Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): 1Kar

1Kar

, n.

auch außeridg. belegtes Wanderwort, zur Etym. vgl. Kluge20 350; Schmid,SchwäbWB. 305. MhdWB. I 788; Lexer I 1516; Jelinek 402; Götze,FrühnhdGl.5 131; Frisch I 502; Adelung II 1465 u. 1502; Scherz-Oberlin 760; DWB. V 202; Schiller-Lübben II 428; Lasch-Borchling II 519; NKölnSprsch. II 19; Kehrein,NassauWB. 216; SchwäbWB. IV 216; Schmid,SchwäbWB. 305; Birlinger,WB. 269; Schmidt,ElsWB. 188; ElsWB. I 462; Schmeller2 I 1276; Schöpf,TirolId. 302; Unger,SteirWsch. 377

I Bezeichnung für Gefäß oder Schüssel
  • 13. Jh. Berth.v.Regensb. I 85
  • 1322 Schmidt,ElsWB. 188
  • ein hundert kar git zwei kar [Zoll]
    um 1350 StraßbUB. IV 2 S. 210
  • 2. Hälfte 14. Jh. StraßbUB. IV 2 S. 220
  • wer in der tziit schusseln, kar, narten ... ader leffel herbrenget, zollet eime camerer von iedem hundert iiii
    1444 MainzKämmW. 166
  • item die schußler im almendkreiß gesessen sollen hinfur zu schusseln, kar und anderm derglich kein ander holz in der almend hauwen dan erlin, birken und espenholz
    1483 SchriesheimW. 43
  • 15. Jh. StraßbZftO. 264
  • so ainer den maisch auf das kar schütt, sol er dem perkherrn zu wissen thun und anpieten zu nemen [vom jeuch ain emer ... most ... zu perkrecht]
    1512 NÖsterr./ÖW. VII 995
II Hohlmaß, insbesondere für Korn- und Hülsenfrüchte, aber auch für Wein und Fische (hier evtl. auch als Fischkasten, vergleiche NKölnSprsch. II 19) und in Zss. als Maßangabe für Bauholz belegt
  • daz mir di levt, die auf demselben aigen sitzent di weil, all iar, von den wesetzten höfen, ie von dem hof ain halbs char habern ze futter geben schulen auf meinen chasten
    1320 MBoica 27 S. 96
  • 1348 MZoll. III 177
  • 1447 MBoica 25 S. 50
  • nota, waz man habern von dem poden verschanckt hat: ... vnsern herrn konig xl kar habern
    1459 Eger/MittDBöhm. 42 (1904) 211
  • item zu dem ersten yms soll man stellen ein fuderig bude und darin soll man tun win als vil, das man ein halp fertilige kare darin beseuf, davon sol der hubener den yms drinken
    1470 SchriesheimW. 81
  • item yd en sal auch nyeman keyn fisch messen an der Moeselen myt dem kar ader myt der halber thonnen boden, aß daß recht ... ist, der gesworen wygemeister en sy dabey, und wanne he spricht, iß sy genoich, so sal man uf horen zu beyden syten
    Ende 15. Jh. Bär,Koblenz 208
  • 1502 QFürstentBayreuth I 119
  • 1525 ElbogenUrb. 86
  • ain r[adt] alhie verlassen, das nun hinfuro ain ieder eichmaister, so von ainem radt darzu verordnet ist, solle ouch der statt kär und ire wein versechen
    1545 RavensburgStR. 293
  • 1550 Skála,KanzleisprEger 200
  • 1568 Skála,KanzleisprEger 178
  • 1575 Skála,KanzleisprEger 76
  • 1570 ... hat das char weizen, als 8 mees, etwa 3 fl. frk. in kauf gestanden
    1. Hälfte 18. Jh. ArchOFrk. 16, 3 (1886) 228
  • waitzenmehl ... wird ... in der maß verkaufft, und gilt dermalen das kleine napfel deren 8 einen napf, und 4 napf ein maßl, und 8 maßl ein kahr, ein kahr aber drey böhmische strich ausmachet
    1755 Siegl,Eger 162
  • kar, kahr ... ein ... bestimmtes, doch nur ideales hohlmaß für milch, welches zehn mäße (das mäß zu vier pfund gewicht) ausmacht
    1812 Stalder II 87
III besondere Bedeutungen

III 1 von 1Kar (II) abgeleitet: Getreidezoll in Niederösterreich
  • di maister haben alle di purgerrecht an mauten und zollen, kar etc. als di purger in der stat
    Mitte 15. Jh. NÖsterr./ÖW. VIII 340
  • [die Bürger von Korneuburg haben das Recht, daß sie] von irm getraid kain kör nit geben sullen, wo sie ... [es kaufent] in dem lant
    1610 BlNÖLk.2 15 (1881) 406
  • [daß das] kar in des herzogs amt gegen Neuburg [zu reichen ist]
    1610 BlNÖLk.2 15 (1881) 406
  • oJ. Unger,SteirWsch. 377
III 2
alter Kar, wohl von 1Kar (I) abgeleitet (vgl. Kramer,VolkslBamberg 130), besondere Vergütung anläßlich einer Hochzeit, aber auch anläßlich einer Rechnungslegung
  • kein alten karrn oder ichtes von jemand fordern, sondern sich allerdings an seiner gesetzten belohnung benügen lassen
    1564 Kramer,VolkslBamberg 129 [bez. Hochzeitsbitter]
  • der custos zu s. Steffen hat gerechtigkeid, wan ein hochzeit in einem hoff ist, die da zu kirchen gehet, so hat er ein alten karn, das opfer nimpt er auch
    Anf. 17. Jh. Kramer,VolkslBamberg 129
  • 2 fl. den burgern für ihren gewöhnlichen vortel oder alten karen zu vertrinken verehret
    1637 Kramer,VolkslBamberg 37
  • um 1700 Meiningen/Kramer,VolkslBamberg 130 Anm. 73
  • in ... hochzeitsfesten ... hiemit ... die also genandte alte karen und schimpfliches mit heimtragen gaͤnzlich aufgehoben [ist]
    1704 Schneidt,Thes. II 1552
III 3 Stockwerk (hierher?)
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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