Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): 1Kappe

1Kappe

, f.

ahd. kappa, chappa (auch lautlich verschoben caffa) tritt seit dem ausgehenden 8. Jh. als Lehnbildung zu dem etymologisch ungeklärten spätlateinischen capa, cappa, das bereits im 6. Jh. einerseits die Bedeutung "Mantel, Umhang, Obergewand" (häufig mit Kapuze) und andererseits die Bedeutung Schulterumhang mit Kapuze oder Kapuze bzw. Kopfbedeckung allein besitzt (ThesLLat. III 354; MlatWB. II 236ff.; DuCange II 110ff.; zur Etym.: LEW. I 162; zur volksetymologischen Anlehnung an lateinisch caput vgl. H.-F. Foltin, Die Kopfbedeckungen und ihre Bezeichnungen im Deutschen (Diss. phil. Marburg 1961) 78 bez. Isidor v. Sevilla, Frisch I 500); mhd. kappe, mnl. cappe, nd. kappe, nhd. kappe behalten diese (in den Quellen häufig nur schwer zu erkennende) Bedeutungstrennung bei, wobei das Übergewicht entspr. der sachlichen Wandlung der Kleidung zunehmend auf der Bed. Kopfbedeckung liegt. vgl. Kluge20 350
vgl. Käpplein
Sachhinweis: vgl. R. Hadwich, Die rechtssymbolische Bedeutung von Hut u. Krone (Diss. jur. Mainz 1952) 12-19, 71-80; W. Müller, Ein Auflassungs- und Investitursymbol des Klosters St. Gallen: Die schwarze Kappe (Rechtshistorische Arbeiten, hg. K.S. Bader, X Zürich 1972)
I Mantel, Umhang, Obergewand, häufig mit Kapuze

I 1 im geistlichen Bereich ist Kappe früh als Bezeichnung der Ordenstracht der Mönche (I) und der Kleidung der regulierten (und weltlichen?) Chorherren belegt und steht oft, in der Reformationszeit häufig abwertend, für den Mönchsstand überhaupt
  • nach 1243 Ulr.v.Türheim,Rennewart V. 36027
  • alsus quam in die kappe M. der gotes helt, do er zu munche was erwelt
    Ende 13. Jh. Passional(Köpke) 305
  • um 1300 HeinrNeustadtZukunft V. 7674
  • das gewant dis ordens [Lazariten] sol alsus sin. die cappa, die da sint rit cappa, die svlen sin kembelin alder von anderme einvarmene tveche, dc nvit weltlich si
    1314/21 Geschfrd. der 5 Orte 4 (1847) 138
  • 1345 MBoica XVI 400
  • auch hat vnser hailiger vater der papst herr Urban der fünft gepotten, daz der probst, der guster, der techent, der sanchherr vnd die chorherrn allgemainchlich tragen sullen ob iren vndristen gewand ... ainen mantl var offen genannt ein chappen 
    1365 Zschokke,MetropKapitelWien 33
  • 14. Jh. JbUnivKönigsb. Beih. IV 130 [bez. Dt. Orden]
  • ein probst sol och geben den herren, die kappen tragent, von dem zins ze haltin ein malter korns
    um 1400 Luzern/Geschfrd. der 5 Orte 38 (1883) 41
  • 1470 LünebChr. 433
  • 15. Jh. HambChr. 214
  • 1518 KaufungenUB. II 350
  • 1524 Eberlin v.Günzburg III 51
  • 1524 Magdeburg/Sehling,EvKO. I 2 S. 448
  • kunde A. V. bewisen, dath he binnen sinem prove jare uth der cappen gegaen, so muchte he na lubeschem rechte ervegudt, dar tho he de negeste getuget, upboren
    1526 LübRatsurt. III 2
  • se [junckfrouwe] hadde auerst neyne kappe ahne tho der tidt, sondern hadde lange uth dem closter gewest
    1530 Jensen,HambDomkapitel 353
  • wo genanter monch in 14 tagen nach dato die cappen nicht wirt ablegen, [soll er der Stadt verwiesen werden]
    1540 Quedlinburg/Sehling,EvKO. I 2 S. 264
  • in den moncheklostern sollen die personen aus den kappen erliche schwarze rocke, wie andere prister tragen, machen lassen. den der munchist habit, weil er eine sonderliche absonderungh von andern christen bedeuth, will uns nicht zu leiden sein
    1542 Göttingen/Sehling,EvKO. VI 2 S. 853
  • sollen auch die personen, so künftiglich [in ein evangelisches Frauenkloster] aufgenommen, weder die kappen und ordenskleider zu tragen ... verbunden werden
    WolfenbüttelKO.(1569) 260
  • es soll auch keine klosterperson in kappen ..., sondern wie andere christen in leinenlaken begraben werden
    1574 Lüneburg/Sehling,EvKO. VI 1 S. 622
  • 1594 Liegnitz/SchlesKirchSchulO. 160
  • de mönnike, de binnen sinen jaren in de cappe gekomen is
    16. Jh. (Vorlage 14. Jh.) Bunge,Rbb. 102
  • 16. Jh. HambChr. 60
  • 16. Jh. HambChr. 89
  • die chorherrn der stephans kirchen zu Wien ... von ihro päbstl. heyligkeit die erlaubnus erhalten [haben], kappen von vechpeltz gleich andern canonicis zu tragen vnd zu gebrauchen
    17. Jh. Zschokke,MetropKapitelWien 59
  • derer conventualen oder bernhardiner und cistercienser ingesamt ordenstracht [war] weiß oder weiß-grau ... mit einer langen schwartzen kappe 
    1721 Knauth,Altenzella II 230
  • die kappe ausziehen, den orden aͤndern
    1741 Frisch I 500
  • wie heilig die moͤnche hier zu lande ... ihre kappe gehalten, stehet ... daraus abzunehmen, daß wann ein friedloser ins kloster gefluͤchtet, er zwar extradiret werden muͤste, falls er noch in weltlichen kleidern war, ... hatte er aber das ordens-kleid an, war er unviolable, und das kloster muste nur eine geldbusse vor ihm bezahlen, wie ... aus dem ... jutischen low-buch ... zu ersehen
    1741 Pontoppidan,DänemKHist. I 517
  • diese kappe [von schwarzem zeuge] ... ist eine eben so wesentliche kleidung bey den [regulierten] chorherren als das rocchetto oder der kittel. die kappe ist eine kleidung, die vom kopfe anfaͤngt und bis auf die fuͤße geht. ... wir lernen aus einem alten ordinar ..., daß man im capitel keinen chorherrn annahm, der nicht mit einem canonischen kleide angethan war; ... wenn sich ein chorherr im capitel darstellen wolle, um darinnen aufgenommen zu werden, so solle er mit einem chorhemde uͤber seinem leibrocke bekleidet seyn und eine kappe von schwarzem zeuge mit der kapuze daruͤber haben. eben das ordinar enthaͤlt, man solle keinen chorherren ohne kappe begraben
    1753 Helyot,Klosterorden II 114
  • 1755 Helyot,Klosterorden V 174
  • [die Profeß] wird durch etwelche gebete eingesegnet. unter diesen gebeten wird ... weihrauch herbeigebracht ..., damit die neuen kleider, skapulier, kappe ... wie auch der profeß benediziert werden
    1782 FreibDiözArch.2 6 (1905) 219 [ebd.ö.]
  • kappen machen keine moͤnche
    1785 Krünitz,Enzykl. 34 S. 601
I 2
liturgisches Gewand (Chor-, Rauchmantel, Pluviale), häufig bei der Aufnahme in ein Stift als Gabe des Aufzunehmenden gefordert
  • um 1220 (Hs. 15. Jh.) Ebernand V. V. 677 u. 3267
  • um 1340 Nikol. v. Jeroschin V. 26460
  • do verschreip kuͤnig Karle [der Große] den dumherren und gebot jn, das suͤ keine symonie me soltent triben. und wenne suͤ einen nuwen dumherren enphiengent, von dem soltent suͤ nuͤt me nemen denne ein cappe. also noch vf allen stiften gewonlich ist
    vor 1386 Königshoven,Chr. 240
  • 1392 WernigerodeUB. 109
  • ayn iegklicher techan und tumherr inwenig dryen monatt noch gerwlicher uberkomung techaney anttwurte ayn cappen von sammett oder seyden in werde funffundzwantzig rinscher gulden zum minsten. so aber der custer und schulherr uffgenommen und iro personat uberkommen werden, sullen sy auch ... cappen von zwanzig rinschen gulden anttwurten ... so aber ayn vicari oder altarista von nwem uffgenommen wirt, der sey schuldig umb den selben nuttz funff rinsch gulden, welche dann durch ayn custer gesamlett ... werden, als lang bisz so vill gesamlet ... sey, ayn cappen zekouffen
    um 1460 Ellwangen/WürtGQ. X 101
  • 1525 AktBaselRef. I 354
  • 1525 AnnNassau 68 (1957) 79
  • des gstifts kleinot, silber, gold, syden, kappen etc.
    1532 E. Egli, Actensammlung zur Geschichte der Zürcher Reformation (1879) 777
  • 1720 Lünig,TheatrCerem. II 260
  • seine paͤbstliche heiligkeit ... in der ... weihnachtsnacht eine kapuze und kappe von rothem sammte traͤgt ...
    1753 Helyot,Klosterorden II 26
I 3 einzelne besondere 1Kappen: das als K. bezeichnete Gewand des hl. Martin (vgl. 1Kapelle, Kaplan) u., nur in einer Quelle belegt, der Krönungsmantel der Reichskleinodien
  • sîne [des hl. Martin] kappe furtent die künige von Frankrîch do nôch alle zît an, sô sü zu strîte solten faren; dovon wurdent die cappellâni genant, die der kappen hütent
    14. Jh. Birlinger,WB. 268
  • hye vahet an die salbunge des roemischen küniges ... da thaetten im [Maximilian I.] dye zwen erczbischoff, der von Mencz und der von Koelen, an ein alben und ein stolen und ein cappen, dye hetten die von Nueremberge dar gepracht und seind des keyser Karel gewesen
    1486? AachenZ. 64/65 (1951/52) 86
  • der roemisch künige in seiner cappen und auch kronen ... [und der Kaiser] in seiner keyserlichen maiestat cappen
    1486? AachenZ. 64/65 (1951/52) 92
  • 1783 Scheidemantel,Repert. II 461
  • 1829 Müller,HdbKirchR. I 296
  • oJ. MnlWB. III 1191
I 4 als weltliches Kleidungsstück ist Kappe mit rechtlichem Bezug außer als Herrschaftssymbol (1Kappe III) belegt ua. als Abgabe an den Fronboten (I) bei der Entrichtung des Sterbfalls, in Luxusverboten und Kleidervorschriften sowie in preisregulierenden Bestimmungen
  • si sond och kain ir roͤk noch kappen nit mit mer silbers beschlahen denn mit ainer halber mark silbers
    1371 RavensburgStR. 173
  • 1376/1445 UlmRotB. Art. 431
  • gebieten wir, daz man dheim leister ... niht kouffen sol roͤck noch mentel, hosen, kappen ..., ez enwerre danne, ... daz er sein kleider in der leystung zuͤbreche
    Ende 14. Jh. WürzbPol. 95
  • um 1400 WürzbPol. 111
  • sie weysen zu recht, stirbt ein freyman, so sol der freybot nemen das oberist gewandt, hat aber er das nicht, so sol er ein kappen nemen
    1469 FrkBauernW. 34
  • 1477 WürzbPol. 155
  • 15. Jh. NürnbPolO. 106
  • 1500 BairLT. IX 428
  • welher man hie stirbt, der jnn den kelnhoff hört, der git dem heren das best hopt, ... da wirt dem waibel kapp vnnd 1 gürtell vnd die schůch
    um 1500 Alemannia 14 (1886) 2
  • 1533 UnivTübUrk. 138
I 5 im Sprichwort
  • amt traͤgt kappen 
    1691 Stieler 1013
  • amt giebt kappen ... sensus autem diverbii est, quod munia dent censum, munera, lucra et commoda ...
    1715 Pistorius,Thes. II/III 201
  • das amt ist gering, es gibt nicht viele kappen 
    1741 Frisch I 500
II Kopfbedeckung, Kapuze mit oder ohne Schulterumhang

II 1 im geistlichen Bereich Bestandteil der Ordenskleidung und des liturgischen Gewandes
II 2
im weltlichen Bereich ist Kappe in rechtlicher Beziehung außer als Herrschafts- und Rechtssymbol (1Kappe III) belegt als Teil der Entlohnung, in Luxusverboten, als Teil der Gerade, ferner als Strafwerkzeug bei Ehrenstrafen und als Teil der Anstaltskleidung in Arbeits- und Zuchthäusern; das Tragen einer Kappe bei der Verübung von Straftaten gilt als Strafschärfungsgrund
  • es ist auch ertailet: ... daz man ainem statschriber elliu jar zem ostermargt umb ain gewant geben sol 5 libra d. zů dem vorgn. lon, und sinem schůler rok und kappen 
    1363 Augsburg/Keutgen,Urk. 259 [oder zu I?]
  • 14. Jh. ZürichStB. I 185
  • hie merket die gesecze von ... den cappen: ... auch wellen wir, daz kein vnser purger noch purgerinne noch ir kinder kein kappen von golde noch von silbere tragen schol danne mit einem porten, der dreyer twerchen vinger prait sei on geverde. wer sie aber praiter vnd anders truege ..., die cappe scholl dem geuallen an der stat nucz
    1400 Siegl,Eger 57
  • 1549 Reyscher,Ges. XII 151
  • 1549 Reyscher,Ges. XII 153
  • 1643 Moscherosch,Phil. II 397
  • uns ist schon oͤfters ... vorgekommen, daß sonderlich unter dem gemeinen mann etliche seyen, welche sich anstatt eines huts sowohl zu haus als uͤber land einer kappen, welche sie vorab zu winterszeit ... fuͤr das angesicht herab zu ziehen pflegen, gebrauchen; und aber in mehr faͤllen erfahren worden, [daß Verbrecher] ... diese tracht oder form der kappen so weit mißbrauchen, daß sie sich zu vertuschung ihrer unthaten mit denselben gleichsam vermumen ..., [wird verfügt,] daß dergleichen tracht von den kappen ernstlich abgeschafft werde
    1650 KurpfSamml. IV 550
  • verordnung, daß jener, der sich mit einer alla modo- oder nebelkappen auf einer unthat betretten lassen, eben darum, weil er eine solche kappe darzu gebrauchet und sich damit verstellet, um so viel schärfer an leib und leben abgestraft werden soll
    1650 Salzburg/Ebel,Curiosa 54
  • 1681 ZDKulturg. 4 (1859) 600
  • bey etlichen hoffstaͤdten hat man eine schwere eiserne kappen, so man ihnen [den straffällig gewordenen Dienern] umhenget, da vorn bey dem gesichte ein elephanten schnabel angemacht ist und sonderlich bei den stall-burßen gebraucht wird
    1693 Döpler,Theatr. I 725
  • 1706 Alemannia 10 (1882) 8
  • 1706 ZDKulturg.2 2 (1873) 192
  • 1711 Rädlein 823
  • die fehlbaren weibspersonen sollen mit einem sonderbaren zeichen, als einer halb roten, halb schwarzen kappe, 4 jahre lang im schallenwerk arbeiten
    1716 SchweizId. III 385
  • gerade ist ein theil beweglicher guͤther, so zu weiblichem gebrauche und zierde dienet und bey absterben der besitzerin auf ihre nechste nifftel verfaͤllet wird ... es werden ... dazu gerechnet ... kappen 
    1738 Hayme 229
  • was die an mich [Oberjägermeister] dem alten herkommen nach [beim ersten graͤnzbegang des durch das fürstlich-nassauische Oberforstamt verwalteten Klosterwalds] abzugeben gewoͤhnlich gewesene kappe anlanget, ist dieses zwar unterblieben ..., indessen hat der schaffner des klosters ... diesen alten gebrauch nachzuholen versprochen. in ansehung der alljaͤhrlich vom kloster Tiefenthal an den jaͤger S. ... zu entrichten schuldigen kappe ... hat ... die frau aͤbtißin ... solches als eine schuldigkeit anzuerkennen verweigert
    1775 Moser,ForstArch. III 355
  • die hüete sollen ihnen [den männlichen Arbeits- u. Zuchthausinsassen] verbotten seyn, damit sie das gesicht nicht deken können; ihre kappen sollen aus gleichem tuch bestehen wie das kleid, in form einer calotte, mit einem bord von gleichem zeüg, vornen aber ein stüklein weißes tuch, worauf das numero zu zeichnen ist
    1783 BernStR. VII 1 S. 493
  • 1783 BernStR. VII 1 S. 494
  • 1788 BernStR. VII 1 S. 514
II 3 Bestandteil der Kleidung bestimmter Personengruppen
Sachhinweis: vgl. zB. H.-F. Foltin, Die Kopfbedeckungen u. ihre Bezeichnungen im Deutschen (Diss. phil. Marburg 1961) 73
  • ez ist auch gesetzzet, daz kein iude chein kappen tragen sol; wer daz brichet, wirt er darumb geruͤget, so sol er geben 1 libr[am], als oft er daz tůt
    vor 1360 NürnbSatzB. 123
  • wie ir [Schützen] ... bey uns gewartig zu sein versprochen, darauff wie ander schutzen die kappen empfangen und also euern dienst diß jar auß gewartig zu sein verpflicht
    1504 HeilbronnUB. III 83
  • es seyen auch die j[uden] schuldig ..., das sy mit zaichen, kapen und ander claidung geen sollen
    um 1507 UrkJudRegensb. 265
  • vor 1516 UrkJudRegensb. 295
  • dieselben [abtringig minch] hyes man wegelißlewt, nam etlicher ain gelbe kappen und schwur aym den hals und leben ab, den er nie kant noch gesechen hett
    vor 1542 BauernkriegQ. I 182
  • 1549 Birlinger,WB. 268 [bez. Metzgerkleidung]
  • von der judenkleidung ... daß die juden einen gelben ring, an dem rock oder kappen allenthalben unverborgen, zu ihrer erkaͤnntnuͤß oͤffentlich tragen
    1577 Scheidemantel,Repert. II 632
  • juden-grosche, ... eine muͤnze mit einem zugespitzten hut oder einer kappe mit einem hinter sich stehenden zipfel, dergleichen die juden lange zeit tragen musten
    1741 Frisch I 492
III die 1Kappe (I u. II) bei Rechtshandlungen, als Kennzeichen der Obrigkeit u. als Rechtssymbol, insb. als Investitursymbol bei der Errichtung eines Gemächtes (II 1) vor dem Pfalz- u. Lehngericht St. Gallen unter Vorsitz eines geistlichen Richters
Sachhinweis: W. Müller, Ein Auflassungs- u. Investitursymbol des Klosters St. Gallen: Die schwarze Kappe/Rechtshistorische Arbeiten, hg. K. S. Bader, Bd. 10 (Zürich 1972)
  • swar men dinget bi koninges banne, dar ne scal noch scepen noch richtere kappen hebben an, noch hut noch hudeken noch huven noch hantscen. mentele scolen se op den sculderen hebben
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. III 69 § 1 [zu 1Kappe II 2]
  • er ok he vor den herren kome, he scal swert, mezzes unde sporen, hut, huven unde hantscen, kappen unde alle wapene enwech dun
    nach 1225 Ssp.(Eckh.2)Lehnr. 67 § 1 [zu 1Kappe II 2]
  • Anf. 14. Jh. GörlitzLehnR. 26 § 37
  • da neigete sich der herre grave Otte dar zu dem apte nyeder und greiff yme an sine kappe und nam yn mit dem geren und sprach also: lieber herre, diß dun ich mit erlaube, ich fordere und begere myn mannlehen als von montparschaffts und rechts wegen myner elichen frouwen an üch zu eyme male, zu dem andern male und zu dem dritten male, als man billich und von rechts wegen sine lehen an sinen herren furdern und begern soll
    1385 Kloster Bleidenstadt/ZGO. 36 (1883) 429
  • item wers sache, das myn herre von Meinze oder myn herre von Folde den von Aula gebotten zufolgen, vnd sehen sy die schwarzen kappen, su sulden sie folgen vnd anders nicht
    1419 Hessen/GrW. III 333 [zu 1Kappe I 1?]
  • 1431 SGallenUB. V 645 [zu 1Kappe II 1?]
  • uf dieselb unser frag mit gemainer urtail erkennt ward, das ich ... [Richter] ain schwarz kappen in min hand nämen sölt; daran sölten der obgenannt [Testator] ... und ouch der vorgenannt [der Bedachte bzw. sein Vertreter] griffen. und solt [der Testator] ... dis gemächt offentlich verjehen. und nach der vergiht sölt er die kapp lassen und sin hand darvon tůn und darnach sölt ouch ich die kapp lassen und sölt der vorgenannt ... die kapp zu sinen handen ziehen. und wenn das also beschäch, so hett es craft und macht nach unsers gotzhus rehten
    1432 W. Müller, Ein Auflassungs- und Investitursymbol des Klosters St. Gallen: Die schwarze Kappe (Zürich 1972) 18
  • 1438 SGallenUB. V 889 [zu Kappe II 1?]
  • 1441 SchweizId. III 386 [zu Kappe II 1?]
  • 1442 SGallenUB. V 1032 [zu Kappe II 1?]
  • [wenn beim Sendgericht] die persohnen ... versamlet sein, so sitzt ein dhomprobst oder ein dhomherr ... auf die sidelle, die da [im Dom] stet, ... dahin legt man ein roden seiten [Tuch] und thuet auch der vorbenante herr ein rote kapp an
    1492 Speyer/Koeniger,SendQ. 180
  • 1492 Speyer/Koeniger,SendQ. 181 [zu 1Kappe I 1?]
  • uf solichs nam ich der statthalter ain schwarze kappen mit dem zipfel in min hand und uf die schos. ging ... desglich die vogt und trager in des gerichts ring. griff erstlich ... an zipfel der kappen, daran er dis gemecht ... mit mund und hand bekannt. volgends lies er die fallen, empfieng und zogen ire vogt und trager [die Bedachten] zu ir hand ... wie dann solichs zethun, och craft und macht zehaben ... nach der pfalz altem loblichem bruch und recht beschehen zesein mit ainhelliger urtel ertailt ward
    1556 StiftsarchSGallen Bd. 1076 fol. 134 [zu 1Kappe II 1?]
  • wenn die äbtissin zur ehafttayding das recht will besitzen, so soll der amtmann von S. hingehen vnd cappen vnd gürtelgewant ablegen vnd ir den stab piten auf seinen chnyn, so soll sie den stab behalten in der hand, hintz daß man sitzet zu den rechten
    16. Jh.? NeuburgKollBl. 52, 1 (1888) 5 Anm. [zu 1Kappe I 4?]
  • eine ... linde, unter welcher die catholischen aebbte samt denen kern-richtern gericht gehalten, und wann die causa malefitzisch war, zoge der abt den zippel an seiner kappen gegen dem gesicht herunter und gabe damit das zeichen, das die persohn zur schirms-vogtey H. abzufuͤhren ... waͤre
    1719 F.W. Breuninger, Fons Danubii primus et naturalis ... (Tübingen 1719) (zu K. I 1 oder II) 369
IV
in übertragener Bedeutung

IV 1 reguliertes Chorherrenstift nach der Windesheimer Kongregation
  • vor und ehe die capp vom graf Eberhard ... zu dem fuͤrstenthum angefangen worden, sind 5 pfruͤnden zu D. gewesen
    1524 OAUrach 159
IV 2 Schlafraum eines Kanonikers während der sechswöchigen Probezeit im Paderborner Dom
  • darnacher [wurde] pedellus M. J. der kämmerling vorgefordert und befragt, ob der cappenherr den statutis gemeß innerhalb dieser 6 wochen stets auf der kappen geschlaffen
    1651 ZWestf. 96, 2 (1940) 22
  • 1701 ZWestf. 96, 2 (1940) 19
IV 3 Speicher für die Kornpacht in Münster, teilweise auch als Gefängnis benützt
IV 4 Zurechtweisung, Schläge
IV 5 Bedachung
IV 6 Stütz- und Tragholz im Bergbau
IV 7 Festungsbauwerk
  • kappe ist an einer festung ein klein werck von 2 facen oder foͤrdertheilen, welches ein heraus stehendes eck machet und nur eine brustwehr hat, mit pallisaden umgeben
    1717 Hübner,ZtgLex.8 873
IV 8 obere Deich- oder Dammfläche
IV 9 Gewölbe, Höhlung im Mauerwerk
  • zům dritten, souil die kappen des camins belangt, so mags ainer in seiner aignen maur wol machen, es waͤre dann ain widerwertige dienstbarkeit auffgericht, ... solches mag auch in ainer frembden maur nit beschehen
    1567 Pegius,Baurecht 64
IV 10 Versteifung der Spitze(n) bei Schuhen und Handschuhen
IV 11 Umhang für Pferde, Schabracke
V in Livland kleines Hohlmaß für Getreide; vermutlich entlehnt aus spätlateinisch und kirchenslawisch cappa (Berneker,SlavEWB. I 483f.; vergleiche DWB. V 195f.), oder von schwedisch kappe (so Gutzeit,Livl. Nachtr. II 28; vergleiche Alberti, Maß und Gewicht 478 nach Aubök,Münzlex. 168)?
  • eine tonne hält 2 spann, ein spann hält 16 kappen, eine kappe gleich 1 3/4 kanne
    wohl 1665 Gutzeit,Livl. II 16
  • eine kappe getreydes
    1707 Liefländ. Landesordnungen/Gutzeit,Livl. II 16
  • kappe ... ein kleines kornmaaß
    1795 IdLiefl. 106
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):