt gewinnen, / der kampflich für si væchte
    nach 1291 Reinfried V. 6823
I 5 c kämpfliches Duell 
  • nulla extranea persona quemquam de civibus, neque etiam civis civem per duellum, quod vulgo kampliche dicitur, in aliquo casu impetere possit
    1209 Stade 458
I 5 d
kämpfliche Hände 
  • und vorderte von Marke / mit kámpflîchen handen / den zins von beiden landen
    1205/10 GottfrStraßb. V. 5879
I 5 e kämpfliche Geißel 
I 5 f kämpfliche Weisung (Beweis)
  • so das aber nit sige, so tue er glich als ainer, der sich mit wortten, die er mit warhait nit furbringen meg, zu wytt vergangen hab, die er nu mit erbietung liplicher oder kempfflicher wysung gern verlumen ... wolt
    1473 Rottweil/J. Kohler, Urkundliche Beiträge zur Geschichte des bürgerlichen Rechtsganges (Berlin 1904) 27
I 5 g sich oder seine Rechtsstellung durch Kampf verteidigen, kämpflich verantworten 
  • sich kempflich verantwurten, und recht thun
    1381 Kleinmayern 209
  • were ..., das iemand sin ere kempfflich verantwurten wolte, oder muste fur den herren oder stetten, den und iren frunden mohte man auch ein fryge sicher geleite geben, uff den dage, als er furkommen solte
    1389 Eger/RAbsch. I 94
I 5 h kämpflich stehen zum Zweikampf bereit sein
II von Krieg, Kampf oder Schlacht abgeleitet

II 1 in kriegerischer Aufmachung
  • er vert ûz einem strîte her. ouch nimt uns wunder, wes er ger, daz er sô kamphlîche ist komen ... ein ebenhiuze der sunnen ist der wâpenroc undz kursît
    1200/10 Wolfram v. Eschenb.,Willehalm 128, 25
II 2 mutig, tapfer, geschickt in Kampf, Schlacht oder Turnier
bdv.: kämpfig
  • das wir hie kamphliche vehten ... wir hant turnierens můt ane valschen list, als turnay biz her komen ist
    1235/40 R.v.Ems,Willehalm v.Orlens V. 6574
  • si stritent kamphlicher dar den der Engellender schar
    1235/40 R.v.Ems,Willehalm v.Orlens V. 9243
  • er must sich kempflich weren
    nach 1291 HeinrNeustadtApoll. V. 5009
III übertragen

III 1 Ergebenheit oder Untertänigkeit ausdrückend; für eine Person zur Verfügung stehend
  • ich wil swie ez mir ergê / die küniginne lidic lân / und wil kampflîche stân / in irs fuozes tritte
    nach 1291 Reinfried V. 8612
III 2 in der geistigen Auseinandersetzung
  • mîn wer gein den valschen daz sol sîn mîn triuwe / vil süez âne riuwe: mîn kamflîch gewæte / für ir nîdetæte daz sol sîn mîn stæte
    1255 Ulr.v.Liechtenst. II 1351, 34
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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