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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): lieb/Lieb

lieb

, adj., adv.

zur Etymologie vgl. Kluge22 442

I von einer Person

I 1 hochgeschätzt, geliebt, wert, zuverlässig, freundlich; vor allem in der Anrede
  • 1200/20 GottfrStraßb.(Weber) V. 15012
  • 13. Jh. MnlWB. IV 130
  • buͥrgermeister, ... schulthaize, ... der rat und die gemain der burger ze Ezzelingen, unser lieben getruͥwen
    1315 Böhmer-Ficker 483
  • unser liev getreun purger von B.
    um 1330 BrünnRQ. 385
  • den geistlichen leuten, dem apte und dem convent ze C., unsern lieben demuͤtigen
    1335 Böhmer-Ficker 515
  • [Fehdebrief:] wyssent yr gemeynde stat van Collen ... das [wir, Ritter] ... willen alsamen leiffer han R.v.H. dan uch und willen um siner leiffden willen vor vyant sin
    1403 PublLux. 62 (1928) 242
  • Mitte 15. Jh. EmsigerR. 238
  • ich ... sal ... auch keyme andern [ein gelende] lihen vmb hoheren zeins addir lebern lantsidel, sinder sie dabie lassen on alle geuerde
    1451 Cramer,Landsiedelei 38
  • an den irluchten unde hochgeboren fursten unde hern, hern W., ... unnsern gnedigen liben heren
    1474 PössneckSchSpr. I 117
  • wir unsern lieben getrauwen borgermeistern unde ratmannen gebieten
    15. Jh. DanzigWillk.(Simson) 25
  • 1598 Neocorus,Ditm. I 365
  • gnedig best ersamb hochgelerte, liebe andechtige und getreuwe
    1618 Engelke,GogerichtDesum 79
  • dem herrenstand alleinig zukommenden titl (lieber getreuer)
    1727/47 Hoheneck I 352
  • 1804 Gönner,StaatsR. 433 Anm. c zu 432
I 2 zur Kennzeichnung einer unerlaubten sexuellen Beziehung, der gewerbsmäßigen Unzucht
II von Sachen,Vorgängen usw.

II 1 teuer, hoch geschätzt
  • swelich man ene brvthlichte do, de ne scal nicht hebben mer twelef schotelen also lef also eme en punt behalden si
    1227 BrschwStR. § 20
  • um 1275 Schwsp.(L.) Lehnr. Art. 21
  • ist ez [vederspil] also gůt, alse do er ez stal, so sol er swern wie liep im sin veder spil si. halp alse vil sol im der diep geben. vnd dem rihter daz ander teil
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 239
  • swelkir user borghere eder user borghersche hedde eine liftucht, de liftucht scolden se vorschoten also lef, also se hebben eder umme penninghe gheven welden
    um 1300 HildeshUB. I 294
  • um 1330 BrünnRQ. 388
  • priestere en scolen von rechtes weghene neyn lifgut vorschoten, dat sie von deme rathuse ghekoft hebben; sunder leyen, die juwe borghere sin, die scolen ore lifgut vorschoten also lief, alse sie it hebben
    1339 MagdebSchSpr.(Friese) 115
  • 1350 SoesterSchrae Art. 145
  • waͤr ouch, das diu phant niemen kôffen welt, so hat der, der diu phant verkôfft, gwalt selb dar uff ze bietent und ze koffent als lieb es im ist
    1382 LeutkirchStR. 42
  • eyne gerade, dy ir so lip ist als eyne schog groschin
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 288
  • Ende 14. Jh. GlWeichb. 367
  • 1455 ScrRBrunsv. III 243
  • 15. Jh. Schwsp.Var./WSB. 74 (1873) 411
II 2 lieb sein "angenehm sein, gefallen, für gut gehalten werden"
II 3 liebes Recht Minnespruch, Schiedsspruch im Schiedsverfahren, arbitrium
  • wo aber die glöübiger daran nit kommen wöltent, sy in dz lieb recht wyßen söllind ..., ire ansprachen jeßen rechten nach ze liquidiern
    1615 BernStR. VII 1 S. 133
  • wäre es sach, das eine oder beid partyen sich in kein fründlichkeit ynlassen wöllten, so soll man ihnen das lieb recht ergahn lassen
    1615 Bern/SchweizId. III 985
III
besondere Verbindungen

III 1 lieb machen "widerrufen, Abbitte leisten"
  • wer einem eyn solchs zu sagt [er habe einen margstein auss gerodt] vnd nit beweren mag, der sol es ym als lieb machen, als er es jm leidt gemacht hadt
    1506 Franken/GrW. III 590
III 2 lieb tun "einen gleichwertigen Gegendienst erweisen"
III 3 so lieb ... so lieb "ebenso gern, ebenso recht"
III 4 lieb oder leid "erfreulich oder unerfreulich, ob jem. will oder nicht"
  • dâ sihit ein îgilîchir nâch sîn selbis wizintheit an demo gotis gerichti im selbim lîb odir leit
    11./12. Jh. KlAhdSprDm. 92
  • ich verich auch ..., daz ich des closters holze ... vil hab gehawen, es were so lieb, so laid, und hette dazue kein recht
    1267 WirtUB. VI 287
  • um 1374 MnlWB. IV 534
  • der konig zu Behemen meint romischer konig zu sein, es sei den deutzschen lieb ader leid
    1461 FRAustr. 44 S. 71
  • sprach der von Nassaw ..., er wolt bischoff zu Mentz sein, es wer dem kaiser lieb oder laid
    15. Jh. AugsbChr. II 12
IV substantiviert
IV 1 Ehefrau, Liebende(r)
IV 2 noch durch den Lieben tun, noch durch den Leiden lassen "weder aus Gunst noch aus Mißgunst etwas tun", Belege s. unter leid (I 2) 

IV 3 in Verbindung mit Ehre, gut, Zucht steht Lieb in Abbitteformeln bei übler Nachrede. Belege ab 1447 aus dem süddt.-alem. Sprachraum bei K. S. Bader, "... wisse von ime nit anders denn liebs und guets"/Bader,SchrRG. II 314ff.

unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):

Lieb

, n.


I in Rechtsformeln verbunden mit Leid (II) 

I 1 die Verbindung von Lieb und Leid (II 1) kennzeichnet die Freiheit von persönlichen, nicht sachgerechten Einflüssen bei einer Entscheidung oder Handlung, vereinzelt auch in mehrgliedrigen Formeln ohne Leid, zahlreiche Belege ebd.
  • no dor lief no dor leet sone salt danne bliven verholen
    Ende 12. Jh. Reinaert I V. 2142
  • geloben wir ... die stadt ... zu huden yn yrme rechte ... und dat nyt zu laissene durch leif, mede, vorte noch drauwe
    1300 Bär,Koblenz 30
  • 1325 GöttingenUB. I 86
  • daruber geluebe auch wir virundczwenczik zcu diesen geseczcen bei geswornem eide an alle arge liest durch liep noch durch leit czcu lazene
    1328 BrünnRQ. 405
  • du ... czwischen czweyer manne rede, clage vnd antwort ein gleich recht sprechen wilt ... vnd wilt des nicht lassen durch lip noch durch leyd, durch gobe noch durch moge
    1360 ZSchles. 7 (1866) 131 Anm. 2
  • des en soelen sij niet laten om gheenre cunne saken willen, die ghesciet siin of ghescien moeghen, noch om lief noch om leet
    1377 Nijhoff,Ged. III 36
  • 1406 SchweizId. III 988
  • [die] fryenstulsässen söllent ouch als wis ... sin, das sy wol umb eigen und umb erb erteillen konnent, jedermann nach siner notdurft ..., nieman ze lieb nach ze leid
    1431 Zürich/GrW. I 24
  • [Eidesformel:] ich N. schwere, das ich in diser sachen niemandt zu lieb oder zu leid, noch vmb miedt oder gab, oder von forcht wegen ... sunder allein die warheit ... sagen ... woͤl
    FrankfRef. 1509 fol. 14r
  • JoachimsthalBO. 1548 II 25
I 2 Lieb u. Leid (II 2) teilen, "an den Rechten und Pflichten einer Gemeinschaft teilhaben", zahlreiche Belege unter Leid (II 2) 
  • wir sie beqwungen, das sie lyp und leyd mit uns lyden by der stad und wo es nod geschehe
    1355 FrankfZftUrk. I 91
  • 1355 FrankfZftUrk. I 218
  • welche ... [in einem abgebrannten Ort] wellend buwen, ... die súllend ouch dann mitt dem stetlin in allen sachen, mit stúren, tellen, reisen ... lieb und leid han
    1470 InterlakenR. 238
  • 1507 BernStR. VII 1 S. 103
  • die einer eidg'noschaft mit lieb und leid verwandt sind
    1525 SchweizId. III 988 [ebd.ö.]
  • 1536 BernStR. VI 1 S. 534
  • alle, die in vnnser statt B. hußheblich gsessen sind vnnd alda lieb vnnd leyd tragent, dieselben sollennt für burger gehalten ... werdenn
    1539 BernStR. I 318
  • 1539 BernStR. I 343
  • 1544 InterlakenR. 436
  • 2. Hälfte 16. Jh. BuchWeinsberg IV 87
  • 1615 BernStR. VII 2 S. 763
II Gefallen, Gefälligkeit über das übliche Entgelt für eine (besondere) Dienstleistung hinaus
  • ie von der hub iiiior. chæs, xl. air ze ostern. daz ist von reht niht vnd ist wan ein lieb 
    1. Hälfte 14. Jh. StraubingUrb. 317 Anm. 1
  • um 1400 Willem v. Hildeg. 231, 127
  • 1488 MnlWB. IV 535
  • 1489 uö. SchweizId. III 986
  • ob einer den andern überbüth, so soll er dem schultheißen als lieb thun, der soll ime gebieden, abzuthun von der hern wegen in vierzehen tagen
    1525 ArchHessG.2 3 (1904) 132
III Freude, Glück, Erfreuliches
IV Erfolg
V geliebte Person
VI mit Lieb "freiwillig", kein Lieb "nicht in Güte"
  • man sol auch kaynem vogt ... mit kaynen diensten verbunden sjn, dann als vil sj mit bitten und lieb überkomen megen
    1330 Schaffhausen/GrW. I 300
  • 1535 uö. SchweizId. III 987
  • man von dem müller den müllerzinss mit keinem lieb einbringen könne
    1662 SchwäbWB. IV 1231
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):