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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): nieder

nieder

, adj., adv.

in antonymischen Formeln zur Bez. einer Gesamtheit

I lokal: unten

I 1 tief gelegen; als Vorstufe zum Kompositum in Ortsnamen
vgl. Niederamt
I 2 als Kennzeichnung eines Stadtbuchs, insb. des Lübecker Niederstadtbuchs (nach seinem urspr. Schreib- und Aufbewahrungsort in einer ebenerdig gelegenen Ratskanzlei)
  • umme dat nedderste bok, ene schrift inthoschrivende 1 ß
    1406 LübChr. II 402
  • me schal nemen dat nedderste boek und bryngen bi dat bovenste und schriven idt deme genen tho to enem egendom
    Mitte 15. Jh. RostockGO. 70
  • dat nedderste stadtboeck tho Lubeke
    1540 Bergenfahrer 220
  • wo den solcke volmacht hirvan dem neddern stadtbocke alhier [Lübeck] anno [15]72 ... invorlivet
    1573 HambHandw. 565
I 3 in Vbdg. mit einem Verb: zu Bett gehen
  • so der wirt oder wirttin zu gewonlichen schaffzitt [!] nider werdent ... darnach so sind sie niemant schuldig ... win zegebent
    2. Hälfte 14. Jh. Schmid,TübPfalzgrUB. 264
  • gienge der man ab, ... sol die frouw erben ... dz bettgewand, daran sy ze samen nider solten
    1427 Pfäffikon/GrW. IV 345
II
klein, gering

II 1 von Geld oder einem Geldwert
  • [Verdingung zum] nedersten penning
    1364 Spielmans,KleveDeichr. 54
  • [Verkauf von Gütern] mit lüten, mit ünsren eygen fryen guͤtren, mit gerichten, hochen und nidren [Bed. III], mit twingesrechten, hochen und nidren bůssen
    um 1412 (Fälschung auf 1267) FRBern. II 694
  • nider ald klein bůssen
    1475 ZürichOffn. I 358
  • waß unß der [linwat] felt, ain tayll klen und fast um nyder gelt
    1480 Schulte,Ravensburg III 164
  • all frefeln, hohe vnd nidere bot sint vnser
    1493 FürstenbUB. VII 299
  • wer sonder iniche lifs oeder ander mirckliche noitsaiche uißblift [beim Vogtding], is so hoiche ind nieder, as der scheffen huet zo daige is wissen, vur reicht in die bruche gefallen
    1516 NrhAnn. 6 (1859) 21
  • tghelt wert tot eenen male afgeset int nederste, te weten den gouden gulden op drie scell. vlaems
    1530 MnlWB. IV 2243
  • kayserische comissary ... welche die müntz niderer setzen sollenn
    1596 Paumgartner,Bfw. 271
II 2 von einem Vergehen: minderschwer und damit vor einem Niedergericht (I) zu verhandeln
  • unser gnedigster her hab al hohe und nidder frevln zu strofen
    1496 SchriesheimW. 253
  • [bestimmte Orte] seind sonst in allen andern hohen und nidern criminalsachen zentbar
    1575 WürzbZ. I 1 S. 84
  • Glarus ... vermeinte, es sei ein landvogt etc. laut des pfaffenbriefes befüegt, die priester um niedere frevel, so nicht malefizisch sind, abzustrafen
    1773 GasterLsch. 600
III bezogen auf Herrschaft und Recht: untergeordnet, nachgeordnet

III 1 bei der Beschreibung von Obrigkeit und ihrer Hoheitsgewalt zur Kennzeichnung (des Gebiets) von Herrschaftsrecht, Amtsbefugnis und insb. Gerichtsgewalt auf der untersten Ebene
  • men ne mach nemande mit nener vestinge verwinnen in eneme anderen gerichte ... swe ... in deme nederen gerichte vervestet is, he n'is in deme hogeren nicht vervestet, he ne werde dar redelike in gebracht
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. III 24 § 1
  • also habent die niedern gericht den gewalt ze rechten, alls geleicher weis, als vorgeschriben stet
    1278? ÖLR. Art. 49 Anm.
  • gherechte, hoghe ende nedeer 
    1298 StUtrechtOorkB. V 357
  • also sy dy urbor sullen inne haben ... mit allem nuze ... nicht usszunehmen mit aller herrschaft hoe ader neder, cleyne oder gross
    1357 Wutke,SchlesBergb. I 49
  • te desen vorseiden lene behord vri hoghe justice ende neidre 
    um 1390 AnnFlandre 19 (1867) 270
  • sint dis dú gericht und dú rechtung, hoͮhe gericht und nidrú, zwing und benn
    14./15. Jh. ZürichOffn. I 385
  • uth dem neddersten rechte
    1526 LübRatsurt. III 4
  • das ain jeder unterthan seinen hochen und nidern gerichtszwang auf seinem ruggen getragen, und jeder herr über seinen unterthan, wa derselb im oberen Allgew wont, gerichtlich oberkait hat
    1529 Wiedemann,AllgäuGebr. 5
  • appelliret einer vam neddersten gerichte an den stapel des landes, mot de appellation bime gerichtsnotario binnen tein dagen anhengich gemaket [werden]
    vor 1531 RügenLR. Kap. 8 § 3
  • uth dem neder gastrechte
    1536 LübRatsurt. III 283
  • es erkennen die scheffen einem churfürsten ... alle hohe und niedere und mittele jurisdiction, zu latein merum et mixtum imperium und, wie die herren scheffen pflegten zu sagen, omnimodam iurisdictionem
    1539 TrierWQ. 33
  • alleine buten bescheden, blau und blotruhen und alle andere saken, de to huet und hare, ok an den hals und hand gan, dar dem gerichte wedde und broke van kamen schall, dem erbaren rade und nedderemgerichte (als der hogen overicheit) to jeder tid und in alle wege vorbeholden
    1554 LünebZftU. 205
  • unßer gnädigster churfürst ... hat darinnen und darauf alle hohe und niedere oberkeit, peinlich und bürgerliche gericht, auch alle gebott, verbott
    1557 Wiesloch 714
  • zu Lamperthey hat Pfalz die zeitlich oberkait, darnach Pfalz und bischof zu Wormbs die nider gerichtbarkait
    1559 BrfFriedrFromm. I 77
  • das kloster B. nit allein in meinem schutz und schirm sondern in meiner hohen und nidern obrigkait gelegen
    1568 ArchRefG. 8 (1910/11) 262
  • die niedere obrigkeit aber hat junker H.U. Landschadt, vogtsjunker, alß die fron, darfür sie im 30 fl. geben, die beed ... und an früchten 134 malter 1 sester korn
    1610 SchriesheimW. 163
  • in diesen marken hat die grafschaft alle hohe und niedere obrikeit sambt darzu gehörigen hochgericht, straffen und frevel
    1613 JbLiechtenstein 6 (1906) 26
  • es hat ain herrschaft und inhaber deß dorffs M. die niedergerichtsbarkait ... und all ander recht und gerechtigkaiten, so dem niederen gerichtszwang anhingig sind
    17. Jh. FreibDiözArch.2 9 (1908) 172
  • innert diesen zihlen und marchen hat der herr ambtsman ... in nahmen der hochen oberkeit die obere und nidere herrlichkeit zu verwalten
    1761 InterlakenR. 636
  • das hoͤhere und niedere forstpolizeyrecht. ersteres besizt bloß der landesherr, und lezteres sowol er als die unterthanen
    1785 Fischer,KamPolR. II 794
III 2 von Personen, Ständen und Institutionen; niederste Hand letzter Lehensnehmer
  • swelk herre en gut enes untvet, of sin herre stirft, oder of he op let so gedan gut, alse he van eme hevet, iewelk man de van enem nederen herren gut hebben scal mach sek jegen ene verjaren, al ne hebbe's de herre nicht untvangen anderwarve, de wile he sek nicht verjaret hebbe; went he ne mach de wile sime herren nicht vernen an deme gude mit der lenunge de he dut, ane dar he mit rechte to gedwungen wert
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)Lehnr. Art. 25 § 5
  • de nedere richtere ne mut nicht richten de vestinge, de de overe richtere gedan hevet
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. III 24 § 2
  • wir wellen ouch daz nieman deheinen chneht behalte noch dienær, er si hoh oder nider oder swi er genant si, er well in denn verantwurten
    1290 MWittelsb. I 451
  • iewelk man mach kampes weigeren deme, de wirs [aL. Ende 13. Jh.: nederer] geboren is denne he
    Ende 13. Jh. Ssp.(Eckh.2)LR. I 63 § 3
  • wan des dienstmans hant di niderist hant ist an dem lêhen, swer dâ von lêhen enphæcht, der mag is nicht furbas geleihen
    vor 1328 Ruprecht(Claußen) Art. 181
  • keiser Otto machte zu Meideborg den hogisten stul zu wichbilderechte, zu Halle den anderen, der ist nedirer 
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 231
  • umme solliche sache hebit daz recht an, an dem nedirsten richtere, der eyn belehent richter ist; unde ist genant eyn schulteis
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 255
  • [die] hern gemeinlichen des nidern capittels hie diset Reins strassburger bistumbs
    1458 FreibDiözArch. 25 (1896) 215
  • idermennichlich hogeß vnnd neddergen standeß
    1552 JbMeckl. 27 (1862) 71
  • die nidern richter soͤllen ... mit der execution nit stillsteen
    TirolLO. 1573 II 60
  • bei allen hochen und nidern stenden
    1599 NÖLREntw. II 17 § 42
  • die hoch- und niederen offiziere
    1651 UnnaHeimatb. 57
  • stehen ... sowohl die hoh- als niedere reichsstaͤnde unter den hoͤchsten reichsgerichten
    1770 Kreittmayr,StaatsR. 138
  • höheren und niederen polizey- und justizbehörden
    1794 Krüger,PreußManufakt. 650
  • der niedere adel selbst hat folgende gradationen: 1. freiherren oder barone, 2. edle herren oder bannerherren, 3. reichsritter, 4. edle von, 5. gemeiner adel mit dem prädicate: von
    1804 Gönner,StaatsR. 71
  • ist die ehe eines mannes aus dem niedern adel mit einer person aus dem bürgerstande keine gesetzliche missheirath
    1804 Gönner,StaatsR. 79
  • die niederen kreisämter sind entweder ... notwendige ... oder ... zufällige, welche von der willkühr der kreisstände abhangen
    1804 Gönner,StaatsR. 328
III 3
  • dominium utile oder das niedere eigentum ist ein recht des vasallen, nicht nur alle nutzungen aus dem lehen zu ziehen, sondern auch als ein eigentümer damit zu schalten, insoweit es den rechten des lehnsherrn ... nicht zuwiderläuft
    1757 RechtVerfMariaTher. 667. ebd. 663
IV niederste Acht einfache Acht, als Ungehorsamsacht mit der Möglichkeit, sich binnen einer Frist dem Recht zu stellen iU. zur Oberacht (I) 
  • sve sik ut der achte tüt unde rechtes nicht ne pleget, wert he's verwunnen, man dut ine in overachte, als of he jar unde dach in [aL. 1535: der niedersten] achte hebbe gewesen
    SspLR. III 34 § 3
V niedere Jagd wie Niederjagd; niederer Wildbann das Recht auf die niedere Jagd
  • wir yn ... geben allis ... mit bergwergke, gerichten, obirsten und nyddersten iagten
    1484 MansfeldKlUB. 473
  • hat mein gnediger fürst ... aus der hohen, niedern, großen und kleinen wildpan, alle jagens, hagens und fahens gerechtigkeit
    17. Jh. (Hs.) WürzbZ. I 1 S. 608
  • diese eintheilung der jagd hat der gewohnheit ihr daseyn zu danken ... was fuͤr wildpret zu der hohen oder mittel oder niedern jagd gerechnet werden solle
    1760 Hellfeld III 1905
VI auf und nieder 

VI 1 gänzlich, vollständig
  • wer ez aber, daz kinde zuͤ irn jaren kummen weren und uff und nyder jar und dag vor dem, der dy güter ingehabet hette, und sprechen in nit an ..., dar nach so mochten sy in umb die guͤter nit ansprechen
    1300/03 Kohler-Koehne,Worms 13
VI 2 überall
  • [Leo] vernuwede op ende neder der kerken ambachte ghewijt
    1330 MnlWB. IV 2235
VI 3 allzeit, immerzu
  • also voert up ende neder nadien dat des wiins voel of luttel waer
    1407 UtrechtRBr. I 146
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):