Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Montag

Montag

, m.

Lehnübs. von lat. dies lunae, ahd. mānetag, mhd. māntac, mōntac, mæntac, mnd. mān(e)dach, mānendach, mnl. maendach, manendach, afries. mōnandei, ae. mōn(an)dæg 
der zweite Wochentag; ein vorausgehendes kirchliches Fest verstärkt die Bedeutung des Montags im Hinblick auf seine Funktion als Gerichtstag, Markttag oder Zinstag

I ohne Attribut

I 1 als Frontag
  • kotesetlan riht ... he sceal ælce mondæge ofe[r] geares fyrst his laforde wyrcan oðð iii dagas ælcre wucan on hærfest [des Kotsassen Rechtspflicht ... [er] muss über den (ganzen) Jahreslauf hin an jedem Montag für seinen Herrn arbeiten und [aL.: oder] 3 Tage jeder Woche in der Ernte] 
    960/1060 Liebermann,AgsG. 445
I 2
als Zinstermin oder Rechnungstag, insb. im Anschluß an einen Feiertag
  • ein jeder burger vndt underthan ... ist jährlich der herrschaft N., am nechsten montag nach dem maytag zugeben schuldig 5 hls. heller ..., daß wirdt genanth die maybürgerzienß
    1669/70 PfälzW. II 1128
  • soll unser keller-schreiber ... alle montage seine rechnungen zum marschall-amte liefern
    1698 CCBrandenbCulmb. II 1 S. 17
  • der landseckelmeister, dessen amt 3 jahre dauret, legt alle jahre auf montag nach dem weißen sonntag dem landrath eine specificirte, ... rechnung seiner verwaltung ab
    1797 SGallenAbteiRQ. II 1 S. 426
I 3 als regelmäßiger wöchentlicher Gerichtstag, auch als Dingtag (I 2) im Anschluß an einen kirchlichen Feiertag
  • de excessu: ... voghet, qui habet relictam mandaghes 10 ß
    1375 HambKämmRechn. I 207
  • die gerichtstag werdent und söllent sin am ment[ag] und donst[ag]
    1525 SchweizId. XII 923
  • alle iar uf montag nach trinitatis halten zentgraven und schöpfen zu A. ain sonder gericht, das kirchmeßgericht genannt
    1532/40 WürzbZ. I 1 S. 117
  • 1554 WiesbadenGB. 54
  • auff montag ... zu K. hern oder kirmissgericht gehalten
    1557 Eifel/GrW. II 618
  • von wägen der stanngengrichten, so am männtag gehalten werden söllen
    1557 ZürichGB. 215
  • die pflichtgerichtstage werden gehalten, der erste den zweiten montag nach Pfingsten, der ander den nächsten montag nach Martini, der dritte montags nach trium regum, der vierte den zweiten montag nach Ostern
    1559 Westerwald/GrW. I 610
  • da haltet ein vogt je zu vierzechen tagen vmb gericht ... der gerichtlich tag ist am mentag 
    1566 ArgauLsch. III 72
  • es soll aber ein richter niemand kein k[aufgericht] samlen denn an einem möntag 
    1570 SchweizId. VI 358
  • item sol alwegs am mont[ag] das bankgericht gehalten werden
    1571 SchweizId. XII 923
  • erstes hohe gericht am montag, acht tage nach heil. drey koͤnigen ... das andere hohe-gericht am montag vierzehen tage nach ostern ... das dritte hohe-gericht, der kornfriede, am montag 14 tage nach pfingsten ... das vierdte hohe gericht am montag 14 tage nach Michaelis tag
    17. Jh. BilsteinGO. 531
I 4 als Markttag des Wochenmarkts, auch Eröffnungs- oder Schlußtag eines Jahrmarkts, meist in Verbindung mit einem Patronatsfest oder einem Feiertag
  • oc satte de hertoghe in der stad ... mene markede to hebbende twe daghe in der wekene, des manendaghes unde des donredaghes
    Ende 14. Jh. Grautoff,LübChr. I 49
  • alle montage ist gemeiner landmarckt ... alze denn ist eyn itzlicher wer da kompt des gefryet keynen kummer zcu lieden
    vor 1408 SchlotheimStR. 143
  • das alle menschen, die uff den mandag in unser stat als marckt ist das jare koment, dieselben sullent den tag gut fry geleite han
    1432 MWormat. 648
  • es ist auch von alter herkömmen das alle wochen am möntag das ganz jar ain freier wochenmarkt sol sein
    1485 OÖsterr./ÖW. XII 189
  • es vallent jarmercht ... der erst am mentag vor unser frowen tag
    1501/44 SchweizId. I 756
  • 1557 Eifel/GrW. II 618
  • 1667 Hasse,LeipzMesse 54
I 5 als Versammlungstag des Rates oder der Zunft
  • item man sol all wuchen am montag, am mitwuchen und am freitag rat haben
    1390 Nürnberg/Pitz,Schriftwesen 156 Anm. 4
  • es ist geordnet, das alle wochen am montag ein gewohnlicher rathstag gehalten werde
    1623 Blumer,RG. II 1 S. 185
I 6 als Tag der Lohnfestsetzung für die Arbeiter, die sich auf der Mietstatt (I) verdingen
  • es sol auch di erber pawrschaft in der wochen drei stund geen auf die mietstat und betrachten der gemain nutz, aufsetzen den lon, an freitag an montag an mittichn
    Mitte 15. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 33
  • das der richter und die vierer alle montag des morgens auf die müetstat gehen und den lohn setzen sollen
    Ende 16. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 913
II in festen Wendungen

II 1 (ge)schworener Montag, mnl. versworen, auch verkoren, verloren maendach; urspr. Tag des ungebotenen Gerichts; häufig wird damit der erste Montag nach Epiphanias bezeichnet als einer von meist drei Terminen des ungebotenen Gerichts im Jahr, gelegentlich für jeden dieser Gerichtstage; auch der Versammlungstag vor dem eigentlichen Gerichtstag; später Tag des Dorfgerichts, Rügegerichts; weitere Belege irrtümlich unter Geschworenenmontag 
  • transmittimus quod C. notarius domini regis loco et uice ipsius quadam die communis placiti. quod dicitur uulgo gesuuorin manedach. judiciarie potestati presidens
    1224 CDRhMos. II 150
  • sexta feria proxima post secundam feriam que gesvoren mandach natalis domini vulgariter appellatur
    1274 Gudenus,CDMog. II 959
  • te weten, dat men alle jare des dinxdaechs, des woensdaechs, ende des donredaechs na beloken paeschen, na beloken pinxteren, en na den versworen maendaghe van koersdaghe [Weihnachten], ghedinghehouden sal, dat men heeten sal poorters ghedinghe
    1315 Mieris II 155a
  • voert wil wi, dat onse richter ende schepen voerghen. te ghericht vp den dinghe daghe niet langher zitten en solen dat [!] bi sonnen schiin, vyt genomen den versuaren manendach 
    1327 Nijhoff,Ged. I 223
  • na verzworen maendach na medewintre
    um 1400 CoutBruges II 191
  • daz wir ... da bi unde damide gewesen sind zu D. an vollen gehegten geriechte, daz da geheiszen waz und ist gesworner mantag 
    1410 Franken/GrW. VI 22
  • diß hernach geschriben sein die artickel, die man uff einen iglichen gesworn montag einer gantzen gemeind verkundet
    1428 Wertheim 21
  • so dann die burger also uff dem huse uff ein gesworen montag bi einander sind und die artickel in dem gesworen montags buch verhoren, sollen die burger und zunfftmeister in ider zunfft desselben tags vor gerichte rugen
    1466 Wertheim 28
  • 1510 Seibertz,UB. III 221
  • demnach seindt wir entschlossen, den geschwornen montag wieder anzurichten, vnd beuhelen dir hiemit, das alle vnd iedes jahr besonder, ein vngebotten dinge vnd geschworn montag ... von schultheiß vndt scheffen eins ieden gerichts ... gehaltten ... sollen werdenn
    1574 CCNass. I 1 Sp. 374
II 2 häufig guter, freier, blauer Montag, auch ohne kennzeichnendes Adjektiv

II 2 a guter Montag ist urspr. die Bezeichnung für einen regional unterschiedlichen Festtag an einem Montag, dann der stundenweise oder gänzlich arbeitsfreie Montag der Handwerksgesellen, zunächst nur an bestimmten Montagen im Anschluß an einen Feiertag, ab ca. 1500 auf alle Montage ausgeweitet, jedoch von den Zünften und später den Territorialherren mit wechselndem Erfolg bekämpft; die Ausdehnung der arbeitsfreien Zeit auf den ganzen Montag führt zur Bezeichnung freier Montag, später auch blauer Montag; die Etym. des blauen Montags ist nicht gesichert, zu den sehr unterschiedlichen Theorien vgl. K. Koehne, Stud. zur Gesch. d. blauen Montags/ZSozW.2 11 (1920) 268ff. u. 394ff.; (guten, freien, blauen) Montag halten, machen, feiern die Arbeit einstellen, ruhen lassen; feiern
  • des zonnend. na s. Valentines dach, dat was des sonnendachs voor vastavont ...; des manendachs daerna ..., dat was gode maendach 
    1367/72 MnlWB. IV 989
  • welck knecht den mandach holt unde sines heren werc vorsumede, den moghen de wercmestere woll in de hechte setten in des woltbaden hues
    1375 (Hs. 1710) HambZftRolle 31
  • up den mandach, de geheten is de gude maendach 
    1375 InvNichtstaatlArchWestf. I 2 S. 144
  • ok ne schall nen knecht mer hebben men twe mandage to spelende an dem verndel jares
    1385 (Hs. 16. Jh.) NdJb. 75 (1952) 15
  • wisset, daz unser herre, der hoemeister, zcu rote geworden ist myt synen steten, daz keyn hantwerksknecht machen sal den montag zcu virtage
    um 1385 KönigsbergWillk. 22
  • daz dy knechte keynen guten montag sullen habin nach der aldin saczczunge der stat
    1392 KrakauZftO. 97
  • vort mee zal keyn gezelle den montag feyern usgenomen des sichil montage [Fastnachtsmontag]
    1437 Danzig(Hirsch) 344
  • vortmer so hebben de knechte alle maendage vry. in den vryen maendagen mögen se maken tho dem halven jahr veer armborste van erem egenen horne unde wes dartho behört
    1458 HambZftRolle 4
  • de knechte eres amptes, de ... mandach maken, scholen de mestere to deme wedde vorboden lathen
    1473 Wehrmann,Zftr. 457
  • das kein handwercksgeselle sal montag halden, noch sonst am werkeltage heiligtage machen in thabernen oder krügen bey xxxvi sch.
    vor 1523 KönigsbergWillk. 61
  • 1. Hälfte 16. Jh. BreslStR. 55
  • BairLO. 1553 V 1 Art. 3
  • den gesellen scholen ock jharlich freygelaten werden 4 gude mandage tho holden
    1559 HambZftRolle 40
  • [ein Geselle] soll auch keinen guten montag machen. wo einer das thete; sol er in des meisters und gesellen straff stahn
    1563 SteinmetzOrdn. 406
  • den anderen mantagh na pinxteren uf den guden mantagh als do die snider und wulner knechte gewondtlicher wise ihren meiganck holden
    1572 MünsterGQ. III 45
  • wann ein ganze wuchen ist, mögen die gesellen nach handwerksbrauch ein guoten montag machen, also das sie nach mittentag umb zwo uhren und nit darvor sollen feüroben haben
    1582 SchweizId. I 923
  • wan auch ein knecht auf ein andern tagk dan den halben montag fyern wolt ... soll der maister dem knecht am wochenlone solliche zeit ... abetzuziehen macht haben
    16. Jh. FrankfAmtsUrk. 41
  • es sollen alle die gesellen alle quatember einen guten mondag zu haltten macht haben
    Ende 16. Jh. FrankfAmtsUrk. 281
  • in denen wochen aber, darinn ainer oder mer feyertäge seint, ist aines erbern raths maynung und gepot das gar kein guter montag mehr gehalten werden
    2. Hälfte 16. Jh. Schoenlank,NürnbGesellenw. 600
  • were, daß ein gesell montag machen wollte, so soll derselbige gesell nicht macht haben vor andern meisters werkstatten zu gehen um derselben gesellen auch darzu zu verführen
    1663 Fatthauer,BremMetallgew. 45
  • sol ihnen [handwercks-gesellen] auch kein guter montag nach- und zugelassen seyn
    1666 GothaLO. 198
  • am sontag hat er gfeirt, am montag hat er ein blaben montag gemacht
    1671 AbrahSCl.,Werke I 26
  • 1731 RAbsch. IV 382
  • rescript ... wegen abschaffung des uͤblichen blauen oder freyen montags bey einigen handwerckern
    1770 NCCPruss. IV 7392
  • 1772 CSax. I 1004
  • gebiethen wir hiermit, daß ... der sogenannte freye oder blaue montag ... gaͤnzlich eingestellet, und die gesellen an allen montagen eben so fleißig und lange, als in den uͤbrigen werktagen arbeiten sollen
    1783 NCCPruss. VII 2059
  • kein wirth, oder sogenannter krugvater in einer gewerksherberge, soll an den zur arbeit bestimmten tagen, besonders aber an montagen, einen in arbeit stehenden gesellen während der gewöhnlichen arbeitsstunden bey sich dulden
    1794 PreußALR. II 8 § 363
II 2 b
Montag nach Palmarum, als Gerichtstag
  • deß guden mandages quemen se beide vor recht, de dode bi denn leuendigenn
    16. Jh. StralsChr. I 58
II 3 roter Montag Montag nach Michaelis (29. September), auch: nach Judica
  • uppe den roden mandach 
    1476 NdKorrBl. 2 (1878) 66
II 4 brede mandag zu mnd. brehen leuchten, glänzen, nur nd. belegt
heller Montag; erster Montag nach Michaelis (29. September), Beginn der winterlichen Arbeit bei Licht; von den Handwerkern mit einem Braten festlich begangen, daher wohl auch allgemein "Festtag"; als Tag der Aufnahme in die Zunft
  • to der anderen tidt scolen de brodere to samende komen des achten dages na brede mandage, und scolen de tyde begaen erlicken
    1334 Westphalen,Mon. III 560f.
  • 1415 ZSchleswHolst. 4 (1873) 183
  • 1473 ZSchleswHolst. 4 (1873) 420
  • wann die [Kloster-]vrouwen hebben ere state-dach edder brede mandach: so willen wy [Propst] em [Vikar] senden dre vate, wan he se halen let, und i stoveken gudes beres
    1482 SchleswHUSamml. I 332
  • 1489 ZSchleswHolst. 4 (1873) 419
  • 1509 ZSchleswHolst. 4 (1873) 420
  • wer dat schroder ampt wyll annehmen ... esche darnha dat ampt gewontlicher wyse tho dreen tiden, alse tho middensomer vmb johannis, darnha des breden mandaghes nha michaelis, vnde vpp wynachten
    1556 StaatsbMag. IX 473
II 5 kaufselliger Montag wie Kaufschlagemontag, Markttag am ersten Montag nach Invocavit; als Termin für Pachtleistungen
  • dat ... H.H. hefft de sulve hove landes ... gehuret ... vor yarlike pechte, nemliken eyn ferndel wetes magd. mathe up den kopsaligen mandach na dem sondache invocavit in den hilligen vasten
    1481 NdKorrBl. 2 (1878) 66
  • in der ersten fastwochen gegen den kopseligen montag 
    1525 CDBrandenb. I 4 S. 153
  • am kauffseligen montage 
    1595 Sastrow II 643
  • 16. Jh. StralsChr. I 114
II 6 stolzer Montag Pfingstmontag, als Tag des ungebotenen Gerichts
  • ain samenhafter rât hat die obgeschriben ordnung verendert an dem stolzen montag in pfingsten
    1450 IsnyStR. 224
  • 1518 SchweizId. XII 924
II 7 hübscher Montag Ostermontag, gelegentlich auch Pfingstmontag, als Termin für Leistungen und die Besetzung von öffentlichen Ämtern
  • 15 ß an dem hübschen mendag und 15 ß an dem hübschen zistag
    1347 SchweizId. II 965
  • 1379 SchweizId. XII 924
  • so habendt mein gnedigen h. schultheiß vnd rath abgemerth vnd gerothen daß man am hübschen mantag weder springen noch dantzen solen bei 25 ℔ straff
    1662 SchweizArchVk. 17 (1913) 99
II 8
Montag zu Pascha Ostermontag, als Tag der Verdingung des Gesindes
  • vortmer nemant an vnsem wercke schal deme anderen entmeden syne knechte men tho rechten tyden, alßo des mandaghes tho paeschenn
    1385 (Hs. 16. Jh.) NdJb. 75 (1952) 10
II 9 Montag nach Dreizehntag Montag nach Epiphanias, als Gerichtstag
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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