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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Landgarbe

Landgarbe

, f.


I an die Grundherrschaft insb. bei Neubruch neben dem Zehnten zu leistende Naturalabgabe, meist in Form von Getreidegarben, tw. auch erweitert auf andere Erträgnisse (Wein, Obst) oder in Geld abgelöst
  • swaz gemain merches ze dem ... dorfe ze M. horet, daz daz weder gerutet noch gehůen sol werden ane ir baider willen und wizzende, ob aber daz geshihet an ir willen und wizzende, so sol diu langarbe an ir gemainen nutze vallen der kirchun und an wege und an stege
    1287 WirtUB. IX 165
  • prouentus, quj lantgarbe wlgariter dicuntur
    1295 Schmid,TübPfalzgrUB. 98
  • alle vnser lantgarbe ... an wine, an korne, an zinsen
    1298 ZGO. 14 (1862) 453
  • man git ouch dâ von [Meierhof] lantgarben ie an dem dritten jâre vj müt roggen
    Anf. 14. Jh. HabsbUrb./BiblLitV. XIX 47 [vgl. Reg.]
  • 1305 MHohenberg 160
  • an lantgarben jerglich 6 muͥt roggen, 4 malter und 2 muͥt habern und 3 muͥt dingeln
    1306 ArgauLsch. I 15
  • 1322 Schwaben/LSchrP. 132
  • daz nunde tayl, daz man nennet ain lantgarbe 
    1334 Schmid,TübPfalzgrUB. 165
  • 1347 FürstenbUB. II 166
  • um 1350 FRBern. VII 553
  • die lantgarbe der kirsen vmb die stat
    1361 MHohenberg 503
  • die lantgarb von den aͤkkern giltet des iars 5 malter minner oder me
    1388 ZWürtLG. 13 (1954) 91
  • 1394 ArgauLsch. I 17
  • daz wir inen davon allú jâr jaͤrlich von den aekern ... gêben súllent ze landgarbe, was ie dar uff jaͤrlich wachset daz drittail nach lantgarbreht
    1395 HeiligkreuztalUB. I 632
  • ze lantgarben je die nünde garben
    um 1414 oder 1547 KonolfingenLGR. 188
  • sol jaͤrlich uff sant Martins tag ... geben ... das viertal usser den aͤkkern ... zu lantgarb 
    1446 HeiligkreuztalUB. II 273
  • summa der lantgarb des wins 13 aymer minder oder mer
    1454 SchwäbWB. IV 956
  • 1493 Württemberg/Fischer,Erbf. II 236
  • 1504 MHohenberg 928
  • wer die zollgarben gitt, der gitt kein zoll, namlich kein pfundzoll. vnnd gat die zollgarben die landtgarbenn ůt an, dann man git die landtgarben dem weibel fúr die fuͤrpotte
    1539 ArgauLsch. I 156
  • 1547 KonolfingenLGR. 189
  • 1548 Bern/SchweizId. II 413
  • 1564 GasterLsch. 83
  • wo es die landgarben gibt, soll dieselbige der mair mit wissen des landgarbers aus ieder jauchart ... besonder nemen und nit ... auf ein acker zusamensparen
    um 1568 WürtLändlRQ. II 689
  • so ainer ... ain landgarbacker bawte und denselben die landgarb zu fassen der herrschaft nit anzaigte, derselbig soll als ainer, der seiner herrschaft wieder sein pflicht und aid das irig empflert hat, an leib und guet hertiglich gestraft werden
    1577 WürtLändlRQ. II 578
  • welche ... besetzt oder unbesetzt landgarb schuldig [sind], sollen bezalen bis Martini
    vor 1583 MittFürstenbArch. II 417
  • da ein underthon inner der herrschaft ein stock- oder landgarbacker in einem ösch, so ausgelegen were, und derselbig ösch wider umbgerissen und gebawen wurde, wiest ligen liesse, mag ein jeder dareinfahren und selbigen umb die gebührente landgarb bawen unverhindert
    1584/98 MittFürstenbArch. II 447
  • vnsere [hzgl.] grosse- vnd newbruch-zehenden, auch theil- oder landtgarben 
    1618 Reyscher,Ges. XVI 1 S. 299
  • landgarbe, landacht etc. vocamus, wann man ein gewisse frucht gibt auß dem boden, quae fructuum pars, si per tempus immemoriale praestatur, praesumitur ewig, vnd kan mans nit abloͤsen
    1641 Besold,Thes. 485
  • 1658 WürtLändlRQ. II 493 u. 502
  • 1663 SchwäbWB. IV 955
  • 1698 Hohenzollern/QNPrivatR. II 1 S. 706
  • land-garbe ist ein gewisser antheil an fruͤchten oder wein oder andern zuwachs, so jaͤhrlich dem grund-herrn von dem land-garber ... dem grund und acker nach abgestattet werden muß; und betraͤget solches die helffte, das drittheil, viertheil und fuͤnffte theil, wornach auch solche guͤter, welche dergleichen beschwerung haben, halb-, drey-, vier- und fuͤnfftheilige genennet werden
    1737 Zedler XVI 417
  • 1769 Lennep,LandsiedelR. 205 Anm. 17
  • wuͤste liegende plaͤtze, wenn sie nicht zu der sogenannten allmand des orts ... gehoͤren, koͤnnen von den reichsrittern an ihre unterthanen gegen entrichtung ... der sogenannten landgarben, zelg- und landachtfruͤchten ... zum umbruch uͤberlassen werden
    1786 Kerner,RRittersch. I 211
  • 1793 Lang,Steuerverf. 133
  • 1825 OAMünsingen 94
  • 1831 Mohl,WürtStR. II 592
II Recht, die Landgarbe (I) zu erheben
  • regis lantgarba 
    1273 Argovia 67 (1955) 180 Anm. 47
  • ich han gecoufet drii juchart aggers ... mit allem nuzze, den got dar uffe git, zehend und langarb 
    1307 HeiligkreuztalUB. I 78
  • han gegeben ... alles, daz ich han ... von zehenden oder von langarbe, daz mir wart ze erbe
    1319 MHohenberg 225
  • C. ... hat ze lehen in Z. die lantgarb von allen ruͤtinan
    1344 WürtVjh. 8 (1885) 115
  • behalten wir vns ... inne zů haben vnd zů niessen ... die lantgarb zů M.
    1415 MZoll. I 490
  • um 1508 BernStR. IV 1 S. 637
  • 1534 Reyscher,Stat. 54
  • nutzungen und ynkomen, es syen an zinsen, renten, gülten, gefällen, zehenden, landgarben, remaneten, schulden ...
    1537 WürtGQ. XI 107
  • 1610 Reyscher,Ges. V 191
  • ordnen wir, wann ausser einem ligenden eigenthumblichen gut ein landacht, landgarben ... oder bodenzinß verkaufft werden, daß die jhenige, so dise guͤlt oder zinß reichen, gleichfalls macht haben sollen, dieselbige zuloͤsen
    1610 Reyscher,Ges. V 205
  • verleyhung vnserer zehenden, landtgarben vnd theilfruͤchten
    1618 Reyscher,Ges. XVI 1 S. 311
  • es soll ... keiner ... unserer untertanen einiche gült ohne unser ... erlauben aufnehmen ... und so mans ... einem bewilliget, soll man kein fruchtgülten oder landgarben mehr verkaufen, sonder allein geltgülten zugelassen ... werden
    1698 Hohenzollern/QNPrivatR. II 1 S. 717
  • die land-garbe wird unter die unbeweglichen guͤter gerechnet
    1801 Krünitz,Enzykl. 59 S. 441
III
Ackergrundstück, das mit der Landgarbe (I) belastet ist
  • niuwe geriute unde lantgarben, die geltent ze zinse bi dem meisten eines jâres ...
    Anf. 14. Jh. HabsbUrb./BiblLitV. XIX 266
  • min herren hant ain langarben ..., der sint in allen zelgen 240 morgen aggers; daruz git man in daz viertayl und daz fiunftayl
    2. Hälfte 14. Jh. WürtUrb. 131
  • 1524 LaupenAmtsbez. 171 Bem.
IV in der Schweiz und in Vorarlberg Anfall (I 3) von Obst über die Grundstücksgrenze, der tw. dem Nachbarn zusteht; hier auch m.?
vgl. Abries, Anries, Überfall
  • der landgarben halb ist einer dem andren schuldig, was nit syn obs wäre, was uf des andren gůt falt, den vierten theil ...; steinobs gibt khein landtgarben
    Mitte 16. Jh. Niedersimmental 82
  • die landgarb, so ab den pompen fallt, davon soll ainer dem anderen den halbtail geben, doch nit anderst, dann wohin die morgensonn bis auf miten tag schaten gibt und dann nach mitag, als von der abend sonnen soller ime das dritail geben, und soll kainer dem andern in das sein geen, das sein auflesen one des andern wissen
    1596 JbVorarlb. 41 (1902/03) 145
  • welche person ... einige gezweyete bäüme in seinen gütern stehen hat, von etwelchen baümen die frucht, so die geschüttelt wird, einem anderen auf sein guth fallt, soll dem, so sie auf sein guth fallt, der dritte theil derselben frucht für die landgarben gefolgen
    1668 FrutigenStatR. 258
  • 1697 Niedersimmental 149
unter Ausschluss der Schreibform(en):