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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): natürlich

natürlich

, adj., adv.

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I ursprünglich, der Natur (I) entsprechend, gottgewollt, vernunftgemäß; häufig im Anschluß an das römische und kanonische Recht

I 1 bezogen auf Recht, Gerechtigkeit, Gesetz, Billigkeit, in der Wendung natürlich sein: dem natürlichen Recht entsprechen
  • war it gesat recht is jegen dat naturlike recht, dar hebben de keisere alle de list gevunden, de se mochten
    nach 1325 Buchsche Gl. zu Ssp. LR. I 44/ZRG.2 Germ. 25 (1904) 118
  • aber das decrête sunderlich spricht, das reht sî natuͤrlich, das man wider geben sol, das man ze behaltenne empfât
    1337 Ammenh. V. 14090
  • heft de mensche dat naturlike recht ...; van dennen komet alle mangelinge vnde wandelinge vnder den luden, also sin kopen, verkopen, meden, vormeden
    1350/80 AegidRomanus(mnd.) 163
  • ab das selbe land zcu D. von natuerlichim rechte czu der crone von Ungern gehoere
    1392 CDPruss. IV 152
  • zo heist ouch gotisrecht naturlich recht darumme, das is redelichkeit an eme hat; alz wer icht gelabt, daz ist naturlich unde redelich, daz er is leiste
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 183
  • gotisrecht heisset naturlich recht durch vierley sache willen; wenn sin beghin ist von naturen, und die nature hat ir beghin von gote
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 183
  • des spreche ich, das die gerechtikeit got ist, der allen creaturen auss seynir ewigen gotheit - iglichim sunderlichin noch seynem wezen - das seyne, das ist seyne nature, gegeben hat und das heist die naturliche gerechtikeit eynem vogil yn der lufft, dem fische yn dem wassir adir yn dem mere und den menschen
    um 1400 LiegnitzStRb. 19
  • was ist naturlich recht, und worumme heist es naturlich recht? ... dorumme das es got der naturlichen vornumfft gegebin hat, nicht alleyne dem menschen, sunder eynir iglichin creaturen noch seynir nature zugebruchen. und dis heist man auch gotis recht
    um 1400 LiegnitzStRb. 20 (Inst. 1,2,1)
  • nadem dat dat wedder godes recht, naturlik recht, ghestlik recht vnde keyserrecht is
    1423 LübUB. VI 549
  • tueghen wij, schepenen van Cleve, apenbarlich, dat boven des naturlicken rechtes ghebaide, dat is, datmen eerlicke leve ind datmen nyemant en scade
    1426/40 KleveStR. Einl.
  • als men schuldich wort, soe machmen ock los werden. ind dat is naturlick 
    1426/40 KleveStR. Art. 148
  • hoe manich riucht isser? twa, een godelick ende ene menschelick; dat aerste is dy oenebern, dat oer scheltu lera; een haet naturelic, dat oer is taulick [wie viele Rechte gibt es? Zwei, ein göttliches und ein menschliches; das erste ist Dir angeboren, das andere sollst Du lernen; das eine heißt natürlich, das andere ist herkömmlich] 
    1464 (Hs.) WesterlauwersR. I 58
  • von dem naturlichen gesecz hat den ursprung menschlichs gesecz, dasselb denn mer gerecht ist so es dem natürlichen gesecz mer geleichet, und das ist wandelpär nach gelegenhait und notdurfft des gemainen nüczes
    1466 Brinkhus,BayrFürstenspiegel. 158
  • so der mensch das edlist ist auf erden, so haisst die ainpildung der vernunfft in im das naturlich recht oder gesecz
    1466 Brinkhus,BayrFürstenspiegel. 156
  • nun haͧt ain ied mensch von dem almächtigen got zu seiner aigen natur das natürlich recht empfangen
    1488 NördlingenStR. 339
  • aber die burgerliche verbindung ist, wen einer mit loblichkait des rechtes ist angestreng etwas zu thuen oder zu geben, aber die naturlich billikait [lat. Text: naturalis equitas] last [nit] in halten
    um 1500 Summa legum 409
  • naturlich recht ist alsso gotis rechtt, wan got ist dye natur, dye do alle recht naturett und alle dingk
    1503/04 PurgoldtRb. V 5
  • das naturlich recht ist das die natur alle thier gelernet hat
    1520 Murner,Inst. 3r (Inst. 1,2)
  • mit natürlichen rechten sindt gemein die der luft, regen vnd dz mere
    1520 Murner,Inst. 25v (Inst. 2,1,1)
  • man spricht rechtlich, das es mit aller voͤlcker recht, das ist mit natürlichem rechten geschicht
    1520 Murner,Inst. 32r (Inst. 2,1,41)
  • ach ist denn das natu̍rlich vnd recht, das sterben soll mein [Marien] su̍n fur daz menschlich gschlecht, der doch kain vbl nie hat gethan
    1529 SterzingSpielArch.(geistl.) V 205
  • das die natürlichen recht nit sollen ... geaͤndert werden
    1546 Perneder,Inst.(1546) 6r [vgl. Inst. 1,2,11]
  • sie wollten zugleich wider gottes gebot, die natürlichen und weltlichen recht, sonderlich aber die erbhuldigung handlen
    1580 AktGegenref. 110
  • daß dieser bescheidt dem rechten und naturlicher pilligkeit gemeeß, bezeugen wir
    1619 WestfLR. 122
  • einem jeden landes-eingesessenen, der seines eigenen rechtens und vollkommenen verstandes oder vernunft ist, er sey krank oder gesund, ist der natuͤrlichen billigkeit nach vergoͤnnet ..., ein testament zu machen
    1650 EstRitterLR. 280
  • von denen umstaͤnden, welche die that selbsten mindern ... die gar grosse einfalt in denen faͤllen welche nicht durch das natuͤrliche gesatz selbsten verbotten seynd
    1707 SudetenHGO. Art. 17 § 4
  • dasjenige, welches niemand zustaͤndig, allein krafft natuͤrlichen rechtens dem ersten betretter oder occupanti gehoͤrig
    1712 Abele,Gerichtshändel I 112
  • die natürlichen gesetze sind wie mathematische wahrheiten nach den regeln der vernunft aus unläugbaren grundsätzen hergeleitet worden; sie sind also mathematisch gewiß
    1799 ZNR. 6 (1984) 115
  • das menschenrecht ... die jedem menschen als einem vernuͤnftigen und freien wesen zustehenden natuͤrlichen rechte. seine menschenrechte vertheidigen, zuruͤckfodern. fuͤr menschenrecht kaͤmpfen und bluten
    1809 Campe III 267
  • das allgemeine oder natürliche staatsrecht (jus publicum universale s. naturale) findet ... dann subsidiarische anwendung, wenn ... die positiven quellen und das natürliche völkerrecht keine ... bestimmung geben
    1817 Klüber,ÖffRecht 107f.
I 2
der Natur des Menschen angemessen, ihm zukommend
  • die naturlich were, die man nennet notwere
    1461 Haltaus 1409
  • wo naturlich vernunft vnd zwyffal des rechten der billichen begyrden wider fechten, sol dz mit rechtlichen erkennen gemessiget werden
    1520 Murner,UtrJurTit. 108v
  • das kein vnderscheydt syn soll zwischen den menli vnd wiblin, denn beyde personen in der schoͤppfung der menschen natürlichs ampts sich glich gebruchent
    1520 Murner,Inst. 38r
  • numallen ... der mensch sich und sein geschlecht selbst gephrengt und in gehorsam dem gesetz ergeben, hat er ime und anderen menschen die natturlich freihait selbst genumen
    1528 ZeigerLRb. 233
  • das haben wir ... gethan ... allein zu naturlichen erlichen vnd rechtmessigen schutz eynes ieden, wider vnbillig gewalt vnd bedrangnussz
    1530 Haltaus 1409
  • das sie [Blutsverwandte] götlicher, auch natürlicher zucht und erbarkeit ... halben keine rechte ... ehe miteinander besitzen mögen
    WolfenbüttelKO.(1569) 216
  • die ihnen ... nach der verfaßung zustehende natürliche freyheit
    1794 Krüger,PreußManufakt. 492
  • das gewissen, diese natürliche, jedem menschen beygesellte jury
    1818 Landsberg,Gutachten 177
I 3 natürliche Schuld bezeichnet als Übs. des lat. naturalis obligatio eine Verpflichtung, die sich aus der natürlichen Ordnung der Dinge ergibt und nicht erst geschaffen werden muß
  • so me bezalet ist dann man schuldig was, vnd würt doch kein teil erfunden den man wider forderen moͤchte, so ist es gantz on schuld gegeben vnd blipt die erst verbündung. das ist ein natürliche schuld, die mit aller voͤlcker recht sol bezalet werden, so man synen glauben vertrüwet hat
    1520 Murner,UtrJurTit. 108v
II auf biologische Weise (durch Zeugung und Geburt) miteinander verwandt

II 1 aus einer rechtmäßigen Ehe
  • van eynnen naturlichen kende, dat ain elige gebort is, van eme velt alle guyt zo der swert syden
    1420/40 Loersch,AachRdm. 106
  • W., seyner naturlichin swestir tochter
    1436 LübbStB. 40
  • gutir ... die ... synem wibe von erem naturlichen ehevatir ... angeerbit sint
    1456 Bocksdorf 523
  • yre naturlichin, liplichin kinder
    1474 PössneckSchSpr. I 119
  • twee natuerlijcke kinderen
    1490 MnlWB. IV 2205
  • echte, rechte und naturlike kindere
    1498 RigaErbb. 152
  • die eyne [sippeschaft] ist eyn naturliche mageschafft und die gehit von eyme vater unnd von einer mutter. die ander ist ein magcschafft, die do komet von eyme geslechte in das ander umb zweyer elichin luthe willen. die derthe mageschafft ist geistlichen, die do komet von den cristenglouben in der touffe unnd in der fermelunge. und disße drie hindern alle die ee, aber nicht in glicher wieße
    1503/04 PurgoldtRb. I 19
  • F.H. ... der gedachten frowen ... elicken und naturlicken zone
    1531 RigaErbb. 240
  • die erste erbfolgung gebürt den natürlichen ehelichen kindern, aus einem ehebette geborn
    1579 WittgensteinLR. 101
  • natuͤrliche vnd rechte, oder durch vermaͤchtnuß angenommene, vnd gemachte eltern
    FrkLGO. 1619 III 30 § 1
  • soviel die von natuͤrlicher bluts-verwandschaft allein abhangende rechten (jura sanguinis) betrift
    1756 CMax. I 5 § 10
II 2 unehelich, außerhalb der Ehe gezeugt (von Kindern) oder zeugend (von Eltern); natürliche Güter verkürzt für: Güter aus dem Besitz der natürlichen Kinder
  • nu werden ouch kinder geborn naturlich, welche nu dy sin: wo eyn elich man adder eyn elich fruwe adder eyn dirne sich zcusammene mischen, so daz sy an alle gelobde von naturlicher libe mit enander kinder gewinnen, dy kinder heysszen naturliche kinder
    nach 1358 Rb.n.Dist. I 5 Dist. 4
  • kijnder sijn twierleyde, naturlich ind echte, ende woe wael dat recht is, dat naturlike kijndere gheen erve nemen en moiten, doch soe blijven sij naturlike kijndere, want ghesat recht en mach naturlich recht nyet verlegghen
    1426/40 KleveStR. Art. 73
  • gesetze von den panckharten vnd naturlichen kinden
    NürnbRef.(1479/84) XVI
  • dat natuerlike kynd mey neen eerffscip ontfaen fan aldfaer ner fen aldmoer
    1480/81 JurFris. II 88
  • dye fierde geborth die heisset eyn naturlich elich gebordt, unnd die ist, wo eyn ledig man unnd eyn ledig wip, adder eyn elich man und eyn elichs wip, sich zcusammen mischen, und so doch das geschiet an alle globede von naturlicher liebe, unnd die also kinder mit eynander gewinnen, die kinder heisßen naturliche kinder noch der geborth
    1503/04 PurgoldtRb. I 38
  • natürliche kinder haissen auch "liebkinder" und sein die von zwayen ledigen personen, die nit eelich sitzen, sich zesamen halten, als wann ainer ain concubin und ledige diern, die sich an ime allain helt, in dem hawß bey ime hat
    1521 WindsheimRef. 172
  • wann aber jemands ledige natürliche kind hat, die nit legitimirt noch geelicht sein, so mag er denselben ..., so er sonst ... kainen erben hat, ... all sein hab vnnd guͤtter bey lebendigen leib vbergeben
    1546 Perneder,Inst.(1546) 74r
  • soe oeck ennige naturlicke mansspersoonen bevonden werden van borgeren erweckt, sal dieselve een off meer die burgerschapp oick mogen gelden ende genieten, zonder een borgersdochter to trouwen
    1579/82 NijmegenStR. 177
  • uneheliche kinder, sonst natuͤrliche in rechten genannt, koͤnnen ihres vaters nachgelassen guͤter nicht erben
    1583 HadelnLR.(Pufendorf) III 16
  • denen unehelichen in concubinat gebornen khindern solle durch ire nattürliche vätter uber daz heürathgueth ... merers nit testiert mügen werden
    1599 NÖLREntw. III 2 § 1
  • hoe natuerlycxe goederen gaen sullen naer doot van man ende wyff
    oJ. (Hs. um 1600?) CoutLooz I 65
  • der vnehelichen kinder sein fuͤrnemblich dreyerley; etliche sein auß zwayen ledigen personen, die beede damaln, als sie die kinder erzeugt, einander zur ehe nemmen moͤgen, geboren worden, vnd die muetter in offner unzucht nit gelebt, oder sonsten gemain gewesen, welche gemainlich natuͤrliche vneheliche kinder genent werden
    BairLR. 1616 S. 364
  • die so benambsete natuͤrliche oder ohneheliche elteren, welche nicht in der ehe leben
    1727 Leu,EidgR. I 426
  • natuͤrliche kinder (liberi naturales) sind außer der ehe von ledigen personen, jedoch nicht aus einem verdammten beyschlaf, erzeugte kinder
    1803 RepRecht XI 66
II 3
im Erbrecht: aus der natürlichen (II 1) Verwandtschaft herrührend
  • von rechter naturlicher irfolgunge nach tod ... seyns eldervaters
    1408 SchlesDorfU. 42
  • auf dem gute ... das an sie naturlich derstorben ist von irem ehevater und ehemuter
    1420 SchlesDorfU. 46
  • want naturlijker is, erve nederwert te gaen dan opwert, soe neempt soens ende dochter kijnt erve voir vader ende voir moeder
    1426/40 KleveStR. Art. 44
  • oren kinderen und naturlicken rechten erven
    1462 GöttingenStat. 201
  • in der legitima oder natuͤrlichen erbschaft
    NürnbRef.(1479/84) XII 2
  • ir recht naturlich erb
    1481 Indersdorf II 75
  • so einer einem der nit sein rechter natürlicher erbe were, sein freyguth umbsunst geben wolt
    1495 ErfurtFreizins 320
  • beiden gebrodern, als naturlicken und negesten erfnemern seligen G.B.s
    1527 RigaErbb. 247
  • vader vnd moider effte de eldern, wen ße gelick testamenth maken, ßo syn ße schuͤldich ohren kyndern oren natuͤrlicken deil ... fry to latende
    1532 BrschwStR. (1532) 315
  • wo vnder inen ein frye person were, die kein natürlich vnd rechtgemeß erben hette
    JaunLR. 1560 S. 52
  • dat kleger alß ein naturliker erve to den hinderlatenen gudern ... de negste erve syn schole
    1566 HolstVierstUrt. 360
  • naturliche erbgeburnus
    1573 Wesener,ErbrechtÖsterr. 175
  • das ire gnaden von natürlichen erbfälen, so den nächsten blutsfründen zufallend kein lob abvordren werden
    1594 FreiburgÜGBl. 9 (1902) 32
  • ein ieder ... vatter ist ... schuldig seinen eheleiblichen khindern ... auf daz wenigist den natuͤrlichen guet pflichtigen und von gemainen rechten gemaßigten erbthail ... in seinem testament zu verlaßen
    1599 NÖLREntw. III 8 § 1
  • an jhrem gebuͤhrlichen natuͤrlichen theil, legitima genandt
    1603/05 HambGO. III 4 Art. 2
  • weder rechtgesetzte, noch natürliche erben
    1615 BernStR. VII 2 S. 787
  • natuͤrliche erbschaft. der pflichttheil, welcher den rechtmaͤßigen erben gebuͤhret
    1803 RepRecht XI 66
III bezogen auf eine übergeordnete Gewalt: rechtmäßig, naturgemäß zuständig und berechtigt
  • man siht nu manigen eigen man, sîn natûrlîchen hêrren lân, und werden eines frömden kneht
    1325/50 Beringen,Schachged. V. 3088
  • de ... natuerlycke minne die onse goede lieden ... hebben tonswaert, als tharen gherechten, vryen ende natuerlycken heere ende prince
    1348 CoutAudenaerde II 79
  • sollen sy [Herzöge] ... uns [Karl IV.] verbunden sein als irem rechten naturlichen herrn
    1365 Wutke,SchlesBergb. I 53
  • hat de ... cleger den rath als sine naturlichen richter ... gebeden
    1381 MittOsterland 3 (1853) 515
  • das die von Glarus die herrschaft Oesterrich für ir rechte natürliche herschaft halten ... söllend
    1388 EidgAbsch. I 78
  • daz wir ... vns ... an vnßern naturlichen erbehern ... halden
    1452 IlsenburgUB. I 263
  • damit sie dem ... hertzog ... als irem rechten natuerlichen herren ... verbunden sin
    1452 Weinheim 392
  • dat wy by en wyllen ... doen ... ghelijck guede schiltbortighe mans schuldich synnen to done by oren rechten natuerlichen landesheren
    1481 OstfriesUB. II 142
  • wir als ir natuͤrlicher landsfuͤrst und regierender herr
    1487 Schwind-Dopsch 415
  • vnsen gnedighen leven heren vnde geordende naturlike richter
    15. Jh. Fidicin IV 157
  • wolten si by iren aignen naturlichen halßhern ... beliben
    15. Jh. ZFerd.2 2 (1836) 115
  • oft de herschop vaget, knecht vnde dener buten siner naturliken herschoppes weten ... siner hern undersathen ethwes nhagegeven hadde
    1544 Dittmer,Sassenrecht 52
  • een vader ... blijft ... natuerlicke mombaer
    1570 UtrechtRBr. II 436
  • natuͤrlicher herr. der rechtmaͤßige herr, welcher eine rechtmaͤßige herrschaft hat
    1803 RepRecht XI 66
IV der kreatürlichen Verfassung eines Menschen (auch: einer Sache) entsprechend; natürliches Band Schwangerschaft
  • [einen Vormund verwirft man] umme alle naturliche sachen unde gebrechen; alz ab er toub were, blint, stum
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 311
  • [ich] spreche zu dem ersten von dem naturlichen tode. wenne worumme: der tot endit vil dinges und freyet das kint
    um 1400 LiegnitzStRb. 139
  • die richter ind schepenen en soillen nyet op staen die tijt langh, then were dan omb naturliken saecken
    1426/40 KleveStR. Art. 219
  • stirft oick een vrouwe, die myt den naturlijken bande ghebonden is, die en sallmen niet graeven noch ter eerden bestaeden, men en hevet dat kijnt irst uyt oer gesneden
    1426/40 KleveStR. Art. 407
  • die natuerlic te doen hevet mit eenre beesten, hi moet den doot sterven
    1477 Exodus 22, 19/MnlWB. IV 2208
  • da auch die gemeinen rechte eine wiederherstellung in den vorigen stand ... nur aus solchen ursachen zulassen, welche auf natürliche mängel und unvermeidliche ... behindernisse sich gründen
    um 1772 Pufendorf,HannovLREntw. Tit. 25 § 2
V evident, auf der Hand liegend
  • ist es natürlich, dass diese regeln es nicht sind, nach welchen das verfahren ... eingerichtet werden darf
    1800 Grolman,GerichtlVerf. 109
  • laͤßt sich ein rechtsfall weder aus den worten, noch aus dem natuͤrlichen sinne eines gesetzes entscheiden
    1811 ÖstABGB. § 7
  • natürlicher oder direkter, und künstlicher oder indirekter beweis
    1815 Gönner,EntwGesB. I 150
VI im Rechtsverfahren: natürliche Klage ursprüngliche Klage
  • wo ein man so eyne sune thut ... der tut sunderlich drie stucke. er vorstorit zum ersten die naturliche clage
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 370 [vgl. Dig. 46,3,95]
VII tatsächlich
  • hier suldij noteren ... dat interruptie van prescriptien oft possessien mach gescieden in ii manieren ... natuerlijc ende civilijc. natuerlijc gesciet zoe, wanneer iement zijn possessie ende gebruyc verliest bij onthoudingen oft bij uuytdrivene oft verjagene
    1496 CoutBrab. II 2 S. 78
  • infans, ist der noch nicht siben jar alt ist, der mag sich weder natuͤrlich noch rechtlich oder sonst verpflichten
    TeutschForm. 1571 9v
  • natuͤrlicher besitzer, naturalis possessor, wird in denen rechten derjenige genannt, welcher eine sache bloß natuͤrlicher oder coͤrperlicher, nicht aber auch zugleich buͤrgerlicher weise, inne hat
    1740 Zedler 23 Sp. 978
VIII
von der Natur gebildet oder hervorgebracht
  • natuͤrliche grenzen ... von der natur gebildet ... berge, huͤgel, klingen, thaͤler
    1786 AbhFeldsteußler 52
  • koͤnnen die grenzen seyn entweder natuͤrliche, als fluͤsse, felsen, berge, baͤume, oder kuͤnstliche, als saͤulenstangen, steine
    1801 RepRecht VIII 151
  • die natuͤrlichen fruͤchte eines grundes, naͤhmlich solche nutzungen, die er, ohne bearbeitet zu werden, hervor bringt, als: kraͤuter, schwaͤmme und dergleichen, wachsen dem eigenthuͤmer des grundes ... zu
    1811 ÖstABGB. § 405
IX natürliches Alter 
  • natuͤrliches alter, naturalis ætas, wird in denen rechten diejenige zeit genennet, da einer noch nicht 30 jahr ist; wie hingegen das rechtliche oder gesetzmaͤßige, (ætas legitima) die folgenden jahre nach dem dreyßigsten
    1740 Zedler 23 Sp. 973
X natürliches Eigentum grundherrliches Obereigentum 
  • dem gruntherrn aber bleibet das naturlich aigenthumb das man directum dominium haist
    1573 NÖLTfl. I 5
XI natürliche Minne die dem Herrn geschuldete Zuneigung
  • de ... natuerlycke minne die onse goede lieden ... hebben tonswaert, als tharen gherechten, vryen ende natuerlycken heere ende prince
    1348 CoutAudenaerde II 79
XII natürlicher Tag Tag von 24 Stunden (als Frist)
  • behoudelijck datmen den ... dooden menschen toonen sal ... onsen bailliu ... om te beschouwen ... eermen hem begraven sal ende daer naer binnen eenen natuyrlijcken dage daer mede gedaen worden tgeen dat van reden wege behooren sal
    1455 MnlWB. IV 2204
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):