1Lust, m. u. f.

im gesamten Sprachbereich reich und früh belegt, aber nur beschränkt in rechtlicher Verwendung
I Verlangen, insb. bei Schwangeren als Strafausschließungsgrund bei Mundraub
II Wohlgefallen, Belieben (sowohl Freude, Bequemlichkeit als auch Eigenmächtigkeit, Willkür) im Ggs. zu Ordnung, Verpflichtung, Notwendigkeit
III metonymisch: etwas, das Wohlgefallen im Sinn von ¹Lust (II) bereitet; rechtlich: ein Recht, ein Nutzen; nur belegt in Formeln mit Gegensatzpaaren: Lust und Last (II), Lust und Unlust, Lust und Verlust "Rechte und Pflichten"
  • dat gheen poorter ... voert meer die [poerternering] hantieren en sal, hi en zy in enighe vanden ghemeenen ghilden vanden neringhen, ende daerin waeck, lust ende onlust draghe metten ghemeenen ghilden
    1439 Fruin,Dordrecht I 276 Faksimile
  • welcher man in diesem hoff noth hette ..., sein gutt zu verkauffen, der soll mit dem keuffer zu dem meyer gahn, vnd sein gutt mit lust vnd verlust verkeuffen
    1615 Eifel/GrW. II 600 Faksimile
  • der selb mühler wird vor ein kirspelsnachbar gehalten in lust und unlust
    1666 Eifel/GrW. VI 599 Faksimile
  • wann ein mann eine frau bey sich ins hauss und hof und alles wass er habe (nemlich an fahrenden sachen) in lust und unlust nehme, dass der frau, und nach ihrem tod, ihren leibserben davon die helft gebühre
    1728 Breidenbach 103 Faksimile
  • 1733 Breidenbach 105 Faksimile
  • 1799 Breidenbach 139 Faksimile