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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Morgengabe

Morgengabe

, f.

frankolat. morginaghepha, ae. morgangifu, ahd. morgengebe (jeweils mit anderer Bildung des Grundwortes), mnl. margen-, mergengave 

I ehebezogene Zuwendung zwischen Mann u. Frau, Gabe (II 1), die je nach Rechtssystem in Funktion, Gegenstand und Übereignungsformen unterschiedlich sein kann; idR. war die Morgengabe bei der Heirat ein Geschenk des Mannes an die Frau, sie konnte aber auch ein Geschenk der (verwitweten) Frau an den (zweiten) Mann oder eine gegenseitige Gabe bezeichnen; die Morgengabe konnte am Morgen nach der Hochzeit überreicht werden, es konnte sich aber auch um eine Zuwendung handeln, die bei der Eheschließung vorgenommen wurde oder die zu diesem Zeitpunkt nur versprochen wurde für den Fall des Vorversterbens des Zuwendenden (s. dazu Morgengabe I 3); als Zuwendung eines Ehemannes an seine Frau zu deren freier Verfügung konnte die M. insofern eine Sonderstellung einnehmen, als sie bei Vorversterben des Mannes nicht zum Nachlaß gehörte, sondern wesentlicher Bestandteil der Witwenversorgung wurde

I 1 Definitionen zum Begriff Morgengabe, besonders in Abgrenzung zu sonstigen ehebezogenen Zuwendungen, enumerative Aufzählungen von Ehegaben sowie begriffsgeschichtliche Entwicklungen
  • dotem morgengebe 
    11. Jh. AhdGl. II 4, 15
  • ob wir ... eine juncvrowen ze einer elichen wirtinne nemen, so sullen wir maht haben ir ze gebene uf dem unserm gut eine morgengabe als zimelich und billich ist. nemen wir aber eine witewen zu der e, so haben wir die maht, ir ze machenne ein lipgedinge
    1296 HohenloheUB. I 409
  • ez stet auch an vns ... wa wir unserr liben hausfrawen oder unsers liben brůders hausfrawen ir beder widerlegung, widem und morgengab geben
    1313 MWittelsb. II 219
  • [wy] soelen ons laten ghenoghen an der lyftucht, ende morghengaue ende gode
    1325 Lacomblet,UB. III 175
  • heft he over ein wif, de behelt ere liftucht edder morgengave an eres mannes gude
    1. Hälfte 14. Jh. Bunge,Rbb. 57
  • stirbet eyn man vnde lesit eyn weip dy vmbegobet ist, das weip nymt alles das, daz czu der morgingobe gehörit vnd czu der gerade. ist sy abir begobet, so nymt sy nicht me denne dy gerade
    1356 BreslLR. Kap. 37 (S. 147)
  • [von Gaben zwischen Eheleuten] die erste gabe heist in dem rechte arra unde heissit alzo vil alzo malschaz ... die andere gabe heist sponsalitia largitas, unde ist morgengabe genant ... die dritte gabe heist donatio propter nuptias ... und disse gabe sal gliche sien mit der medegifft, unde disse gabe heist nach rechtem deutschem eyn lipzucht
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 274
  • hat eyn man eynem wibe eyn êgelt, ader eyne morgengabe zu vorlobunge gelobt, unde das wip deme manne eyne metegifft [es folgen einzelne Regelungen]
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 278
  • ich H.v.P. vergich ... daz ich empfangn han zu meiner liebn eleichen wirttin ... zu rechtem heyratgut irer haymstewr zway tawsend pfunt guter Wyenner pfennig vnd dawider ich ir gebn ... han vier tawsent pfunt guter wyenner pfenig zu rechter widerlegung ir haimstewr ... vnd gib ir ... zu rechter morgengab sechs hundert pfunt güter wyenner pfenig
    1401 Steiermark/Brauneder,Ehegüterrecht 396
  • es ist aber wohl zu merken, daß unter dem wort morgengabe bisweilen der brautschatz oder die aussteuer, bisweilen die alte teutsche mitgabe des braͤutigams verstanden werde
    1762 Wiesand 756
I 2
Gegenstände der Morgengabe: die Morgengabe konnte aus bestimmten Geldsummen, mobilem und immobilem Gut oder aus Nutzungs- bzw. Ertragsrechten bestehen, ihr maximaler Umfang war häufig rechtlich geregelt
  • de civitatibus vero, hoc est B[ordeaux], L[imoges] ... et Begora, quae Gailesoindam germanam domnae Brunichildis tam in dote quam in morganegiba, hoc est matutinale donum, in Franciam venientem certum est adquisisse ... convenit
    587 Cap. I 1 S. 13
  • si autem ipsa femina dixerit: ,maritus meus dedit mihi morginaghepha, conputat, quantum valet aut in auro aut in argento aut in mancipia aut in equo pecunia 12 solidos valente
    712/25 LAlam.2 113
  • ipsum autem morgingap nolumus ut amplius sit, nisi quarta pars de eius substantia, qui ipsum morgingab fecit
    717 LegLangob.(Beyerle) 102
  • Tristan und alle sines herren man die swuoren zuo dem male daz lant ze Curnewale ze morgengabe Isolde, und daz si wesen solde vrouwe über allez Engelant
    um 1210 GottfrStraßb.(Weber) V. 11395 [vgl. Combridge,Tristan2 68ff.]
  • wat iewelk man van ridderes art moge geven sime wive to morgengave. des morgens, als he mit er to dische geit ... mach he er geven enen knecht oder ene maget, de binnen eren jaren sint, unde tune unde timmer unde veltginge ve
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. I 20 § 1
  • alle de van ridderes art nicht ne sin, de ne mogen eren wiven nicht geven to morgengave wan dat beste perd oder ve
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. I 20 § 8
  • so geit der vreiherre ze morgen gabe, daz hundert march giltet. ich maine fuͤrsten vnd ander vreien herren. die mittern herren muͤgen geben daz zehen march giltet ... der gepaur der vrei ist oder ander vrei læute die niht ritter sint, die mugen gegeben ze morgen gabe ir weiben ros vnd rinder vnd ie nuͤr aines oder zehen march
    um 1275 Dsp.(Eckh.1971) LR. Art. 22 § 3
  • was iegelich man ze morgen gabe gen sol
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 18 Überschrift
  • H. transtulit suum jus, quod in dicta domo habuit pro morganatico uxori sue predicte videlicet jure, quod vulgo dicitur morgengabe 
    1294 BaselUB. III 87
  • die drî stet, die si ze Bêheim inne het, wand ir die selben hab ze rehter morgengâb gap der kunic Wenzlâ
    Anf. 14. Jh. ÖRChr. II Vers 93262
  • ze rehter morgengab ain fvͦder weins
    1313 BrixenUrk. I 199
  • daz wir ... der hochgebornen M. phallentzgrævinne bi dem Rine ... den zol ze B. den ir ... ir wirte ... ze morgengabe gegeben hat, stætegen
    1316 MGConst. V 300
  • daz ich G. ... meiner wiͤrtinne S. auf meinem hof ... iͤr morgengab bezayget han der da ist hundert march perner ... munze waert mit ainem sulchen gedinge, ob si mich vberlebet daz si den vorgenanten hof fůr diͤ vorgenanten phenninge haben sol
    1321 BrixenUrk. I 335
  • jr rehte morgengabe, aht morgen winwahs
    1336 MWirzib. IV p. 8
  • man sol morgengab auf die erd legen [die Morgengabe soll in liegendem Gut bestehen]
    1340 MünchenStR.(Dirr) 368
  • wo ain man ainer frowen oder ain frou ainem man ein morgengab git, das deweders da bi sinem aid noch mit siner hand nit höcher noch me behaben soll, denn untz an 10 ℔ ₰
    1475 Sankt Gallen/GrW. V 205
  • eyne gemeynte, dat hair hair man, due sy aen huem bestaidt wairt, avermitz hylixvurwarden tot eyne morgengave gegeven heefft
    1479 RoermondHoofdger. 241
  • soll graue W.v.F. [Ehemann] ir [Ehefrau] sechstusent guldin widerlegen vnd zugelt vnd widerlege ... vnd dartzu dusent guldin morgengab 
    1488 FürstenbUB. IV 74
  • hyrupp ... wil wy ... der ... frouchene E. ... alle yaere hundert rynsche guldene tho ereme unde erene juncfrouwene behoeff offte clenode tho hulpe ghevene, welkent tho erer morghenghave ... ghededynghet is
    1489 OstfriesUB. II 302
  • was zu morgengabe gehoͤret [folgt Aufzählung]
    1561 Rotschitz 163r
  • der morgengab halber soll es im ganzen under ampt also gebraucht werden ... daß man zechen gulden geben und nit witer, es wäre denn sach, daß einer mehr aus seinem guten willen geben welte
    1611 SGallenOffn. II 294
I 3 Voraussetzungen und Bedingungen für die Erlangung einer Morgengabe sowie Formvorschriften für deren Übergabe; Regelungen bei Lehensgütern
  • si quis langobardus morgingab coniugi suae dare uoluerit ... ita dicernimus, ut alia diae ante parentes et amicos suos ostendat per scriptum a testibus rouoratum et dicat: "quia ecce quod coniugi meae morgingab dedi", ut in futuro pro hac causa periurio non percurrat
    717 LegLangob.(Beyerle) 102
  • M. W. hat gegeben siner husvrowen J. vir unde zwenzich mark zcu morgengabe in gehegetem dinge
    GörlitzStB. 1305 S. 13
  • den vorgenanten hof gap miͤr mein wirt Ch. seliger zuͤ rehtme aigne für mein morgengabe und darvͤber sein hantfeste mit seime insigel
    1317 BrixenUrk. I 276
  • ez schol auch vnser liebeu housvrowe ... jnne haben E. vnd S., di wir ir ze margengab gegeben haben, vntz an ir tode, als margengab reht vnd gewonhait ist in dem lande datz Osterreich
    1322 OÖUB. V 309
  • get ein wiͤrt seiner hausvrowen icht ze morgengab, daz lechen ist, daz ist dem lechenherren unschedlich, er geb dann siͤnen willen darzu
    SalzbLO. 1328 Art. 45
  • [Übschr.:] wie ein man morgengab geben sol und zeigen
    BairLR.(Schlosser/Schwab) Art. 123
  • es mag dhein man seinem weib auf seinem lehen morgengab geben an seins lehen herren hant
    BairLR.(Schlosser/Schwab) Art. 124
  • [mit einer best. Summe] schal dan desse wederstadinge ... vnde by namen de morghenghaue, alze dat morgenkorn ... mede gelediget wesen
    1399 DiepholzUB. 58
  • man verspricht vntter weilen morgengab zwisschen chindern ... stuͤrb denn der kinder eÿnes, ee sÿ czu enander chümen, so stirbt dÿ morgen gaͤb wider haim von dem sÿe wart versprochen: chümen sÿ den zu enander, welches denn das ander vber lebet, das pehelt dÿ morgengab sein lebtag
    1403/39 OfenStR.(Mollay) Art. 282
  • wann ainer zu dem anderen heirat und ainer dem andern ir margengab zaigen und ubergeben wil sein eribrecht fur die margengab auf unsren urbaren, das sol vor uns oder vor unsrem amptman gescheen
    Mitte 15. Jh. OÖsterr./ÖW. XV 143
  • morgengaven sind gelik dissen vorigen [brut] giften, also dat se b levende der fruwen nicht möegen repetirt werden
    vor 1531 RügenLR. Kap. 154 § 3
  • morgengaue die niet verbreeft ende versegelt noch in der stat boeck geteijckent is, off bij gicht van tween schepenen nijet bewesen wordt sal men nyet schuldich syn tbetalen
    3. Viertel 16. Jh. KampenStROntw. 116
  • von den rechten der morgengabe des weiblichen heyrathsgutes ... soll in der folge umständlich gehandelt werden
    1778 Mendelssohn,Ritualges. 193
I 4
Rechte der begabten Person an der Morgengabe 
  • swaz so en man sime wiue gift an morgen gaue, dat ne mach ire neman breken
    1227 BrschwStR. § 37
  • si autem uxori suae coram probis viris patrimonium assignavit, quod vulgo morgengabe dicitur, hoc sibi vendere vel alteri dare sine uxoris consensu non licebit
    1249 CJBohem. I 87
  • dû solt dîner hûsfrouwen ir morgengâbe niht zerfüeren
    um 1275 Berth.v.Regensb. I 319
  • eine mule ... wur eigen und furbacz bezzer denne eigen, des daz es min morgengabe was und nieman deheinen gewalt hat ce ledegenne wan min lip
    1280 WirtUB. VIII 220
  • [die Frau des Ausstellers ... verzichtet auf alle Einsprache und bekennt, dass ihr der Hof weder als Morgengabe noch als Wiederlegung] in dote, quod morgengaben dicitur, vel in sponsalibus, que wiͤderleigen vocantur [zugewiesen sei]
    1288 WirtUB. IX 236
  • wir fraûwe E. ... bekennen ..., daz wir an allen disen vorgenanten gulten und guten ... kein reht habn, weder von morgengaûbe, weder von zůgelte, heymstur oder von lipgedinge
    1328 HohenloheUB. II 276
  • wir frawe A. ... sprechen offenlich ..., daz wir dehein morgengabe stuͤr oder zůgelt uf den vor genanten buͤrge und stat
    1345 HohenloheUB. II 577
  • zu rechter morgengab sechs hundert pfunt güter wyenner pfenig, da sy allen irn frumen mit geschaffn mag, geben vnd machen wem sy wil, als ein fraw mit irer morgengab tun sol
    1401 Steiermark/Brauneder,Ehegüterrecht 396
  • eß ist loblich, das mann dem kranckenn geschleͤcht der weiber czu staten chümpt mit morgengab, schentlich vnnd straflich ist iß, op man sÿ wider dar vmmb prenget
    1403/39 OfenStR.(Mollay) Art. 390
  • [Grundstücksverkauf:] mit zopf und mit brust, wan es ir morgengab anruͤrt
    1405 RottweilUB. 280
  • so mag ein ieklichi froͮw ir morgen oder abentgâb hin geben, si liggi an ligendem oder an varendem gůt, wem si wil
    1439 Zürich/GrW. I 16
  • das der vatter gwalt habe, dem sun ross, harnisch, gweer und kleider zevergaben und die mutter der tochter ir morgengab, houptgwand, kleider und kleinotter
    JaunLR. 1560 S. 25
  • recht der weibspersonen, über ihre kleider, kleinodien und morgengaab verordnen zu koͤnnen
    1761 BernStR. VII 2 S. 884
  • hat der mann ein grundstück in währender ehe verkauft, ohne daß die frau auf eine gültige weise ihre einwilligung gegeben, so kann sie nach getrennter ehe ... mit allen ihren ansprüchen, nehmlich der morgengabe, zulage, des brautschatzes ... auf den käufer zurük gehen, und das grundstük an sich bringen
    1778 Mendelssohn,Ritualges. 229
  • zum gesetzlich vorbehaltenen vermögen gehört, was nach seiner beschaffenheit zum gebrauche der frau gewidmet ist. ferner die bey schließung der ehe von dem manne versprochene morgengabe 
    1794 PreußALR. II 1 §§ 207f.
I 5 Regelungen bei Scheidung bzw. Auflösung der Ehe
  • gif hio bearn gebyreþ, fæderingmagas fioh agan 7 morgengyfe [wenn sie Nachkommenschaft nicht gebiert, erhalten (bei Auflösung der Ehe ihre) Vatersippen (das) Gut (der Frau) und (die vom Manne ihr bei der Hochzeit gegebene) Morgengabe] 
    502/03 (Hs. um 1120) Liebermann,AgsG. 8
  • wert en wif mit rechte van erme manne gesceden, se behalt doch er lifgetucht, de her gaf an sineme egene, unde er gebuw dat dar oppe steit ... anderes ne blift er nen buw, noch nicht der morgengave. er rade behalt se unde er musdele
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. III 74
  • wirt ein weip von ir manne geschaiden mit rechte si behaltet doch ir leipgeding ... vnd ir morgen gabe 
    um 1275 Dsp.(Eckh.1971) LR. Art. 331
  • hir umme spreket dat gheistlike recht, dat welich wif van erme echten manne gescheden wirt vor deme gheistliken gerichte umme unkuͤscheit ... de vorluͤset ere medeghave, dat is de er mede gheven was do sei to erem manne quam, und ok wat er de man ghegeven hevet in morgengave ... blivet all dem manne
    1369/74 Homeyer,Klenkok 420
  • die eebrecherin hat jr heyratgut vnd morgengab gegen jrem eeman verwuͤrckt
    1507 BambHGO. Art. 145
  • ob die [des Ehebruchs] schuldig person der unschuldigen ein morgengab hette verheissen, die soll sy der unschuldigen person us irem eignen gut bezalen
    1547/49 GraubdnRQ. III 125
I 6 Regelungen zur Morgengabe im Erbfall
  • de morginegiva vero, quod priori lege statutum est, permanebit
    517 LBurg. 73
  • illa uidiua, qui in domo patris aut fratris regressa est, habeat sibi in antea morgingab et metfio. de faderfio autem ... mittat in confuso cum alias sorores
    643 LegLangob.(Beyerle) 199. ebd. 48, 200 u. 216
  • si mulier virum supervixerit, quinquaginta solidos in dude recipiat, et tertiam de omne re, quod simul conlaboraverint, sibi studeat evindicare; vel quicquid ei in morgangaba traditum fuerit, similiter faciat
    1. Hälfte 7. Jh. (Hs. 8. Jh.) LRib.(Beyerle-Buchner) Tit. 41, 2
  • musdele unde morgengave ne erft nen wif bi eres mannes live, se ne hebbe se untvangen na eres mannes dode
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. III 38 § 3
  • stirft eneme wive er man, unde blift se in des mannes gude ungetweit mit den kinderen lange wile oder korte, swen se sek tweiet dar na, so nimt de vrowe er morgengave unde er rade unde er musdele an alle deme gude, dat dar dan is, alse se nemen scolde to der tit do er man starf
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. III 76 § 1
  • nach dem totleib sol dev frowe ir morgengabe nemen vnd alles daz zů dem vaͤrndem gůt hoͤret
    um 1275 Dsp.(Eckh.1971) LR. Art. 29 §1
  • mit nihtiv mac si [Witwe] ir morgengabe gesteten, wan mit einem dinge, daz ist, daz si sol ir morgengabe vf geben mit ir hant ... mit disen worten: ich verzihe mich miner morgengabe vnd ich gibe iv ditz gvͦt
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 20
  • so ... de man voͮre steruet sunder kint vnde de vrůwe leuendich bliuet, so sal de vrůwe de morgengaue thovoͮren vpboͮren, vnde de helfte alle des gudes, dat se beide hadden
    um 1300 RigaStR. 170
  • han ich G. meiner housvrauuen R. dize vorgenante guet gegeben wur dreiszichc marichc die ich in han genomen irer morgengabe von ir ersten wirte A. vnde also nachc meime toede gebent ir meineu chint dreizechc marichc wider, so sol si in dize guet wider geben
    1305 BrixenUrk. I 94
  • ist aber daz, daz ich [nach kinderloser Ehe] ... stirbe, so sol ... min wirti ir estuͥre behan und widerhan gentzclich ... und oͧch ir morgentgabe, und har zů von minem gůte hinfuͤren oͧch 300 ℔ phenningen ..., ane miner erben und menlichez widerrede
    1321 BernStR. VII 1 S. 109
  • [wenn die Frau in der Ehe kinderlos stirbt] sol oͮch denne miner wirti morgentgabe vallen an ir erben nach dez landez rechte
    1321 FRBern. V 245
  • [Ch.v.P. bestimmt seiner Tochter eine Gülte] zu rechter morgengab ... ist, daz mein tohter ... mit irm wirt hern P.v.E. gewinnet, der sol daz vorgenant guͤt mit sampt jm sein. wær aber ... daz mein tohter sturbe ... so sol er denne daz vorgenant guͤt alles in nutze vnd in gewer jnne haben ... vntz an seinen tode vnd nach seinem tode so sol ez denn wider erben vnd geuallen auf mich
    1332 OÖUB. VI 65
  • wenn [der Ehemann] over jar unde dach umkumt, so geve men ere morgengave an gelde, alse gelovet was; dat gelt mach se keren, wor se hen wil. heft over ein vrowe ein kint, dat se betugen mach sülf drüdde ... so is alle morgengave dot, unde se besitt eres mannes deel des gudes all ere dage
    1. Hälfte 14. Jh. Bunge,Rbb. 62
  • [nach dem Tod eines Mannes] man endarf eynir vrowen ire morgengabe nicht e geben wenne czu des mannis driͤsigstin, wenne man syne mancziͤt begangin hat
    1363 MagdebR. II 1 S. 87
  • bestatet eyn man kynder bey lebentyngem leybe mit genanter margengabe, wanne derselbe man hernach stirbet, ob her halt an gescheft vurschaydet, dy bestatten kynder haben mit den vnbestatten nicht erbtayl
    vor 1368 IglauOberhof 70
  • [wenn eine Frau schwanger wird und ihr Mann stirbt] so soll sie kein morgengobe nicht haben bis an die zeit ... das sie des kindes geniszet. ab sie das kint todt gebüre, so soll sie ir morgengobe nemen, ist es aber ... das sie das kint lebendig gebirt ... so hat die frau mit sampt dem kinde recht die helft zu nemen von allem, was do ist
    1370 Zips Art. 13
  • gebe eyn man synem wibe eyne morgingabe nach des landes gewonheit ane undirscheit, unde sturbe daz wip, dy morgingabe vile uff iren vater, al lebete der man; hette er abir underscheit doranne benant ... so sturbe die morgengabe mit merem rechte uff den man wenne uff der frauwen vater
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 277f.
  • wann ainer stirbt, der weib vnd chind lât, so ist daz varûnd gût der witiben voraus zu der morgengab 
    Ende 14. Jh.? SteirLl. Art. 189
  • were aber sache, das ein man abginge von todes wegen und seinem weib kein morgengab nicht ... vorschriben hette in der statbuch, so sol der frawen aus allen ires mannes gutern ... ein recht dritteil volgen
    1416 BrüxStB. 72
  • erkantnûss umb morgengab, wie da ein vatter sin kind erben sol
    1429 ZürichStB. III 25
  • wo zwei sich zusammen vermaheln, da eins dem andern ein morgengabe machet, welchs dann ee abe geet, so behelt das ander die morgengabe im und sinen erben
    Mitte 15. Jh. Waibstadt 115
  • das ein frouw irem e man ir morgengabe wider geben [soll] yn ir todbett
    1524/25 ObwaldenLB. 33
  • das H.G. von siner aberstorbenen hussfrowen seligen ... viertzig pfund, die sý im zu morgengab gemachet, als sin recht ... gut behaltenn [soll]
    1541 HönggMeierg. 26
  • wenn sich ein widwe scheiden wil von jren kindern, so nimpt sie jre morgengabe, museteil vnd gerade zu aller massen, als sie die genommen solten haben, do jr man starb
    1561 Rotschitz 164v
  • alsoe idt allhier binnen der stadt N. van aldtz gebruickelicken geweest is, dat die mannen oere vrouwen mergengaeven gheven, unnd die vrouwen nae doode oerer mannen mit oeren kijnderen die guederen halff ende halff deylen, unnd die moders die mergengaeve van der kijnder heilfft geniethen ende besunder voer affstrijcken tot grooten naedeel der kijnderenn, ist overdragen dat van nu voertaen alle mergengaeven die hinvoert gemaeckt sullen werden ... alsdan van ontweerden sijn ... ende blyven sullen
    1579/82 NijmegenStR. 178
  • so ist erkent, dz erdachte erben der bedütten wittib für ihr morgengab oder lidlon biß vff erstkünfftigen miten meyen r 80 churer müntz ... bezallen sollen
    1684 Langwies 352
  • es ist verordnet, dz ein witlig alwo keine kinder seind, schuldig seie seiner frauen erben oder verwanten ein morgengab zu geben
    1707 GraubdnRQ. IV 184
I 7
rechtliche Regelungen zur Morgengabe im Streitfall
vgl. Nasteid
  • morgengave mut en wif wol op den hilgen behalden ane tuch
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. I 20 § 9
  • ist da ein man seines weibes morgen gabe verchauffet ... oder er ir an wiͤrt ... vnd chlaget si dar auf man sol ir richten vmbe ir morgengabe 
    um 1275 Dsp.(Eckh.1971) LR. Art. 23 § 2
  • wirt ein fraẃe angesprochen umb ir morgengab und die ir gewer erziugt hat oder erziugen mag, die sol dar nach ir gerechtiu hant auf ir prust legen, und ist si ein iunchfrawe gewesen, so sol si sweren, daz ir ir wirt die morgengab geben hab umb die hòchsten ere, die ir got ie geben hab; da mit hat si ir morgengab bestaet als recht ist
    BairLR.(Schlosser/Schwab) Art. 134
  • Ende 14. Jh. EisenachRB.(Rondi) II 21
  • möcht sie aber die zwen biderman nit gehaben, so mag si von mund ir morgengab erzellen, vnd wölt man ir daz nit gloͮben, so mag si nemen die rechten brust in die linggen hand vnd iren zopf, vnd mit der rechten hand swerren liplich zu got an den heiligen
    1439 Zürich/GrW. I 14
  • die appellacie in allen saicken sal blyven staen ... uytgenomen dese punthen ... van margengaven 
    1447 NijmegenStR. 143
  • morgen gab würdt für ein vnverandert guet gerechnet, vnnd jst nicht des reichs brauch alhie vber morgengab zurichten
    16. Jh. HagenauStatB. 253
  • weiter seint umb die freien landleifigen morgengab landrecht [ein Wort?], die man ainem oder mehr, es sein manß- oder weibspersohnen, macht, gibt und morgengabt, die ist ain frei aigenthumblich guet, da mags mit handlen, thuen und lassen mit verheirathen, verschaffen, vergeben und seiner notturft nach in all ander weeg wie si verlust ... morgengabt aber ainer oder aine nach dem gemainen landsrechten, so es zu fallen kombt, so gehets alsdann demselben, welchem die morgengab geben ist, nur halbe haimb und der ander halb thail bleibt den freunden, die gefertigt haben
    1625 (Hs.) Salzburg/ÖW. I 38
  • wo ain frau ihr morgengab mit recht bestätten mieste, so soll si mit offnem har mit ihrem anweiser angedingt vor recht stehen und soll ihr rechte hand auf ihr prust legen und schweren ainen aid, daß ihr ... ihr haußwürth die morgengab ... versprochen habe für ihr höchste junkfreiliche ehr
    1625 (Hs.) Salzburg/ÖW. I 43
I 8 ideell liegt der Morgengabe die Vorstellung zugrunde, die Bewahrung der Jungfräulichkeit bis zum Zeitpunkt der Eheschließung anzuerkennen und die Preisgabe derselben durch den Ehevollzug, der mit der Übereignung der Gabe am Morgen nach der Hochzeitsnacht dokumentiert und gewissermaßen bewiesen wird, zu belohnen; der Rechtsgedanke des Deflorationsanspruches findet sich bereits im Alten Testament (2. Mose 22, 16); zur materiellen Zweckbestimmung der Morgengabe vgl. die Gliederungspunkte I 4 u. I 7 
  • wiͤr ... chunden, daz nit anders ist morgengab, denn daz ein wiͤrt seiner hausfrawen geit des ersten morgen pei dem pette, wen er pei iͤr ist gelegen
    SalzbLO. 1328 Art. 45
  • so die praut ain junkhfraw ist, wierdet gemelt die morgengab. dieselb gab ist ain belonung der junkhfreulichen eeren oder magthumbs
    1528 ZeigerLRb. 354
  • so ain wittib aim jungen gesellen und nicht ainem wittiber vermähelt [wierdet], ist si im die morgengab schuldig. aber so wittiber und wittib zusamen heiraten, die geben noch nemen khain morgengab 
    1528 ZeigerLRb. 354
  • morgengab vocatur ein donation, so die vom adell den negsten tag nach dem beischlaff iren hausfrawen geben
    1564 Wigand,Minden II 78
  • die morgengab ist nit von wëgen der grossen heiratguet erfunden ... sunder den junkfrauen zu eren ... auch darumb, daz die mait ... iren ... junkfrauenschatz dës fleissiger irem eelichen gemachl behalten
    1565 RaurisLR. 218
  • wanneer die brudegom sijne bruijt, naedat hij se beslapen heft, enijge morgengaue gift
    3. Viertel 16. Jh. KampenStROntw. 115
  • wann ain weib ain eeman nimbt, die ain jungkfrau ist, so mag si die morgengab fordern ... wann ain lediger gesell ain witfrau nimbt, so ist das weib dem mann die morgengab ... schuldig
    1601 Vorarlberg/ÖW. XVIII 81
  • die morgengab (von etlichen sponsalitia largitas genant) ist ein freies geschenkh, welcheß der breutigamb seiner brauth wegen deß erssten beischlaffß verspricht und zueaignet
    1616/29 OÖLTfl. III 38
  • wann einer ein ... jungfrau verfehlt ... soll er ihren ein morgengab geben und sie zur ehe haben
    1727 Leu,EidgR. I 265
  • die morgen-gaab ist das geschenk, womit die braut in ansehen ihres jungfraͤulichen stands entweder von dem braͤutigam selbst, oder von anderen in der nemlichen absicht beehrt wird. dieselbe kan ... sowol vor- als nach der copulation, und zwar ... durch geding oder wuͤrkliche uebergaab geschehen
    1756 CMax. I 6 § 16
  • morgengabe ... ist dasienige geschenk, welches der mann der neuen ehefrau an dem andern tag nach der hochzeit zum zeichen der vollzogenen ehe verehret
    1762 Wiesand 756
  • morgengabe ist ein geschenk, welches der neue ehemann den ersten morgen nach der hochzeitsnacht seiner ehefrau macht ... gleichsam ein geschenk oder eine vergeltung der genommenen jungferschaft ... andere glauben, sie sey ein symbolisches bekenntniß der unter den neuvermaͤhlten vollzogenen ehe ... man kann die morgengabe fuͤr eine belohnung der ehelichen liebe, der keuschheit und des adels halten
    1803 RepRecht XI 11ff.
II
ehebezogene Zuwendung von dritter Seite

II 1 Aussteuer, Mitgift (I) 
  • dem [herczog von Östereich] wiͤr [graf von Goͤrcz] zuͤ der egenanten unserr tochter ... ze haimstewr und rechter morgengab geben sullen ... zehen tausent phunt gueter wienner phenning
    1361 Schwind-Dopsch 209
  • [der vatter] ist ... zur zeit ihrer [der Kinder aus erster Ehe] verheyrathung ... nach advenant seiner nahrung einem jeden kint ein morgengab ... schuldig ... quia parentis est dotare
    1643 RhgLBr. 12
  • wan zwei eheleuth ihrer kindter eins ... verheyrathen und demselbigen aus gantzer massa ein hillig oder morgengab hochzeit kösten und kleydung geben
    1643 RhgLBr. Art. 22
  • die entkraͤfftigung auß verschiedenen ursachen geschehen, als ... wann ein weibsbild, so nicht gefreyet, in der statt oder landschafft Bern durch ihr testament mehr als ihr zierden und morgen-gaab vertestieret
    1709 Mutach 68
II 2 Hochzeitsgeschenk
  • es sol auch ... keyn hochzeit ... uber zwen tag weren ... auch die nachschanckungen der morgengaben, oder wie sie sunst genennt werden, hiemit gentzlich abgestelt sein
    1546 Kurpfalz/Sehling,EvKO. XIV 106
  • morgengab, welche hochzeitgaͤst und beederseits freund den newen eheleuten uff den andern tag der hochzeit zu verehren ... pflegen
    1660 LandauErbr. 881
III Gabe (I 2), Schenkung, Stiftung an ein Kloster
  • herr B. der kilchher ... het geben alle sine morgengob so er hat ze R., das ist vij schuopp, disem gotzhuss durch die hand des vogts C.v.B. ... vnd het dis gotzhus gelediget von allen anforderen des zehenden. vnd was ouch der obgenannt C.v.B. alle gerechtsamy vnd gewalt der vogty ablossen die er hatt, wann er vogt was über dieselben morgengob 
    15. Jh. (Übs. e. Urk. v. 1212) FRBern. II 54
  • der ... keißer hadt gegeben zcvr morgengabe dem closter vnser lieben frawen iiij hufen acker feldes ... und eyn forberck
    1528 MittOsterland 5 (1862) 437
IV Morgengabe (I) in literarischer Rezeption
  • dô sluog er B. einen swinden swertes slac, daz im daz houbet schiere vor den füezen lac. "daz sî dîn morgengâbe", sprach D. der degen, zuo Nuodunges briute
    um 1200 Nibelungennot(L.)6 1864, 3
  • er gab ir minneclîche [nach vollzogener Ehe] ein morgengâbe rîche: herze, lîp, sin und muot
    1220/25 R.v.Ems,GGerhart V. 5050
  • wisst, daz sei ein junchfraw was! dar umb so gib ich ir vil drat ein par schuoch ze morgengab 
    Anf. 15. Jh. Wittenweiler,Ring(Wießner) V. 7136
  • er sol ir geben ein gute morgengabe, hundert schleg alle tage, gut knopfet fist all morgen
    15. Jh. Keller,Fastnsp. II 516
V ein Kind zur Morgengabe aufnehmen übtr.: ein Kind aus einer Vorehe durch Heirat annehmen
  • so das kind [aus einer Vorehe] eigen gut haͤtte, dasselbige ... inventiert ... ihme von dem ehe-gemaͤcht, von dem es zur morgen-gab aufgenommen worden, hierum versicherung gethan
    1727 Leu,EidgR. I 429
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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