Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Kirchhöre

Kirchhöre

, f.

alem. (fast nur schweiz.)
was in den Zuständigkeitsbereich einer Kirche (III 1) gehört

I wie Kirchspiel mit der gleichen engen Verbindung des räumlichen und personalen, des politischen und kirchlichen Bezugs
  • 1287 Geschfrd. der 5 Orte 2 (1845) 76
  • in der kirchoͤri ze T. hat duͥ herschaft uͥber luͥte twing und ban
    1303/07 HabsbUrb. I 192 [vgl. Bader,Dorf II 192]
  • das sigend grechtigkeiten eines kilchherren den zehnten zesamlen ... in der ganzen kilchhöri 
    1305 Geschfrd. der 5 Orte 49 (1894) 198
  • die vndertan gemeinlich vnd ir nachkommen in der kilhöri ze W.
    1328 Geschfrd. der 5 Orte 49 (1894) 203
  • 1344 Burckhardt,Hofr. 239
  • 1351 Argovia 9 (1876) 40
  • die lüt in der genoß und in der kirchhöri ze N.
    1370 VorarlbWB. II 73
  • 1389 BernTellb. 648
  • 1398 Geschfrd. der 5 Orte 42 (1887) 44
  • gericht, kreiss und kilchhoͤri ze T.
    1418 BernStR. IV 1 S. 36
  • die kilchhöri gemeinlich der kilchen und dorfs
    1427 Aargau/Bader,Dorf. II 212 Anm.
  • der commenduͥr des huses zu K. [erhebt Anspruch auf d. Zehntrechte] dar umb, das die nuͥwen uffbruch und agker legen in der kilcheri der kilchen von M., die sins gotzhus wer
    1441 LaupenAmtsbez. 39
  • der ... luͤten gemainer versammlung der kirchoͤri vnnd pfarrgehoͤrigen ze T.
    1460 AppenzUB. II 1 S. 97
  • wenn der kilchensatz und die kilchery daselbs ledig werde, daz dann die uon M. moͤgen einen kilcherren erwelen und ufnemen
    1488 MellingenStR. 333
  • die weibel in den kilchhoͤrinen soͤllent schweren, gemein richter zů sin
    1524? ObwaldenLB. 10
  • 1525 Solothurn/Franz,BauernkrAkt. 303
  • wo ein ganze kilchhöri eins und rätig wurd, iren priester widerumb in das gotzhus ze schicken, das sölichs ... mog beschechen
    1525 Bern/Franz,BauernkrAkt. 312
  • 1528 deQuervain,BernRef. 187f.
  • ettlich kilchoͤrinen von zwoͤyen, dryen oder me gerichten
    1530 BernStR. VI 1 S. 415
  • etlich kilchhörenen, gemeinden oder herlichkheiten
    1531 Büeler 125
  • Mitte 16. Jh. Ulm/FischerChr. 74
  • 1559 AppenzLB. 1409 74
  • die fäl soll man wëren inn den seelhoff oder an das gstad des gotzhuses amptman inn der kilchhöri von dem gras vnnd vssnend der kichhöri inennd siben tagen, vsser lanndes innent achttagen, darnach so er ze lannd kündt
    1572 Zürich/GrW. I 61
  • so soll fuͤrderhin, wer der seye, nit mer gwalt haben, von einer rood oder kirchhoͤre in die andere zu zihen, außgnommen ..., daß einer ein guoth in einer anderen kirchhoͤri ererbt oder erweibete, ... sonst soll jeder in der kirchhoͤri bleiben ..., sich auch einer kirchhoͤri gemaͤß halten soll
    1586 LBAppenzIR. Art. 193
  • das jegkliche kilchöri soll vollmächtigen gwallt haben, in religion und gloubenssachen handlen, was sy guott dunckt, das allweg das minder dem mhereren thail volgen und darby pliben und kain kilchöri der anderen zuowider thuon
    1588 R. Fischer ua., Appenzeller Geschichte ... I (1964) 486
  • im ambt L. sind 6 grichtstett ... kilchörinen sind fünfen
    1677 LaupenAmtsbez. 294
  • demnach ist auch in schädlicher missbrauch ... kommen, dass in denen kilchhörinen, welche in underscheidenlichen beürten abgetheilt, etwelche beürtgenossen sich undernommen, solche leüth für beürthsgenossen anzunemen, die aus anderen kilchhörinen zu ihnen gezogen
    1701 Niedersimmental 152f.
  • die tagsatzungen an offnen cantzlen, in den herrschafften und kirchhoerinen ... verkünden lassen
    1743 BernChorg. 37
  • 1798 ThurgauBeitr. 91 (1954) 93
  • bestätigung des alten rechts, daß in einer jeden kirchhöre ... ein waysengericht beybehalten werde
    1810 InterlakenR. 681
  • gemeinden, welche die gedachten kirchhören bilden
    1815 HdbSchweizStaatsR. 68
II
vorwiegend in Appenzell die Versammlung der vollberechtigten Gemeindegenossen (Landesgemeinde)
  • habint den koff tan ... vnd hab och die wort dik vnd uil offenlich vor offner kilchhoͤry geredt
    1462 AppenzUB. II 1 S. 133
  • also hat man sontags den 11. hornungs in allen ußroden die kilchhörinen gehalten
    1588 Appenzellische Jahrbücher3 10 (1898) 146
  • ein landtsgmeindt oder kirchhoͤry 
    1667 LBAppenzIR. Art. 130
  • ohne ... gutheissen eines gantzen zweyfachen landt-raths einiche neuͤe kirchhoͤri oder landtsgmeindt niemahl sole ... gehalten werden
    1667 LBAppenzIR. Art. 130
  • es soll niemand dem anderen keine frücht ufläsen ... was junge knable belangt, ist es den kilchhörenen uberlassen, ein straf uf ze setzen und ze verohrnen
    1674 GasterLsch. 198
  • alle gemeinden der äussern rhoden dieses kantons ... haben ihre eigene behörden, die man kirchhören und gemeinderath, oder hauptleute und räthe nennt. 1. die kirchhören oder die gesammtheit aller ortsbürger versammeln sich des jahrs zweimal
    1814 Appenzell/HdbSchweizStaatsR. 337
unter Ausschluss der Schreibform(en):