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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Leibeigenschaft

Leibeigenschaft

, f., Leibeseigenschaft, f.

persönliches Abhängigkeitsverhältnis des Leibseigenen gegenüber dem Leibsherrn, dessen Kennzeichen insb. die fehlende Freizügigkeit, die Verpflichtung zu (in der Theorie) ungemessenen Diensten, eine jährliche Anerkennungsabgabe und eine Abgabe im Todesfall (Besthaupt) ist, vgl. ausführlich HRG.1 II 1761-1772
  • die obgenannte geschlächte vnd andere, die freye gottshuss leuthe sindt, keiner leib-eigenschafft dienstpflichte gebundden sindt
    2. Hälfte 14. Jh.? GlarusUrkS. I 106
  • ist schlaich vnd wehsel also zugegangen, das furo hin oͤweglich die libaigenschafft der ... Y.R. und was von irem lib komet ... sinß clousters recht lib aigen haissen
    1431 Reyscher,Stat. 189
  • niemand daruff [maierhoff] sitzen ... sölle, dan die mit libaigenschaft dem gotzhus zugehörig und genössen sien
    1468 WürtLändlRQ. II 454
  • 1471 Indersdorf II 2
  • ein brief ledigzelung der leibaigenschaft 
    1474 Knapp,BeitrRWG. 326
  • 1475 MBoica XVI 59
  • [derjenige,] welcher einen muntman hat ..., sol nit [zum Richter] gewelt werden, libeigenschaft hindert nit
    1484 WürtLändlRQ. II 864
  • 1486 BernStR. IV 1 S. 591
  • 1492 ArgauLsch. I 683
  • wolt aber einer an sich nemen weltlichen priesterlich state, der soll es tun mit unserm ... wissen und ledigsagung seiner verpflichte der leibaigenschaft, das wir auch keinem abschlagen sollen
    1495 Baden/QNPrivatR. II 1 S. 144
  • libeigenschaft oder angehoricheit
    1497 Lamprecht,WL. III 300
  • das si hinfuͥr der libeygenschaft, damit si dem ... gotzhuß R. verpflicht und zůgehorig gewaͤsen sind, gefrygt ... sin sollen, ... dagegen und fur solich erkoufften fryheiten sollen die ... von R. zů handen desselben gotzhus geben ... zweyhundert pfund
    1501 BernStR. VII 1 S. 49
  • die noch die leibaigenschafft nit gelobt haben, die ... sollen also globen, das sye wollen meinem gn. herren zu A. als ihrem natuͤrlichen herren getrewe vnd hold sein ..., schaden zu warnen vnd zue wenden ..., auch ihr leib vnd guet ... nit zuverenderen
    1502 Reyscher,Stat. 10
  • 1503 FürstenbUB. VII 368
  • 1508 BernStR. VII 1 S. 26
  • 1511 UrkSchwäbBund. II 45
  • ob aber einem (der also mit libs eigenschaft ... haft waͤr) das burgrecht vß gnaͮden gegoͤnnt wurd, der sol sich in jaͮrs frist loͤsen vnd siner lidigzalung gnůgsamen schin ... bringen
    1512/13 BruggStR. 123
  • die leibaigennschaft der aigenleut
    1525 ActaTir. III 46
  • 1525 SchrBodensee 93 (1975) 21 uö.
  • 1526 ZSchwabNeuburg 10 (1883) 236
  • am ersten war ir [d. pauren] clag ... gegen iren herren und oberkayten, sy weren beschwert mit diensten und der laybaygenschaft 
    1536 BauernkriegQ. I 63
  • bürgermeister, gericht ... zu erkennen geben, wie wenig nützlich die leibaigenschaft ... und wie hoch nachtheilig ... sie inen ... sei; dann unzweiffenlich hivor viel narhaftiger leut in M. heblich gezogen, die solliche leibaigenschaft gescheuet
    1537 Mergentheim 160f.
  • der leibaigenschaft erledigungsurkund
    1539 WürtLändlRQ. II 394
  • alle burgere und burgerine ..., so lang die in ... L. gewonet haben ..., der leibaigenschaft genzlich frei gewest, wa aber dieselben heraus ... gezogen, von stund an leibaigen worden sind
    1546 Lauda 196
  • vor zeiten haben die, so ainem herrn mit leibaigenschafft ... verstrickt, ... gar nichts aygens gehabt, sonder was sie vberkommen, ist alles des herrn geweßt ... es werden aber die geschriben recht in disem fal ... bey vns teütschen gar nit gehalten vnd vnsere aigne leüt, die wir haben, mer den freygelaßnen, in latein liberti genannt, vergleichet
    1546 Perneder,Inst.(1546) 6v
  • das die geburt, souil die leibaigenschafft beruͤrt, der můter nachuolg
    1546 Perneder,Inst.(1546) 7r
  • zum zwoͤlfften moͤgen nit testiern alle die, so jemands mit rechter leybaigenschaft verbunden oder jres stands der leybaigenschaft zweifenlich sein
    1546 Perneder,Inst.(1546) 57r
  • in dem purdlichen schweren last der leibaigenschafft wirdt mit den leib diensten ain gantz vngleicher gebrauch jhe nach herkommen ainds jedlichen orts gehalten. dann etlich geben jaͤrlich hennen, etlich leibpfening, etlich thůn scharwerck
    1546 Perneder,Inst.(1546) 7v
  • dinstbarkeit und leibaigenschaft 
    um 1550 FschrSpindler 432
  • 1551 ArchBern 40 (1949) 41
  • die weybspersonen, deren die künd der leybaigenschaft nachvolgen
    1554 SchwäbWB. V 1121
  • sölche lybeigenschaft nit anderst verstanden ... solle werden, ... [als daß von e.] gotzhusman ..., der dann eltist in einer ... hußhab ist, ... jerlich ein vaßnachthuon und nach sinem tod ... der hauptfal ... genomen ..., und die übrigen jungen prüder ... deß ledig sin
    1559 SGallenOffn. I 52
  • welcher ... sich solcher lybeigenschaft halb abzukoufen begerte, dem sölle ein herr von sanct Gallen und sin convent deß nit vorsin
    1559 SGallenOffn. I 53
  • wan ein leibeigener mann auß der kellerey L. oder E. gen M. fert und burger wirt, alß solang er darinnen wohnt, ist er der leibeigenschaft frey ohne entgelt
    1561 EberbMosbW. 145 [ebd.ö., vgl. Reg.]
  • 1568 Preußen/Sehling,EvKO. IV 87
  • 1569 LuxembW.(Majerus) I 132
  • ledig zelung der leibeigenschafft ... [ist] nichts anders in dem schein ..., so darüber gefertigt wirt, anzuzeigen, dann das der herr jhne der leibeigenschafft erlasse vnd sich darauff aller recht vnnd gerechtigkeit, so er an jhn gehabt, verzeihe
    1571 Frey,Pract. 6
  • es sollen sich kaine personen ... ausserhalb der herrschaft oder mit denen, so unserm ... junckhern mit der leibeigenschaft nit zugehören, ehelich verheiraten
    1577 WürtLändlRQ. II 569
  • 1579 ObermoschelUrk. 73f.
  • wellicher ... zu vns ziechen welle, derselbig ... mit deheiner lybeigenschafft gegenn niemandts verbundenn sige
    1581 Zürich (Kt.)/GrW. IV 312
  • 1589 AlemannJb. 1970 S. 104
  • 1594 WürtLTA.2 I 168
  • so jemand ... inn vnsere statt zücht vnd der sälbig mit der lybeygenschafft gägen geistlicher oder weltlicher herschaft verbunden ... were, vnd der sälbig jar vnd tag inn vnser statt vnuersprochen sitzet, den sollend wir haltten haben vnd schirmen für vnseren burger, als ob er nie eygen gsin were
    1595 ZofingenStR. 243
  • 16. Jh. Tirol/ÖW. III 379
  • 1600 BernStR. VII 1 S. 58
  • tagwart, frohndienst, höll, gläss, leibsteuer, fastnachthennen ... der leibeigenschaft anhängig
    1605 Tänzer,GJudVorarlb. p. 27
  • 1611 WürtLändlRQ. II 188
  • mit knecht- und leibeigenschafft ... verwandt
    1654 Sachsse,MecklUrk. 383
  • 1667 OStR. I 1018
  • 1670 Krug,StaatswPreuß. 123
  • wanhe ein unterthan seyner kinder eins ... verheyrathen wille, ist er ... schuldig ... so es aus der herschafft kombt, der leibeigenschafft abzukauffen ... mit einem goltgulden
    1682 LuxembW. 673
  • 1682 SchwyzLB. 107
  • grund-herren haben keine leib-eigenschafft auf gewercken oder bergleute, auch wegen liegender guͤther
    1698 Span,Bergsp. 72
  • von leibeygenschafften und wie man sich in einziehung der leibschilling und todfaͤll zu verhalten
    1715 BadLO. 58 [ebd.ö.]
  • 1719 CCPrut. III 352f. [Aufhebung]
  • es wird auch die leibeigenschafft durch die geburt erlanget, wenn nemlich ein paar leibeigene eltern oder auch nur eins von beyden, ob schon die andere person frey ist, kinder zeugen, so werden sie des leibeigenen vaters oder mutters oder beyder leibeigenen eltern herrns leibeigene
    1737 Zedler XV 1507
  • [Übschr.:] von der leibeigenschaft. (servitute.)
    1756 CMax. I 8
  • [irrthumb] als ob alle aus unserem fürstlichen hochstifft in die stadt R. ziehende ... ledigen stands leüthe ... ipso facto von der leibeigenschafft frei würden
    1756 Rothenberg 949
  • 1758 SchrBodensee 17 (1888) 65 [Freilassungsurkunde]
  • die veraͤnderung des aufenthalts ... ist ... ein verbrechen, wann man ... zugleich ... pflichten ... verletzet ... [zB. die] leibeigenen ..., die sich dadurch von ihrer leibeigenschaft ... zu befreyen suchen
    1783 Quistorp,GrundsPeinlR. 754
  • zu unsern zeiten finden die unterthanen ... keine grosse schwuͤrigkeiten, sich fuͤr ein leidliches loskaufsgeld von der leibeigenschaft frey zu machen
    1786 Gadebusch,Staatskunde I 291
  • unterthanen werden, außer der beziehung auf das gut, zu welchem sie geschlagen sind, in ihren geschäften ... als freye bürger ... angesehen. es findet daher die ehemalige leibeigenschaft als eine art der persönlichen sklaverey, auch in ansehung der unterthänigen bewohner des platten landes, nicht statt
    1794 PreußALR. II 7 § 148
  • 1802 RepRecht X 50f.
  • 1808 Heinemann,StatRErfurt 326
  • 1808 VerfBaiern I 15 Anm.
  • jeder mensch hat angeborne ... rechte und ist daher als eine person zu betrachten. sclaverey oder leibeigenschaft und die ausuͤbung einer darauf sich beziehenden macht wird ... nicht gestattet
    1811 ÖstABGB. § 16
  • die persoͤnliche leibeigenschaft mit allen ihren wirkungen soll vom 1. januar 1818 an in dem ganzen umfange unsers koͤnigreichs aufgehoben seyn. 1) unter der persoͤnlichen leibeigenschaft ist dasjenige leibeigenschafts-verhaͤltniß verstanden, nach welchem ohne ruͤcksicht auf guͤterbesitz entweder einzelne personen oder ganze gemeinden einem andern als eigengehoͤrig angesehen und zu gewissen abgaben verbindlich gemacht werden. (personal- und local-leibeigenschaft)
    1817 Reyscher,Ges. II 453
  • 1825 Geck,Soest 393
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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