lassen, stv., auch subst. Inf.

zur Etymologie vgl. Kluge²¹ 424
I durch einen Rechtsakt (Auflassung, Belehnung, Verpfändung usw.) etwas überlassen, übertragen (tw. auch vor der rechtsförmlichen Auflassung), auflassen, verlehnen, verpfänden
II im Todesfall hinterlassen, auch in der Wendung hinter sich lassen
II 1 Personen
II 2 von Sachen u. Rechten: vererben
III in Antwort, in Recht lassen sich auf eine Klage einlassen
IV an jemanden lassen, auf jemanden lassen, an das Recht lassen, zu einem Urteil lassen zur rechtlichen Entscheidung an ein Gericht oder Schiedsleute übertragen
V davon lassen ablassen von etwas, etwas lassen Abstand nehmen von etwas
VI nachlassen, erlassen
VII von etwas lassen aufgeben, verzichten
  • ec scal oc laten van deme tegheden to W.
    1319 HHildeshUB. IV 258
  • wir ... haben gelassen vnd lassen ... von allem anspruch der holtzung
    1363 CDBrandenb. I 24 S. 67
  • daz ir ... von dem phandrechte gelâzen habet
    1. Hälfte 15. Jh. Magdeburg/Loersch-Schröder 242
VIII von sich lassen weggeben
  • hedden twe lůde eynen breyf, de oppe se beyde spreke, unde de eyne heylde den breyf, de ensal des breyves nicht van sich laten sunder des anders willen
    1355 DortmStat. 82 Faksimile
IX aus einer rechtlichen Bindung, einem Rechtszustand entlassen, freilassen, freistellen
IX – gelassener Richter, Hunne gewesener Richter, Hunne als Gehilfe des amtierenden
X als Ehemann die Frau, als Zinsmann das Land, als Amtsträger das Amt verlassen. Ssp.(Eckh.²)LR. II 59 § 1 u. III 57 § 1
XI zurücklassen, bei jem. lassen
XII (jemanden bei einem bestimmten Rechtsstatus) belassen
XIII zu etwas lassen, in einem Ort lassen zulassen
XIV erlassen, verkünden
  • nach ... inhalt der stattgerichtsbesatzung, die ... offentlich gelassen wirdet
    1574 BregenzStbr. 38
XV unterlassen
XVI (formelhaft verfestigte) Verbindungen
XVI 1 mit Subst.
XVI 1 a zu Bann lassen jem. in den Bann tun
  • die heer macht wel laten een te banne, also langhe als hi wille, nadien dat die boete besceeden es
    1. Hälfte 14. Jh. AardenburgRbr. 199 Faksimile
XVI 1 b den Fuß lassen dableiben
XVI 1 c auf das Geld lassen anrechnen
XVI 1 d zu Geld lassen gegen eine Geldzahlung überlassen
  • hat ... der herre dez kindes gůt ze gelte gelazzen, e. ez sich beiarte, der herre behaltet die sat vnd nvͥt den boden
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 220 Faksimile
XVI 1 e ohne Rede lassen nicht in Anspruch nehmen
XVI 1 f aus d. Were lassen aus der Verfügungsgewalt lassen
XVI 1 g etwas mit Gewette und Buße lassen mit Strafgeld und Buße aufgeben, von etwas ablassen
XVI 1 h seinen Glauben bei jem. lassen auf jemanden vertrauen
  • kan ... der eigenthuͤmer das guth vor das seine nicht mehr vindiciren und ansprechen ... sondern, weil er seinen glauben bey dem verwunnenen mann gelassen, so mag er ihn auch da wieder suchen
    1717 Blüting,Gl. II 162 Faksimile
  • do jemand seinen glauben gelassen, da muß er ihn widerumb suchen
    oJ. RevLübR. III 2, 2 /Hillebrand,RSprichw. 71f. 74
XVI 1 i von oder zu der Hand lassen
XVI 1 i α von Sachen: auflassen
XVI 1 j an Recht lassen vgl. die Belege unter IV
XVI 1 k bei Recht lassen Gerechtigkeit widerfahren lassen
  • das sie uns und die unsen und unsir frunde by rechte lassen
    1399 CDPruss. V 147 Faksimile
  • [er] bat die meenheit, dass sie ihne bei rechte liessen, so sie alle geschworen hadden
    16. Jh.? BremGQ.(L.) 160 Faksimile
XVI 1 l das Recht da lassen sich auf einen Gerichtsstand einlassen
XVI 1 m mit Recht lassen etwas mit Recht aufgeben
XVI 2 mit Adj.
XVI 2 a ledig, los u. quitt lassen aus einer Verpflichtung, einem Rechtsstatus entlassen
XVI 2 b rechtlos lassen rechtlos machen
XVI 3 mit Verben
XVI 3 a fallen u. lassen den Laß nehmen
XVI 3 b kehren, wenden und lassen veräußern
XVI 3 c tun und lassen frei verfügen, handeln
vgl. tun (I)
XVII rsprw.
  • kan ... der eigenthuͤmer das guth vor das seine nicht mehr vindiciren und ansprechen ... sondern, weil er seinen glauben bey dem verwunnenen mann gelassen, so mag er ihn auch da wieder suchen
    1717 Blüting,Gl. II 162 Faksimile
  • wo du deinen glauben gelassen hast, mußt du ihn wiedersuchen
    1828 Pöhls,HR. I 186 Faksimile