Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): 3Lot

3Lot

, n. u. m.

sprachl. identisch mit Luß, tw. auch mit 1Los (s. dort zur Etym.)

I gekennzeichneter Gegenstand, der bei Entscheidungshandlungen mit unanfechtbarem, vom göttlichen Willen bestimmten Ausgang geworfen oder gezogen wird, 1Los (I) 

I 1 bei Beschlüssen und Zuteilungen
  • oJ. Bosw.-Toller 544f.
  • is oc, dat se schelet unde se over en nicht ene dreget, so solen se loten under en, so wes lot sic ut nemet, dhe is recht an sineme tuge
    1269 HansUB. I 235
  • die deylinghe die met den lotte vor ons gheworpen wart ... van der versteruenessen eynre eersamer vrouwen
    1294 CorpMnlTekst. I 1997
  • alsmen die overste oudermanne kyesen sel, so sellen die overste oudermanne maken tue ende viertich lote 
    1341 UtrechtRBr. I 35
  • we hir nicht to hus en is, wanne men loten schal, des loth en schal men nemande antworden
    1365 ZNdSachs. 1878 S. 133
  • [bei der Ratswahl] zal die schout ... die lote van der boone ommedragen in een heimelijk vat zonder openbaringe der boonen
    1427 MnlWB. IV 825
  • dat gastlick riucht wrbyet, dat ma naet hlotya moet om neen tingh, hor mit dobbelstenen, ner mit ora hlothen 
    1480/81 JurFris. II 260
  • de sick vmme ghemene erue nicht vorlyken, de scholen darvmme eyn loth leggen, we des schole bruken dat erste iar
    1497 HambStR.(Reincke) 74
  • um 1535 Kantzow,PommChr. 198
  • 1573 HolstVierstUrt. 503
I 2 mit Gewinnangabe als Teil einer Lotterie 
  • zo wien den uppersten prijs ende lot ghebueren zal, zal hebben vi zelverin kannen
    1496 NlWB. VIII 2 Sp. 3053
  • 1563 OldecopChr. 544
  • der Niderlender lot, das sie im topff vnd inn jhr loterey legen vnd den zetel ein lot heyssen
    1564 Mathesius,Sarepta 233r
II Loswurf, Verlosung, die durch Loswurf gefallene Entscheidung, 1Los (II); im Nl. insb. Ratswahl, te lote gaen, lot hebben "sich an der Wahl beteiligen"
  • hweer soe en prester mei hloette iefta lioeda wilkere kerren wirt jn ena kapilla [wenn e. Priester durch das Los oder durch Volksbeschluß an e. Kapelle berufen wird] 
    10. Jh.? (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 196
  • hæðenscype byð, þæt man ... morðweorc gefremme on ænige wysan, oððe on hlotæ oððe fyrhte
    1027/34 Liebermann,AgsG. 312 [(oder blot?, vgl. Bosw.-Toller,Suppl. 553, aA. Liebermann,AgsG. III 203)]
  • oJ. Bosw.-Toller 544
  • ða gefeoll þæt hlot ofer Iudan cyn, Iacobes sunu
    3. Viertel 11. Jh. BiblAgsProsa III 130
  • dar na schal it hebben de andere eyn iar, na den dat it dat lot gift
    1270 HambStR. 13
  • 1295 CorpMnlTekst. I 2213
  • wennere wy dat guth entfangen by der wage, welk amptbroder twist vnde vnwillen maket dem andern, de schall nicht mede to late gan
    1390 Wehrmann,Zftr. 386
  • wie dat des eens iaers to loete gheet, die en sal des anderen iaers niet to loete gaen
    1399 ZwolleStB. 224
  • um 1400 SchleswStR. 29
  • wil [bei gemeinsamem Hauseigentum] de ene deme anderen sin andel nicht vorkopen zo mach de ene deme id dat lod gift dar ersten inne wanen
    Anfang 15. Jh. Hach,LübR. 307
  • 1471 NijmegenStR. 153
  • ter verdeelinghe ende separacie by cavele ende lote, alzo wel van erven of van renten
    1521/22 CoutBruges II 455
  • 1523 Fruin,KlSteden I 154
  • 1531 Lübeck/Sehling,EvKO. V 366
  • um 1535 Kantzow,PommChr. 55
  • 1540 Fruin,KlSteden I 295
  • 1572 HolstVierstUrt. 487
  • 1575 Gierke,DeichR. II 59
  • 1579 KielErbb. 271
  • es sollen aber hinfuhro keine dorwege, buden, scheunen, hofe und wuste erbe, dovon keine burgerliche unpflicht geschicht, zu lothe geschrieben werden
    1583 HansGBl. 1918 S. 189
  • wohr alse denne eines jeden pfart durch das loth valt da sol ehr bleiben
    1604 GartenRJacobsf. 37
  • dat aen 't lot geen regt-zaken, en decisie der zelve komen mogen
    1727 NlWB. VIII 2 Sp. 3051
III durch Losentscheid zugefallener Anteil an einem Recht, einer Pflicht oder Leistung, dann übh. ein gewisses Teil, Stück oder Menge (ae. hlyte glossiert lat. portio: um 800 Bosw.-Toller,Suppl. 555)

III 1 bestimmter Anteil an der Allmende (II), an der verteilten Feldmark, meton. auch ein Gewann (II) oder ein Feldstück
III 2 ein Grubenanteil
  • ene kameren twischen den stadellen unde eyn lot an erre kameren, de steyt bi deme slaghe
    um 1400 Goslar/HansGBl. 1919 S. 171
III 3 Stadtteil
  • dat men ... mit enen helen loet waken sall alle nacht, ende dair soevoel manne aff te nemen, dat men sdages voir elke poirt setten sal 4 man
    1458 TielRbr. 27
  • 1468 TielRbr. 47
  • 1667 NlWB. VIII 2 Sp. 3058
III 4 durch Losentscheid zugewiesener Verkaufsstand von Zunftangehörigen auf dem Markt
vgl. 1Los (IV)
  • wanneer dat enich vleyschouwer sterft, ... de sel siin lot vander bancken ... erven opten outsten volleghildebroeder ... de selve vleyschouwer is ... ende gheen lot en heeft
    1340/79 UtrechtRBr. I 42
  • 1430 LübUB. VII 410
  • 1552 Richter,Paderb. I Anh. 135
III 5 Anteil am Erbgut, an einer Gütergemeinschaft, auch an einem Herrschaftsrecht
  • oJ. Bosw.-Toller 545
  • men sel dese huysinge ende erve aen drien leggen, ende doirschieten ende loten by scepenen ... ende elc sel zijn lot wachten
    1434/1542 LeidenRbr. 254
  • darna, deelen alle de ervename, dat loth effte deel, dat dem vorstorvenen thogefallen was, under sick alle
    1593 JütLow.3 I 10 § 1
  • 1595 Ekenberger,Eluc. 26
  • 2. Hälfte 17. Jh. NlWB. VIII 2 Sp. 3056
III 6
unterhaltspflichtiger Deichanteil
III 7 im engl. und nl. Sprachgebiet, vereinzelt auch in Erfurt (nd. Lautform): eine anteilige (Steuer-)Leistung, insb. in der Formel Lot und Schoß 
  • omnis Francigena qui tempore regis Eadwardi ... fuit in Anglia particeps consuetudinum Anglorum, quod ipsi dicunt on hlóte et an scóte, persoluatur secundum legem Anglorum
    um 1110 Liebermann,AgsG. 487
  • dat die burgers ... vry sullen wesen van alre beschattinghe off lot van gueden, des zy hebben in anderen steden
    1299 Bergh II 494
  • dat elc meinsche porter es die jaer ende dach woenst houdt over recht bin den palen van der vryheit van der stede ende scot ende lot der mede ghelt
    1304 CoutBruges I 298
  • zi metter steide ghelden scot ende lot, ende assisen
    1307 InvBruges II 348 Anm. 1
  • 1347 ChartPierreGand II 57
  • Ende 14. Jh. BredaRbr. 8
  • sullen dese voirsz. lombaerden vry wesen van schote, van lote, van waken ende van allen heervaerden
    15. Jh. Fruin,Dordrecht I 205
  • 1510 AnnFlandre 25 (1873) 403
  • wie er [eins jglichen burgers sone] eigenn hanndell treibenn will, oder eigen guther hette, so sol er ime das lote und geschoss allsspalt zcuschreiben lassen und dasselbe jerlichs vorrechten und verschossen ...
    1510 MittErfurt 33 (1912) 167 Anm. 12
  • 1531 ChartPierreGand II 363
  • 1619 CoutBruges I 22
III 8 (rückständige) Lotgulden 
  • [Entgelt der Ratsdiener] vor das lodt außzuruffen
    1602 HansGBl. 1918 S. 200 Anm. 1 [ebd.ö.]
III 9 eine zugeteilte, ausgewählte Anzahl Menschen, eine Menge
vgl. Lut (I)
  • oJ. Bosw.-Toller,Suppl. 553
  • 2. Hälfte 14. Jh. MnlWB. IV 828
  • wente darumme, noͤmet ... Petrus ... das parreuolck, edder karspeluolck, ein lott, dat ys, ein deel, dat ein ytlick kerckherre, syn deel volckes hefft
    1534 Bremen/EvKirchO. I 245 [andere Zuordnung Lasch-Borchling II 857]
III 10 eine bestimmte, anteilige Warenmenge
IV Maßbezeichnung

IV 1 Flächenmaß (insb. für Äcker?)
  • dedi ... xxx. ij. mensuras terre ... hec autem terra singulis annis ad festum sancti Bauonis soluit. iiijor. marcaltsächsisch xxv. denarios pro lot 
    1190 CartAfflighem 289
  • 1262 StUtrechtOorkB. III 317
  • oJ. SchleswHWB. III 508
IV 2 Hohlmaß
V verabredetes Zeichen, 2Losung (III) 
  • efte jennich gesellen dem anderen dat lot bode tho dren tiden und he darbawen ginge van der strate, dat steit an der compani gnade
    1412 HansUB. V 545
  • 1563 OldecopChr. 103
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):