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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Majestät

Majestät

, f.

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aus lateinisch maiestas, vgl. Kluge22 456

I im religiösen Bereich

I 1 die Würde eines göttlichen Wesens (Trinität, Christus) in seiner Machtvollkommenheit; auch von Maria als Mutter von Jesus gesagt
  • dîne drî persône mit gelichem gewalte / in einlîcher drîvalte / sint in einer majestât 
    um 1238 Lamprecht v.Regensb. V. 5045
  • got unt sin muoter sizzent in ir majestat 
    Mitte 13. Jh. Marner/HMS. II 241
  • 1277 Konr.v.Würzb.,Part. 389
  • um 1290 Ulr.v.Etzenbach,Wilh.(Rosenfeld) V. 6193
  • so viel die goͤttliche maiestat hoͤher vnd groͤsser ist, als die weltliche, so viel schwerer vnd groͤsser ist auch die suͤnde, so dawider begangen wirdt
    KurpfLR. 1582 V 8
  • töverye is ein affal von gode tom düwel, eine vorlettinge der allerhögesten majestaten godes
    1587 Rhamm,BrschwHexproz. 11
  • 1592 J. Bodin, Respublica ... [übs.] durch J. Oswaldt (Mömpelgard 1592) 92
  • solche schwere sünden [unzucht ... hurey und ehebruchs], dardurch die hohe mayestat gottes im himmel übel verletzt ... wurdet, [sind] ernstlichen abzustrafen
    1596 BaselRQ. I 1 S. 462
  • [Überschrift:] von mißhandlung vnd beleidigung goͤttlicher mayestet: vnd wasser gestaldt die gottslesterung zu straffen
    PreußLR. 1620 VI 4 Art. 1
  • 1680 CAug. I 2035
  • 1705 CCMarch. III 2 Sp. 156
  • die majestaͤts-beleidigung begreifft im weiten verstande auch die beleidigung der goͤttlichen majestaͤt oder die gotteslaͤsterung unter sich ... im engen verstande ... wird das laster der beleidigten majestaͤt in das crimen perduellionis und das crimen laesae majestatis in specie getheilet
    1738 Hayme 660
  • 1739 Zedler XIX 548 u. 550
  • 1777 Adelung III 328
I 2 metonymisch zu I 1: Träger der obersten geistlichen Gewalt (Gott, Papst und Geistlichkeit als Gottes Stellvertreter auf Erden)
  • er baͧpst und die geystlich maiestaͧt 
    1476 BernStR. VI 1 S. 84
  • oJ. DWB. VI 1485
II im weltlichen Bereich

II 1 Bezeichnung der obersten weltlichen Gewalt zunächst als Kennzeichen des Kaisers, dann auch von Königen und anderen Herrschaftsträgern (Landesherren, städtische Obrigkeit, Repräsentativorganen)
  • enen keyser in siner maiestat 
    14. Jh. SchachbStephan V. 4452
  • wy unzen raͤd wyllen eren ... in alzodaner majestaten unde werdicheyt, alze wy en ... plichtich zyn to donde
    1419 HanseRez. VII 53
  • ist, das mir unsers herren [des Königs] magestat und der brive uber die leihung des gesteet
    1419 Zycha,BöhmBgr. II 381
  • bei seiner grasser maienstet vnd allen landen, dy er het
    1462 Beheim,Wiener 190
  • ghevet juwen rikessteden walt und macht, dat se nicht werden vordrucket effte voracht! dat hoert to der keyserliken majestaet 
    1493 NdJb. 16 (1890) 14
  • [Überschrift:] von hochheyt vnd maiestat eins roͤmischen keysers vnd koͤnigs
    1558 Gobler,Rsp. 216v
  • wir als kurfürst des hl. reiches der kaiserlichen majestät einverleibt glied [sind]
    1559 TrierJb. 1960 S. 33
  • beschreibung der maiestaͤt oder hohen oberkeit
    1592 J. Bodin, Respublica ... [übs.] durch J. Oswaldt (Mömpelgard 1592) 85 [ebd. 94]
  • mit welchem [praedicatum maiestatis] ... bishero allein eines roͤmischen kaysers, oder koͤnigs majestaͤt im reich agnoscirt worden
    1641 Buder 700
  • keine macht ist uͤber die majestaͤt, sonst waͤre sie keine majestaͤt 
    1710 StaatsKlugheit 138
  • majestät, ist die hoͤchste gewalt bey einem volcke, deren beginnen von keiner menschlichen gewalt kan widerruffen werden
    1717 Hübner,ZtgLex.8 1013
  • 1733 Rohr,Zerem. 435
  • 1739 Zedler XIX 548
  • 1757 RechtVerfMariaTher. 220ff. u. 294
  • ohngeachtet die reichsstände keine souveränen fürsten, sondern der majestät des reichs unterworfen sind, so haben sie dennoch kraft der besonderen regimentsform Deutschlands alle jura majestatica, wiewohl mit einiger einschränkung
    1757 RechtVerfMariaTher. 573
  • die wuͤrkliche majestaͤt, das ist der ganze inbegriff aller hoheits-rechte, haftet vielmehr schlechterdings, auf eine untheilbare und unzertrennliche weise am ganzen reiche, oder dessen saͤmtlichen staͤnden, in so ferne selbige mit einander ein einziges corpus ausmachen
    1761 AbrißStaatsVerf. I 148
  • um 1795 StaatsRHeilRömR. 82
  • 1798 Grolman,KrimRWiss. 295
II 2 Titel des Kaisers und (seit dem Westfälischen Frieden) auch anderer Herrscher sowie ihrer Gemahlinnen; in Anredeformeln häufig abgekürzt
  • aller durchlewͤchtigister grossmechtigister keyser und herre, unser undertenikeit schuldig und willig dienste seyn eẅrer keyserlichen majestat gehorsamlich bereyt
    1433 NürnbChr. I 450
  • juwer koningliken maiestat breff
    1448 LübUB. VIII 614
  • uwer kayserlich mayenstaut 
    1479 MHabsb. III 104
  • ewer key. maiestat, als eyn liebhaber des reichs, meinung ... sei
    1486 Formular 1544 fol. 144v
  • ewr kunigklichen mayestat sein vnser vntertenig gehorsam schuldig vnd willig dinst zuuoran bereit
    1494 Chmel,MaxUrk. 19
  • rüeffen wier e. k. m. an
    um 1500 Tirol/ÖW. V 567
  • 1510 GörlitzRatsAnn. I/II 44
  • 1533 Breunle 15v
  • die churfuͤrsten haben erst in dem xvii. seculo angefangen den koͤnigen das prædicat majestaͤt zu geben
    1733 Rohr,Zerem. 435
  • 1739 Zedler XIX 547
  • majestaͤt ist ein ehren-name, dessen sich ordentlicher weise nur gecroͤnte haͤupter zu bedienen pflegen
    1751 Buder 700
  • [Überschrift:] der titel: majestaͤt, aus den geschichten, dem ceremoniel, und voͤlker-recht erlaͤutert
    1757 Moser,KlSchr. VI 20
  • euer kais. königl. apost. maj. allerhöchst landesfürstlichen gewalt
    1759 Chorinsky,Mat. VI 268
  • daß das ehrenwort majestaͤt in so weit solches ein titel ist, in Deutschland niemanden als dem kayser eigen sey
    1761 AbrißStaatsVerf. I 149
  • ist das praͤdicat: majestaͤt, eine gemeinsame titulatur aller gecroͤnten haͤupter, sie sind kayser oder koͤnig
    1777 Moser,VölkerR. 120
  • diejenigen reichsstaͤnde, welche zugleich koͤnige sind, vom kaiser das praͤdicat majestaͤt ... verlangen
    1793 Bischoff,Kanzlei. I 92 [ebd. 395]
II 3
metonymisch zu II 1 und II 2 : die Person oder Institution, der diese Bezeichnung oder dieser Titel zusteht; häufig in Einleitungsformeln von Gesetzen und ähnlichem, die auf diese Person zurückgeführt werden
II 4 die höchste Gewalt (Majestät II 1) oder die Person (Majestät II 3) in Wendungen, die das lateinische crimen laesae maiestatis übersetzen
Sachhinweis: HRG.1 I 648ff., II 179ff. u. III 177ff.; F.Chr. Schroeder, Der Schutz von Staat u. Verfassung im Strafrecht (München 1970) 23ff.
  • das laster der geleidigten maestat 
    1415 BernStR. III 492
  • hertzogen zu Osterreich, der ... in laster der geleydigisten maiestat gevallen was
    1425 BernStR. III 516
  • das laster der geleidigten vnd beserigten maiestat 
    1425 LübUB. VI 629
  • dieselben, die solches [Landfriedensbruch] thaͤten, solten in die peene der verletzung unser majest., die man zu latein nennet pœnam criminis læsæ majestatis ... gefallen sein
    1467 RAbsch. I 225
  • das laster der belaydigung keyserlichen mayestat 
    NürnbRef.(1479/84) XIV 5
  • übertretter und letzer der kaiserlichen majestat 
    15. Jh. Ernst S. 243
  • so einer roͤmischen keyserliche oder koͤnigliche maiestat ... lestert, verbuͤndtnuss oder eynigung wider dieselben maiestat dermassen machet, das er damit ... crimen lese maiestatis gethan hat, sol ... an seinen eren, leben vnd gut gestrafft werden
    1507 BambHGO. Art. 132
  • 1532 CCC. Art. 218
  • [Überschrift:] von straff dero so veraͤtterey oder vntrew uͤben vnd in die peen des lasters belaidigter mayestat fallend
    Perneder,Malef.(1547) 14r [ebd. 14vf.]
  • 1567 WürtLändlRQ. I 227
  • misdaet van ghequetster majesteyt 
    1568 NlWB. IX 102
  • von laster beleydigter weltlicher maiestat. diß laster wirdt auff viel wege begangen, als da einer sich wider die keyserliche maiestat oder seine ordentliche oberkeit aufflehnet, mit andern wider dieselbigen sich verbindet, auffruhr erwecket, dem offenen feindt seines vatterlandts raht, huͤlff und fuͤrschub thut, verraͤtherey treibt, sich fuͤr ein herrn vnd oberkeit, die er nicht ist, auffwirfft, mißthaͤtige schaͤdliche personen, welche zum todt vervrtheilet, oder denselben verwirckt, mit gewalt auß der oberkeit gewahrsam ledig machet, vnd dergleichen
    KurpfLR. 1582 V 11
  • die straff geletzter mayestet 
    1591 Fischart,Daem. 246
  • PreußLR. 1620 VI 4
  • 1650 EstRitterLR. 401 [vgl. ebd. 449]
  • der jenige, so unser reichs- oder land-muͤntz nachschlagt oder faͤlscht, ist uns als ... beleidiger unserer majestaͤt mit leib, leben, haab und gut heimbgefallen
    NÖLGO. 1656(CAustr.) 87 § 6
  • 1707 SudetenHGO. Art. 19 § 6
  • [Überschrift:] von beleidigung weltlicher majestaͤt durch verraͤtherey und auffruhr im volck
    PreußLR. 1721 VI 6
  • 1733 Zedler VI 1645
  • die majestaͤts-beleidigung begreifft im weiten verstande auch die beleidigung der goͤttlichen majestaͤt oder die gotteslaͤsterung unter sich ... im engen verstande ... wird das laster der beleidigten majestaͤt in das crimen perduellionis und das crimen laesae majestatis in specie getheilet
    1738 Hayme 660
  • 1739 Zedler XIX 545
  • 1742 Moser,StaatsR. VII 210
  • 1750 CAug. Forts. I 1 Sp. 163
  • 1757 RechtVerfMariaTher. 221
  • 1769 CCTher. 61 § 4
  • 1783 Quistorp,GrundsPeinlR. 274
  • wer das oberhaupt des staats in seiner würde persönlich beleidigt, ohne daß dabey eine hoch- oder landesverrätherische absicht erhellete, der begeht das verbrechen der beleidigten majestät 
    1794 PreußALR. II 20 § 196
  • [Buchtitel: C.A.Fr. Schott,] abhandlung über das verbrechen der beleidigten majestät [Tübingen 1797]
    1798 Grolman,KrimRWiss. 295 u. 302
  • die untersuchung des lasters der beleidigten majestaͤt eignen viele nur allein dem landesherrn, mit vorbeygehung des ordentlichen richters zu, allein dies ist den gesetzen nicht gemaͤß
    1802 RepRecht X 124
III der zu den Reichskleinodien zählende Herrscherornat des Kaisers, auch übertragen auf den Kurornat
Sachhinweis: HRG.1 III 1305ff.
  • [bei der Aufbahrung] hett [der Kaiser] guldin purpurhosen und mantel an und die kron der maiestaten het er uff sinem haubt
    1378 AugsbChr. I 60
  • wan der keysir sitzcit in siner majestat, daz ist, wan her sitzcit uf sime keysirlichin stule, gezcirt mit synen kleynoten
    Ende 14. Jh. EisenachRB.(Rondi) II 1
  • [Krönung Friedrichs III.] meins herrn gnad in seiner majestat was und das zepter in seiner hand trueg
    1442 RTA. XVI 193
  • da warn all khuͤrfuͤrstn in ir majestat bei meins herrn gnaden
    1442 RTA. XVI 194
  • 1486 ZGO.2 13 (1898) 553
  • der roemisch künige in seiner cappen und auch kronen ... [und der Kaiser] in seiner keyserlichen maiestat cappen
    1486? AachenZ. 64/65 (1951/52) 92
  • 1679 Besold,Thes. 614
IV 1 der Siegelstempel
  • der kunig in daz besigelt hette mit sime kleinen insigel wanne sin majestat insigel noch nit volle gegraben ist, und das in keine stat empfahen solle, inen sy danne ir brief mit der majestat besigelt
    1400 Wencker,App. 403
  • er [König Sigmund] hat noch kein majestat, und wer' noch nicht gemachet, so sigelt er auch damit nicht, bis er gekroͤnt wuͤrd
    1411 RTA. VII 165
IV 2
Siegelabdruck, meist formelhaft am Ende einer Urkunde erwähnt; unter der majestät "mit dem Siegel"
  • von des briefs wegen, den ir haben solt vnder der majestat, wisset, das das insigel noch nit herfur komen ist
    1400 Frankfurt am Main/Diefenb.-Wülcker 749
  • [nach der Krönung] wolt er [König] uns die [Bestätigung] geben unter der majestat 
    1411 RTA. VII 165
  • des zu orkunde haben wir [Landgraf von Thüringen] vnse furstlichen mayestat wissentlich an diesen briev by einander lassen hengen
    1414 Haltaus 1297
  • vor 1416 IglauOberhof 212
  • aͤin brief mit herczog Meinharts maygestat 
    1420 TirolInv. 179
  • 1425 BrüxStB. 88
  • 1458/67? Senckenb.,Sel. V 65
  • zu orkunth unde meher sicherheit habin wir unssir mayestat an dezin brief hengen lossin
    1480 SchlesLehnsUrk. II 94
V wie Majestätbrief 
  • gebieten ... alle so sich zur augspurgischen confession bekennen, bey dieser unserer versicherung und majestaͤt in allen zu schuͤtzen
    1609 Frisch I 635
  • 1627 CJBohem. V 2 S. 349
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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