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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): lassen

lassen

, stv., auch subst. Inf.

zur Etymologie vgl. Kluge21 424

I durch einen Rechtsakt (Auflassung, Belehnung, Verpfändung usw.) etwas überlassen, übertragen (tw. auch vor der rechtsförmlichen Auflassung), auflassen, verlehnen, verpfänden
II im Todesfall hinterlassen, auch in der Wendung hinter sich lassen 

II 1 Personen
II 2 von Sachen u. Rechten: vererben
III in Antwort, in Recht lassen sich auf eine Klage einlassen
IV an jemanden lassen, auf jemanden lassen, an das Recht lassen, zu einem Urteil lassen zur rechtlichen Entscheidung an ein Gericht oder Schiedsleute übertragen
  • diz [Bestrafung] ist zu deme urteile des obersten unde der brûdere gelâzen 
    1264 DOrdStat. 86
  • das diu ... an uns liesen ... und uns ze schaite lůten ... welten
    1292 WirtUB. X 68
  • sollen sy es an dise vier mann lassn wie es die schaiden vnd verrichtn
    1294 MBoica XVI 304
  • daz wart gelan an schideliute
    1295 SalemUB. II 493
  • de scelinge ... de vp vns ghelaten was
    vor 1316 MarienrodeUB. 223
  • von der statt wegen, an die es gelassen wardt, ... die haben es bericht und beschiedenn
    1316 OStR. I 410
  • 1319 HMeißenUB. I 304
  • 1332 FriedbergUB. I 116
  • 1341 ZGO. 1 (1850) 411
  • 1343 LübUB. II 731
  • liessen an recht, ob wir únser gůt giften, geben old machon moͤchtin, wem wir woltin, daz oͧch da mit urteilde erkennet wart
    1353 FRBern. VIII 24
  • 1358 BadenArgUrk. I 44
  • daz quid G., iz were an rath geloszen, daz wil he bewysin
    1360 Cirullies,RechtstermBabenh. Anh. 236
  • 1369 ZürichOffn. I 28
  • da mit das alles kraft und macht haben moͤcht ungevarlich, liess also an recht wie er dz alles tůn soͤlt
    1424 Hoppeler,Rümlang 77
  • 1427 Loersch-Schröder 211
  • soliche gespenne sie ... an uns gestalt und gelaßen han, also wie wir sie darumb entscheiden und setzen werden
    1454 OStR. I 283
  • 1460 NHeidelbJb. 3 (1893) 216
V
davon lassen ablassen von etwas, etwas lassen Abstand nehmen von etwas
VI nachlassen, erlassen
  • und gebiut och den furstin, daz si mit der bůze ... dwingen die von in geriht hant, daz si reht rihten, und der bůze niht enlazen, die uf si erteilt wirt
    1235 MainzRLFr.(Const.) 255
  • um 1300 WienStRb. Art. 69 (S. 75)
  • so we disser ... satunge breket, ... sal he geven eynen scilling unde des sal men ome nicht laten 
    1311 HamelnUB. I 103
  • 1321 HanseRez. I 59
  • wir [Kaiser] . ..; bekennen ..., das wir den ... burgern ... zu L. ... ir gewonlich steure ... gelossen ... haben
    1344 OStR. I 184
  • um 1385 KönigsbergWillk. 22
  • 1397 MWittelsb. II 583
  • von allem ayde, den man vor gerichte sweren sal, lesset man den von gnaden, so gefallen dem richter czweliff phennige ... von dem, der sweren solde
    um 1400 IglauStR. 228
  • 1474 PössneckSchSpr. I 63
VII von etwas lassen aufgeben, verzichten
  • ec scal oc laten van deme tegheden to W.
    1319 HHildeshUB. IV 258
  • wir ... haben gelassen vnd lassen ... von allem anspruch der holtzung
    1363 CDBrandenb. I 24 S. 67
  • daz ir ... von dem phandrechte gelâzen habet
    1. Hälfte 15. Jh. Magdeburg/Loersch-Schröder 242
VIII von sich lassen weggeben
  • hedden twe lůde eynen breyf, de oppe se beyde spreke, unde de eyne heylde den breyf, de ensal des breyves nicht van sich laten sunder des anders willen
    1355 DortmStat. 82
IX aus einer rechtlichen Bindung, einem Rechtszustand entlassen, freilassen, freistellen
  • choment si paide fuͤr den richter vnd pittet iener, daz man in auz der æcht lazze ... man sol in auz der æcht lazzen 
    um 1275 Dsp.(Eckh.1971) LR. Art. 98
  • ist in [Hausgesinde] ze vil lones gegeben, des dvrfen si nit wider geben ob man si lat vor ir zil
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 25 a [ebd. 108]
  • swer der ist, der in disem vride niht sein wil ..., den sol der landesherre ... auz dem vride lazzen 
    1277 OÖUB. III 581
  • Ende 13. Jh.? Tomaschek,Trient 157
  • 1328 SalzbUB. IV 381
  • ok ne mach de voghet nemende ut der veste noch ut der overhore laten ane des klegheres willen
    1. Hälfte 14. Jh. GoslarStR. 106
  • 1351 BudweisUB. 52
  • 1353 OsterwieckStB. 9
  • nach 1358 Rb.n.Dist. IV 20 Dist. 5
  • lazzen und kundgen wir sie uz aller achte
    1365 FriedbergUB. I 240
  • 15. Jh. BernStR. I 44
  • hat ... die eptissin dz recht vnd den gewald, dz sy ein schädtlichen menschen haben vnd laszen mag, ee das der banherr darzue berueffet würdt
    1513 Elsass/GrW. IV 211
  • 1550 Hildebrand,UrkUnivMarb. 51
  • 16. Jh. Österreich/ZRG.2 Germ. 23 (1902) 277
-- gelassener Richter, Hunne gewesener Richter, Hunne als Gehilfe des amtierenden
X als Ehemann die Frau, als Zinsmann das Land, als Amtsträger das Amt verlassen. Ssp.(Eckh.2)LR. II 59 § 1 u. III 57 § 1
XI zurücklassen, bei jem. lassen
XII (jemanden bei einem bestimmten Rechtsstatus) belassen
  • gut mach de herre setten sunder manscap eneme manne. dat steit oppe des herren truwe, dat he it deme manne stede late 
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)Lehnr. 55 § 6
  • behalt in [Ächter] iemen, chumpt der lantrihter dar und verbiutet in, let er in daruber, so sol er sten an des æhters stat
    1256/61 MGConst. II 607
  • das die gepaur des ... dorfs L. gelassen werden, zu pleiben und zu sitzen in der ersten besatzung des dorfs
    1338 CDPruss. III 16
  • we scholn ok ... de domprovestye ... bi oreme rechten laten 
    1339 HHildeshUB. IV 822
  • 1383 JbOldenb. 15 (1906) 197
  • 1397 CDPruss. V 133
  • wir ... wellen den ... kawffman lassen bey der gewonheit vnd freyheit, die sie vormols ... in kewffen vnd vorkewffen gehat haben
    1441 Danzig(Hirsch) 280
  • woby es myn gnediger here oder die sinen lassent, doby soll es von den andern gelassen werden
    1459/89 PfälzW. I 290
  • 1553 BairFreibf. 245
XIII zu etwas lassen, in einem Ort lassen zulassen
XIV erlassen, verkünden
  • nach ... inhalt der stattgerichtsbesatzung, die ... offentlich gelassen wirdet
    1574 BregenzStbr. 38
XV unterlassen
XVI (formelhaft verfestigte) Verbindungen

XVI 1 mit Subst.

XVI 1 a zu Bann lassen jem. in den Bann tun
  • die heer macht wel laten een te banne, also langhe als hi wille, nadien dat die boete besceeden es
    1. Hälfte 14. Jh. AardenburgRbr. 199
XVI 1 b
den Fuß lassen dableiben
XVI 1 c auf das Geld lassen anrechnen
XVI 1 d zu Geld lassen gegen eine Geldzahlung überlassen
  • hat ... der herre dez kindes gůt ze gelte gelazzen, e. ez sich beiarte, der herre behaltet die sat vnd nvͥt den boden
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 220
XVI 1 e ohne Rede lassen nicht in Anspruch nehmen
XVI 1 f aus d. Were lassen aus der Verfügungsgewalt lassen
XVI 1 g etwas mit Gewette und Buße lassen mit Strafgeld und Buße aufgeben, von etwas ablassen
XVI 1 h seinen Glauben bei jem. lassen auf jemanden vertrauen
  • kan ... der eigenthuͤmer das guth vor das seine nicht mehr vindiciren und ansprechen ... sondern, weil er seinen glauben bey dem verwunnenen mann gelassen, so mag er ihn auch da wieder suchen
    1717 Blüting,Gl. II 162
  • do jemand seinen glauben gelassen, da muß er ihn widerumb suchen
    oJ. RevLübR. III 2, 2/Hillebrand,RSprichw. 71f. 74
XVI 1 i von oder zu der Hand lassen 

XVI 1 i α von Sachen: auflassen
  • læt me þa land tó handa
    960/62 Birch,CartSax. III 282
  • scole wi ... de ... huuen van der hand laten vor den leenheren en tu der hand
    1361 MecklUB. XV 32
  • ik ... hebbe vorcoft unde late van der hant myn erve
    1432 GarzStB. 59
  • 1484 OstfriesUB. II 205
XVI 1 i β von Personen: freilassen
XVI 1 j an Recht lassen vgl. die Belege unter IV 

XVI 1 k bei Recht lassen Gerechtigkeit widerfahren lassen
  • das sie uns und die unsen und unsir frunde by rechte lassen 
    1399 CDPruss. V 147
  • [er] bat die meenheit, dass sie ihne bei rechte liessen, so sie alle geschworen hadden
    16. Jh.? BremGQ.(L.) 160
XVI 1 l das Recht da lassen sich auf einen Gerichtsstand einlassen
XVI 1 m mit Recht lassen etwas mit Recht aufgeben
XVI 2 mit Adj.

XVI 2 a ledig, los u. quitt lassen aus einer Verpflichtung, einem Rechtsstatus entlassen
  • swe so besat wert mit dheme gerichte, dhene ne mach dhe voget nicht ledich laten ane des sakewalden willen
    1227 BrschwStR. § 40
  • 1305 BrixenUrk. I 98
  • 1307 Tirol/Schwind-Dopsch 161
  • wellicher aber unser richter uber ainen deup in vierzehen tagen nit richtet, so sol er denselben man fürbas ledig lassen 
    1311 BairFreibf. 2
  • 1319 HHildeshUB. IV 258
  • 1. Hälfte 14. Jh. GoslarStR. 80 u. 105
  • die mögent ... den gefangenen mit einer slehten vrfehten lidig lossen 
    1411 FürstenbUB. III 50
  • wy laten ... den raed ... van der ergenanten summen penninghe quit, leddich unde loez
    1411 OstfriesUB. I 189
  • 1417 CDWarm. III 448
  • ick ... schelde unde late ... vryg, qwyt, ledich unde loes H.W., ... de echte is geboren unde myn ... denstknecht was
    1483 OstfriesUB. II 189
  • Anf. 16. Jh. FreibDiözArch. 6 (1871) 23
  • 1509 Kempten/UrkSchwäbBund. II 29
XVI 2 b rechtlos lassen rechtlos machen
XVI 3 mit Verben

XVI 3 a fallen u. lassen den Laß nehmen
XVI 3 b kehren, wenden und lassen veräußern
XVI 3 c tun und lassen frei verfügen, handeln
  • welich juͤncfrauͤwe zwolf jar alt ist, die ist zuͤ irn jaren kummen, nach recht uͤnser stat, die mag duͤn und laßen mit irn guͤden, die ir anefallen sint
    13./14. Jh. Kohler-Koehne,Worms 25
  • ain ieclich burger vollen gewalt hat, daz er mac tůn und lazen mit sinem varnden gůt ..., swaz er wil
    13./14. Jh. NürnbPolO. 17
  • 1. Hälfte 14. Jh. GoslarStR. 109
  • 1371 DChr. IV 1 S. 121
  • 1396 BergeUB. 183
  • Ende 14. Jh. GlWeichb. 277
  • wenne ... eyn kint zu jaren komet, so hat die vormundeschaft eyn ende ... so ist das kint mundig, unde fry, zu thun unde zu lazin 
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 312
  • 1402 SchlettstStR. 610
  • 1417 CleveStR./ZRG. 9 (1870) 431
  • 1436 Frankfurt am Main/Loersch-Schröder 217
  • 1438 SchlesDorfU. 56
  • 1459 MagdebSchSpr.(Gaupp) 263
  • was ... durch die zwai tail der gwerkhen ... zu thuen oder zu lassen beschlossen wirt, das sollen alle gewerken halten
    1556 SchwazErf. 148
  • 1682 Engelke,GogerichtDesum 83
XVII rsprw.
  • kan ... der eigenthuͤmer das guth vor das seine nicht mehr vindiciren und ansprechen ... sondern, weil er seinen glauben bey dem verwunnenen mann gelassen, so mag er ihn auch da wieder suchen
    1717 Blüting,Gl. II 162
  • wo du deinen glauben gelassen hast, mußt du ihn wiedersuchen
    1828 Pöhls,HR. I 186
unter Ausschluss der Schreibform(en):