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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Mutwille

Mutwille

, m.


I eigener, freier Antrieb, Wille
vgl. Mut (I 1)
  • mit sinen můtwillen unde sunder dwanc
    um 1260 SächsWChr. 93
  • so wat een man deme anderen louet mit motwillen vmbedwungen, dat schal he eme to rechte lesten
    1270 HambStR. 31
  • die selben [Straftäter] gebent si den strazraub wider mit ir můtwillen si habent dannoch ir reht behalten
    um 1275 Dsp.(Eckh.1971) LR. Art. 42 § 4
  • swaz so ein herre von mvͦt willen lihet einem man dez er nvͥt sin gewer mag gesin, daz sol er im erstatten
    um 1275 Schwsp.(L.) Lehnr. Art. 62 a
  • wir setzen auch daz dekein bruder vremeden oder verkoufen muge von dem orden die personen die sich von ir selbes mutwillen dem orden hant gegeben
    1292 ZWirtFrk. 2, 3 (1852) 87
  • wij orconden ... dat her G.v.A. ... vertoech met sinen moetwille van allen goede
    1297 StUtrechtOorkB. V 329
  • begibet sich abir ein kint, als iz uz sinen iaren kumet, unde wenne iz gehorsam tut, iz blibe in dem orden oder iz vare uz, iz inhat kein erbeteil nicht zu rechte, man wolle iz im danne von mutwillen gerne geben
    um 1300 FreibergStR. V § 5
  • hwersa en frowe nede nimen is ... end ... en heida thinge hire modvilla aut, thene frudelf urtiucht end to tha riuchta foremunda gength, sa ach hiu hire wergeld [wenn eine Frau vergewaltigt worden ist ... und sie ... in einem gehegten Gericht ihren freien Willen äußert, ihren (gewalttätigen) Liebhaber verläßt und zu ihrem rechtmäßigen Vormund geht, so soll sie ihr Wehrgeld haben] 
    um 1300 HunsingoR. 90
  • untgheyt oc en knecht sineme herren mit motwillen er rechter tit, he scal sineme herren wedherkeren, so wat eme sin herre gheven hevet
    1303/08 BremRQ. 96
  • wil ainer auf den andern den tôtslach legen, daz mag er wol tuon mit einem champh, wan champh muot will ist
    vor 1328 Ruprecht(Claußen) Art. 11
  • qwaem voer ons W.v.d.O. ende gaef met moedwillen ... oren kinderen, al oer gued ... na oeren doede
    1331 KampenSchActen 192
  • dat ... vor den gemeynen gerichte ... komen synt myt muoetwille D.B. ... ende L. syn witlic wyf ... ende hebben vor opgedragen ende na verteghen myt allen rechte op een stucke lands ... vor een erftynsguoet
    1337 Grafenthal UB. 138
  • were von müttwillen auß diser statt fert, der purgerrecht hat ... vnd mit wessen tzwey iare anderswa ist, wil der herwider einkomen, so schol er purgerrecht gewinnen gleicherweisse als ein gast
    Ende 14. Jh. BambStR.(Parigger) § 56, 1
  • entgeit ok de knecht edder de maget deme heren edder der vrowen, deme se in denste syn, mit motwillen sunder redelke sake eyr der tid alse se sek vormedet hadden, de schal deme herren edder der vrowen also vele gheven alse one lones ghelovet was
    um 1400 GoslarStR. S. 188
  • myt myme vrijen moitwillen 
    1404 SGereonUB. 529
  • wer der ist, der libdinge nach des landes recht inne hatt, und dasselbe libding von siner not wegen oder von můtwillen verkoͮffen woͤlt
    1416 Obersimmental(BernRQ.) 24
  • ich ... betuge ... dat ich myt guden und unbedwungenen modwillen ... hebbe vorkofft ... den hoff
    1424 OstfriesUB. I 284
  • domit e.g. vormercken sal, das sich die von G. aus eigenem mutwillen zu mir notigen
    1511 GörlitzRatsAnn. I/II 126
  • daferne auch jemand so hier buͤrger, seine buͤrgerschafft ... auß frevel oder muthwillen auffkuͤnden ... wuͤrde, deme solle die buͤrgerschafft auff einig sein wieder-gesinnen ... versagt werden
    1592 MünsterPolO.(Schlüter) 136
  • befindt sich aber das der valsch zeüg vs eignem mutwillen sich erbotten, valsche kuntschaft zetragen, vnd der handel des sächers ehr antrifft, so soll [er auch] ... als ein verwegner ehrendieb mit dem strangen ... gericht werden
    1. Hälfte 17. Jh. FreiburgÜMun. I Art. 105
II Gutdünken, Belieben, Willkür
  • sint kesen des rikes vorsten alle, papen unde leien. de to deme ersten an deme kore benant sin, de ne scolen nicht kesen na erme mutwillen 
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. III 57 § 2
  • swer rihtær si der sol also vragen. er sol den clagær bi dem ersten horn vnd darnah ienen der da antwvrtet, nah ir beider rede ... vragen. vraget er nah mvͦtwillen vnd nit nah rehte, daz schadet dem man niht, daz sol der fvrspreche melden
    um 1275 Schwsp.(L.) Lehnr. Art. 119 b
  • si [Erben, die schon zu Lebzeiten der Erblasserin von ihr eine Vermögensübertragung wünschen] wölten ir völleklich geben / alles, des si sölte leben, / ze nôtdurft und ze muotwillen 
    1337 Ammenh. V. 17597
  • daz er [priester] die selbe messe sumete, vnd sie acht dage nahenander vngesprochen liesze von mutwillen 
    1339 OtterbergUB. 406
  • ich swer ... daz ich ... glich gewer unde recht sin deme armen also deme richen ... unde wel das nicht lossen dorch lip, noch durch leyd, noch durch mynes selbes mutwillen 
    nach 1358 Rb.n.Dist. III 1 Dist. 1
  • wolde abir eyner buwin mit sines selbis mutwillin und nicht nach der schepphin und nagkeburin geheisse ..., beclait man en darumbe ... er mucz daz abethun
    Ende 14. Jh. EisenachRB.(Rondi) III 5
  • so wie een steghe maken wil, die salse maken xii yseren voet wijt, ... hi en woudze wyer maken met moetwil 
    1401 Fruin,Dordrecht I 23
  • welher man ain vrtail schilt, vnd spricht man hab jm nach můtwillen geurtailt vnd nit nach recht, das sol man ziehen für den obern herren
    15. Jh. Schw sp. Var./WSB. 74 (1873) 419
III Wille oder Absicht, Unrecht zu tun, Vorsatz; metonymisch zu (VI) 
  • et qui impetit eum, debet iuramento probare, quod non in vanum, hoc est mutwillen, impetit eum
    1244 MGConst. II 579
  • dat eenige man den anderen beyde sijn oogen uutstaecke uit moetwille, daer sout men over rechten gelijck of hy een man gedoot hadde
    1382 VerslOudeR. 3 (1898) 309
  • clagent sie, daz in ein ir burger ... durch rehten muͤtwillen ane alle schult von des krieges wegin erschlagen si
    1388 RTA. II 30
  • wer ouch, ob todschleg beschaͤchen, da me luͤt vmb die selben todschleg oder mort ansprechen welt, vnd das man maynty, ez waͤre muotwill, so sol sich der raut hie ze M. erkennen, waz dar vmb ze tuend sie
    1396 MemmingenStR. 257
  • so ... übersachen [burger und die von der gmain] den fünf zunften irn großen und freveln muetwillen 
    1398 AugsbChr. II 53
  • leufft aber einer mitt mütwillen in eins wirtes hauß vber den wirte vnd handelt in vbel
    Ende 14. Jh. BambStR.(Parigger) § 279
  • er bewise is denne, als recht ist, das er is mit sinem mutwillen nicht getan habe
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 420
  • alse A.v.M. ... van egenem homoyde unde motwillen uth unser stad gewecken was unde uns dem rade over screff in sinem breve, dat uns gink an unse liff unde ere
    1440 HildeshUB. IV 293
  • wer mit verachtung, frevell oder mutwillen lässt die kilchen mit geistlichem gericht verschlahen werden ... verbessert beden herrn 1 helblg. und 3 pfd.
    1450 Burckhardt,Hofr. 76
  • und ob einiger auszburger ... in solche der herren gericht und bann, mutwil und frevel darinnen triebe ... derselbige thäter und mutwilliger ... solt ... buszen
    1476 Ostpfalz/GrW. V 696
  • solichen mütwillen, torsthait vnd fräffel wir geklagt wolten haben dem ... fürsten
    1488 Indersdorf II 150
  • wer den andern mit mutwillen tretet mit eynem pferde, der gebit 5 marg
    15./16. Jh. Förstemann,Nordhausen II 2 S. 46
  • was sunst grosser mutwil und frävel ... werden begangen ... als diebstal, mord, todsläg
    1510 JaunLR. 15
  • indracht, bewer, mutwillen edder hindernuß
    1511 DithmUB. 102
  • wie sich ettlich under euch von der paurschafft derselben vnnsern fürstenthumb aus irm aignen freyen pößen muetwillen vnnd fürnemen aufgeworfen vnnd ain pundtnus vnnd conspiration zusammen gemacht
    1515 BeitrSteirG. 19 (1883) 8
  • welcher sich der stat almandt underzeucht mit mutwillen oder geverlikeit ..., der sol meim gnedigen herren verfallen sein v ß ℔
    1525 Philippsburg 974
  • wierdet ... recht darauf gesprochen zu hass und straf des gwalts nach schwere und gröss des muetwillen oder ungefuer des thätters
    1528 ZeigerLRb. 168
  • willen wy alle de, so mit vorgedachten mode ut lutteren moetwillen by gades almechticheit ... wunden und dergeliken sweren, an lyff und leven straffen
    1535 Ostfriesland/Sehling,EvKO. VII 1 S. 395
  • wo die appellation freuelich ist vnd aus einem mutwillen fürgenommen wirdet ... so solte dies der richter, von dem appellirt wird ... nicht zulassen
    1541 König,Proz. 136
  • welcher den anderen muhtwilligklich vnverschuld anlauft vnd fürnimbt, ihm v̈bels zuzefügen, was frefels derselb muhtwillen an dem vnverschuldeten begaht, den sol der dreüfach bueßen
    1541 ArbergStSatzg. 41
  • dieweil auch die ungesessenen etwann viel unfugs, muthwillens und frevels geuͤbet
    JoachimsthalBO. 1548 II 91
  • damit also solcher friedbruchigem mutwillen gesteuert ... werde
    1549 ZHarz 6 (1873) 531
  • so ein fewer ohne des wierths muthwiellen ausqueme, und das fewer beschrie ... und selbst schaden vom brande empfangen hette, der darf niemandts den schaden richten
    1. Hälfte 16. Jh. BreslStR. 99
  • wo jemandt ihn gelagen, kosten edder kindelbieren upror, darvan wundinge entstunden, uth mothwillen anrichten wurde, desulve schal thom halse gefellet sin
    1572 NordstrandLR.(nd.) I 36
  • wan das dienst-volk von ihrem heren und frauen gebuͤhrender weise und maß ihres ungehorsams und grossen muhtwillens halber gezuͤchtiget ... wird, haben wird und frauen (damit des gesindes muhtwillen nicht gesterket werde) nichts daran verbrochen
    1583 HadelnLR.(Pufendorf) IV 8 [ebd.ö.]
  • dar ... in erfahrung kamen werde, dat sich jemandt des handtwergks dusser ... schmehe edder lesterworde ... wurde hören und venehmen laten, so schall dersulvige vor sinen modtwillen twe rikesdaler tho erleggen schuldig sin
    1586 HambZftRolle 194
  • alle grichtstag ... wann ihnen gebotten wirt ... am gricht zů sitzen, und uß eignem můtwillen nit anheimbsch zů bliben
    1615 BernStR. VII 2 S. 740
  • wo befunden, daß es (das schuͤrffen) einer ... dem grundherrn etwann aus muthwillen thäte, solches soll durch den bergmeister nicht gestattet, sondern stracks abegeschaffet, auch nach gelegenheit gestrafft werden
    1698 Span,Bergsp. 180
  • toͤdtung derer hunde aus muthwil ist straffmaͤßig
    1725 Pegius,JurErgötzl. 35
  • was den raubschuͤtzen zum wildschießen bewogen habe; ob er aus zorn ... oder ob er es aus nutzen, oder aus muthwillen gethan habe
    1783 Krünitz,Enzykl. 28 S. 126
  • wenn der schade vermittelst einer durch ein strafgesetz verbothenen handlung oder aus muthwillen und schadenfreude verursachet worden ist
    1811 ÖstABGB. § 1331
  • vnderstünde aber einer ... ein knecht durch mütwillen oder hass an sinem dienst zü hindern, der bessert 5 schilling
    oJ. FreiburgZftO. 39
IV
Zustimmung, Billigung
vgl. Mut (II)
  • bij onser beider vrienden moitwille ende gemeinen consente
    1377 Nijhoff,Ged. III 46
V Unwillen, Ungehorsam, Meuterei 
  • [er] durffete nu nicht unsern fruntlich gunst keren in eyne abgunst, und unsern guten willen in eynen mutwillen das wir im doch nicht czu getruwen
    1395 CDPruss. V 98
  • werz aber so uns in den rate geboten wirt daz eynr dann von mutwillen nit in den rat gen ... wolt, derselbe solt v schilling ... geben
    1. Hälfte 15. Jh. Erler,NeustadtWeinstr. I 286
  • suss ... schriven de vorbenompten stede deshalven oren mothwillen over my, wante ick mer dan tho eneme male an se gescreven hebbe van en begerende
    1481 OstfriesUB. II 153
  • wurden aber eheleut sonst strittig also, das eins dem andern nicht beiwohnen wölte, soll inen von amptleuten und gewalthabern ires mutwillens mit nichten gestattet, sonder die versönung in all wege gesucht ... werden
    1565/73 Brandenburg-Ansbach/Sehling,EvKO. XI 369
  • es sollen auch die schipper darzu verdacht sein, das sie zu muthwillen vnnd auffstehung des schiffs-volcks kein vrsache selbst geben
    1591 HansSchiffO. Art. 48
  • die schiffere sollen ihrem schiffsvolck zu verhuͤtung alles muthwillens vnnd auffstands ihre wolverdiente vnd versprochene hewre nicht vorenthalten
    1614 HansSeeR. III 5
  • im fall aber man sich gegen den gefangenen ihres halsstarrigen muthwillens halben, deß ausbrechens ... zu besorgen haͤtte, moͤgen alsdann unsere beambte solche ... in stoͤck und fessel legen
    1715 BadLO. 49
VI metonymisch zu III: Handlung, Tat

VI 1 grober Unfug, Handgreiflichkeit, Frevel (II), Mutwilligkeit 
  • als sich vnser knecht ... mit Hs.R. schmidknecht ... mit ainander entzwait v. ain můtwillen an ainander mit schlachen in vnserm gotzhaws verpracht
    1479 Indersdorf II 53
  • er verlobt mit trewen hinfür in v. gotzhauss v. pawhof chain vnzucht oder můtwillen nymer mer thun
    1479 Indersdorf II 56
  • wer des abends vor oder nach 8 uhren ... auf der gassen muthwillen treibet ... sol durch die wache-herren angenommen ... werden
    1536/44 HannovStKdg. 223
  • welcher einen gewaltig in sein haus bricht oder dergleichen muetwillen yebt ist dem gericht verfallen 32 ℔ ₰
    16. Jh. Steiermark/ÖW. VI 338
  • so soll unser ober-appellations-gericht denselben ... nach der groͤsse des muhtwillens, in eine nahmentliche geld-busse condemniren
    1712 BrschwLO. II 145
  • die junge knaben und maͤgdlein ... sollen ... besondere gemaͤcher zur ruhe und schlaffen haben ... um aller unordnung, muthwillen und anderer offt bey der jugenden befindenden boßheit vorzukommen
    1718 PforzheimWaisenhaus 25
  • [hofordnung] sol niemand ... waͤrendem essen ... schuͤsseln ... und servietten muhtwillig zerwerfen, zerschneiden ... oder entwenden, bey straffe, daß, wer solches thut, den hierunter begangenen muhtwillen ... wieder ersetzen sol
    1727 HessSamml. III 1000
VI 2 Unzucht, Notzucht
  • do machtestu dich der frawen zů / und hast sie bunden, eb sie erwachet, / an vier stollen, die am bett sind gemachet, / und darnach din můtwillen mit ir triben
    1530 Manuel(Nikl.) 268
  • dan sie wolten vil můtwillen treiben mit der burgern weibern vnd toͤchtern / das wolten die burger nit leiden
    1550 Münster,Cosmographie 543
  • ist A.Sch. ... bkhantlich worden, dz er dz töchterli ... uff sin beth gleyt und understanden sinen schantlichen bösen mutwillen mit ime zuverbringen
    1574 v.Tscharner,TodesstrBern 42
  • A.W. ... bekent, das sy ... den muotwillen mit dem bösen geist verbracht
    1637 Schacher,HexenwLuzern 18
  • wer aber loser bursch und menscher zu einigen muthwillen unterschleif gebete oder andere unschuldige bei tag und nachtszeit zu luderleben führete, wird der herrschaft zu grösserer bestraffung angezeuget
    1747 NÖsterr./ÖW. VII 394
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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