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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Kreuz

Kreuz

, n.

Entlehnung aus d. lateinisch Akk. crucem (DWB. V 2176; Kluge20 403f.) zu ahd. chrûci, mhd. kruze, mnd. kruze, mnl. cruce (zahlreiche Varianten)
Bedeutung wie neuhochdeutsch

I Zeichen einer räumlichen, teilweise auch zeitlichen Begrenzung, insbesondere das königliche Kreuz als Stadt-, Markt-, und Weichbildkreuz
  • weyden unde bussch, die si gelaten hebben to unser nut ..., als it mit graven und mit crucen, die in die boyme sin gehowen, volkomeliken openbare sin
    1253 Livland/Schiller-Lübben II 586
  • die wil er in der bůs ist vnd die nit volleistet het, daz er die nahgenden bůs vor den kruͥtzen leisten ... sol
    1290 RheinfeldenStR. 18
  • do wart in sente Peters frede gewvrcht obir von gotis halben mit einem krewcze. das ist noch das orkunde, wo man newe stete bawet vnd merkte machit, das man do eyn krewcze seczit uff den markt dorvmb, das man sehe, das es des kunigs wille sey, wenne weichbilde recht von alder czeit her gestanden hat vnd ist bewert von dem reiche
    Anf. 14. Jh. MagdebRQ.(Laband) 56
  • dü buoche ist gezeichent mit eim krüze 
    1311 SchweizId. III 941
  • swel phaffe einen burgere von B. ... ze tode slecht inwendig den cruͥzen, der sol in fuͥnf iaren niemer inwendig duͥ cruͥze komen
    1339 BaselRQ. I 1 S. 15
  • crieget oͧch einr mit dem andern und werdent die von einander gescheiden, swer dar nach uͥber den andern loͧffet oder gar vientlich oder argwenlich oder sin wartet, der sol ein jar vor den cruͥtzen sin
    1339 BaselUB. IV 133
  • die crucen van den jairmerkten mag men setten dairsy degelicx staen binnen den velt marckt off ban milen off velt marckt, ... so vort umblanges umb die stadt is die ban myle off veltmarckt gelegen
    vor 1347 NrhAnn. 9/10 (1861) 262
  • daer men alle jare dat cruys op rechten sal
    1355 Westfriesland/deGoede,Swannotsrecht 102
  • 1364 VeröfflColmar I 35
  • 1365 TrierWQ. 340
  • gaet aen die frey zeit ... und alß balde suillen die froneboten ein hoilzen creuz mit eine schwerde und einer hand darain gehangen ... zum zeichen, das es alsdan frey ist, also das man darafter niemants mehe kummert noch ain gericht beutet noch den freden claget
    1366/1424 KoblenzGB. 99
  • 1370 EßlingenUB. II 91
  • 1379 EßlingenUB. II 186
  • 1390 SchlettstStR. 601
  • wo man nuwe stete buwet ader merkte macht, daz man eyn cruze macht uf deme marckte, dorumme, daz man sehe, daz do wichfrede sy
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 78
  • 1403 NeuenburgStR. 44
  • es magk auch eyner in seynen rechten ansitzen, wo er will, und auffslagen. will er aber die crutz uberstechen und ubersetzen, so soll er es zum andernmal verfahen
    1408 Schladming/ZBergr. 33 (1892) 214
  • die raedsluyden sullen tot aller jaermercken aen cruys oprechten
    BolswardStB. 1455 Kap. 54
  • ein velsen, daruff ein creütz gehauwen, das scheidet Z. vnnd O. bänn
    1471 ElsMschr. 2 (1911) 180
  • 1477 SGallenRatsSatzg. 101
  • wo ainer den andern uberraint het, so sollen die vierer darauf gen und in die rain und march slagen mit kreizen, und rainstain söllen auch nach den kreizen gesetzt werden
    vor 1480 NÖsterr./ÖW. VII 488
  • die tholl tho pinxten und sent Michel misse ..., diwiele dat cruiß up den marick steet, is nu der stadt van R. verschreven
    1499 Steinen,WestfGesch. I 1776
  • alle coeplude, die in der voirseider poirten comen ter jairmerct, zullen hebben drie dagen, eer dat men die krusen richt, ende drie dagen, naedat men die krusen wech doet
    um 1500 Fruin,KlSteden II 10
  • 1514 Nördlingen/UrkSchwäbBund. II 88
  • und wanneer die vryheyden beghynnen, soe sall de stadt baede dat cruyts uprichten. und wanneer die vryheiden uthgaen, soe sall dess heren baede dat cruyts weder aff nemen
    1528 ArchWestf. 4 (1831) 401
  • 1532 SalzbBergO.(Lori) 204
  • 1542 JbFrkLf. 16 (1956) 137
  • 1. Hälfte 16. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 36
  • er hat auch grosse freiheit, gelaidt und sicherheit. das wurt vermerckt bei eim langen hulzin creutz ..., so man ... uffriechten und die benanten xiiii tag ... stecken läßt
    1553 Bruchsal 912
  • 1563 Fruin,KlSteden II 326
  • wer gesteckte creüz frävenlich außwirft, der ist zu pen verfallen von ieden creüz zwenundsiebenzig pfenning
    1578 NÖsterr./ÖW. XI 107
  • neue kreizen an die beume zu machen, welche auf der grenitzen stehen
    1582 TrautenauChr. 265
  • die mitgenossen, so innerhalb der vier creützen gesessen
    1587 WaldkirchStR. 26
  • sollen diejenigen, welche granzsteine ausgraben, dieselben zerschlagen, kreuze daraus brennen, kreuze aus den baͤumen hauen ... oder in andere wege die grenze ... boshaftig verruͤcken, ... am leben, leib und gut gestrafet werden
    1650 EstRitterLR. 440
  • 1665 NÖsterr./ÖW. VII 882
  • 17. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 712
II
im Strafrecht

II 1 als Strafwerkzeug
bdv.: Sperrgalgen, Stockholz (II)
  • wer mit gott fluecht ... soll offenbar ainen halben tag in der prechel oder creuz darfuer sten
    1530 NÖsterr./ÖW. VIII 1013
  • schall de spysemeister befehl hebben, den ungehorsamen ehn edder mihr vp eene tydt een kruͤtz foͤr sine wahnung hengen een dag, vnd des dages kene kost edder bier gewen laten
    1540 Schiller-Lübben II 587
  • soll [derj., der sich gegen religiöse Gebote vergeht,] an einem son- oder feyertag an das kreutz, so bey ieder pfarrkirchen mit eissern fesseln, wie sich geburtt, darzu auffgericht werden solle, die ganze predigt über bis nach vollendung aller kirchendienst gestelt werden
    1557 Bepler,StrBüdingen 42
  • hat er es an dem gelt nicht, so soll er es in dem stock oder am creuz piessen
    1581 NÖsterr./ÖW. IX 17
  • soll ain jeder bei der hofftättigung und anderstwo nit gottslöstern, fluechen oder schelten; und wan es ainem widerfuhr, solte durch den herrn pfarrer ins creiz gestölt werden
    16. Jh. Steiermark/ÖW. VI 133
  • am pranger oder kreutz ... zu einer warnung gestellt
    1601 MHungJurHist. V 2 S. 95
  • etliche haben grosse eysern oder hoͤltzern creutz, daran sie die gefangen mit dem halß, ruͤcken, arm vnd beinen anfesseln
    1613 Praetorius,Zauberei 211
  • 1613 Praetorius,Zauberei 212
  • 1656 NÖLGO. 1656(CAustr.) Art. 1
  • bey straff spannung ahn das khreiz 
    1672 MHungJurHist. V 2 S. 283
II 2 als Strafzeichen
  • die zeichent man uswert; zum ersten durch die baken, zu dem andern maln by die oren, unde zum dritten male eyn cruze durch dy stirne
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 341
  • sôsal her den reinmantel um sich hullen, ab her mit dem crûce bûsset, buͤsset her abir âne crûce, sô neme her die cappe umme unde eine gerte in die hant
    15. Jh. DOrdStat. 154
  • A.S. ... ist uff 15. juni anno 1570 ... ahn das halßeysen gestelt ... ein creutz durch den nachrichter ahn die stirne geprennt ... worden
    1570/1628 Schindler,VerbrFreib. 70
  • wo si ainen oder den andern weinzierl in seiner arbait unehrbar und prängerisch befinden wurden, sollen si ime ain creuz aufstecken
    1629/32 NÖsterr./ÖW. VIII 358
II 3 beim schimpflichen Aufzug
  • und sol drige sunnentag nachenander gan vor dem crútze umb die lútkirch mit eim rade, barfůs, barhoubt und in dem hemede
    1374 SchlettstStR. 12
  • als da einer usserthalb der ee ein kind macht, da der an eim sontag offenlich vor dem cruͤtz muͤst gon, so man umb die kirch gieng
    1522 Pauli,Schimpf(Bolte) I 51
II 4
als steinernes Sühnekreuz
  • ok scal he setten eyn stenen cruce, dar L. ghesclagen wart
    1320 MecklUB. VI 557
  • 1431 MittErfurt 17 (1895) 89
  • 1464 MittOsnabr. 9 S. 371
  • 1467 W.v. Dreyhausen, Die alten Steinkreuze in Böhmen und im Sudetengau (Beitr. z. sudetendt. Volkskde. XXIV, 1940) 33
  • 1474 TeplitzUB. 245
  • 1501 W. Brockpähler, Steinkreuze in Westfalen (Schr. d. volkskundl. Komm. d. Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, Heft 12 (1963) 129
  • ein steines creucz an dem ende, do der armann erslagen ist, seczen vnd aufrichten
    1509 W.v. Dreyhausen, D. alten Steinkreuze in Böhmen und im Sudetengau (Beitr. z. sudetendt. Volkskde. XXIV, 1940) 34
  • sol er setzen ... ein steynin crutz an die stat, do der totslag geschach
    um 1600 Eichstätt/ZRG.2 Germ. 73 (1956) 395
  • solle er an daß jenig orth, da die laͤydige that geschehen, ein steinis creutz lassen machen, daß da sey ungefaͤhr eines halben schuh tickh, vier schuh hoch und drey breyt
    1660 LBAppenzIR. Art. 46
III
III 1 als Zeichen der Fronung (I) 
  • swelich man deme anderen sculdich is, he sal ime twe warue vorebeden vnde to deme dridden male mit weten. ne komet he nicht uore, he sal ine ophalden mit gerichte vnde sal ine vore bringen. of he ane were is, heuet he dhe were. man sal dat cruce dar oͮpsteken, wante he vore kome vnde rechtes plege. vnde of he dan vnder deme cruce set vertein nacht dat he nicht ne gilt. de ander heuet sine scůlt mide erworuen
    1227 BrschwStR. § 21
  • vf swelhem gůte der rihter sine gewette nvͥt vindet, daz es so cleine ist, so sol der vrone botte ein crvͥce vf daz tor stossen oder vf daz hus vnd sol im ez da mite frœnen
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 206
  • we enne in overhore bringhen wel, de scal dene voghet bidden, dat he sin bodel hete, dat he deme dat cruse up dat hus steke, dar he pleghet to wonende
    Mitte 14. Jh. GoslarStR. 103
  • dar scal der richtere to nemen burghere unde de neybure boven unde beneden, unde scal en cruze steken boven de dore. darumme wedet de man dru punt dem oversten richtere
    1353 OsterwieckStB. 6
  • wo der richter sien gewette nicht usgephenden mag uz eynes mannes eigen, zo mag der richter nach orteil unde nach rechte die were vronen; das ist das zeichen mit eynem cruze; das sal der richter obir die tore stecken zu eynem zeichen, das das gewette gotis ist
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 372
  • 1. Hälfte 15. Jh. FivelgoR. 160
  • so schal de entsetter spreken: ... dit lant, dit holt ... hebbe ik mit rechte mi tobehörich bewiset, bidde derhalven, de becrützinge mit rechte dael to leggende unde de crütze aftonemende van dem minen unde mi dat mine to averantwerden
    1533 Bunge,Rbb. 256
  • wanner nu de crutze also van dem kleger up de gebreke gesteken sin
    oJ. Schiller-Lübben II 587
III 2 als sonstiges rechtliches Kennzeichen
  • ouch verbedden sii myns herren armen lude uf daz rodhus zu gerichte, des vor nicht geweist ist; unde wilcher nicht kommet, dem strichen sii ein cruze an das tor; als deke er darunderhene gehet, so muß er seszig schillinge brechin; darmite machin sii myme herren sine gerichte wuste
    1420/30 DuderstadtUB. 222
  • so ruegt man, das man den perg ... beschauen soll und nach unpillicher arbait kreiz schlahen; und wo man die findt, nach iedem kreiz ist verfallen dem pergmaister und den viern 12 dn.
    1528 NÖsterr./ÖW. VIII 174
IV als christliches Symbol, insbesondere bei der Eidesleistung
  • nu hatten nach dem reinen site die cristen sich gezeichent mite: ez het ein cruͤtz ie der man uf sinen shilt geslagen an
    1245/46 Ulr.v.Türheim,Rennewart V. 27523
  • 1295 Holland/Loersch-Schröder2 117
  • ist aber, das der haimsucher ... sich von der haimsuchung entschuldign wil, das mag er tun mit siben frumen mannen auf dem krewcz 
    13. Jh. SchemnitzStR. 12
  • als der man sweren sal, zo sal her alzo sprechen: ... das mir got so helfe vnde das heilge crucze. zo sal her legin czwene vinger der rechten hant den by dem dumen vnde den mittelsten vinger uffe des cruczes vůse
    vor 1320 ÄltpolnRdm. 10
  • opa tha criose swere
    1327 RüstringerR. 156
  • 1329 BernStR. VI 1 S. 23
  • daz iemant sich unschuldigen wil auf dem chreucz mit erbern leuten
    um 1330 BrünnRQ. 363
  • geczeugen auch die haissent ratleut, und schidleut, und heiratleut, di dürfen auch nicht sweren vor dem gericht auf dem chreutz 
    um 1330 BrünnRQ. 391
  • um 1330 BrünnRQ. 392
  • 1371 Livland/Schiller-Lübben II 586
  • dar hefft Naugarden dat cruce up ghekusset, dat se de deve und dat gud zoeken solen und udsporen, war se kůnnen
    1392 Nowgorod(7 Fassungen) 173
  • den mantel mitten halven cruce des oerdens
    2. Hälfte 14. Jh. DOrdStat. 139
  • wil aber, der da geslagen hat, sich entschuldigen, das mak er tün selbdritte auf dem crewcze 
    um 1400 IglauStR. 285
  • vor 1440 Rothe,DürChr. 390
  • man sol eide sweren ... vf eyneme wicten crůte 
    1. Hälfte 15. Jh. Schwsp.(Kurzform/Gr.) 150
  • 1485 SchlernSchr. 110 S. 417
  • ein kilwart sol den kryseman kouffen, darumbe nympt er daz gelt von dem crütze an dem karfritage
    15. Jh. Alemannia 25 (1898) 142
  • ick swere by got almechtigh ende opt crutze twelk ick mit mynder handt geracke
    1506 LimbWijsd. 296
  • 1523 BernStR. VI 1 S. 110
  • 1526 Franken/Sehling,EvKO. XI 99
  • WolfenbüttelKO.(1569) 123
  • ob aber ainer, dem man da fürwartet, das im gott gelingen gab, das er sich sein wider hielt und in erschlueg, so soll er im drei phening auf den corper legen und soll im zu warzeichen ain creuz auf in legen
    2. Hälfte 16. Jh. OÖsterr./ÖW. XIII 315
  • so niembt ihme ... der procurator die rechte handt und leget ihme zwene finger aufs creutze und fraget: ... hab ich ihm aufgeholffen, wie recht ist?
    16. Jh. BreslStR. 77
  • 1667 HistBeitrPreuß. I 354
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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