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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): ober/Ober

ober

, adj.

bei attributivem Gebrauch tw. mit dem Substantiv zusammengeschrieben; unflektierte attributive Belege werden bei den jeweiligen Kompositen eingeordnet, sofern man sie als Vorform einer Zusammenrückung werten kann

I überlegen, mächtig; die obere Hand (ge)winnen siegen, oberer Mann Sieger
  • wan dâ ergienge ein wunder an, / swenne sich der ober man / müeste dem undern ergeben
    um 1180 Hartm.,Erec(Leitzmann)3 V. 9331
  • die von Troyge vz der stat / gwunnen die vbern hant
    um 1200 HerbortFritzlar,TrojKrieg V. 11781
  • de koning wan de overen hant unde vench den paves
    um 1260 SächsWChr. 202
II
führend, ranghöher, übergeordnet, bes. im Rechtszug
  • also scal de man sime gude volgen an den overen herren manscap to bedene, of sin herre stirft
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)Lehnr. Art. 25 § 1
  • de nedere richtere ne mut nicht richten de vestinge, de de overe richtere gedan hevet
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. III 24 § 2
  • binnin drin tagin sulin sie sich hebin zo deme obiren herrin, unde obir ses wechin sulin sie daz orteil wider bringin
    Anf. 14. Jh. GörlitzLehnR. 145
  • geschech auch daz derselbe G.v.B. sturbe, so sullen die vorgesprochen vier schidman eynen andern obern man welen
    1302 MGConst. IV 115
  • dz mannlehen mit dem obern herren, minem herren dem kuͥnge
    1391 BernStR. III 284
  • ziet man eynen sollichir dinge [Vergewaltigung ua.] ... und die sache vornachte, so behorit das dem oberen richtere zu richtene
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 345
  • daeromme ne sal nieman sines lenes heren of were benomen voer den overen here, die wile hys mit leenrechte weygheren mach
    Anf. 15. Jh. NlSsp. I 128
  • wann der burger czu B. der die lehen von dem obern herren entphaen wurde ym doruber gewonlich huldung getan hat
    1402 BrschwUB. I 191
  • jrret der richter, daz eyn man sin gůt vorkouften nicht ne moge, so clage her iz deme oůeren herren, von deme de richtere daz gerichte habe
    um 1410 Schwsp.(Kurzform/Gr.) Art. 39 (Kz2)
  • [der] overe scriver [in der Kanzlei]
    1436 Arnecke,HildeshStadtschr. 145
  • dieselben beschedigten [im Landfriedensbund] ... soͤllen das bringen an den obern man, des man dann uͤberkomen sol, namlichen ainen grafen hern riter oder knechte
    1440 RTA. XV 411
  • darzu so verbiet die gulden bulle die aynung, dadurch den obern herrn ir oberkait genommen ... sey
    1453 AktStPr. IV 153
  • dorumb sollen die amptlude ader rethe an die richter schreybenn ... vnnd fleiss thun, daz zcu stundt abgethann zcu schaffen ane schaden der vnnsern, vff das das nicht an vnns selbist vnnd furder an die obern handt gelangen dorffe
    1454 Sachsen/Haltaus 1436
  • nachdem ein tumpropst rechter und oberer herr ist in dem dinkhoff
    1461 Burckhardt,Hofr. 50
  • [daß] wir ... erbutig sind in zuleyhen, so sie vns vnnser hantlon außrichten. ob sie an die k. m. gelangten, sie wolten die von im, als von der obern handt empfahen, das sein k. gnad das nicht thue vnd vnnser lehen nicht leyhe
    1472 AlbrAchillesMerckB. 16
  • ["Urteilsbrief, erlassen durch] burgermeister vnnd raut [zu] Schaffhussen, [als oberes Gericht] obere hand [auf Appellationsbeschwerde der Stadt W. gegen ein Urteil des Dinggerichts zu Thiengen"]
    1472 MittBadHistK. 11 (1889) 105
  • [Übertragung des Nominationsrechtes bei zwei Pfründen an die Stadt mit dem Versprechen,] nach solchen goteslehen kein anspruch ... zu haben, uns auch nichts dawider gebrauchen, das uns, unser erben und nachkomen von der obern handt gegeben ... wurde
    1485 OStR. I 999
  • wue abir solcher vertragk vor uns nicht gesche, ßo sollen sie darumb unsern gnedigen hern von H. vor eynen obern hern ... ersuchen, der ir dan zu entscheiden gantz mechtig sin sal
    1488 MdForsch. XX 256
  • ich H.v.O., ... der durchlauchten ... obernhofgerichts hoferichter bekenne
    1494 TorgauUB. 67
  • G. ist eyn pastory und sint pastores die facultet zu Heidelberg uß oberkeit m.gn.h. pfaltzgraven als des obern lehen herren
    1495/96 FreibDiözArch.2 11 (1910) 240
  • diß stett und dorfer alter frihait nach pflegen ir urtel bi uns zu holen, als vor dem obern houf
    15. Jh.? Wimpfen 163
  • müg er appellirn gein Mayntz, als für den obern richter
    1502 UrkSchwäbBund. I 452
  • was sunst grosser mutwill und frävel in unser landschaft J. werden begangen, die uf der oberen hand an mittel zu straffen gehören
    1510 JaunLR. 15
  • wie wol ein yeder, dem ein gericht von der obern hand verlihen, ... für toglich geacht, so seind doch etlich person durch gemeyne recht gesondert
    Layensp. 1510 Bl. 1r
  • des obern und undern hausherren im kaufhaus ayd
    1520/30 KonstanzKaufhaus 88
  • die castell soͤllen haben ein oberen man, der ein fryherr sol sein
    1521 Eberlin v.Günzburg I 122
  • dem nachgesatzten richtern nachgesatzt richter das sein die: wann ein oberer vnd ordenlicher richter seinem vndersatzten richter (das ist dem delegaten) gewalt gibt, ein andern richter ann sein stat zů vndersetzen vnnd subdelegiren
    1523 Köbel,GO. 11v
  • wir gebietthen ... allen ... unsern undern und obern amptlutthen
    1525 Eppingen 810
  • beschlossen, das der rat us den vierer ein untirburgermeister und ein untirbuwemeister und die vierer us den scheffen ein obernbuwemeister kiesen sollen
    1525 MarburgRQ. II 526
  • welches alles hiemit im ... als dem obern unnd gerichts herrenn unbenomen ... sein soll
    1536 FreibDiözArch. 25 (1896) 318
  • der gaistlich haut sin gewalt von sim obern gaistlichen in gaistlichen dingen
    1545 FreibDiözArch. 9 (1875) 223
  • eyd des advocaten derer armen ... daß ich vor diesem obern-hof-gerichte, alleine deme part, der nach meinem verstaͤndniß und glauben, eine gegruͤndete sache habe, helffen rathen, und patrociniren will
    1548 CAug. I 1282
  • wo sich aber ein todschlag begäbe, sol ... von vns, als den obern gwalt, durch landtagen geuertiget werden
    1548 NydauFrhB. Art. 21
  • eines erbaren raths obern gerichts ordnung
    1562/77 LünebNGO. 350
  • die domprobstei der stadt Basel hat einen wissenthaften althergebrachten obern dinkhoff ... zu Bubendorff, ... dahin auch aller andren dompröbstl. dinkhöffen appellationen gezogen werden sollen
    1596/1601 Burckhardt,Hofr. 53
  • sollen kheine beuelch, noch anndere schreiben, weder im obern; noch chammer- vnnd kirchenrath, in vnnßrem nahmen außgehn
    1597 Reyscher,Ges. XII 498
  • in beysein aller vnnserer obern-rhaͤtt
    1597 Reyscher,Ges. XII 510
  • welche landleith der dreier obern stände von alterß her in possessione ... von denen erbschaften nach ihrer unterthanen ableiben ... daz zehente pfund ... abzufordern, die sollen ... dabei ... gelaßen werden
    1599 NÖLREntw. V 160 § 15
  • die im obern vnd andern stande
    1604 CCMarch. V 1 Sp. 76
  • da nun aber die gerichte sich eines vrteils miteinander nit vergleichen, sondern, was fur inen gehandelt worden, vmb fassung eines vrteils an den obernhoff oder zu den rechtsgelertten schicken wollten
    1628/29 PfälzW. II 751
  • seint diese ... flecken und dörfer allesambt mit dern obern vogtei, potmeßigkeit, erbhuldigung, gerichtbarkeit auch andern dergleichen mitelbarn obrig- und gerechtigkeiten einig ... dem closter zugetan
    1634 WürzbDiözGBl. 25 (1963) 193
  • der gesambte praͤlaten stand ... zugleich mit denen zween ober politischen staͤnden, von herrn und ritterschaft
    1652 Schrötter,ÖStaatsr. III Beil. 12
  • nur hat die landesstelle immer die obere leitung auch in diesem geschäfte zu führen
    1791 Heinl,HeerVorderöst. 23
  • [Strafe der] verweisung unter die besondere aufsicht der obern staatspolizei
    1818 Landsberg,Gutachten 167
  • eine bestimmtere und ausgedehntere concurrenz des richters bei den betrachtungen und beschlüssen des familienraths und dessen genauere controlle unter der obern aufsicht und leitung des kreisgerichts und des öffentlichen ministerii
    1818 Landsberg,Gutachten 226
III von Strafen: strenger, schärfer; obere Acht wie Oberacht (I) 
  • wert he's verwunnen, man dut ine in overachte [aL. in die obere achte], als of he jar unde dach in achte hebbe gewesen
    1224/35 (Hs. 1369) SspLR. III 34 § 3
  • hir vrag wedder ... als oft he lichte in overachte [aL.: in die oberen achte; in overtal] gedan were unde also unecht were worden
    um 1335 RichtstLR. 24 § 2
  • swer sich ûz der âchte zûhet und rechtes nicht en phlicht, wirt ers verwunden, man tût in in die übere âchte, als ab her jâr und tag in der âchte habe gewesen
    nach 1363 Ssp.(Leipzig) LR. III 34 § 3
  • ober bedeutet in einigen woͤrtern der rechtsgelehrten, repetitionem actionis, uͤber das vorige
    1741 Frisch II 26a
IV obere Zahl zugemessener Stand? (Teil der Verfemungsformel)
  • so verweine und vervören ich in als recht ist, und neme in auss der rechten zall, und setze und wyse in die von rechtenn zale, und neme in wyss der obern zale und wyse in in die nydern zale, und wysin von allen rechtenn wart, das er ye gehatte, sint der zeyt, das er vss der tauffe gezogen ward
    vor 1442 Hahn,Coll. II 634
V
oberes Fürstenrecht Gerichtstag und Verfahren der schlesischen Stände bei Erbfolgestreitigkeiten
  • dieses judicium nun wird das obere fürstenrecht genennet und ist inappellabile
    vor 1741 CDSiles. 27 S. 358
VI oberes Eigentum dominium directum, obere Gewalt Hoheit, Herrschaftsgewalt, obere Hand Gerichtsgewalt
  • in den saken, de an hals unnd an handt, an blaw unnd an bluet unnd an eede rörende sindt ... dar sall de erbare raeth tho Riga allewege dat overste recht unnd de overn handt anne hebben
    1463 Stieda-Mettig 407
  • weder der lehnsherr noch der vasall hat in dem lehen das völlige eigentum, sondern dasselbe ist zwischen beiden dergestalt geteilt, daß jenem das obere oder grundeigentum, diesem aber das niedere oder nutzbare eigentum zusteht
    1757 RechtVerfMariaTher. 663
  • das gesamte reichsgebieth ist in particularstaaten getheilt, deren jeder, zwar in subordination unter der höhern reichsgewalt, doch als staat durch seine eigene obere gewalt regiert wird
    1804 Gönner,StaatsR. 54
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):

Ober

, m.

Vorgesetzter, Obrigkeit
  • so spricht babst Benedictus, in hab babst Johannes nit zu vordern, ... ob er in vorder als ain ober, so er nit sei sein ober, wann er sei oberst und höcher dann der tiefe Johannes
    1450/68 AugsbChr. II 62
  • item das ain amptman oder waibel alle gebott, fraͤvel und bůssen in den gerichten melden sol und ainem vogthern sagen, och die recht vertigen [späterer Zusatz: so man in das haͤist, sin ober bim aide]
    nach 1475 SGallenOffn. II 96
  • so haben wir [Erzbischof v. Mainz] als ir rechter ober und her ... dise nachvolgende ordnung ... auffgericht
    1528 Krautheim 197
  • war auch kein ober nicht gesetzet zum regiren
    um 1650 Schlesien/GermAbh. XI 190
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):