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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): 1Los

1Los

, n.

ahd. u. mhd. lôz, n. u. m., ae. hlît m., an. hlautr m., got. hlauts m., aus germ. *hlaut-, im Ablaut mit Luß m., mhd. luz, ahd. hluz, mnl. lot n. u. m., afries. hlot n., ae. hlot n. u. hlyte m., an. hlutr m., aus germ. *hlut-; die as. Form wird idR. mit Langvokal angesetzt (hlôt m.) und zu Los gestellt, das Nd. (lôt, lot n.) läßt sich nicht eindeutig zuordnen. Zur Etym. vgl. Kluge22 448, NlEtymWB. 413, IEW. 605, Seebold,WB. 265. Aufgrund des vielfältigen Sachzusammenhangs werden die as. und mnd. Belege gemeinsam mit den außerhd. Formen von Luß in einem gesonderten Artikel 3Lot behandelt; Entsprechendes gilt für die Kompositen und Ableitungen, die weit häufiger in der Form lot- als luß- belegt sind

I gekennzeichneter Gegenstand, der bei Entscheidungshandlungen mit unanfechtbarem, vom göttlichen Willen bestimmten oder aber zufälligen (und daher gerechten) Ausgang von einer beteiligten oder dazu bestimmten Person geworfen oder gezogen wird
  • teiltun min giuuati in inti ubar min giuuati santtun lóz 
    um 830 Tatian 203, 4
  • um 868 Otfrid(Kelle) IV 28, 9 uö.
  • umbe minen roc ... uurfen si loz 
    um 1000 Notker III 60
  • um 1300 Passional(Hahn) 110, 51
  • swelich burger chauffet salz ... von den gesten, der sol aus igleichem wagensaltze ein fůder mit losse nemen und daz selbe mezzen, und sol diu andern darnach gelten
    um 1310 MünchenStR.(Dirr) 211
  • 1347 Haltaus 1278
  • ob loz werffen sund sey. loz werffen vmb haymlich ding zeforschen ist sund. awer wann man daz tut durch frids willen, also ob man gut solt tailen oder ander zimleich ding zefrid seczen, daz wär nit sund
    2. Hälfte 14. Jh. BerthRechtssumme III 1598
  • söllen ... ir ieder sein los, ... die alle in ainer braitin und dickin sein werden, in ainen hut zusamen legen und sovil der [Wein-]vaß ... im kauf sein, soll ain knab ... in denselben hut greifen und ... ain zaichen ... heraus nemen, so lang, bis die gemelten vaß gar gelöst sein
    16. Jh. NördlingenStR. 507
  • 1603 BadW. 206
  • das loos (sors) nennt man eine jede sache, auf deren nicht vorhergesehene bestimmung die erlangung einer koͤrperlichen oder unkoͤrperlichen sache beruhet oder es ist ein zeichen dessen, was wir haben sollen, welches durch das gluͤck bestimmt wird ...
    1754 Wolff,Grundsätze 452
  • hat das auf befehl des kammerrichters durch den leser zu ziehende looß zu entscheiden, welcher theil [der akten] einem jeden senat zufallen soll
    1791 Malblank,Kanzleiverf. I 395
  • zwischen dem unternehmer und einsetzer vertritt das loos oder billet die stelle des schriftlichen vertrags
    1794 PreußALR. I 11 § 554
  • 1824 Mittermaier,PrivR. 178f.
  • 1832 Bender,Lotterie 33
II
Loswurf, -verfahren, Verlosung, 2Losung (I), häufig mit metonymischer Verschiebung auf die durch den Loswurf gefallene Entscheidung, vereinzelt (1811) auch auf den Vertrag über eine Verlosung
bdv.: Spiel (V)
  • 1200/20 GottfrStraßb.(Weber) V. 6065
  • von juden und cristen wart ein kiel geladen also swere, wie daz ein loss an sie geviel, daz man ir beider drissig zusammen saczt und schied sie nach der zal
    2. Viertel 13. Jh. Reinmar v. Zweter 300, 2
  • verchavft haben vnsers rehten aigens ain halp phvnt wienner phenninge geltes, ... daz vns mit fvrziht vnd mit loz ze rehtem erbtail angevallen ist
    1311 AltenburgNÖUrk. 124
  • wolden di vorben. erbin nicht by enandir bliben, so muͤgen si sich teylen mit allen landen ... noch eyme glichen gotlichen losze 
    1346 SchlesLehnsUrk. I 330
  • ist vnserm vettern vnd seinn erben mit los vnd mit tailung geuallen an dem haus ... der stochk mit dem czygeldach
    1346 WienSchottenUB. 252
  • swaz dann die fuͤnf umb den tail ... sprechent, daz sol dann ietwedrer tail nach dem loz ân all widerrede staet haben
    1347 MünchenStR.(Dirr) 321
  • es ist drier hande los. eines heisset ein teilendes los, als das los ist da mitte die lúte teillent etlicher hande gůt. das ander heisset ein ratgebende los, als das loz ist da mitte die lúte sůchent was si tůn sullen oder lassen. das dritte heisset ein warsagendes los, als das los ist da mitte die lúte sůchent kúnftige ding
    1. Hälfte 14. Jh. BdTugenden I 260
  • 1350/60 KölnAmtl. 106
  • sullen die ... zunfftmeister und ratgeben ... halb von dem rate gaun, als si dann mit lozze oder mit dem spil davon gescheiden ... werden
    1368 AugsbChr. I 136
  • 1377 KrakauZftO. 54
  • sal nimant, der gewandt schneydt, seinen schragen des morgens ehe setzen, denn man es des morgens gelosst hot ... wo denne seyn loss kompt, da setze er seynen schragen
    1394 KönigsbergWillk. 41
  • wann man new ecker mist, so gait man einem lehen als vil als den andern, vnd tailet mager ecker vnd fruchtber ecker czu iczlichen lehen vnd was dann das los einem iczlichen gait, das ist sein
    2. Hälfte 14. Jh. BrünnRQ. 220
  • 1412 FreibergUB. III 300
  • 1433 FreibergUB. I 149
  • C.R. nympt off der almende als ein ander gemeynsmanne ... und get zu loße als dick als die gemeyne etwaz zu verteiln hat
    1445/75 Erler,NeustadtWeinstr. I 200
  • uf wend [von mehreren Personen] das loß felt, den [sollent] si und müssent in haben, er si gut oder böße
    1494 Unterelsass/GrW. V 510
  • von der schwaigen wegen, ... das man das mit der růt und mit dem loͧse glych tailen sol
    um 1500 RottweilStR. Art. 119
  • all scheef- und zinsvisher an sant Bartholomeus tag ... bei einander sein und das loss mit dem wirfl werfen, und welcher die meistn augen wirft, der soll das erst vach zu verfachen haben
    1505 Tirol/ÖW. V 9
  • das in solcher erbteilung ... geloset werden solle, also was idem teil das glück durch die lose oder kabel brengen wirt, für sein teil erblich anzunemen
    1534 Sachsse,MecklUrk. 218
  • n'is it den ummesetenen nicht wetenlik wie't in geweren hebbe, so mut man't wol besceiden mit enem water ordele [Zusatz von 1535: das ist durch eyn loss]
    SspLR. III 21 § 2
  • 1535 WürtLändlRQ. III 445
  • als wir dann den hof T. vnder vns geteylt, sond äker, wisen vnd holtz vnverendert beliben, wie es das loss yedem gäben hat
    1536 Zürich (Region)/GrW. I 133
  • 1537 RheinfeldenStR.(SchweizRQ.) 285
  • uf das loos oder uf die waal [teilen]
    1549 Niedersimmental 85
  • 1577 BremRitterR. 6 Anm. a
  • [sollen uneinige Erben] solches haus ... an ein gelt werten und das los darumb leggen
    1585 SchweizId. III 1426
  • wann man inn erbschafften muß theylung fuͤrnemmen ..., daß man solches vermoͤg der rechten dem loß vertrawet
    1591 Fischart,Daem. 56
  • auch heißt diß ein vnzimmlich losen, da man mit wuͤrffelen oder gezeichneten steinlein, beinlein vnnd ploͤchlein das loß wuͤrffet
    1591 Fischart,Daem. 57
  • sol ... die theilung ... auffs gleichste alß möglich gemacht vnd darauff die erbschichtung durch unvordechtig loss gehalten werden
    1598 Brinckmeier II 92
  • solle derselben kinden vater- und můter gůt ... durch die mitte geteilt in zwen teil getan und mit dem loß geteilt werden
    1598 SaanenLschStat. 210
  • da aber ettliche [Näherberechtigte] miteinander sich zuemahl anmelden und der loßung underfangen thäten, alsdan soll das loß geworfen werden und loßung deme belieben, welchem das los die loßung zuegibt
    1611 WürtLändlRQ. II 276
  • [bei Stimmengleichheit] das los ziehen, doch zu albeg sol der elter vorziechen
    1648 Tirol/ÖW. V 40
  • sollen ... aus den gemeinen soldaten der zehende mann, so das loß treffen wird, das leben verwuͤrcket haben
    1672 Emminghaus,CJGerm. II 399
  • 1715 BadLO. 217
  • 1721 Waldkirch,Einl. II Anh. 8
  • sind ... aus der ganzen gemeinde 7 personen ... durch los ausgezogen ... worden, welche ... die wahl verrichten
    1750 Stern,PreußJuden III 2 S. 230
  • bey gar zu grosser menge der delinquenten ... wird die ordinari-straff so weit gemildert, daß selbe nicht an allen theilhabern, sondern nur an denen raͤdelsfuͤhrern oder jenen, so etwan das looß betrifft, zu vollziehen ist
    1751 CJBavCrim. I 1 § 28
  • 1753 CJBavJud. IV § 16
  • 1757 RechtVerfMariaTher. 326
  • 1758 Haltaus 1277
  • 1771 Zincke,KriegsRGel. 66
  • es kann ..., wenn eine gültige schätzung [der erbschafts-stücke] vorhergegangen, eine theilung durch das loos nicht angefochten werden
    1772 Pufendorf,HannovLREntw. 92
  • 1786 Gadebusch,Staatskunde I 91 u. 209
  • 1793 Rottweil/QNPrivatR. II 2 S. 429
  • der gebrauch des looses ist als ein mittel zur auseinandersetzung über gemeinschaftliche untheilbare sachen erlaubt
    1794 PreußALR. I 11 § 569
  • alle bewohner des staates zwischen 18 und 26 jahren schuldig sind, in der linienarmee nach bestimmung des loses zu dienen
    1807 Wohlfeil,Heer 120
  • 1810 Händel,Wehrpflicht 55
  • gluͤcksvertraͤge sind: die wette das spiel und das loos 
    1811 ÖstABGB. § 1269
  • die gesetzlich durch das loos berufenen 12 geschwornen
    1818 Landsberg,Gutachten 8
  • [wird kein Mehrheitsbeschluß erzielt,] so soll daruͤb von stund an gelosst werden: vnd welcher parthye das loss zufellt, bey der meynung soll es beleiben
    oJ. Brinckmeier II 92
III
duch Losentscheid zugefallener Anteil, dann überhaupt ein gewisser Teil, ein Stück oder eine Menge, eine Partie Waren
  • haben sie ein almende verloyst, habe eyner da viel loyß genomen, so must er auch viele an dem kosten geben
    1465 Erler,NeustadtWeinstr. I 56
  • haben sie anno 1603 solche weyde außsteinen lassen und 14 loß daraus gemacht ..., auch auf jedes loß ein gewiße zinße gesetzt
    1701 HessBlVk. 6 (1907) 5
  • Mitte 18. Jh. FriedbergGBl. 4 (1921) 54
  • gewuͤrze in ganzen loosen aus den auctionen der hollaͤndischen kompagnie
    1788 Gadebusch,Staatskunde II 55
  • macht der feldmesser so viele loose als theilnehmer waren und richtete sie so ein, ... daß die loose einer jeden classe von gleicher guͤte sind
    1812 StaatsbMag. VIII 208
IV im Handwerksrecht die Teilhabe, der Anteil am Handwerk und seinen Rechten (zB. Standrecht auf dem Markt), oft in präpositionaler Verwendung: ins Los gehen, treten, im Los sein "Anteil am Handwerk und seinen Rechten erwerben, haben"
  • daz N.H. dis halbe jar sal stehn an der stat, do er den vorgangen winter an hat gestanden ... wenn man hernoch mer lossen worde, kan sich denn H. mit den fleischern vortragen umbe das los, daz em genugit, daz wollen wir wol gunnen
    1433 FreibergUB. I 150
  • eß sal auch nymandt under den tuchmechern zcu K. zcu buden stehen unde in das loße under sie treten, er sey denne unsers hantwerges
    1470 ChemnitzUB. 170. ebd. 176f.
  • 1542 WürtFrk.2 28/29 (1954) 102f.
  • wilcher brauher also geschickt, der mag ins losz gehenn, ... meltzenn vnnd brauen
    1543 ArnstadtStR. 65
  • welcher meister an den jahrmarckten im loss ist, derselbig solle seinen schragen morgens um siben uhr ... uff dem marckht stehen haben
    1616 PforzheimUrk. 79
  • 1689 Beier,Schelten 27
  • 1716 SchwäbWB. IV 1289
  • mit ins loohs gehen. ist, zu einem handwercke sich halten, des rechte sich bedienen
    1722 Beier,HdwLex. 280
V Erkennungswort, Lose, 2Losung (III) 
  • [die zusammengelaufenen Bauern] gaben das loß: der fragend sprach: was ist das für ein wesen? der ander antwort: wir mögen vor den pfaffen nicht genesen
    1502 Schmeller2 I 1518
  • solches loß sollen die wachtmeistere ... niemand offenbaren, bis zur zeit, daß das faͤhnlein ... anfahen soll zu marschiren
    1626 HambGSamml. IX 139. ebd. 140
VI das alte Los "Herkommen"
  • ygleicher nach dem alten loz wolt bleiben pey den rechten
    2. Hälfte 14. Jh. Suchenwirt XX V. 203
VII Anteil an den (Steuer-)Lasten
  • [die] Grichen ... haben ... in dieser stadt ... verkauft ... zu großem nachtheil ... der stadt-einwohner und handels-leuth ..., unangesehn, daß die einheimischen allhie schooß, looß und andre beschwerniß helfen tragen
    1631 SiebbMunC. 90
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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