Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Lüsner

Lüsner

, m., Lüsmer, m.

auch ohne Umlaut, zu lüsnen, außer ae. (hlysnere) nur obd. (in nichtrechtl. Quellen seit Anfang 14.Jh.) als "Zuhörer, Lauscher" belegt; veränderte bzw. entstellte Formen: luͤnsener, lus(s)erer, lüsler (dazu vgl. SchweizId. III 1449 s.v. Lösler)

I
heimlicher Horcher am Haus; zum Strafrecht vgl. lüsnen (I) 
  • main swerer und main tæter, lotter, glisner und verræter, klaffer, lüssmer und speher, landzwinger und heller sind als bœsz als die steler
    1. Hälfte 15. Jh. Netz V. 13350
  • es sol auch ainer dem andern nicht lusmen an seinem haus ... und wo man derselbigen lusmer ainen begreift bei dem tag, so ist er vervallen das wandl 6 ß 2 dn. und bei nacht 72 dn., und sol den hopl hin antburten an di stat als ainen der den andern wolt verraten oder verprennen oder morden in ainem haus
    Mitte 15. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 730
  • 1512 NÖsterr./ÖW. VIII 77
  • wirt aber der lüßner begriffen, soll man im dahin antwurten als ainen schedlichen man und mag sich mit dem aid nit darvon nemen
    1541 NÖsterr./ÖW. VII 627
  • 1559 OÖsterr./ÖW. XII 122
  • 1567 OÖsterr./ÖW. XIII 260
  • 1577 NÖsterr./ÖW. XI 206
II nur mit dem Zuhören beauftragter Teilnehmer einer Tagung
  • des wychbischoffs caplan von Costentz hie sye, damit er lose, was doch gehandlet werd, hatt er nun gewalt einen lüßler har ze schicken ... unnd hat nit gewalt eynen har ze schicken, der etwas zů disen sachen rede, das were mir ein recht stucke uß der kammer von Rom
    1523 H. Zwinglis sämtl. Werke, hg. E. Egli ua., II (Leipzig 1908) 779
  • nach 1529 BernChr.(Anshelm) IV 164
III bei einer Gerichtsgemeinschaft Vertreter der nicht Gericht haltenden Obrigkeit als stiller Beisitzer beim Gericht
  • wan die hern ... zu A. vff dem selben fronhoff ein gericht besitzen wollen, so sollen die hern von R. iren schultessen bey der hern von A. schultessen haben siczen, der sall ein lusener sein
    1354 Franken/GrW. III 528
  • ein dhumprobst ein lusener an dem gericht zu H. sal haben sitzen, dem sal man weder futter, essen noch drincken geben, es erlewben ime dan die nachgebawern
    1384 Franken/GrW. III 543
IV Parteibeistand als Beobachter der Prozeßformalitäten, insbesondere beim Kampfgericht 
  • so bitt er fragen, wo sin lusserer steen sulle, so wirt erteilt zu steen in den zweyen kreysen
    14. Jh. MittFrankf. 5 (1874/79) 299
  • 1410?/1613 Ordn. des Kampfgerichts/Goldast II 88
  • daß sich der lußner in dem kreiß, dieweil die kempffer miteinander arbeitten, zu dem kempffer thun, so negst er mag, auff daß er desto baß gehoͤren vnd verstehen moͤge, was sich zwischen dem kempffer begebe
    1410?/1613 Ordn. des Kampfgerichts/Goldast II 89
  • 1416 ArchUFrk. 68 (1929) 506
  • 1430 NürnbChr. II 21
  • 1. Hälfte 15. Jh. Goldast I 238
  • darzů solle man im [Kläger] geben zwen lüssner, die da uff lüssnen, das dem rechten gnůg beschee
    1466 TübStud. 2 (1911) 367
  • hette einer am gerichte zu thun, das ere oder erbeguttere anrurt, der mag mit urlaube eins richters ein lusamer und ein werner haben
    1466 Wertheim 36
  • dornach begert der cleger lusener u. werner u. wes im not sei, sein dieb oder morder zu uberwunden, so leibt man ime, was recht sei
    Anfang 16. Jh. WürzbZ. I 2 S. 829
  • ist ein großer mißprauch, das man etliche dörichte form eines gerichtlichen proceß helt, ... u. welcher procurator als redner, lüßner, warner oder der selbstsacher (das vier unterschidlich person auf einer seiten sein müssen) den ungeverlich oder aus unverstand ein wenig ubertrit ..., so erkent man ine fellich in die ... puß
    1525 WürzbZ. II 366 Anm. 4
  • 1527 WürzbZ. I 1 S. 218
  • 1. Hälfte 16. Jh.? Reyscher,Stat. 403
  • bitt ich zu fragen, ob der cleger ichts bedurfen wurd, seiner guten freund u. andern zu lußner u. warner, die im zu ausführung seiner clag u. rechtens gereten und helfen möchten
    16. Jh. WürzbZ. I 2 S. 1350
V obrigkeitlich bestellte Aufsichtsperson, 1Losner (IV) 
  • der schultheis ... lu̍sener jerlichs setzen sol u̍ber swuͤre. und was swuͤre die selben lu̍siner hoͤrent und die ze ruͤgende sint, soͤllent si dem schriber ... sagen
    1397 BaselRQ. I 1 S. 54 (nr. 56)
  • das die haimlicher in jeglich zunft darzů zwen haimlich lúsner kiesen ... sond, die denn daruff sehend und semlich schwuͤr dem raut oder den haimlichern fúrbringent
    1432 KonstanzRbfRotB. 105
  • 1433 KonstanzRbfRotB. 113 u. 166
  • niemant by dem namen gottes freuenlich sweren sol, ... vnd daruf hat man luͥsener gesetzt
    1446 RheinfeldenStR.(SchweizRQ.) 106
  • 1491 EidgAbsch. III 1 S. 382
unter Ausschluss der Schreibform(en):