Kehr, m.

zu kehren
ursprünglich Richtung, Wendung
I Wendung, hier des Pfluggespanns auf dem Nachbaracker in Ausübung des Anwendrechts, auch die durch die Wendung verbundenen Ackerfurchen
  • wär das ain arm man hett ain ross ... vnd wer das der arm man nút ain gemaren fund, so sol der keller im anfachen vnd in fúren ainen ker vnd darnach die hofjünger yeglicher ainen ker
    1459? Alemannia 15 (1887) 25 Faksimile
  • is vor recht gewyset, dar ener ein keer hefft up enes anderen jarich sehafftich lant, sall he achte voit keren up dat lant
    1552 WestfLR. 138 Faksimile
  • 1715 WestfLR. 133 Faksimile
  • oJ. Brinckmeier I 1089 [urk.?] Faksimile
  • es sol ... ein meyer ... in eim stall zwei die besten rinder an sinen pflug merwen, ob er ir bedarf ... wer aber denne, daz zwei rinder oder drü übrig da werin, die sol ein meyer deu ersten ker füren, vnd sol si denne dem nechsten bi im gen, vnd dar nach eine dem andern
    oJ. Schwaben/GrW. I 309 Faksimile
II (wiederkehrende) Reihenfolge, in der bestimmte Arbeiten zu verrichten oder Ämter zu übernehmen sind oder eine Berechtigung in Anspruch genommen werden darf
III unbefugte Wiederkehr eines aus seinem Hofgut Ausgewiesenen, nur im Elsaß belegt und im 18. Jh. (1728 Schilter,Gl. 163) allgemein als Verbrechen gedeutet
  • 1380 Unterelsass/GrW. I 731 Faksimile
  • und füre er ... wider uf die guter, uber des meigers gebot, so ist er besserhaft worden von iedem kere 30 ß, und dieselbe besserunge ist des herren und des vogts
    1380 Unterelsass/GrW. V 479 Faksimile
  • wan der meiger ein guet verbieten lässt, so mancher keer uber das gebot uf demselbigen guet beschicht, also dick bessert der ungehorsam, der den keer thut, dem dinkhofsherrn 30 sch. den.
    1612 Unterelsass/GrW. I 751 Faksimile
  • oJ. Unterelsass/GrW. I 706, 710
IV Genugtuung, Ersatz- oder Sühneleistung, meist formelhaft gebraucht in der Verbindung mit Abtrag (C 1 b und D) oder Wandel
  • peschicht uns unrecht und hoffen, des noch ker und wandel von ew zu erlangen
    1474 MHabsb. I 1 S. 119
  • ker und abtrag vmb sollich verhandlung ... thun
    1494 SPaulUB. 520
  • seye klaͤger vnd R. vneins worden, deßhalben er J. vmb ... ein finger kommen. vermeint, R. solle jme ker vnd wandel darumb thůn, dann es breuchlich
    1574 Frey,Pract. 338 Faksimile
  • des klosters leute ... mercklicher gewald zugefüget ... wofür die ... rähte kher, wandel und abtrag begehret
    1578 Westphalen,Mon. IV 3517 Faksimile
  • wer von vnsern burgern jemanden mit ehrrorigen worten beleidigen würt und solches ime mit warheit nit overbrengen konde, die sall ... dem beleidiger kehr und wandel doin
    1590 BeitrEssen 20 (1900) 148
  • [d. Meister soll bei mangelhafter Arbeit] für die arbeit gebührlichen chur und wandel thun
    1595 Lüneburg/Rothenbücher,Werkv. 66
  • solle ... der wiert, welcher die ungebür verhenget ..., neben oder sambt den gast ... gestraft und zu kher und billichen abtrag gehalten werden
    1608 Kärnten/ÖW. VI 489 Faksimile
  • alle vormunder ..., die jhrer anministration ... nit trewlich vorstehen ..., seynd den pflegkindern vmb schaͤden erstattung, kehr vnd widerlegung ... zuthun pflichtig
    FrkLGO. 1619 III 21 § 1 Faksimile
  • wir wollen ... uns. burger dahin anwysen, daß er solche zulagen entweder den rechten gemaeß uf yne bybringen und erwysen oder aber ihme nach notdurft syner ehren ker und wandel thun solte
    1642 Zürich/Scherz-Oberlin 776 Faksimile
  • soll der schmäher solang vor unredlich seines handwerks gehalten ... werden, bis er dem geschmäheten genugsamen kahr und wandel gethan und sich mit der obrigkeit der straf halber abgefunden
    1670 EisenachStR. 168 Faksimile
  • da die officirer und soldaten sich untereinander ... beleidigen ..., dem beleidigten kehr und wandel wiederfahre
    1672 Lünig,CJMilit. 118 Faksimile
  • wandelung war ... eine straffe, die einem wegen verbrannter kirchen-guͤter mit denen formalien zu wandel, kuhr und abtrag dictiret wurde
    1710 Nehring,Lex. 450 Faksimile
  • wer dem andern seine fruͤchte ... abaͤtzet ..., derselbe soll neben anweisung der schlechten bus auch denen beschedigten kehr und wandel zu thun angewiesen werden
    vor 1762 Hessen/Wiesand 918 Faksimile
V Einredemittel gegen eine Klage, nur in der Verbindung Kehr und Wehr belegt
  • heemraden hadden by uitspraak de impetranten versteecken van alle exceptien, keer en weer, die zijl. zouden hebben mogen doen en proponeren, en voorts hen gecondemneerd
    1596 MnlWB. III 1269 Faksimile
VI Weideland
  • ander, ... daz in an horte, in holze und en velde, en wise und en keren und en garten
    1270 UlmUB. I 132 [wohl als "Acker" zu lesen] Faksimile
  • wer dem andern huet uf seinem ker oder wismat, ist es bei dem tag oder bei der nacht, der soll geben 32 ₰
    1625 Schwaben/GrW. VI 215 Faksimile
  • 1788 HelvLex. Suppl. III 329.