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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Licht/licht

Licht

, n.

zu den mnd. u. mnl. Nbff. vgl. Luft 

I Tageslicht

I 1 im Nachbarrecht besteht ein Recht auf den Lichteinfall vom Nachbargrundstück, tw. auch ein Schutz vor Einsichtnahme in das eigene Grundstück durch ein Fenster im benachbarten Haus
  • ist daz ein man ein hus zimbrot, vnde wil sin nach gebure ein hus an im zimberon, er sol ez in der hœhi rihten daz sin lieht nvͥt verzimberot werde
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 371
  • mine lucht neschal he mek nicht verbuwen noch verengen
    1322 Lasch,NdStB. 76
  • wer aber dem andern sin venster verbuwen wil mit ... muren, der sol im doch so vil stechendes liechtes geben ..., als im ... notturfftig ist
    1322 StraßbUB. IV 2 S. 149
  • 1405 MittSalzbLk. 13, 2 (1873) 23
  • user neen scal deme andern sine lucht vorbuwen
    um 1410 HildeshUB. III 194
  • sin liecht in dem steinen huse nicht verbuwen oder verlegen, und die trauff sal fri sin
    1440 MiltenbergTrR. 44
  • men siin luchte niet betymmeren en sal
    1445 UtrechtRBr. II 194
  • 1456 UtrechtRBr. II 264
  • NürnbRef.(1479/84) XXXV 20
  • 1490 WürtGQ. XIII 487
  • um 1500 RottweilStR. Art. 142
  • van lucht te nemen van eens anders erff
    Anf. 16. Jh. UtrechtRBr. II 414
  • das sind die uͤbungen der stettschen flecken, das ... einer syne hüser nit hoͤher erhebe vff das er dem liecht synes nachburen kein schaden duͤge
    1520 Murner,Inst. 32v
  • es solle keiner befügt sein, ein neües gebeüw ... aufzuführen wo bei mansgedenken keines gestanden ist, wan andurch dem nachbaur ... das liecht und prospect verbauet würde
    nach 1523 Sankt Gallen/GrW. VI 375
  • dienstbarkeiten wie ... trauffrecht, canal, fenster, lufft, liecht, wasserflüsse, ein oder außgeng
    WürtLR. 1555 S. 213
  • es ist niemand zugelassen, auf oder gegen seins nachpaurn gepewen oder hofrait ainiche liecht oder trüpfen zustellen oder zumachen, er hab dann desselben ain bedingte beweißliche gerechtigkeit
    NürnbRef. 1564 XXVI 3
  • 1711 NassauLO.(Nahmer) VI 3 § 1
  • um licht in sein gebäude zu bringen, kann ein jeder oeffnungen und fenster in seine eigne wand oder mauer machen, wenn dieselben gleich eine aussicht über die benachbarten gründe gewähren
    1794 PreußALR. I 8 § 137
  • durch ... haus-servituten wird der besitzer des dienstbaren grundes verpflichtet, ... dem herrschenden gebaͤude licht und luft ... nicht zu benehmen
    1811 ÖstABGB. § 476
I 2
Tag; zwischen den Licht bei Tag
  • 1621 OÖsterr./ÖW. XIII 59
  • so es essente pfand sein, so mag man sie an die füeterung stöllen zwo fünster und drei liecht 
    1671 Salzburg/ÖW. I 99
II künstliches Licht, Kerze 

II 1 als Gabe an die Kirche und Gegenstand von Stiftungen
vgl. Kerze (I)
  • þœt hi godes circan æghwar georne griðian ⁊ friðian ⁊ mid leohte ⁊ lacum gelome hig gegretan [daß sie überall Gottes Kirchen gern und mit Schutzgewalt und Friedensrecht umgeben und sie oft mit Lichtkerzen und Gaben besuchen] 
    980/1060 Liebermann,AgsG. 258
  • 1267 Bayern/CorpAltdtOrUrk. I 154
  • 1336 HHildeshUB. IV 757
  • ein ewig liecht ... ze der kilchen
    1367 FRBern. IX 6
  • um 1400 BernStR. II 1 S. 73
  • 1444 HildeshBrüder 163
II 2 bei den Zünften

II 2 a in einer Kirche unterhaltenes oder auf Prozessionen mitgeführtes Licht 
  • 1271 BaselUB. II 44
  • wele brotbeckke sich vnderwindet eines knechtes, den er leren wil daz antwerch, da git der knecht ein pfvnt wachses an daz liecht 
    1364 RheinfeldenStR.(SchweizRQ.) 34
  • 1385 NdJb. 75 (1952) 11
  • der núwen zunfft liecht 
    1441 RottweilSteuerb. 150
II 2 b das Licht leihen "in die Zunft aufnehmen"
II 2 c übtr. Bruderschaftskasse
II 3 als Lichtuhr
vgl. Kerze (V)

II 3 a bei Zunftversammlungen
  • wen der bothe umblaufft und kompt wider indes meisters haus, der inen eraus gesant hat, so soll er ein licht eins fingers lang anzünden und ufstecken und welcher noch ausgange des lichtes kompt, sol büßen mit 6 pf.
    1459 Leipzig/ZMundartF. 17 (1941) 200
  • 1479 Stieda-Mettig 298
  • 1688 AberglWB. V 1253
  • 1722 Beier,HdwLex. 252
II 3 b bei Versteigerungen
II 4 als Kennzeichen der ehrlichen Absicht des Trägers
  • wirt ... ieman begriffen nach der iungesten winglocken an lieht, ist er ein unversprochen man, den sol man fuͤren uf den sal ... wirt aber ein versprochen man begriffen, den sol man uf daz stokhus legen
    1342 WürzbPol. 62
  • es sol niemant auf der strazz verholen gen nach der pierglokk, er sing oder er ge mit liecht 
    SalzbStR. 1368 S. 113
  • welle múnch oder pfaff nach dem bett ane ain liecht offentlich gienge ... und súnder ain múnch nach dem bett nit im closter wär, was dem beschäch, da gieng kain rath nach kaines wegs
    1380 KonstanzRbfRotB. 16
  • 1387 KonstanzRbfRotB. 37
  • 1455 HessSamml. I 13
  • 1474 PössneckSchSpr. I 188
  • 1497 Will,Altdorf 355
  • neen hantwerksmann, edder bowknecht, effte loßgeselle scall ghan bauen negenen vp der straten, werth he dar bauen besclagen sunder lüchte, ... he scall dat vorböten met teyghen marken
    1516 Benno,Köslin 236
  • 1640 SchweizArchVk. 15 (1911) 52
  • so etwa ledige töchtern nachts auf der gass ohne liecht und ohne geschaft umschwanken, so mögen sie von knaben ohne entgeltnuß in den brunnen geworfen werden
    1656 Appenzell/Kramer,RechtlVk. 76
  • 1788 Thomas,FuldPrR. I 101
II 5 formelhaft verbunden mit Feuer (III 2 c) als Bez. für die eigene Haushaltung
  • soe en sal nyemant bynnen S. borger werdden, hi en sal al zyn goet bynnen onser stadt brenghen ... ende nergent anders vuer noch licht to holden, dan goet ende quaet met ons to lyden
    1456 SneekStB. Art. 143
  • mit für und liecht gesessen
    1500 SaanenLschStat. 152
  • mit füwr und liecht wonhaft
    1592 BruggStR. 195
  • 16. Jh. Niedersimmental 80
  • 1620 Niedersimmental 103
  • vnuertheilt werden gehalten diejenigen, die ... an einem mus vnd brod mit feüer vnd liecht sitzend, ligende vnd vahrende güter, gewinn vnd verlust gmein habind
    1. Hälfte 17. Jh. FreiburgÜMun. II Art. 312
II 6 in Bestimmungen zur Vermeidung von Feuersgefahr
  • wir haben öch vf gesetzt ainung v́ber für vnd liecht 
    1331 Schauberg,Z. 2 (1847) 118
  • um 1589 OÖsterr./ÖW. XII 6
II 7 als Zeichen bei einem Feueralarm
II 8 bei einer gerichtlichen Untersuchung

II 8 a als Folterwerkzeug
II 8 b bei einem Hexenprozeß
  • man ihme ein geweihtes licht in die hand geben, und mit weihbrunnen besprengt
    1717 Aretin,Beitr. IV 276
II 9 als Bußwerkzeug
  • welcher oder welche ain offenlicher ehebrecher oder ehebrecherin ist, der würt mießen mit ainem brinnenden liecht oder fackel als lang das ampt und predig in der kürchen ston oder kneyen
    1548 HohenzollJh. 19 (1959) 130
  • straf des ehebruchs ... verheurather ... mit einem ledigen weibsbild ... nur einmal ohne entbloͤßung der arm, mit ruthen und licht vorzustellen
    1727 KurpfSamml. III 118
II 10 beim Sendgericht als Gabe
II 11 bei der Verlesung einer Zunftvorschrift
II 12 beim Eid und in symbolischem Gebrauch
  • 950/1100 Liebermann,AgsG. 439
  • schal he [Bäcker] eyn licht in de hand nemen vnde zweren to den hilgen synen brodern truwe vnde hold to wesende
    1452 Flensburg/Nyrop,Saml. II 152
  • in etlichen orten pfleget man besondere ceremonien beym eydschweren zu halten, damit niemand unbesonnener weise das haͤndlein von sich strecke. man pfleget ein geschwaͤrtzetes liecht an zuzuͤnden, und neben das crucifix zu setzen, vnd zu sagen! sihe so schwartz wirstu fuͤr gott sein, wofern du wirst unrecht schweren ...
    1610 MittSchlesVk. 16 (1914) 246
-- mit den Lichte(r)n (ver)schießen: Zerbrechen, Wegwerfen von brennenden Kerzen als Symbol der Auslöschung des Lebenslichts beim Kirchenbann, vgl. Wohlhaupter,Kerze 129
  • ob byscoph A. nine queme zo Rome, als iz sich gezeme, bin vyer wochen, daz se in bennen und mit lichten dhe dha brennen vorscozen an allen viretagen
    Ende 13. Jh. BrschwRChr. V. 6044
  • Hs. 15. Jh. ChrSimGoslar 598
  • khamen ich vnnd meine bruder inn die acht vnnd aberacht, vnnd inn ettlichenn stettenn schossenn die pfaffenn vnnd munichen vff der canntzel mit liechtern zu mir, vnnd erlaubtenn mich denn vogelnn im lufft, sie solten mich fressenn
    1562/67 Götz v.Berlichingen(Ulmschn.) 94
  • 16. Jh. Schmeller2 II 477
III
bei Blendung als Leibesstrafe: bestes Licht "Augenlicht"
  • so ainer wer der meim herren sein visch wolt stellen, ... so er zu dem dritten mal begriffen wurd, so sol er des pesten liecht verlaugn, das sein di augen
    Anf. 15. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 364
  • Ende 15. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 355
  • Ende 17. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 342
IV übtr.: Erkenntnis, vgl. DWB. VI 871
  • nach angebohrnem licht und recht
    1768 SchrBodensee 28 (1899) Anh. 413
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):

licht

, adj., adv.

hell, übtr. verständig, verständlich

I der lichte Galgen (III), der entrindet und damit "tot" ist "das Hängen am dürren Baum war eine gründlichere und deshalb schändlichere Tötungsart" Schuhmann,Scharfrichter 73; aM.: "in den sinn des offenen, öffentlichen übergreifend ... mit bezug auf den rechtsbrauch, dasz die strafe des henkens am morgen, nachdem es heller tag geworden, vollzogen ward" DWB. VI 859
  • so sprach er zum rechten vff sein aid das man in richten soll mit truckner hand hencken sol zwischen hymel vnd erd an den liechten galgen
    1470 MBoica 34, 2 S. 104
  • henkt sie ... an den liechten galgen
    2. Hälfte 15. Jh. AugsbChr. II 317
  • man diesen armen menschen solle an den liechten galgen henken mit einem neuen strick zwischen himmel und erdenreich
    15. Jh.? Osenbrüggen,Stud. 290
  • um 1500 GörzSt. 82
  • 1555 HansGBl. 1887 S. 90
  • 16. Jh. WürzbZ. I 2 S. 1383
  • 1614 Kramer,BaBüUfrk. 93
II der lichte Tag bezeichnet die Öffentlichkeit; ein Vergehen am lichten Tag ist besonders strafwürdig
III lichte Leute "Rechtsverständige"
IV etwas licht machen "erklären"
  • eingebracht: es waͤre da duͤster ... er erbiete sich es licht zu machen, und im nahmen seiner eine treue hand setzen zu lassen
    1739 Denecke,DorffR. I 50
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):