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A Der in Deutschland urkundlich nicht vor der 2. Hälfte des 12. Jhs. mit dem Begriff cancellaria und erst seit dem 14. Jh. als cantz(e)lige, cancellye, can(t)zli, can(e)zley o.ä., für die ältere Zeit von der Urkundenforschung mit dem Verabredungsbegriff "Kanzlei" bezeichnete Personenkreis, dem die Erledigung der bei Gerichtsbarkeit, Rechtsetzung und Verwaltung anfallenden Schreibarbeiten oblag, bildete urspr. eine kleine, locker gefügte Gruppe schreibkundiger, meist romanischer Notare (bei den Merowingern und Langobarden) oder besonders geschulter geistlicher Schreiber (im karolingischen Reich) und verfestigte sich während des hohen und späten MA.s im Zuge eines langen Entwicklungsprozesses mehr und mehr zu einer zentralen verfassungsrechtlichen Institution mit durchgebildeter Organisation und genau umrissenem, nun nicht mehr auf die bloße Schreibarbeit, Registrierung udgl. beschränkten Geschäftsbereich (s. unten unter B). Dabei diente der aus der Hofkapelle herauswachsenden, unter der Leitung eines (seit dem 9. Jh. cancellarius genannten) Kapellans stehenden Kanzlei des deutschen Königs (Reichskanzlei) die päpstliche Kanzlei als Vorbild, während die späteren Kanzleien der deutschen (weltlichen und geistlichen) Territorialherren und Städte im wesentlichen der Reichskanzlei nachgebildet waren
    I Päpstliche Kanzlei
    II Reichs(hof)kanzlei; Reichstagskanzlei, Reichskammergerichtskanzlei
    III Kanzlei der Reichsfürsten und anderer (weltlicher und geistlicher) Territorialherren und Grundherrschaften, meist durch Weiterentwicklung der älteren einfachen Schreibstube zur obersten Landesbehörde ausgebildet im Zusammenhang mit der Entstehung der Landeshoheit und dem Ausbau der Landesherrschaft während des späten MA.s und im Zuge der Neuorganisation der territorialstaatlichen Verwaltung zu Beginn der Neuzeit
    IV städtische Kanzlei
B rechtliche Funktion der Kanzlei (unter Ausschluß der päpstlichen Kanzlei)
    I Regierungs- und Verwaltungsbehörde
    • 1 Leitung der Staatsgeschäfte allgemein
    • 2 Finanz- und Vermögensverwaltung einschließlich der Lehen
    • 3 Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung
    • 4 Aufsicht über Erziehungswesen und Religion
    • 5 Aufsicht über bestimmte Organe der Rechtspflege und Verwaltung
    II Gericht
    • 1 sachliche Zuständigkeit
      • a Schlichtung von Streitfällen im Güteverfahren
      • b Zivil- und Strafsachen in erster Instanz und Vollstreckungsmaßnahmen
      • c Ehesachen (in protestantischen Ländern)
      • d Appellations-, Berufungsinstanz
    • 2 bes. Zuständigkeit für Prozesse best. Personengruppen
      • a für Klagen gegen Kanzleiangehörige und sonstige (Landes-)Beamte
      • b für die Rechtsstreitigkeiten der Standespersonen
      • c für Strafverfahren gegen Juden
    III Notariat und Führung der öffentlichen Bücher
    IV Geschäftsstelle, Sekretariat
    • 1 beim Reichstag
    • 2 bei Regierung und Verwaltung in Reich und Territorien
    • 3 bei einer Stadt
    • 4 bei Gericht
    V Registratur, Archiv
    • 1 Registrierung sämtl. in der Kanzlei bearbeiteter Angelegenheiten (in Kopien oder Regesten
    • 2 Aufbewahrung von Originalurkunden (bes. eigener Freiheitsbriefe udgl.
    • 3 Ablage von Rechnungsunterlagen
C Kanzlei als Gebäude und Tagungsort für
    I Regierung und Verwaltung
    II Gericht
    III Konsistorium
in Kanzleien gebräuchliche Stil- und Wortkürzung (Formel)
von einer Kanzlei getroffener Beschluß (B II); auch die darüber ausgefertigte Urkunde
in einer Kanzlei gegen Gebühr ausgefertigte Abschrift
Lehrling und Anwärter auf eine Kanzlistenstelle
bei einer Kanzlei zugelassener Rechtsbeistand, Parteianwalt; gebräuchlich meist nur das Grundwort Advokat
Kanzleigeschäfte und -aufgaben; zu lateinisch agendum = negotium, officium (vgl. MlatWB. I 402: agendum 3)
wie Kanzleiadvokat 
Ausbildungsstätte zur Erlernung der in Kanzleien üblichen Praktiken
(amtliche) Schriftstück(e) innerhalb der Kanzleipraxis zur Vorbereitung und Duchführung von Rechts- oder Verwaltungsgeschäften
Zugang zur Kanzlei für den, der dort vorübergehend als Praktikant lernen und praktische Kenntnisse (für den Dienst in anderen Stellen und Behörden) erwerben will (wohl nicht Eingangsstufe für Kanzlistenstelle oder Anwartschaft darauf); bei der Reichskanzlei seit Mitte des 18. Jh.s nachweisbar, meist jungen Adligen gewährt
Praktikant, der vorübergehend Zugang zur Kanzlei hat, um dort Kenntnisse für den Dienst in anderen Stellen und Behörden zu erwerben
Nebeneinkünfte einer Kanzlei 
wie Kanzleigebühr 
I Verwaltungsbehörde
II Amtsstelle innerhalb einer Kanzlei 
Vorsteher einer Kanzlei 
(vorübergehend eingesetzter) Vorsteher der Kanzlei eines Oberhofgerichts 
Mitglied des Kanzleipersonals 
Mitglied des Kanzleipersonals 
amtliches, von einer Kanzlei einem bestimmtem Vorgang (Prozeßakten) beigelegtes Schriftstück
zur Kanzlei gehörig
wie Kanzleiverwandte 
in einer Kanzlei anfallende Büro- und Registraturarbeit; für eine private Person oder Partei geleistet, unterliegt sie einer festgesetzten Taxe
niederer Kanzleibedienter 
Einrichtung zur Verwahrung und systematischen Ordnung des amtlichen Schriftguts einer Kanzlei, in älterer Zeit anders als heute in der Regel nicht von der der unmittelbaren Geschäftserledigung dienenden (Kanzlei-)Registratur unterschieden; auch Bezeichnung für die aufbewahrten Bestände selbst (vgl. Kanzlei B V). Im alten Bern diejenigen Bestände der staatlichen Archivalien, die dem Staatschreiber unmittelbar unterstanden und die seit 1680 von einem besonderen Beamten, dem Kanzleiregistrator, verwaltet werden (vgl. Archivalia et Historica, 1958, 21-33 u. für Zug 77-81)
wie Kanzleigebrauch 
rechtskundiger Kanzleibeamter 
niederer (neben den Kopisten auf der untersten Stufe der Rangordnung stehender) Kanzleibedienter 
von einer Kanzlei ausgestellte schriftliche Bescheinigung
Verhandlung vor der (fürstlichen) Kanzlei als Gericht
wie Kanzleigebühr 
von einer Kanzlei ausgefertigtes Schriftstück
Ausgaben einer Kanzlei 
niederer Kanzleibedienter 
Lokaltermin (Besichtigung des Tatorts, Augenschein (I) durch eine Kanzlei (B II) 
wie Kanzleiaufsatz 
Ausgabe (I) einer Kanzlei 
II in Österreich übtr. auch die für Kanzleiauslagen (I) den Kanzleibedienten vom Staat geleisteten Vergütungen (Kanzleispesenvergütungen) als Nebeneinkommen des Kanzleipersonals 
wie Kanzleigebäude 
von einer Kanzlei als Behörde oder von ihr im Namen einer Person oder einer anderen Behörde zu Lehen ausgegebenes Bauerngut (I); Lehen niederer Art; wie Kanzleilehen (I) 
I zu Begriff und Titulatur
II Tätigkeitsbereich (umfaßt entsprechend der weiten Begriffsbestimmung alle Kanzleigeschäfte)
III Bestellung, Dienstaufsicht, Entlohnung (die teilweise aus einem Anteil an den Kanzleigebühren besteht) udgl.
Stelle eines Kanzleibedienten 
niederer Bediensteter einer Kanzlei 
I zum Begriff; exakte Begriffsbestimmungen finden sich in den Quellen nicht, vielmehr nur ungenaue Umschreibungen des so bezeichneten Kreises des Kanzleipersonals 
II Aufgaben- und Tätigkeitsbereich (wegen der ungenauen Begrifflichkeit nur vage bestimmbar)
  • 1 einzelne Rechte und Pflichten
  • 2 zum Rang
wie Kanzleibedienstung 
Bürobedarf einer Kanzlei, später gebräuchlicher "Kanzleibedarf"
von einer Kanzlei ausgehender Befehl (I und VI)
wie Kanzleiangehörige 
Ermessen einer Kanzlei 
Räumlichkeiten einer Kanzlei 
Kanzlei als Regierungs- und Verwaltungsbehörde; nur für Württemberg belegt
(schriftlicher) Bericht (III) einer Kanzlei über eine bestimmte Angelegenheit
I (rechtsverbindliche) Auskunft (Bescheid VII), Erläuterung, Nachricht, Antwort einer Kanzlei als zuständige Behörde
II von einer Kanzlei erlassener schriftlicher Befehl, Weisung (Bescheid V 1)
III von einer Kanzlei (B II) gefälltes Urteil
Vorladung (Bescheidung III) durch eine Kanzlei (B II) 
von einer Kanzlei ausgehender Beschluß (B II) 
Beschwerde (II) einer Kanzlei 
durch den langsamen Geschäftsgang einer Kanzlei verursachte Belastung
Einstellung von Kanzleipersonal 
Besoldung (I) des Kanzleipersonals 
wie Kanzleibesetzung 
Übersetzung für custode (italienisch) der päpstlichen Kanzlei (A I) 
regionaler Amtsbereich einer Kanzlei 
Verehrung (Geschenk, Trinkgeld) für das Kanzleipersonal 
niederer (vereidigter) Kanzleibedienter vorwiegend zur Übermittlung (,reitend' oder ,laufend') der schriftlichen Ausfertigungen einer Kanzlei an den Empfänger, zur Einziehung von Kanzleigebühren und zur Erledigung von einfachen Arbeiten innerhalb einer Kanzlei; seit dem 16. Jh. vielfach belegt, häufiger allerdings Bote gebraucht (zur Etymologie vgl. 1Bote); Aufgaben später teilweise auf die Post übergehend
I zum Begriff
II Tätigkeit
III sonstige rechtliche Bestimmungen
  • 1 Bestellung und Vereidigung
  • 2 Dienststellung, Rang
  • 3 Dienstaufsicht
  • 4 Amtssymbol und Dienstkleidung
  • 5 besondere Dienstvorschriften im Zusammenhang mit dem Botendienst (oben II)
  • 6 Entlohnung
1Eid eines Kanzleiboten 
Kanzleibedienter (oft ein geschworener Kanzleischreiber), der die Aufsicht über die Kanzleiboten und Kanzlisten hat, die Register über den Ein- und Auslauf der Schriftsachen führt und die Abrechnung der Verschickungs- und Kanzleigebühren besorgt, mitunter auch für die Bereitstellung des Kanzleibedarfs zuständig ist; vorwiegend Botenmeister genannt
Amtsstelle der Kanzleiboten 
Amtsstelle eines Kanzleiboten 
wie Kanzleigebrauch 
förmliches Schreiben einer Kanzlei mit unterschiedlichem Inhalt, im 17./18. Jh. wohl dasselbe wie Kanzleischreiben 
wie Kanzleijunge 
I Formularbuch und Musterbuch für den Kanzleigebrauch, eine Sammlung von Formeln, auch Titeln, vor allem von Beispielen und Probestücken als Vorlage für die Abfassung von amtlichen Schriftstücken (vgl. Breßlau,Urk. II3 226); auch Hilfsmittel des Kanzleizeremoniells 
II Register(buch) einer Kanzlei mit chronologischen Einträgen und Urkundenabschriften, seit dem 14. Jh. zunehmend gesondert für einzelne Sachgebiete
von einem Hof (VIII 4) privilegierter und für ihn tätiger Buchbinder
von einem Hof (VIII 4) privilegierter Buchdrucker, dem der Druck der behördliche Formblätter und der staatlich eingeführten Schul-, Kirchenbücher (I) udgl. übertragen ist
Bed.?, an eine Kanzlei zu entrichtende Buße (IV)?
wie Kanzleibuch (I), aber popularisiert und für den allgemeinen Gebrauch bestimmt
amtliche Erklärung (IV) einer Kanzlei 
von einer Kanzlei ausgehende herrschaftliche oder behördliche, auch richterliche Anordnung (Verordnung, Verfügung) in bestimmter Schriftform
Beratung innerhalb einer Kanzlei 
die Kanzlei als Teilbereich innerhalb des staatlichen Behördenapparats
bei einer Kanzlei (B II) hinterlegtes Geld
abgeordnetes Mitglied eines Kanzleikollegiums 
Deutsch als Kanzleisprache und Rechtssprache
(vereidigter) niederer Kanzleibedienter in untergeordneter Tätigkeit wie Öffnen und Schließen, Reinigung und Heizung der Kanzleiräume, Sorge für den Bürobedarf, Verrichtung von Botengängen, auch Mithilfe bei der Abwicklung der Kanzleigeschäfte (zB. bei der Anfertigung von Abschriften, bei Arbeiten in der Registratur, beim Taxieren und Expedieren)
I zum Begriff
II Tätigkeit
III sonstige rechtliche Bestimmungen
  • 1 Bestellung und Vereidigung
  • 2 Stellung in der Kanzlei, Rang
  • 3 Dienstaufsicht, geführt vom (Vize-) Kanzler, Kanzleidirektor oder Kanzleipräsident, der auch Strafen verhängen kann
  • 4 Dienstkleidung
  • 5 besondere Ge- und Verbote im Zusammenhang mit der amtlichen Tätigkeit
  • 6 Entlohnung
niederer Kanzleibedienter, Gehilfe des Kanzleidieners 
Tätigkeit oder Stelle eines Kanzleidieners 
Diensteid eines Kanzleidieners 
Gehalt eines Kanzleidieners 
Gesamtheit aller oder der niederen Kanzleiverwandten, nur für Württemberg belegt
I Stelle, Amt, Posten in einer Kanzlei 
II Abwicklung der Kanzleigeschäfte 
die Kanzlei als Behörde
Leitung einer Kanzlei 
Leiter, Vorsteher einer Kanzlei; seit dem Ende des 16. Jh. im Zuge der Entwicklung, die zur Dezentralisierung der Kanzlei als oberster landesherrlicher Regierungs- und Verwaltungsbehörde in eine Mehrzahl von Einzelbehörden mit jeweils eigenen Kanzleien führte, in den meisten Territorien anstelle des bis dahin meist üblichen Kanzlers gebräuchliche Bezeichnung (auch Direktor), in einigen Territorien aber als Synonym neben Kanzler tretend; beim Reichskammergericht (Kanzlei-)Verwalter, in Städten auch Syndikus, sonst vereinzelt Kanzleipräsident, Kanzleivorstand, Kanzleivorsteher oder Präsident genannt
I
  • 1 zum Begriff
  • 2 in einem Kloster
II Aufgabenbereich
  • 1 allg. Verantwortung für den geregelten Ablauf des Kanzleibetriebs unter Einhaltung der Kanzleiordnung, Dienstaufsicht über das Kanzleipersonal 
  • 2 besondere Aufgaben bei Annahme und Öffnung des Schrifteinlaufs, bei Unterfertigung und Schriftauslauf (Recht der Siegelführung, Unterschriftsbefugnis), bei eigenhändiger Erledigung von Kanzleigeschäften, bei der Überwachung der Einnahmen und Ausgaben der Kanzlei; leitende Stellung in Verwaltung und Rechtspflege; diplomatische Missionen; Aufgaben bei den Reichskreisen
III in sonstigen rechtlichen Beziehungen
  • 1 Bestellung
  • 2 besondere Ge- und Verbote im Zusammenhang mit der amtlichen Tätigkeit
  • 3 Entlohnung
  • 4 Rechte verschiedener Art
wie Kanzleidirektion 
II zu Beginn des 19. Jh. in Preußen von der frz. Besatzungsmacht zur Wahrung ihrer Interessen eingesetzte Behörde
Besoldung (I) des Kanzleidirektors 
Amtsstelle eines Kanzleidirektors 
wie Kanzleibezirk 
kanzleisässiges Dorf
wie Kanzleidorf 
wie Kanzleischreibart 
Erlaß einer Kanzlei 
I von Kanzleibedienten bei ihrer Bestellung zu leistender Eid; vgl. auch den Punkt "Bestellung" in den Artikeln über die wichtigeren Kanzleiverwandten 
II als Bezeichnung für den von geistlichen Würdenträgern bei der Übernahme eines Amts vor der päpstlichen Kanzlei zu leistenden Eid
Einnahmen einer Kanzlei 
Einkommen (I 1), Besoldung von Kanzleibedienten 
Einnehmer (I 1) einer Kanzlei 
Organisation der dänischen Kanzlei in Kopenhagen
von einer städtischen Kanzlei geführtes Pfandbuch 
in Bern und Württemberg die Einnahme(n) aus der Erledigung von Kanzleigeschäften 
Vorsteher einer Kanzlei 
von einer Kanzlei (B II) gefälltes Endurteil 
Bed.?
I in Bern gebraucht für Kanzleibedienter, auch pluralisch für eine Mehrheit von Kanzleipersonen 
II außerhalb Berns nur in spöttischem Sinne nachweisbar bei:
wie Kanzleiaufwand 
Erkenntnis (III 1 oder 2) einer Kanzlei 
Erklärung (IV) einer Kanzlei 
I die in einer Kanzlei ausgeübte Tätigkeit der Ausfertigung (II), Unterfertigung, Besiegelung und Ausgabe (Behändigung oder Zustellung) von Schriftstücken (wobei die erfolgte Expedition meist auf dem Konzept vermerkt oder in ein Expeditionsbuch eingetragen wird)
II diejenige Abteilung einer Kanzlei, meist nur Expedition genannt, die für diese Tätigkeit (oben I) zuständig ist und in der Regel unter der Leitung eines Expeditors steht
III das von der Kanzleiexpedition (II) aus- und abgefertigte Schriftstück
gehobener Kanzleibedienter, der die Kanzleiexpedition (I und II) leitet, dabei auch die Einhaltung der Dienststunden durch den Kanzlisten überwacht; meist nur Expeditor genannt
der das Kanzleiwesen umfassende Bereich der staatlichen Verwaltung
(formaler) Verstoß gegen den Kanzleigebrauch, bei Titulatur- und Rangfragen unter Umständen mit schwerwiegenden (politischen) Folgen
von einer Kanzlei bei der Ausstellung von Schriftstücken beobachtete äußere Förmlichkeit
zur Regelung des Feuerschutzes erlassene, für die Kanzleibedienten verbindliche Ordnung, vor allem zur Sicherung der Akten, Registraturbestände und Gelder
derjenige (gehobene) Kanzleibediente, der für die Einbringung der vom Taxator festgesetzten Kanzleigebühren verantwortlich ist, sofern diese Aufgabe nicht vom Taxator selbst oder einem anderen Kanzleibedienten, etwa dem Kanzleiregistrator, wahrgenommen wird
Gebühreneinziehung als Geschäftszweig einer Kanzlei 
wie Kanzleikasse 
kanzleimäßige Form eines Schriftstücks
im Kanzleiwesen gebrauchter Ausdruck oder feste sprachliche Wendung, im Laufe der Entwicklung oft zur Inhaltslosigkeit erstarrt ("leere Formel")
Muster für die kanzleimäßige Abfassung von Schriftstücken, häufig zu mehreren in einem Kanzleibuch (I) zusammengefaßt (vgl. Breßlau,Urk. II3 226)
jüngere Bezeichnung für Kanzleibuch (I) 
Ruhe und Ordnung in einer Kanzlei 
als städtischer Einnahme- und Ausgabeposten
in einen Kanzleifonds gehörende Gelder
Geschäftsgang in einer Kanzlei 
wie Kanzleigasse 
Straßenname nach der dort befindlichen (kurpfälzischen) Regierungskanzlei
Amtsgebäude einer Kanzlei 
(herkömmliche) Gepflogenheiten und Rechtsbrauch bei der Abwicklung der Kanzleigeschäfte, vor allem bezüglich Form und Stil der amtlichen Schriftstücke und bei Anwendung der Titulaturen; vom 18. Jh. an zunehmend vereinfacht
dem Kanzleigebrauch entsprechend
von einer Kanzlei für Kanzleiverrichtungen, vor allem für Kanzleiausfertigungen, nach bestimmten Gebührensätzen (Taxen) in Geld zu erhebende Gebühr (II 4) 
I zum Begriff
II Festsetzung der Kanzleigebühr, die im konkreten Fall durch einen höheren Kanzleibedienten (meist Registrator, Taxator oder Gegenschreiber) nach dessen Ermessen oder nach allgemein erlassenen, häufig sehr differenzierten Gebührentabellen (Taxordnungen) erfolgt
III Einziehung, Quittierung, Registrierung und Verwahrung der Gebühren
IV Verwendung der Gebühren: in der Regel als Teil der Vergütung des Kanzleipersonals (Verteilung nach Rang) und zur Deckung der sachlichen Kanzleibedürfnisse 
V Gebührenfreiheit in bestimmten Fällen oder für bestimmte Standesgruppen
Einziehung von Kanzleigebühren 
Einnahmestelle für Kanzleigebühren 
Angelegenheit, die Kanzleigebühren betrifft
gesetzlich bestimmte Höhe der Kanzleigebühr 
wie Kanzleigebühr 

Kanzleigefälle

, Kanzleiengefälle
wie Kanzleigebühr, früher mehr gebraucht als Kanzleigebühr 
I Festsetzung
II Einnahme, Rechnungslegung, Registrierung und Verwahrung
III Verwendung, Nutzung (vgl. Kanzleigebühr IV)
Registerbuch über eingenommene Kanzleigebühren 
geheime Kanzleisache 
niederer Kanzleibedienter 
(weniger gebräuchlich für) Kanzleigebühr 
wie Kanzleistube 
in Kanzleigeschäften erfahren
von einer Kanzlei erhobene Gebühr (Gerechtigkeit IV), wie Kanzleigebühr 
wie Kanzleigebühr 
I seltenere Bezeichnung für eine Kanzlei (B II) 
  • 1 zu Begriff und Bezeichnung
  • 2 Einzelheiten zu Organisation, Zuständigkeit und Verfahren
II Verhandlung, Sitzung des Kanzleigerichts (I) 
III Übersetzung für das englische court of chancery 
amtliches Schriftstück eines Kanzleigerichts (I) 
wie Kanzleigericht (III) 
an einem Kanzleigericht (I) anhängige Rechtsache 
bei einem Kanzleigericht (I) geführtes Protokoll
Bedienter eines Kanzleigerichts (I) 
Angelegenheit, für deren Bearbeitung eine Kanzlei zuständig ist, pluralisch gebraucht für den Aufgabenbereich einer Kanzlei überhaupt, im allgemeinen Sinne die (meist in einer Kanzleiordnung geregelte) Tätigkeit einer Kanzlei 
(vereidigter) Kanzleibedienter, der als unselbständiger Gehilfe (Geselle IV) zum Abschreiben und zu Registraturarbeiten, unter Umständen auch zur Fertigung von Konzepten verwendet wird
I Tätigkeit und damit in Zusammenhang stehende Dienstvorschriften
II sonstige rechtl. Bestimmungen
  • 1 Bestellung und Vereidigung, Entlassung
  • 2 Entlohnung
anderer Ausdruck für Kanzleiordnung 
wie Kanzleipersonal 
Gewahrsam, Besitz (Gewalt XI 5) einer Kanzlei 
Aufbewahrungsort für das amtliche Schriftgut einer Kanzlei 
wie Kanzleigewölbe 
wie Kanzleiperson 
I einer landesherrlichen Kanzlei unmittelbar unterstehendes Gut (II) 
II Registratur-, Archivbestände einer Kanzlei 
von einer Kanzlei abgegebene sachverständige Stellungnahme
Leitung der Kanzleigeschäfte auf dem Kreistag eines Reichskreises (I) 
I Hand einer Kanzleiperson, die (unter-)schreibt, und Handschrift eines Kanzlisten (vgl. Hand A V 2); mitunter auch Bezeichnung für die Kanzleischreiber (vgl. Hand A IV)
II übertragen für ein in einer Kanzlei ausgefertigtes Schriftstück
wie Kanzleibuch (II) 
I wie Kanzleigeschäft, von einer Kanzlei betriebener Handel (VII-IX), meist pluralisch gebraucht
II pluralisch auch gebraucht in der Bedeutung: Akten zu Kanzleihandel (I) (vgl. Handel X)
Behältnis zur Aufbewahrung von Kanzleihändeln (II) 
II Aktenmaterial zu Kanzleihandlung (I)?
III Unterschrift(?, vgl. Handschrift II; oder oben zu II gehörig?
wie Kanzleigebäude 
niederer Kanzleibedienter, der die Öfen in einer Kanzlei zu heizen hat
überkommener Kanzleigebrauch 
allgemeine Bezeichnung für einen Kanzleibedienten höheren Ranges
Bezeichnung für untergeordnete Sekretäre in der dänischen Kanzlei in Kopenhagen
wie Kanzleigericht (I) 
wie Kanzleiadvokat, aber wohl besonders für das Kanzleigericht zugelassen
wie 1Hofrat (I 1) 
wie Kanzleisekretär, hier Sekretär an der böhmisch-österreichischen Hofkanzlei
niederer Kanzleibedienter, der die Aufsicht über die Türen einer Kanzlei hat
niederer Kanzleibedienter 
von einer Kanzlei gebrauchtes amtliches Insiegel oder Siegel, zu lateinisch sigillum = Bildchen; vertieft geschnittene Form (Siegelstempel), im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch der Abdruck eines Stempels in einem bildsamen Stoff, verwendet und weithin gebraucht als Mittel zur Beglaubigung von amtlichen Schriftstücken, zur Beurkundung; (vgl. WBG. 445f.; ClavisMed. 229)
I Siegelabdruck
  • 1 Arten gemäß der unterschiedlichen rechtlichen Bedeutung des beurkundeten oder beglaubigten Rechtsaktes
    • a geheimes Kanzleiinsiegel 
    • b großes und kleines Kanzleiinsiegel 
  • 2 Arten nach der Art der Anbringung
    • a hängendes Kanzleiinsiegel 
    • b aufgedrücktes Kanzleiinsiegel 
  • 3 rechtliche Bedeutung: (in den Urkunden häufig am Ende in einer stereotypen Wendung ausdrücklich erwähnte) Bekräftigung der Echtheit und inhaltlichen Wahrheit eines amtlichen Schriftstücks
II Siegelstock
III Siegelbild
amtliche Zustellung eines Schriftstücks durch einen Kanzleibedienten 
Kanzleibedienter mit Aufsichtsbefugnissen
Zuständigkeit eines Klosters für die zweitinstanzliche Gerichtsbarkeit über seine Untertanen
Organisation einer Kanzlei 
weniger gebräuchliche Bezeichnung für Kanzleiordnung 
zeitweise, vorübergehend gültige Kanzleiordnung 
wie Kanzleiinterimordnung 
Einnahme einer Kanzlei 
Verzeichnis über alles, was in einer Kanzlei aufbewahrt wird, vorwiegend über die Kanzleiakten 
dem Kanzleigebrauch entsprechend, kanzleimäßig, zu einer Kanzlei gehörig; meist bezogen auf festliegende Merkmale eines amtlichen Schriftstücks einschließlich Handschrift (Kanzleihand I) und Kanzleistil sowie auf die Kanzleigeschäfte überhaupt
Mitglied einer Kanzlei, hier zugleich herzoglicher Parteigänger
ein junger Mann, der als (vereidigter) niederer Kanzleibedienter untergeordnete Hilfsdienste in einer Kanzlei leistet
I Tätigkeit und damit in Zusammenhang stehende Dienstpflichten
II Entlohnung
zu Kanzleijunge 

Kanzleijunker

, Kanzleijungherr
Kanzleibedienter in gehobenerer Stellung?, auch Bezeichnung eines Sekretärs 
ursprünglich Gerechtigkeit (III), Gerechtsame (I) einer Kanzlei, und zwar das Recht der Kanzlei, für ihre Verrichtungen Gebühren zu erheben; dann auch wie Gerechtigkeit (IV) die Kanzleigebühr(en) selbst
I Festsetzung und Höhe der Gebühren
II Einziehung und Erlegung, Registrierung und Verwahrung der Gebühren
III Verwendung, Nutzung (vgl. Kanzleigebühr IV)
IV Gebührenfreiheit in bestimmten Fällen oder für bestimmte Standesgruppen
Gerichtsbarkeit der osnabrückischen Land- und Justizkanzlei
wie Kanzleijunge 
Dienstraum einer Kanzlei 
Terminkalender einer Kanzlei 
II wie Kanzlei (B I u. II)
Bedeutung?
Bed.? Kleriker im Kanzleidienst?
Rechnungsstelle einer Kanzlei 
Behältnis zur Aufbewahrung von Kanzleiakten 
Bed.?
Läufer, Bote einer Kanzlei 

Kanzleiknecht

, Kanzleienknecht
(vereidigter) niederer Kanzleibedienter, der wie andernorts der Kanzleidiener für Öffnung und Schließung, für Reinhaltung, Heizung und Beleuchtung der Kanzlei verantwortlich ist, aber auch zu Hilfsdiensten bei der Abwicklung der Kanzleigeschäfte herangezogen wird
I zum Begriff
  • 1 Tätigkeit und damit in Zusammenhang stehende Dienstpflichten
  • 2 ähnliche Tätigkeitsbeschreibungen:
III sonstige rechtl. Bestimmungen
  • 1 Bestellung und Vereidigung
  • 2 Dienststellung und Rang
  • 3 Entlohnung
Gesamtheit der höheren Kanzleibedienten einer Kanzlei; häufig auch ein aus Kanzleiräten (I) der landesherrlichen Kanzlei (A III) gebildeter Beratungs- und Beschlußkörper mit (weiter oder enger) begrenzter sachlicher Zuständigkeit aus dem der Kanzlei als Regierungsbehörde obliegenden Aufgabenbereich; meist kurz Rat oder Kollegium, mitunter Kanzleirat (II) genannt
I in deutschen Territorien
  • 1 zum Begriff; allgemein
  • 2 Zuständigkeit und Geschäftsführung
  • 3 Organisation
II als deutsche Bezeichnung für die Gesamtheit der Kanzleibedienten der päpstlichen Kanzlei (A I) 
III bezüglich Schweden und Dänemark
Sammelstelle für die Kanzleigefälle, Kanzleigebühren udgl., nur in Hessen belegt
von einer Kanzlei erlassene Bestätigung 
Beschluß (B II) der österreichischen Hofkanzlei 
Beratung innerhalb einer Kanzlei, hier der böhmischen Hofkanzlei 
Entwurf eines Kanzleiaufsatzes, gemäß dem Kanzleistil und Kanzleigebrauch unter Verwendung der vorgeschriebenen Formularbücher (Kanzleibuch I, Kanzleiformular, Kanzleiformularbuch) von den Kanzleisekretären mit Hilfe der Kanzleischreiber hergestellt, von den Kanzleiräten oder dem Leiter der Kanzlei überprüft, häufig mit einem Revisions-, Approbations-, Expeditions-, Registrierungs-, Kollationsvermerk, eventuell auch einem Vermerk über die entsprechende Kanzleigebühr versehen; mitunter in Konzeptenbüchern gesammelt; vorwiegend als Konzept (conceptum) bezeichnet (vgl. Zatschek: aaO. 3-5)
(vereidigter) Schreiber in einer Kanzlei, der als Gehilfe des Kanzleisekretärs vor allem für die Erstellung der Kanzleikonzepte herangezogen wird und daher eine leserliche Handschrift (Kanzleihand I, Kanzleihandschrift I) aufweisen und den Kanzleistil beherrschen muß, auch zu Registraturarbeiten und zur Protokollführung verwendet (vgl. aber PublPreußStArch. 78 p. 34: hier Gesandter, dem eine Instruktion erteilt wird)
wie Kanzleikonzipient, häufiger nur Konzipist gebraucht
II Abschrift eines amtlichen Schriftstückes
Schreiber in einer Kanzlei, der als Gehilfe des Kanzleisekretärs im 16. Jh. weitgehend wie ein Kanzleikonzipist tätig ist, später vorwiegend zum Abschreiben verwendet wird; meist nur Kopist genannt
Vertreter der preußischen Geheimen Etatskanzlei bei den Provinzialbehörden
wie Kanzleiausgabe 
Geldzuweisung zur Bestreitung der Kanzleikosten 
Amtsbezeichnung
Bed.? regionaler Amtsbezirk einer Kanzlei?
einer Kanzlei (von Amts wegen) bekannt
wie Kanzleistil 
die Gesamtheit der Förmlichkeiten des höfischen Kanzleistils 
II übertragen die für die Kanzleiarbeit zu leistende Kanzleigebühr 
Behältnis zur Aufbewahrung von Kanzleiakten und Kanzleigeldern 
bei einer Kanzlei verwahrtes Lagerbuch (I)?
I ein bäuerliches Lehen, auch ein als Lehen verliehenes Gericht, in Bayern ein mit Gerichtsbarkeit verbundenes Landgut, das von einer Kanzlei als Behörde oder als ausführendes Organ einer Person oder einer anderen Behörde (zB. Lehnkurie, Lehnshof) ausgegeben wird; erst seit dem späten 16. Jh. nachweisbar (ältester Beleg: 1591 FrkBl. 10 (1958) 76)
  • 1 zum Begriff
  • 2 Einzelheiten zu Verleihung, Verwaltung, Gerichtsbarkeit, Besteuerung usf.
  • 1 versprochenes Lehen
  • 2 anwartschaftliches Lehen eines Nichtbürgers in Halle (Sachsen)
als Kanzleilehen (I) verliehenes Landgut
Nachschlagewerk als Hilfsmittel für den Kanzleigebrauch 
in der Organisation oder Geschäftsführung einer Kanzlei herrschende Unvollkommenheit
Geschäftsordnung einer Kanzlei?
ein Kanzleilehen (I), das in der Regel nur im Mannesstamm vererblich ist
wie kanzleiisch 
-- in sachlich einschlägigen Buchtiteln
von einer Kanzlei geführtes amtliches Verzeichnis
wie Kanzleivotum 
an eine Kanzlei gerichtete Anweisung oder Anleitung zur ständigen Beachtung bei den Kanzleigeschäften 
Bed.?; Aufgabenbereich der zum Kreisdirektorium gehörenden Kanzlei eines Reichskreises (I)?
wie Kanzleiangehörige 
Kreis, Gesamtheit des (höheren) Kanzleipersonals 
bewegliches Inventar einer Kanzlei 
durch einer Kanzlei vorgenommene Minderung, Verringerung von Geldforderungen?
wie Kanzleiarbeit 
in einer Kanzlei aufgestelltes Behältnis zur Aufbewahrung von Versäumnis- und Strafgeldern
wie Kanzleigeschäft 
II übtr.: Etat, Kasse einer Kanzlei?

Kanzleinote

, Kanzleinotel
wie Kanzleizettel 
wie Kanzleinotdurft 
Leitung des Staatsrats für inländische Angelegenheiten
wie Kanzleigeschäft 
Sammelbegriff für Kanzleibediente 
wie Kanzleioffizial, aber häufiger gebraucht
Bedienter in einer Kanzlei 

Kanzleiordnung

, Kanzleienordnung
schriftlich niedergelegte, gesetzliche Regelung der Organisation (personeller Aufbau, Funktion und Dienstpflichten der verschiedenen Arten von Kanzleiverwandten) und des Geschäftsgangs einer Kanzlei, unter Umständen zugleich oder allein in der Form einer Gerichtsordnung (II) Regelung des gerichtlichen Verfahrens einer Kanzlei (B II), mitunter auch inhaltliche Beschränkung auf eine Kanzleitaxordnung; ursprünglich in die Hofordnungen (II) einbezogen, begegnen Kanzleiordnungen als eigenständige Rechtsquellen (und wichtigste Erkenntnisquellen der Geschichte des Kanzleiwesens) vereinzelt im 15. Jahrhundert, in wachsender Zahl dann in fast allen deutschen Territorien seit dem 16. Jahrhundert, wobei die Ordnungen mehr oder weniger stark differenzieren und ins Einzelne gehen bei weitgehender Parallelität der Entwicklung in den einzelnen Territorien
I Recht und Motive zu, Verfahren bei Erlaß und Ergänzung (Revision) einer Kanzleiordnung (durch den Landesherrn, vielfach unter Beteiligung des Kanzlers, uU. auch der Kanzleiräte und der Landesstände, zum Zwecke der Förderung, insb. Beschleunigung, der staatl. Verwaltungsgeschäfte und der Kanzleigerichtsbarkeit, häufig unter Abstellung eingerissener Mißständet
II Inhalt, Einzelbestimmungen zu Geschäftsgang und gerichtl. Verfahren der Kanzlei, zu Tätigkeit und Verhalten des Kanzleipersonals (im folgenden einige aus der Fülle der Belege ausgewählte Beispiele
III Verbindlichkeit für alle Kanzleiverwandten und andere staatl. Bedienstete, auch die Kanzleiadvokaten u. -prokuratoren, die i.d.R. durch Vereidigung jedes einzelnen Kanzleibedienten und durch Strafandrohungen für den Fall der Nichtbeachtung, häufig auch durch regelmäßiges Verlesen des ganzen Wortlauts der Kanzleiordnung bekräftigt wird
  • 1 Verzeichnis einzelner Kanzleiordnungen, die den Begriff Kanzleiordnung bei ihrer Errichtung im Titel aufweisen
  • 2 vgl. daneben diejenigen Ordnungen, die sachlich Kanzleiordnungen darstellen, ohne sich selbst aber als solche zu bezeichnen
Artikel, Paragraph einer Kanzleiordnung 
Bedienter einer Militärkanzlei
Ort mit dem Sitz einer Kanzlei 
im Schriftverkehr einer Kanzlei anzuwendende Rechtschreibung
für die Kanzleiausfertigungen zu benützendes Papier, dessen Art und Größe (örtlich unterschiedlich) vorgeschrieben ist
von einer Kanzlei ausgestellter Erlaubnisschein
von einer Kanzlei ausgehende Verordnung
niederer Kanzleibedienter, bei dem die Funktionen des Kanzleidieners und des Kanzleiboten weitgehend vereint sind
seit Mitte 16. Jh. verbreitete Bezeichnung für (vereidigten) Kanzleibedienten vorwiegend gehobenen Ranges
I zum Begriff (Umschreibungen des erfaßten Personenkreises)
II Aufgaben- und Tätigkeitsbereich, der alle Kanzleigeschäfte umfaßt
III sonstige rechtl. Bestimmungen
  • 1 Bestellung, Vereidigung, Entlassung
  • 2 Dienstaufsicht
  • 3 bes. Ge- und Verbote im Zusammenhang mit der amtlichen Tätigkeit (oben II)
  • 4 Entlohnung
  • 5 Gerichtsstand
erst im 18. Jh. belegter Sammelbergriff für die Bedienten einer Kanzlei, oft auch nur für niedere Kanzleibediente 
von einer Kanzlei gebrauchter Handstempel zum Siegeln
früher neben dem Grundwort Petschier auch Pitschier gebr. (vgl. DWB. VII 1579f.; Kluge20 539 s.v. Petschaft); wie Kanzleipetschaft 
I (Plan-)Stelle in einer Kanzlei 
II Platz, der nach dem an ihm liegenden Kanzleigebäude benannt ist
wie Kanzleipraxis 
seltene Bezeichnung für den Leiter einer Kanzlei bzw. das Haupt eines Kanzleikollegiums 
Gepflogenheiten in der Verrichtung der Kanzleigeschäfte 
in der Neuzeit, spätestens seit dem 17. Jh., sachlich dass. wie Kanzleiadvokat (nachdem die dem späten Mittelalter geläufige Unterscheidung des röm.-kanon. Prozeßrechts zwischen advocatus und procurator sich mehr und mehr verwischt hatte, wenngleich begrifflich beide Bezeichnungen noch im 18. Jh. nebeneinander gebraucht werden; vgl. Conrad,RG. II 460f. und HRG.1 I 182ff. mit Lit.
Tätigkeit eines Kanzleiprokurators 
(chronologisch angelegtes) Registerbuch (wie Kanzleibuch II) oder Niederschrift einer amtlichen Verhandlung, Sitzung udgl. (in den Quellen nicht scharf voneinander zu trennen)
gesetzliche Regelung des gerichtlichen Verfahrens vor einer Kanzlei (B II), belegt nur als Bezeichnung für eine am 14. Juli 1661 in Jülich-Berg erlassene Ordnung
I (vereidigtes) Mitglied eines kollegial beratenden und beschließenden fürstlichen Rates (Kanzleirat II, Kanzleikollegium), der unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Regenten alle für Regierung, Verwaltung und Rechtspflege eines Territoriums notwendigen Entscheidungen trifft. Ursprünglich auf Grund seiner Zugehörigkeit zum Adel, seit dem 15. Jh. dann zunehmend wegen seiner rechtsgelehrten Bildung vom Fürsten in das Ratskollegium berufen, entwickelt sich das zunächst nur (fürstlicher) Rat genannte Ratsmitglied allmählich von einem von Fall zu Fall herangezogenen Ratgeber, der nicht unbedingt ständig am Hof (VIII 4) anwesend sein muß, zu einem auf Zeit bestellten Sachbearbeiter mit festem Geschäftsbereich, später auch in Städten. Sofern es sich dabei um Kanzleigeschäfte handelt, spricht man mitunter von Kanzleirat, seit dem 17. Jh. von Regierungsrat, überwiegend aber weiter vom Rat insbesondere im Unterschied zum geheimen (I 4 u. 5) Rat (vgl. auch 1Hofrat I, Kammerrat I)
  • 1 zum Begriff
  • 2 Tätigkeitsbereich
  • 3 sonstige rechtl. Bestimmungen
    • a Bestellung
    • b Rang
    • c Dienstaufsicht
    • d bes. Ge- und Verbote im Zusammenhang mit der amtlichen Tätigkeit (oben I 2)
    • e Entlohnung
    • f Gerichtsstand
I Dienstraum einer Kanzlei 
II übtr. für Sitzung des Kanzleirats (II) 
Einzelabrechnung einer Kanzlei 
Bed.?
I das Recht, eine Kanzlei zu unterhalten
II wie Kanzleijura, aber singularisch gebr
Beschluß über die Veränderung der Kanzleigebühren 
schriftlicher Bericht einer Kanzlei 
Berichterstatter in einer bei einer Kanzlei anhängigen Sache
gesetzliche Änderung einer Kanzleiordnung, insbesondere Verbesserung der Organisation und Arbeitsweise einer Kanzlei zur Behebung bestehender Mängel
I päpstliche Normen und Instruktionen zur Regelung der kurialen Kanzleipraxis
II nur vereinzelt auch außerhalb der päpstlichen Kanzlei (A I) angewendet
dt. Bezeichnung für den Leiter der päpstlichen Kanzlei 
Tätigkeit der Kanzlei als Regierungsbehörde
wie Kanzleibuch (II), in den Quellen fast ausschließlich als Register bezeichnet
(vereidigter) höherer Kanzleibedienter (vorwiegend als Registrator bezeichnet), der verantwortlich ist für die Aufbewahrung des gesamten Aktenmaterials einer Kanzlei, die Registrierung des aus- und einlaufenden Schriftverkehrs in besonderen Registerbüchern (Kanzleibuch II, Kanzleiregister, Register) sowie der Kollation der Kanzleiausfertigungen, oft auch deren Siegelung; unter Umständen versieht er zusätzlich das Amt eines Kanzleisekretärs oder eines Kanzleibotenmeisters, auch kann seine Stelle mit der des Kanzleitaxators vereinigt sein
I die dem Kanzleiregistrator unterstehende, meist nur Registratur genannte Geschäftsabteilung einer Kanzlei, Aufbewahrungsort des noch nicht archivierten amtlichen Schriftgutes, oft aber auch zugleich Kanzleiarchiv; mitunter auch Bezeichnung für die Aktenbestände selbst
wie Kanzleiregister 
seit dem 18. Jh. besonders in Preußen gebrauchte Bezeichnung für Kanzleiordnung 
reitender Kanzleibote 
von einer Kanzlei als Regierungsbehörde ausgehendes Befehlschreiben
wie Kanzleibeschluß 
Tätigwerden der österreichischen Hofkanzlei als Revisionsinstanz
von einer Kanzlei getroffener, auf Vereinbarung beruhender Beschluß (B II), wie Kanzleiabschied 
II Sammelbezeichnung für Urkunden- und Aktenbestände
Behältnis zur Aufbewahrung von Urkunden und Akten einer Kanzlei 
Lohn eines Kanzleibedienten 
dem Landesherrn und dessen Kanzlei unmittelbar unterstehender Landsasse (II 1), Inhaber eines Kanzleilehens, der auf einer Kanzleischrift (III) sitzt
der landesherrlichen Kanzlei unmittelbar unterstehend; auf Kanzleisasse, aber auch auf Güter (Liegenschaften) und Städte bezogen
I der landesherrl. Kanzlei unmittelbar unterstehend; zu Kanzleisasse, aber auch auf Güter (Liegenschaften) und Städte bezogen
II Einzelheiten zum (rechtl.) Status der kanzleisässigen Personen, Liegenschaften u. Städte:
wie Kanzleisasse 
Gewährung der Kanzleisässigkeit 
wie Kanzleisässigkeitprivileg 
wie Kanzleibefehl 
wie Kanzleitaxordnung 
von einer Kanzlei ausgefertigte schriftliche Bescheinigung 
wie Kanzleibeschluß 
zur Aufbewahrung von Urkunden und Akten dienender Schrank
in Kanzleien für den Schriftverkehr vorgeschriebener oder gebräuchlicher Kanzleistil 
im Sprachgebrauch der neuzeitlichen Staatsrechtslehre insbesondere des 18. Jh. ein von einer landesherrlichen Kanzlei ausgefertigtes landesherrliches Schreiben, das als Schriftstücktyp eigener Art, im Gegensatz zum Handschreiben und zum Brief, durch gesteigerte Förmlichkeit (Kanzleizeremoniell hinsichtlich Aussteller und Empfänger) gekennzeichnet ist, worin der höhere Rang des Ausstellers oder die zumindest erforderliche Gleichrangigkeit zwischen Aussteller und Empfänger zum Ausdruck kommen soll; in der Form des Kanzleischreibens spielen sich seit dem 17. Jh. der diplomatische Schriftverkehr und die fürstliche Familienkorrespondenz (hier später Handschreiben) ab; in einem allgemeineren Sinne wird aber auch schon in der Reichspublizistik des 18. Jh. und später unter Kanzleischreiben jedes förmliche und im Wir-Stil verfaßte Schreiben ,großer Herren' einschließlich der Reskripte (Kanzleireskript), Mandate, Patente, und dergleichen verstanden
I zum Begriff
  • --
  • 1 zum Begriff
II Anwendungsbereich
III zu den bei Kanzleischreiben zu beobachtenden Formalien (Titulaturen, Wir-Stil, Gottesgnadenformel, Grußformel und Anrede, Ehrenwörter, Sprache, Verbindlichkeit der Diktion, Courtoisie: Schlußwunsch oder -kompliment mit Wiederholung der Anrede, Datierung, Unterschrift, Siegel und Verschluß): 1645 ArchÖG. 111 (1929) 643

Kanzleischreiber

, Kanzleienschreiber
(vereidigter) gehobener Kanzleibedienter mit im allgemeinen fest umrissenem Aufgabenbereich innerhalb der Schreib- und Registraturarbeiten einer Kanzlei (s.u. II), auch als Notar tätig, ursprünglich Kleriker, seit dem 15. Jh. in zunehmendem Maße juristisch gebildeter Laie; seine Stellung dient vielfach als Vorstufe für höhere Kanzleistellen (I), zB. der des Kanzleisekretärs, in Einzelfällen auch der des Leiters einer Kanzlei oder seines Stellvertreters
I ältere Begriffsbestimmungen
II Aufgabenbereich, der vorwiegend in der Herstellung von Reinschriften und deren Kollation mit den Konzepten sowie in Registratur- und Ordnungsarbeiten besteht, auch in der Führung von Rechnungsbüchern und in der Bearbeitung von Rechnungsangelegenheiten; qualifiziertere Kanzleischreiber fassen auch Konzepte ab und werden zur Protokollführung im Rat (Ratsschreiber) oder bei Gericht (Gerichtsschreiber) verwendet, in einigen Territorien obliegt ihnen die Abfertigung der (Kanzlei-)Boten, mitunter begegnen sie in älterer Zeit auch als Gesandte oder als Begleiter von Gesandtschaften
  • -- Tätigkeit des Kanzleischreibers als Nebentätigkeit
  • -- [bezüglich älterer Anleitungen für die Arbeit der Kanzleischreiber:]
III sonstige rechtliche Bestimmungen
  • 1 Bestellung und Vereidigung; Entlassung
  • 2 Dienstaufsicht
  • 3
    • a besondere Ge- und Verbote im Zusammenhang mit der amtlichen Tätigkeit (oben II)
    • b Bestimmungen zur Sitzordnung an der Hoftafel (II) vgl.:
  • 4
    • a Entlohnung
    • b Privilegierung
IV im Hexenprozeß
wie Kanzleigebühr 
Teil einer Kanzleiordnung, der den Kanzleischreiber angeht
I in Kanzleien gebräuchliche Schriftart, eine Art Frakturschrift, die vornehmlich bei Urkunden in der ersten Zeile und bei Titel- ua. Überschriften verwendet wird
  • 1 zum Begriff
  • 2 rechtl. Anwendungsvorschriften
II in einer Kanzlei ausgefertigtes oder aufbewahrtes Schriftstück
III übertragen vorwiegend in der Formel auf Kanzleischrift sitzen (vgl. Kanzleisasse) oder in Kanzleischrift liegen zur Bezeichnung der Berechtigung zu einem Kanzleilehen; fast nur für das Gebiet des sächsischen Rechts belegt
wie Kanzleisasse 
im Rechtsverhältnis eines Kanzleischriftsassen befindlich
Verbindlichkeit gegenüber einer Kanzlei 
gekürzte, gebräuchlichere Form von Kanzleisekret(in)siegel; von Kanzleien neben dem großen Kanzlei(in)siegel oder Majestäts(in)siegel geführtes, anfangs vornehmlich für geheime Angelegenheiten (bes. als Kontroll- oder Rücksiegel), noch im späten MA. aber weniger spezifisch auch zur Beglaubigung von Urkunden, Briefen ua. Schriftstücken verwendetes Siegel (sigillum secretum)
I Vorschriften und Einzelheiten zu Führung und Gebrauch, Verwahrung udgl.
II rechtl. Bedeutung der Besiegelung: Bekräftigung der Echtheit und inhaltl. Wahrheit eines amtlichen Schriftstücks, auf die in Urkunden auch in einer stereotypen Schlußformel hingewiesen wird, die zugleich Aufschluß über die Art der Anbringung des K. gibt

Kanzleisekretär

, Kanzleisekretarius
(vereidigter) gehobener, oft aus den Reihen der Kanzleischreiber hervorgehender Kanzleibedienter mit leitenden Aufgaben bei der Ausfertigung der Schriftstücke, Protokollführung, Siegelführung und anderen Kanzleiarbeiten (s. unten II); vorwiegend nur als Sekretär (secretarius) bezeichnet, teilweise aber auch durch die Bezeichnung K. als erster und oberster unter mehreren Sekretären hervorgehoben
I zu Begriff und Titulatur
II Aufgaben- und Tätigkeitsbereich, der nicht bei allen Kanzleien übereinstimmt: im Vordergrund stehen a) die Verantwortung für Konzipierung und Mundierung, übh. für die Richtigkeit der Kanzleiausfertigungen (wobei der Kanzleisekretär mitunter selbst Schreibarbeiten übernimmt), b) das Recht zu Siegelführung und Unterschrift, c) die Protokollführung bei den Beratungen des Kanzleirats (II) und bei der gerichtlichen Tätigkeit der Kanzlei (B II); weitere, je nach Größe und Organisation der einzelnen Kanzleien wechselnde Aufgaben sind unter Umständen: die Leitung der Kanzleigeschäfte und die Aufsicht über die niederen Kanzleibedienten in Stellvertretung des Kanzlers oder Vizekanzlers, ferner Taxierung, Expedition und Registrierung (anstelle oder neben einem Kanzleitaxator, Kanzleiexpeditor oder Kanzleiregistrator), Kassen- und Rechnungsführung, gelegentlich auch Heranziehung als Sachverständiger zu Verhandlungen im Kanzleirat (II) und als Begleiter bei diplomatischen Missionen
III sonstige rechtliche Bestimmungen
  • 1 Bestellung, Vereidigung, Rang, Dienstaufsicht; vgl. den Abdruck einer Eidesformel von 1486 für das Gebiet der fränkischen Hohenzollern in ArchZ. 10 (1885) 26f. sowie von 1570 für die Reichshofkanzlei in SammlReichshofrat 277f.
  • 2 bes. Ge- und Verbote im Zusammenhang mit der amtlichen Tätigkeit (oben II
  • 3 Entlohnung
wie Kanzleisekret 
wie Kanzleisekretinsiegel 
wie Kanzleiaudienz; auch (beratende) Versammlung eines Kanzleikollegiums 

Kanzleisiegel

, Kanzleisigillum
wie Kanzleiinsiegel 
I zum Begriff
II Siegelabdruck
  • 1 Arten gemäß der unterschiedlichen rechtlichen Bedeutung des beurkundeten oder beglaubigten Rechtsaktes
    • a geheimes Kanzleisiegel 
    • b "großes", "mittleres" oder ,kleines" Kanzleisiegel 
    • c "ordinäres" Kanzleisiegel 
  • 2 Arten nach der Art der Anbringung
    • a hängendes Kanzleisiegel 
    • b aufgedrücktes Kanzleisiegel 
  • 3 rechtliche Bedeutung: (in den Urkunden häufig in einer stereotypen Wendung am Ende ausdrücklich erwähnte) Bekräftigung der Echtheit und inhaltlichen Wahrheit eines amtlichen Schriftstücks
III Siegelstock
IV Siegelbild
amtlicher Vermerk einer Kanzlei 
kleines, geheimes Kanzleisiegel (II 1 a u. b), Kanzleiinsiegel (I 1 a u. b), persönliches Siegel eines Herrschers oder eines Siegelführers
Sitz, Standort einer Ritterkanzlei, meist in Reichs- oder anderen bedeutenderen Städten
zur Bedeutung siehe den Belegtext
nur in Hessen nachgewiesene Bezeichnung für Kanzleischreiber 
wie Kanzleiakte 
ein Kanzleimannlehen mit (gemeinsamem oder sukzessivem) Erbrecht der Söhne des Lehnsmannes; nur belegt in der Form Kanzleisöhne- und -töchterlehen mit Erbrecht sowohl der Söhne wie der Töchter
wie Kanzleiausgabe 
Abrechnung von Kanzleispesen 
wie Kanzleispesenberechnung 
an einen Kanzleibedienten gezahlte Aufwandsentschädigung, Ersatz für Kanzleiausgaben 
wie Kanzleigebühr, aber seltener gebraucht und erst seit Mitte des 17. Jh. belegt, obwohl das Grundwort schon vor Ende des 15. Jh. in deutschen Texten erscheint (vgl. Kluge20 730)
wie Kanzleigebühr 
Abrechnung über Kanzleisporteln 

Kanzleisporteltaxe

, Kanzleisportelntaxe
wie Kanzleigebührtaxe 
Bescheinigung über die Höhe der zu zahlenden Kanzleigebühr 
erst im 18. Jh. und nur vereinzelt vorkommende Bezeichnung für die in Kanzleien gebrauchte Amtssprache
von einer Kanzlei (B II) gefälltes Urteil
Bezeichnung für die Gesamtheit der fürstlichen Zentralbehörden einschließlich ihrer Mitglieder
in Baden höherer Staatsbedienter
II Gesamtheit der Kanzleipersonen 
in Württemberg Stadt mit dem Sitz einer (Regierungs-) Kanzlei 
organisatorischer Zustand oder Bestand einer Kanzlei 
I Amt, Posten in einer Kanzlei 
II übertragen auf den Inhaber der Stelle
wie Kanzleigebühr 
in Kanzleien gebräuchliche (rechtssprachliche) Ausdrucksweise und Schreibart einschließlich der Beobachtung der Formalien; auch Kanzlei(ge)brauch schlechthin
I Definitionen und begriffliche Umschreibungen in Handbüchern des 18. Jh.s
II Vorschriften und Einzelheiten zu Gebrauch und Anwendung
den Anwälten wegen Nichteinhaltung der Kanzleiordnung (bez. der Vorlage ihrer Vollmacht) auferlegte Geldstrafe
Straßenname nach dem dort befindlichen Sitz einer Kanzlei 
I Dienstraum, Amtsstube (I)einer Kanzlei zur Abwicklung der Kanzleigeschäfte (unter Umständen auch Aufbewahrungsort für die Kanzleiregistratur (I) und Ort zum Anschlag öffentlicher Bekanntmachungen
II Synonym für Kanzlei 
Eingangstür zur Kanzleistube (I) 
Dienststunde in einer Kanzlei; oft auch pluralisch gebraucht im Sinne von Arbeitszeit überhaupt und von der Zeit des Parteiverkehrs
Diminutiv zu Kanzleistube (I) 
meist niederer Kanzleibedienter 
in der Kanzlei des Reichskammergerichts geführtes Register über laufende Rechtssachen
(vereidigter) Kanzleischreiber 
I in einer Kanzlei aufgestellte Tafel, wo zu erledigende schriftliche Kanzleisachen für den Bearbeiter angeheftet oder aufgelegt werden
III der für das Kanzleipersonal an der Hoftafel (II) bestimmte Tisch
Amtstag, Verhörtag einer Kanzlei 
Geschäftsabteilung einer Kanzlei, die für die Verwaltung der Kanzleigebühren zuständig ist
gehobener Kanzleibedienter, der vor allem für die Verwaltung der Kanzleigebühren verantwortlich ist (Festsetzung der Taxen gemäß der Taxordnungen, Einziehung, Verrechnung, Registrierung, Verteilung zur Deckung der sachlichen Kanzleiauslagen und zur Auszahlung der Gehälter usw. an das Kanzleipersonal, Rechnungslegung), aber auch für die Besiegelung der ausgehenden Schriftstücke und ihre Ausfolgung an die Parteien zu sorgen hat und Dienstaufsicht über das niedere Kanzleipersonal ausübt; fast ausschließlich als Taxator bezeichnet

Kanzleitax(e)

, Kanzleitaxa
I (durch Verordnung generell) festgesetzte Höhe der Kanzleigebühr, Gebührensatz, auch die die Gebührensätze enthaltende Ordnung (Kanzleitaxordnung); zugleich (überwiegend), nicht immer scharf zu trennen, Bezeichnung für die im Einzelfall erhobene Kanzleigebühr 
  • 1 zum Begriff
  • 2 Festsetzung der Kanzleitaxe 
  • 3 Einziehung, Quittierung, Registrierung und Verwahrung der Gebühren
  • 4 Verwendung der Gebühren
  • 5 Gebührenfreiheit
II übertragen für Kanzleitaxamt 
wie Kanzleitaxator 
Steigerung der Kanzleitaxe (I) 
gesetzlich bestimmte Höhe der Kanzleitaxe 
wie Kanzleigefälle 
wie Kanzleigeld 

Kanzleitaxordnung

, Kanzleitaxaordnung
I gesetzliche Fixierung der Gebührensätze für Kanzleiverrichtungen, vor allem für Kanzleiausfertigungen, häufig verbunden mit Bestimmungen über Einziehung und Verwaltung der Kanzleigebühren 
II Vgl. zB. die folgenden Taxordnungen und -tabellen:
wie Kanzleitaxordnung 
Einnehmer von Kanzleigebühren 
Inbegriff der der Kanzleigebühren betr. Angelegenheiten
Anteil der Kanzleibedienten an den erhobenen Kanzleigebühren 
für die Festlegung eines Gerichtstermins erhobene Kanzleigebühr 
I Arbeitstisch eines Kanzleibedienten bzw. des Kanzleipersonals in den Amtsräumen einer Kanzlei; auch besonderer Tisch in einer Kanzlei, wo bestimmte amtliche Schriftstücke zur Einsicht und Kenntnisnahme aufgelegt werden
II Tisch für das Kanzleipersonal an der Hoftafel (II) 
Verzeichnis der im Geschäftsverkehr einer Kanzlei gebräuchlichen Titel
wie Kanzleititelbüchlein 
im Kanzleigebrauch angewandte Dienst-, Rangbezeichnung und Anredeform
wie Kanzleititelbüchlein 
Kanzleilehen (I) mit Erbrecht auch der Töchter des Lehnsmannes 
Übersetzer in einer (städtischen) Kanzlei 
Geldtruhe der Rottweiler Hofgerichtskanzlei
wie Kanzleilade 
I Eingangstür zu den Amtsräumen einer Kanzlei, die rechtliche Bedeutung vor allem als Ort für den Anschlag öffentlicher Bekanntmachungen, Verordnungen udgl. besitzt
II als Schranke für den Publikumsverkehr einer Kanzlei: 
niederer Kanzleibedienter 
von einer Kanzlei ausgestellte 1Urkunde 
von einer Kanzlei (B II) gefälltes Urteil 
gerichtliches Verfahren vor einer Kanzlei (B II) 
die einer Kanzlei zufallende, dh. zustehende, Kanzleigebühr 
Organisation und Verfahren einer Kanzlei 
Geschäftsvorgang in einer Kanzlei 
gerichtliches Verhör vor einer Kanzlei (B II) 
wie Kanzleivertrag 
I von einer Kanzlei ausgehende Verordnung
II Verordnung über Organisation, Geschäftsgang udgl. einer Kanzlei 
Abwicklung der Kanzleigeschäfte, auch das Kanzleigeschäft selbst
wie Kanzleifehler 
Abwicklung der Kanzleigeschäfte 
wie Kanzleifehler 
Übereinkommen zwischen Kaiser und Erzkanzler des Reichs bezüglich der Reichkanzlei 
wie Kanzleidirektor, im allgemeinen synonym gebraucht, als Leiter der Reichkammergerichtkanzlei aber immer Verwalter oder Kanzleiverwalter genannt
I
  • 1 zum Begriff
  • 2 bei einem Kloster
II Aufgabenbereich
  • 1 allg. Verantwortung für den Kanzleibetrieb
  • 2 besondere Aufgaben; leitende Stellung in Verwaltung und Rechtspflege
III sonstige rechtliche Bestimmungen
  • 1 Bestellung und Vereidigung
  • 2 besondere Ge- und Verbote im Zusammenhang mit der amtlichen Tätigkeit (oben II)
  • 3 Entlohnung
  • 4 sonstige Rechte
Entlohnung des Kanzleiverwalters 
Amt, Stelle eines Kanzleiverwalters 
wie Kanzleidienst (I) 
zum Personal einer Kanzlei gehörend
der am meisten verwendete, im 16. Jh. schon weit verbreitete Sammelbegriff für das Kanzleipersonal, vorwiegend für die niederen Kanzleibedienten, oder auch vereinzelte Bezeichnung für eine einzelne Kanzleiperson 
I der Aufgaben- und Tätigkeitsbereich des Kanzleiverwandten läßt sich, da der Begriff Kanzleiverwandte alle Arten von Kanzleibedienten umfaßt, sachlich nicht umgrenzen, sondern umfaßt alle Arten von Kanzleigeschäften 
II sonstige rechtliche Bestimmungen
  • 1
    • a Bestellung, Vereidigung, Entlassung
    • b zur Frage der Parität:
  • 2 Dienstaufsicht
  • 3 besondere Ge- und Verbote in Zusammenhang mit der amtlichen Tätigkeit
  • 4 Entlohnung
  • 5 sonstige Rechte
  • 6 Gerichtsstand
Amtsraum des Kanzleipersonals 
wie Kanzleidirektor 
über bestimmte Vorgänge in einer Kanzlei erstellte schriftliche Aufstellung, Statistik udgl.
Überprüfung des Geschäftsbetriebs einer Kanzlei durch Besichtigung und Befragung (i.d.R. durch eine Kommission
amtliches Ergebnis einer Kanzleivisitation 
in Bern Anwärter auf eine Planstelle in der städtischen Kanzlei 
Büromaterial einer Kanzlei 
Anweisung zur Erstellung von Kanzleiausfertigungen udgl., besonders hinsichtlich der Kanzleischreibart und des Kanzleistils 
seltene Bezeichnung für Kanzleidirektor 
wie Kanzleivorstand 
von einem oder mehreren höheren Kanzleibedienten abgefaßtes, dem Landesherrn schriftlich übermitteltes, häufig auch mündlich vorgetragenes Gutachten oder Votum
Beschluß, Stellungnahme eines Kanzleikollegiums, auch die mündlich oder schriftlich abgegebene Stimme des einzelnen Mitglieds des Kollegiums
für den Zahlungsverkehr mit einer Kanzlei festgesetzte Währung (Zahlungsmittel)
niederer Kanzleibedienter 
I wie Kanzleigang 
II als Flurname Bezeichnung des Weges, an dem das Kanzleigebäude liegt
wie Kanzleigebrauch 
Inbegriff aller eine Kanzlei betreffenden Angelegenheiten; auch der Geschäftsgang einer Kanzlei 
praktische Erfahrung in der Kanzleiarbeit und Lehre von der Kanzleipraxis 
I Amtsräume einer Kanzlei 
II Dienstwohnung eines Kanzleibedienten 
Wort der Kanzleisprache 
Wörterbuch der Kanzleisprache 
von oder bei einer Kanzlei vorgenommene (Amts-)Handlung und Inbegriff solcher Handlungen
Dienststunden einer Kanzlei 
im 18. Jh. Bezeichnung für die Gesamtheit der in einer Kanzlei im Schriftverkehr zu beobachtenden Förmlichkeiten
I zum Begriff
II über Einzelheiten der Anwendung vgl. zB.:
III in sachl. einschlägigen Buchtiteln
wie Kanzleibescheid (I), auch Begleitschein bei der Übersendung von Kanzleiakten 
wie Kanzleistube 
wie Kanzleilehen (I) 
Ladung vor eine Kanzlei (B II) 
besonderer Dienstraum einer Kanzlei zur Abwicklung der Zollgeschäfte