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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Kannengießer

Kannengießer

A Handwerker, der Zinnwaren herstellt; Zinngießer
  • wi borgermestere unde radmanne ... gheven deme ampte der kannenghetere unde der gropenghetere user stad desse rechecheyt, de hir na screven steyt
    1387 Burmeister,Wism. 52
A I allgemein
  • kannengiessere 
    1277 Köln/Muttersprache 62 (1952) 288
  • 13. Jh. NKölnSprsch. II 15
  • [aus Liste der städtischen Einnahmequellen:] bussen von der kannengießer 
    1370 KölnStRechn. I 4
  • [als Breslauer Zeche:] kannegiesser 
    1389 und später VjschrSozWG. 2 (1904) 264
  • schwört A., dey kannengeyter van Wetter, dem Grafen von Dortmund und der Stadt Dortmund Urfehde 
    1391 Buschmann,Wetter 334
  • "im 14. Jh. ... schon vertretene Handwerkszweige, ... kannengießer 
    14. Jh. ZLübG. 39 (1959) 134 Anm. 54
  • dit [Kannengießeramtsbuch] is dat register der meistere ind des ambachtz gemeinlich van den kannengiesseren, darin dat man schriven ind setzen sall alsulchen půnte ind sachen, als ire ambacht antreffende sint
    1411 KölnZftUrk. II 293
  • 1421 SpeyerKoB. 13a
  • 1444 BeitrMainz XV 92
  • 1473 KölnAkten I 433
  • eyth der mennige der kannengeter 
    15. Jh.? Arnecke,HildeshStadtschr. 206
  • 1518 QÄWGMittelD. V 33
  • das ganse ambt der kannengetere zu Lubeck
    1526 LünebZftU. 117
  • [aus Bevölkerungsliste:] kannengießer ... 10
    1569 MittErfurt 32 (1911) 158 [urk.?]
  • J.S. unde ... S.P., beyde rathmänner der stadt Hamborg, alsz morgensprachsherrn der ambter der kannengeter und gropengeter
    1577 HambZftRolle 1
  • 1595 HannovGBl.2 12 (1959) 346 [ebd.ö.]
  • [aus Wappentafel der münsterischen Gilden:] die kannegeiter [mit Abbildung des Wappens]
    1598 Westfalen 40 (1962) 78 [[Wappen scannen! Speer]]
  • [aus Kircheninschrift, in der ua. die einzelnen Handwerker aufgeführt sind, die an der Innenausstattung beteiligt waren:] kannegisser 
    1616 ZSchles. 6 (1864) 281
  • um 1625 Deus,HerrenSoest 428
  • 1645 Gutzeit,Livl. I p. 18
  • "es haben sich aus dem 17. Jh. die Schragen folgender, in den früheren Jahrhunderten noch nicht nachgewiesener Ämter in Riga erhalten ... 1645 zinn- und kannengiesser 
    1645 Stieda-Mettig 155 [urk.?]
  • 1655 FriedbergGBl. 14 (1939/42) 197 [urk.?]
  • sein ... vor den 1624 jahren nur etwo 10 burgere dieser religion [der evangelisch-lutherischen] zugethan, in der stat [Hamm] gewesen, alß ... ein kannengießer 
    1666 JbWestfKG. 11/12 (1909/10) 196
  • 1694 Gutzeit,Livl. I p. 20
  • [Überschrift:] kannengießer, sind auch dieser orte [Königsberg] keine vorhanden / muß derer arbeit in andern staͤdten gesuchet und bezahlet werden
    1721 oder 1633? CCPrut. II 221
  • zinn- und kannenguͤser 
    1757 Estor,RGel. I 106
  • die kannengießer. haben vier handwerksladen, naͤmlich zu Freyberg, Torgau, Zwickau und Dresden, und diese sollen uͤber die zinnprobe halten, die verfaͤlschung angeben, und auf solche leute, so das gestohlne, oder ander zinn aufkaufen, verfaͤlschen, und leute betruͤgen, acht geben
    1774 G. Schmieder, Des Churfürstentums Sachsen allg. u. der Residenzstadt Dresden bes. Policey-Verfassung I 566
  • [aus Gewerbeliste von Nürnberg:] kannengiesser ums j.[ahr] 1720 10 meister, im j. 1781 20 meist. 10 gesell., im jahre 1785 20 meist. 11 gesell
    1790 Gatterer,TechnolMag. I 1 S. 186
  • die kannengiesser haben in Wirtemberg nur eine lade in Stuttgart
    1815 WirtRealIndex II 417
  • kanningusser 
    oJ. Zitzen,Wein 89
A II
Zugehörigkeit zu verschiedenen Zünften

A II 1 zu metallverarbeitenden
  • kannengeter 
    1317-55 Lübeck/ArchKulturg. 1 (1903) 131
  • kannegeter 
    1284-1528 Schrader,SchleswZünfte 27
  • "in Frankfurt a. M. kommen kangißer ... in den Bedebüchern seit 1320 regelmäßig vor ... [sie] gehörten ... dort zur Schmiedezunft" 
    Volckmann,AlteGewerbe 145
  • der Rat ... verfügt [daß] ... die Grobschmiede (groffsmede) ... Kannengießer (kannengetere) ... zu einer Innung zusammengefaßt und Innung der Schmiede (ennighe der smede) genannt werden 
    1423 M. Hartmann, Geschichte der Handwerkerverbände der Stadt Hildesheim im Mittelalter (1905) 22
  • kangisser, kannegießer 
    1446 Zöllner,ZftLeipzig 15
  • sollen alle kannengiesser, goltschmidt und kesselbusser ... wie ... herbracht das ganze ambacht gelden, auch ihre lehrjungen bei deme schmidtambacht ... verthedigen, und sollen in allen puncten und clausulen sein und gehalten werden gelich den schmidtmeisteren
    1582 DürenWQ. 175
  • der hauptstadt Düren loeblicher schmiedzunft, wozu von undenklichen jahren her ... kannen- oder zinngiesser ... gehoeren, alt herbrachte, nach jüngerer reichs- und hiesiger landen policeyordnung auf jetzige zeiten verbesserte innungsarticulen
    Mitte 18. Jh. DürenWQ. 369
  • Schrader,SchleswZünfte 28
A II 2 zu anderen

A II 2 a Bäcker
  • kannengeter 2
    1611? ZLübG. 30 (1940) 304 Anm. [1711 ebd.]
  • zu den beckern gehoͤren die ... kannengießer 
    1787 v.Melle,Lübeck 126
A II 2 b Krämer
  • kannengiesser, ... so zugleich kraͤmerey ... treiben, und die maͤrckte ... bauen, von alters hergebracht ... in der kramerzunfft begrieffen gewesen, ... anno 1660 aber, wegen der zwischen den krahmern und ihnen entstandener irrungen ... von denselben separiret worden
    1664 Jena/Gatterer,TechnolMag. I 360
  • die buͤrgerschaft bestand aus aemtern ... jene bildeten die gilden und innungen, und es gehoͤrten dazu 9 verschiedene gewerke oder aemter ... unter diesen aemtern war das kramer-amt, wozu auch die goldschmiede und zinnen- und kannengießer gehoͤrten, das wichtigste
    1825 Geck,Soest 123
A III in Zunftartikeln und obrigkeitlichen Vorschriften

A III 1 in vom Stadtrat erlassenen oder von ihm bestätigten Zunftordnungen
  • [das Stadtweddebuch enthält ... Settinge von 1375] der gropenghetere. kannenghetere 
    HambZftRolle p. 20
  • dit is (die) ordinancie ind ramunge, der unse herren die vunfzien vanme engen raide ... orverkomen sind ind eindrechtlichen oeverdragen havent under den kannengiesseren, binnen irre stat gesessen, vestligen zu halden, umbdat datselve ampt in eren ind in wirdicheit gehalden werde under pijnen ind boissen
    1385 KölnZftUrk. I 114
  • wir burgermeister und rathmanne zcu Danczk ... bekennen ... in dezem kegenwertigen briffe, das wir ... vorlegen ... mit macht deses brifes den ... gropengisern und kannengisern ein werk zcu halden und zcu haben ..., alz hy noch geschrebin steit
    1405 Simson,Danzig IV 80
  • nachdem mancherley clage der kannengiesser halb für gefallen ... hat ein ersamer rath der statt Freyburg ... erkannt, das die kantengiesser ... diz nachgemelt ordnung ... halten ... sollen
    nach 1477 FreiburgZftO. 14
  • 15. Jh. BernStB. 8f.
  • wy kannenghetere tho Lubeke ... bidden jv ... dat gy ... vns willen orloven de rechtecheyt, de hir na screven steyt
    15. Jh. Wehrmann,Zftr. 246 Anm.
  • anno domini XVe octavo ... hefft eyn ersame rad der stad Lubecke eren borgeren den kannengeteren gegeven desse nabescreven rullen vnde gerechticheit
    1508 Wehrmann,Zftr. 246
  • dat ganse ambt der kannengetere tho Lubeck ... concordert unde averengekahmen, dusse nabeschrevene bewilligung unde articuln ernstlick ... tho holden
    1526 HambHandw. 559
  • wir burgemeister, scheffen und rat dero stat Neuss bekennen ... das [wir] auf ansuchung disser zweier amter, als ... kannegiesser und goldschmidten, ein ordnung und policei aufgericht ... haben
    um 1565 NeußWQ. 242
  • hat ein erbar rath der stadt Luneburg die kannengiesere alhie ... mit confirmirung und bestetigung nachvolgender ordnung und gerechtigkeit ... vorsehen
    1597 LünebZftU. 119
  • ordnung der kannengieser zu Zeiz
    1780 Weisser,RHandw. 225 Anm. n
  • das gewerck der zinn- und kannengiesser zu Berlin sich sowol nach dem algemeinen handwercks-patent vom 16. augusti 1731 ... als auch nach dem, was im vorstehenden ... verordnet worden ... zu achten hat
    1785 CCMarch. V 2 Anh. 324
  • ordnung oder rülle der kannengeiter, daerut ein jeder dem ampte undervorpene mach lehren, wo he sich gegen ein amtz verwanten schall schicken und halden
    oJ. [1583] Münster/PublPreußStArch. 70 S. 250
A III 2
die Organisation der Genossenschaft und die Handwerksausübung betreffend

A III 2 a bei Niederlassung beziehungsweise Zulassung als Meister
  • welch man ir werk gewinnen wil, her sy gropengiser adir kannengiser, der sal gute bewisunge haben, das her elich geboren sy, ouch sal her brife brengen von dannen, do her zcu letzt gedynet hot, das her sich do wol gehalten hot
    1405 Simson,Danzig IV 80
  • er [kannegiesser] sall sein meisterstuck bewiesen haben wie recht der kannegiesser sall machen vor sein meisterstuck ein kan, die recht uis ist gemaeht, gar ferdich
    um 1565 NeußWQ. 242
  • alle handwercksgesellen, so sich alhier zu setzen gemeinet, sollen sich den schragen gemesz verhalten und vor die eschüngen sowoll die amptkosten in alles nicht mehr zu geben schuldigk sein ... ein kannengießer 10 taler
    Ende 16. Jh. Riga/Wissell,Hdw. I 196
  • soll ein kanngiesser, wann er will meister werden, wenigstens vier jahr ehrlich gelernet, und drey jahr gewandert, auch solches mit einem guͤltigen brieff bewiesen haben, und da beydes richtig, sich alßdann bey den kannengiessern die zeit, nemlich ein jahr lang, zu arbeiten, anzumelden, den kannengiessern ein thaler, und der zunfft 6 groschen schreibgebuͤhr zu geben, und dann, wann er nach geendetem jahr zur meisterschafft gelassen, den kannengiessern eine mahlzeit außzurichten und mit sechs gulden bey der zunfft, wie andere kompen zu verkommen schuldig seyn
    1664 Jena/Gatterer,TechnolMag. I 370
  • wir [König] ... ordnen ... daß derjenige, welcher bey dem gewerck der zinn- und kannengiesser alhier [Berlin] meister werden wil, sich bey dem aus des magistrats mittel dem gewercke zugeordneten beysitzer, und dem gewercks-altmeister melden ... solle
    1735 CCMarch. V 2 Anh. 324
  • lassen wir [König] ... geschehen, daß das gewerck der zinn- und kannengiesser fernerhin ungeschlossen bleibe, und dabey so viel meister als sich ehrlich ernaͤhren koͤnnen, angenommen werden
    1735 CCMarch. V 2 Anh. 326
  • meisterstuck der kannen- oder zinnen giesser. eine suppenkump mit acht raupen und zweyen ... handhaben
    Mitte 18. Jh. DürenWQ. 381
A III 2 b bei Weiterführung des Handwerks durch eine Meisterwitwe (Witwenprivileg)
  • ist vertragen, wan ein meister von den kannegiesser ableyfig wurde, so sall des meisters hausfraw einen knecht, der die werkstatt betreibt ... setzen
    1549 DürenWQ. 134
A III 2 c für Knechte und Gesellen

A III 2 c α Vereidigung
  • aller hantwercklewt knecht der hernach volgenden handwerk sind verbot und mit glubden und eyden beladen worden: ... kannegisser 
    1479 VeröfflFrkG. X 5 S. 184
A III 2 c β Bußzahlungen
A III 2 c γ Verbot der Selbsthilfe
  • unter den gesellen der kannegisser war eine böse gewonheit, dass sie um uebertretung willen, die unter ihnen geschehen, den uebertreter zurauft haben ... darum ... meister und gesellen ... vorwillet haben ..., dass solche böse gewonheit sol ... abgelegt sein ... ob unter den gesellen zwieträchte oder uebertretung geschehen, die sollen ... an die geschworne eltesten meister solche ihre zwietracht bringen, und vor ihn klagen und von ihn straf und unterweisung nach billigkeit aufnehmen. und wer das würde übergreifen ..., der sol bei ihn alhie und in dieser stadt [Breslau] nicht mehr arbeiten noch wonen
    1464 ScrRSiles. III 115
A III 2 d Verbot der Ausübung eines verwandten, aber ungelernten Handwerks
  • deren kannengiesser [soll] aber keiner iniche kesselen, auch kein kesseler inich zynnenwerk verkaufen, sondern jeder mit seinem erlehrten handwerk sich begnügenlassen
    1604 DürenWQ. 134
A III 2 e Gehorsamspflicht gegenüber dem Zunftmeister
  • sowanne der meister des amptz ieman van den kannengeisseren [so!] einich gebot deit, dat sie deme geboede volgen solln
    1397 KölnZftUrk. I 117
A III 2 f Verbot der Niederlassung und Berufsausübung für fremde und für nichtzünftige Kannengießer und Händler zum Schutz der eingesessenen Handwerker (Konkurrenzverbot)
  • ein kannengiesser van N. ... zo Colne komen was ind sich aldae zo hůse gesat hatte ... ind dat ambacht oeven ... woͧlde, as he des ouch bestanden hatte, wewale he zu Coelne sin ambacht niet geleirt en hatte noch sine lerejaire usgedient noch dienen en woůlde ... alsodat de meistere zerzijt van weigen irs gemeinen ambachtz zo ieme qwamen ind verboden ieme sin ambacht
    1411 KölnZftUrk. II 294
  • schal ock men frommet kannengeter to vorfange dusseme vorscreven ampte [kannengeter ampt] sick entholden bynnen dusser stad effte bynnen der landweren, vmme kannen vnde vate to maken
    1421 Wehrmann,Zftr. 248
  • de kannengeter vor dem ersamen rade to Lubeke sint erschenen tosprake unde clagende doende tegen A. van A., dat he und sine selschup ... erem ampte grot to vorvange weren, [beim Verkauf] in ketelen und becken
    1484 LübRatsurt. I 206
  • de olderlude des kannengeteramptes vor dem ersamen rade ... sik beclagende, dat se eynen kannengeter to M. wanende hadden und darsulvest uphelden erem ampte to groten vorfange und vorderve, biddende ... to vormogen ... dat de kannengeter van dar komen mochte
    1488 LübRatsurt. I 258
  • die landesherrlichen amtleute werden angewiesen, den auslaͤndischen kannengießern die ausuͤbung ihres gewerbes im erzstifte Trier nicht zu gestatten
    1574 Scotti,Trier I 501
A III 2 g in ordnungspolizeilichen Vorschriften über Zusammenkünfte
  • [wir] wollen, daß bey der zusammenkunfft der zinn- und kannengiesser anders nicht, als bey anderer ehrlicher leute zusammenkuͤnften es gehalten werden solle, jedoch dabey nicht getruncken werde
    1735 CCMarch. V 2 Anh. 327
A III 3 zur Regelung der Herstellung und Kontrolle der handwerklichen Erzeugnisse

A III 3 a über das Mischungsverhältnis des zu verarbeitenden Metalls (Zinn mit Blei)
  • de cannenghetere scullet don to deme schippunde tenes vif lifpund blyes, vnde de schottelen vnde de vlaschen vnde de ampullen van clareme tene
    1361 MecklUB. XV 87
  • de cannenghetere scholen gheten vlasschen, schotelen ... van clareme tynne ane bly, it were dat dat tyn alzo hart were, dat men it nicht gheten cunde ahne bly
    1375 HambZftRolle 124
  • de kannengetere sullen de kannen geten van den dren parten tenes unde dat verde part blye
    1380 Livland/Schiller-Lübben II 425
  • scal en ieslik kannengheter gheten to vlaschen, to vaten ... clar fyn tyn sunder nenegherleye vormenghinghe
    1387 Burmeister,Wism. 52
  • eyn iderman sal derheyme derfaren van cannengiseren und van gropengiseren, wy das beqweme sy czu halden mit den blyͦ czu czirsetzen
    1395 HanseRez. IV 245
  • alz ir [Liegnitzer Kannengießer] vns [Breslauer Rat] von weyne der ... cannengisser habt geschrebin, lasen wir vch wissen, daz sy [die Breslauer] czu eyme steyne czenis seczen czwey pfund blyes, vnd sy nemen von eyme pfunde czu machelone sechs heller
    1399 CDSiles. VIII 103
  • dy kannengiser sullen thun zcu drittehalben phunde czinnes eyn phunt blyes
    1405 Simson,Danzig IV 80
  • anno ... xli wart den kannengeteren gesecht van des rades wegen, or werk, dat se makeden uppe den kop van nyem werke, dat scholde hebben iii punt theenes unde i punt bliges, nicht arger scholden se dat maken, borer mochte id wol sin
    1441 HildeshUB. IV 406
  • welk man in dessen steden een kannengeter wesen will, de scal de kanne zo gheten: uppe dat verde punt een punt blies unde 3 punt thiͤns ane den hantgrepel ... unde dat scal getekent wesen mid der stad merke, unde de id maket, de scal sin merk dar ok uppsetten upp en jewelk stukke
    1461 Greifswald/PommJb. 1 (1900) 164
  • ist verdragen vor dem rechten ubermitz burgermeister, scheffen und rait und siebender, dass die kannengiesser auf die nachvolgende profe hinfort arbeiten sollen, welche profe halden soll 82 pfund feines zins und 18 pfund bleys
    1549 DürenWQ. 133
  • es sollen die kannengiesser machen gut ufrichtig zin und das gehalt 25 pont im hondert ... und auf jeder stuck werks der stat waffen schloin mit iren tauf- und zunahmen
    um 1565 NeußWQ. 242
  • sall ein jeder kannengeiter to setten [zu dem Zinn] 1 lb. blies und nicht mehr
    1583 Münster/PublPreußStArch. 70 S. 250
  • da ... nach anleitung des vorigen gewercksprivilegii denen zinn- und kannengiessern ... erlaubt gewesen, unter 10 pfund reinen zinnes ein pfund bley zu mischen, dieses aber ... dem gewercke ... und dem publico mehr schaden als vortheil gebracht hat: so ordnen ... wir [König], daß ... kein anders als pures mit bley nicht vermischtes zinn zum feilen kauf verarbeitet werden solle
    1735 CCMarch. V 2 Anh. 329
  • ist ein jeder kannengießer bey seinem geleisteten eide schuldig, demjenigen, so zinngeschirr von ihm kaufen oder tauschen will, den unterschied des guten und geringen zinnes anzuzeigen
    1777 Bergius,NPolKamMag. III 274
  • de kannenghetere sweret dat se na witte vnd na sinne oͤre werc gheyten scoͤlen to deme minnesten dat vefte punt blyges vnd esschet we van oͤn mer tenes alse he dat esset also scoͤlen se dat werc maken vnd gheyten
    oJ. Hannover/Pufendorf IV app. 152
A III 3 b
über das Gießen und Umgießen
  • hat m., r.u.z. erkannt, das dehein kannengiesser fúrbaßmer in unser statt dehein groß eren werg noch kleines, das etwas roͤscheleht ist, in deheim huß giessen soͤllent, dann sie sollent eren werg giessen zwuschent den muren by geburen tor; wer das verbreche, der bessert i lb. dn.
    1423 SchlettstStR. 322
  • int jar ... xiiiic xlii ... delede de erbare rad to Lubeke den kannengetern, dat se scholen wegen den grapengetern gud, vnde datsulve gud, dat se en antwerden, also danne gud scholen en de gropengeter wedder antwerden vnde geten by eren sworen eeden, vnde scholen denne dat gheten vmme enen mogeliken penning vnde lon
    1442 Wehrmann,Zftr. 228
  • sint alle drie rethe eyns wurden ... vmbe die kangisser, das sie ... ydirmanne ... wer on alde kannen ... widdir nuwe czumachen brengit, daz sullen sie ... erbeitin ... vnde ... von eynem pfunde czuerbeiten nemen eynen halben nuwen gr.
    1446 LeipzUB. I 187
A III 3 c über die (amtliche) Schau
  • up dat die verdrage, die kannengiessere beroerende ind dat werk, sij machent ... gehalden werden, so haint onse herren v. r. verdragen, dat die zwene herren ... macht haven soilen, einen eirberen mann ... zo sich neimen ind mit dem ombgaen, der kannengiessere werk besien
    1478 KölnZftUrk. II 303
  • so ein kannengiesser ausbereite arbeit hette, die er allhie feyl haben ... wöllte ... soll er sollichs den verordneten beschawern ... anzeigen
    1547 FreiburgZftO. 18
  • es sullen ... die zitlich amtmeister mit ziden im jar umgain, ein amtmeister ... van den kannegiesser, und besint die proef, ob sie ... richtig funden wird
    um 1565 NeußWQ. 243
  • so es sach wer, das auf die jahrmarkt dar zu Nuiss quem ein fremt kannegiesser ... und hilten feil, so sollen die amtmeister ... besichtigen das werk, ob es auch den vorg. proif gemess ist
    um 1565 NeußWQ. 244
A III 3 d über die Eichung
  • [es sind] clagen vurkommen ... dat egeyn kannengiesser flesschen off kannen verkouffen en sall, sij en syn geychtind gemirckt mit der steede ycher ind mirkker ... wilch kannengieser herweder deit, de sall gelden ... vam stucke seess schillinge pennynge coeltz payementz zo boissen
    1348 KölnAkten II 19
  • von dem gelt, das von der eich gefelt, davon gibt man ... den kannengisser 1 lb.
    1474 VeröfflFrkG. X 5 S. 149
  • dat de kannengeisser nemantz ... geynerley kannen, fläschen, potte off ander werck ... anders magen sall dan up de regte quart maesse unser stat Coelne
    um 1500 Westfalen 36 (1958) 250
A III 3 e über die Meister-, Stadt- und Probzeichen (Beschauzeichen)
  • en jewelik cannenghetere schal syn werk merken laten myt der stad merke und ok myt synes sulves merke
    1375 HambZftRolle 125
  • waz die kangisser ... von den alden kannen, schusseln adir andern czenwerck eynem machen, daz sullen sie mit der stad schilde addir czeichen ... mercken ... was sie abir von nuwens ... machen ... daz sullen sie mit irem vnde der stad czeichen mercken
    1446 LeipzUB. I 187
  • sollen die kannengiesser das feine zinn mit dreien zeichen stempfen, als nemlich zweien von der stadt, darinnen sie gesessen, vnd mit jrem eigen zeichen. was aber gemenget ... sollen sie mit einem zeichen des rahts, vnd jrem eigen zeichen stempfen, was aber gantz bley ist, sollen sie allein mit jrem zeichen stempfen, alles bey peen des fewers
    1550 CCMarch. V 1 Sp. 25
  • erbieten sich die kannengiesser das zihn uf die proba zum zehenden, wie in Leipzig, zu arbeiten, auch solch ihr zihn zu dem ende absonderlich dergestalt zu zeichnen, daß uͤber dem weintrauben mit außdruͤcklichen worten jena stehen, jedoch dergleichen zihn 6 dn. oder hoͤchstens einen groschen (12 dn.) mehr alß andere gelten; da aber dieses gezeichnete die proba nicht hielte, deßwegen ein thaler straff, halb dem rath und halb dem handwerck, verfallen seyn, das andere handwerck-zihn aber nur mit zweyen zeichen notiret, und alle halbe jahr probiret werden sollen
    1664 Jena/Gatterer,TechnolMag. I 371
  • verordnen wir [Bischof] ... daß in unseren landstaͤdten Kitzingen und Neustadt ... einer von unseren meistern der kannengießer einen gleichfoͤrmigen stampf haben, von welchen alles von ... unserm hochstift ingesessenen land- auch fremden meistern gemachte ... zinnwerk ... zur ... prob gezogen und gestampft ... werden soll
    1686 SammlVerordnWürzb. I 347
A III 3 f
Verbot der Handwerksausübung wegen betrügerischer bzw. schlechter Arbeit
  • ich C. van H. kannengisser doin kunt ... ind bekennen ... so as ich in vurzijden zo vill mailen / ungeburlich zenenwerk gemaicht hain, dat niet upreicht was na uiswijsongen unss amptzbriefs, darumb mir die meistere des amptz / mijne drebank zoleste in die straisse daden setzen ind dat unredeliche zenenwerk vur mijnre doeren in der straissen verbranten / ind verboiden mir darzo mijn ampt
    1454 KölnZftUrk. II 299
  • der ist solches in den ruͤg-gerichten anzuzeigen schuldig ... welcher wuͤste / daß ein goldschmied / kannengiesser / ... seiner ordnung ungemäß sich verhielte / und derselben zuwider / werckte
    1715 BadLO. 353
  • kannengiesser betriegen 1) wenn sie das zinn verfaͤlschen, und darunter mehr bley, als erlaubet ist ... vermengen. 2) wenn sie auf ihre arbeit weder ihr zeichen, noch des orts, wo sie ansaͤßig sind, wappen praͤgen [usw.]
    1724 Hönn,Betrugslex. 211
A III 4 in obrigkeitlichen Einkaufs-, Verkaufs-, Lohn- und Abgabebestimmungen

A III 4 a Einkauf des Rohmaterials; Hehlereiverbot bei altem Zinn
  • haint unse herren den kannengiessern gemeinlichen doin sagen, dat sij noch geine ander burgere of burgersen binnen Coelne of niemantz van ihren weigen achter dieser zijt geinich alt blij ader zin of ander gude en gelden, sij en wissen dan, dat dat ungestoelen sij
    1447 KölnZftUrk. II 298
  • die kannengiesser sollen forthin kein zien, ausserhalb der ordentlichen zienwage, kauffen, noch an sich bringen, bey verlust des zienß
    1609 CAug. II 241
  • 1774 G. Schmieder, Des Churfürstentums Sachsen allg. u. der Residenzstadt Dresden bes. Policey-Verfassung I 565
  • 1777 Kursachsen/Bergius,NPolKamMag. III 273
A III 4 b Lohnverhältnisse

A III 4 b α Verbot von Absprachen innerhalb des Handwerks und Regelung durch die Obrigkeit
  • damit ... der uͤbermaß so viel muͤglich gestewret, so haben wir auch den handwercks leuten, als ... kannengiessern ... ihre wahren vnd lohn auf ein ziemliches anschlagen vnd setzen lassen
    1622 HessSamml. I 654
  • wir [König] verbieten ... daß weder eintzele meister, noch weniger das gantze gewerck der zinn- und kannengiesser, sich untereinander heimlich bereden ... ihr arbeits-lohn auf einen gewissen preis zu setzen, und diejenige, so darunter arbeiten, fuͤr anstoͤßig zu halten, oder aber zu bestraffen
    1735 CCMarch. V 2 Anh. 329
A III 4 b β Angaben über Macherlohn
  • 24 gr. dem kangengiszer in Zcycz vor 10 noszkannen nuwen vnd alten
    1444 Bech,Pegau. 10
  • von kannengiessern ... vor ein pfund zinnekannen, näplein, becker ... zu macherlohn 1 alb.
    1622 HessSamml. I 625
A III 4 c Verkauf

A III 4 c α nach Gewicht
  • ein ersamer rat diser statt Freyburg hat von wegen der vilfaltigen clag ... gesetzt ..., das sie die kannengiesser hinfüro bei straf eins markh sylbers ire gemachte arbeit ... nit mehr beim augenmass, sonder beim pfund allhie in der statt verkaufen sollen ... in dem wert vnd gelt wie volgt
    1562 FreiburgZftO. 18
  • bei dem kannegießer auf der büttnergassen in Breslau ... zinngefäße lan machen; hat der centner gekostet 30 schlesische thaler
    1638 ZSchles. 9 (1868) 118
  • de kannenghetere ... schall ... by punden vorkopen, sunder wat eyn pund wecht vnd dar beneden is, schal he redelken zellen
    oJ. Hannover/Pufendorf IV app. 152
A III 4 c β Verkaufspreis
A III 4 c γ Ort des Verkaufs
  • irrunge halber der kangießer, als ire eynteil meynten, das keyn kangießer anders gießen und feile haben solte dan in ainem huse, darinne er huselich wone, daruff hat der rat gesast, geclert und zugelassen, ... das der kangießer keyner mehe dan an eynem ende zu F. zu offenen laden kangießerwerg feile haben sal, sonder eyner mag, obe er in sinem wonehafftigen huse nit feile haben wil, eynen krame oder laden sost in der stat han, dainne er sin werg ußbereyde und feile habe, auch alt werg placke, also das er darinne nit smeltze und gieße
    1482 FrankfZftUrk. I 468
A III 4 c δ Handels- und Verkaufsbeschränkung
  • schall nen kannengeter den grapengetern ofte ketelbotern mehr verkopen den to ehrem behof int hus
    1526 LünebZftU. 118
A III 4 d
Abgaben und Steuern

A III 4 d α Abgabepflicht für den Inhaber des Marktrechts
A III 4 d β Steuersatz
A III 5 in Bestimmungen über Bürgerwehr und militärisches Aufgebot; Angabe der Rüstung
  • [aus Harnischbuch, das die Erhebung über die Stärke des Harnischs darstellt:] kannen(zinn)gießer 
    1466 Zöllner,ZftLeipzig 28 [urk.?]
  • [aus Waffenordnung:] kannegießer 2 [Panzer], 2 [Armbrüste], 2 [Hüte]
    1470 MittKiel 30 (1920) 55 [urk.?]
  • [aus Heerfahrsregister, das die Zahl der Kriegsknechte angibt, die jede Innung zu stellen hatte:] kannen- (zinn-) gießer 8 [Meister]
    1545 Zöllner,ZftLeipzig 29 [urk.?]
  • [aus Verordnung wegen eines bewaffneten Aufgebots der Stadt Stolberg:] alle goltschmid, muntzer, kangisser ... ob sie gleich nit brawer seindt, sollen schuldig sein buchsenn zu haltenn
    1573 ZHarz 5 (1872) 511
  • wes averst ein erbar rath den ambtern sambtlich in kriegeshendeln wird uperleggen, schall ock ein jeder part als kannengether und grapengeter sambtlich erdragen
    1577 HambZftRolle 1
  • [in Ordnung für das Scheibenschießen, das auf dem Bürgerschützenhof zur Ausbildung der Bürger im Schießen obligatorisch war und wobei Pflichtschützen auf die Zunftämter verteilt wurden:] kannengeters 2
    1585 ZLübG. 30 (1940) 301 Anm.
  • 1611? ZLübG. 30 (1940) 304 Anm.
  • kannengießer 2 á 3 dn.
    1711 ZLübG. 30 (1940) 304 Anm.
B im politischen Leben für das heutige "Bierbankpolitiker"
  • [Titel der Übersetzung von Holbergs Lustspiel, Den politiske Kandestober (1722) von Detharding:] der politische kanngießer 
    1742 Kluge19 346
  • einige politische kanngießer 
    1760 Rabener/Kluge19 346
  • theologische kannengieszer 
    vor 1815 M. Claudius/DWB. V 167
  • oJ. Hamann/DWB. V 167
  • oJ. Jacobi/DWB. V 167
C als Weinwirt
  • "in den geringeren Weinkneipen ... kredenzten auch altgediente und aktive Soldaten ... Meister ... kannengießer ... also Weinwirt im Nebenberuf" 
    2. Hälfte 16. Jh. Vaßen,WVGJülich 124
D von der Berufsbezeichnung abgeleitet

D I Grundstücksbezeichnung
  • curia quondam gemechils in strata in parochia omnium sanctorum inter kannengezzer 
    1325 MittErfurt 45 (1929) 64
  • A. de peznick de duabus institis inter kannengizer apud arcam mureri in parochia omnium sanctorum quondam henr. de salberg
    1332 MittErfurt 45 (1929) 64
  • domus undir den kannengissern 
    1350 MittErfurt 45 (1929) 64
D II als Familienname
D III in abschätzigem Sinne

D III 1 verächtliche Bezeichnung für Landstreicher, weil die betreffenden Personen öfters mit unzünftig hergestellten Kannen hausierend umherzogen
  • alle diejenigen, welche ahne ... con-ceßionen und ausser den jahrmaͤrkten in hiesigen landen umherziehen ... unter dem namen von ... kannengiessern ... so lange fuͤr verdaͤchtig zu halten, bis sie sich durch ... paͤsse ... oder auf andere rechtliche art hinlaͤnglich legitimiret haben
    1775 BrschwWolfenbPromt. I 321
  • da sich dieselbe [Gaunerei] gewöhnlich hinter gewisse professionen verbirgt, als da sind die ... bärentreiber, ... katzenfänger, kannengiesser ... sollen [diese] 14 tage nach der publication unter keinem vorwande mehr geduldet werden
    1801 Fürstenberg/Alemannia 2 (1875) 126
D III 2 Scheltwort
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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