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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Obergericht

Obergericht

, n.

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im Md., Mnd., Nl. formal von Übergericht nicht zu unterscheiden; Belege mit der Schreibung -u- sind Übergericht zugeordnet

I Gericht für schwere Straftaten, Blutgericht, Halsgericht, Hochgericht (III 2) 
  • wo sich aber in den gemelten clöstern vorwerken oder höffen etwas begebe, dasz durch obergerichte straffwürdig seyn würde, darinn sollen sich gemelter fürsten ... ambtleute ... halten
    1479 QuedlinbUB. II 11
  • waͧ eß das blůt und ander groͧß bůssen antrifft, das sol für ainen raͧt zů Eßlingen gewist werden, der das obergericht ist
    15. Jh. WürtLändlRQ. II 151
  • frevhell unnd mißhandlungk, die obir- adir halßgerichte betreffende
    1504 KamenzUB. 153
  • [daß er] die morderin ... bestetigt hat in seinem gerichte und die frauen furpas geantwort hat in die obergericht 
    vor 1524 LeipzigSchSpr. 314
  • zum sibenden gestehen der rat zu G. den von R. keyne obergerichte auch im stetleyn nicht
    1543 NLausMag. 71 (1895) 60
  • hoͤhere oder groͤssere bruͤche und mißhandlung sollen in die ober-gerichte gehoͤren
    1550 CAug. I 31
  • was zu ober- und nieder- oder erbgerichten gehoͤret
    1550 CAug. I 31
  • die verschiedene gattungen des gerichts-zwang, als nemlich jurisdictio superior, das ober-gericht ... die nieder-gerichtbarkeit ... jurisdictio territorialis, die grundherrliche hohe obrigkeit und was dergleichen mehr, koͤnnen in diesem werk ... besehen werden
    1752 Greneck 1
II hier insb. das Appellationsgericht, die Berufungsinstanz eines niederen (III) Gerichts, zugleich als erste Instanz für höhergestellte Personen oder Klagen mit höherem Streitwert
  • daruff han borgman und scheffin gesprochin von erß obergerechtes underwisung wegen
    1459 B. Schoofs, Die Gerichtsverf. der Stadtgerichte Homberg an der Ohm und Grünberg ... (Diss. jur. Köln 1973) 64 Anm. 1
  • wa aber die hauptsach zehen pfundt heller ... so soll dem appellieren erlaubt sein, fuͤr ain obergericht, vnnd nitt weitter
    1510 Reyscher,Stat. 113
  • ist der vater, der ein uneelich man geporn ist, verschieden. der hat nach sechsischem recht auf sein weib nichts geerbt, ... sunder das gut ist alles dem obergericht verfallen
    vor 1524 LeipzigSchSpr. 128
  • die gemainen recht in appellation ... ain sonderlich zeit und zyll benennen, darinn ain yeder ... sich fuͤr das ober-gericht berueffen mag
    1532 SalzbBergO.(Lori) 234
  • wer sich daeselbst zo recht ergeven will, sal dem schoultiss burgen ader gewisheit stellen, der saichen aldae vurgericht uiss zu warten und ain geyn anderen overgericht dan vilgemelter frauw abdissen camer appelleiren
    1541 NrhArch. 3 (1860) 252
  • das die ko.n. gerichte die obergerichte sein des landis vnd der stadt
    vor 1542 GörlitzRatsAnn. III 156
  • nach dem dise jwe tosprache ... vor dem overgerichte und nicht vor dem neddergerichte angefangen
    1549 RevalRatsurtb. 168
  • daß von etlichen hofgerichten an das cammergericht und aber von dem cammergericht an kein ander obergericht appelliert ... werden soll
    Mitte 16. Jh. RKGO.(Laufs) S. 26
  • daß ein jeder, dem also auf sein ansuchen nicht, wie sich gebürt, verholfen, sonder das recht kündtlich versagt ... gewalt haben soll, das nechst obergericht, oberkeyt oder herrschaft umb rechtlich hilf zu ersuchen
    1555 RKGO.(Laufs) II 26 § 1
  • ob die richter all zweyfelten, so sollen sie nit sprechen, das sie die sach für ein ander oder obergericht schieben wöllen, sonder der sach und urthel ain bedacht nemen und bey andern gerichten oder personen rath suchen
    1558 WürtLändlRQ. I 673
  • doch ist das gericht der appellation stat zugeben nit schuldig, sonder mag auf ansuchen der parthey fuͤrfaren als lang biß jnen von dem obergericht verner zuhandeln inhibirt vnd verpotten würdet
    NürnbRef. 1564 X 1
  • wer aber von unsern am ober-gericht gesprochenen urtheilen an unsern gnaͤdigen landes-fuͤrsten und herrn appellirt, welches denn maͤnniglichen, ausgenommen in peinlichen faͤllen, oder ehesache-faͤllen ... offen stehet
    1577/83 LünebRef. 647
  • [es] sei das gogericht auf dem D. fur das obergericht des sutholtischen gerichts gehalten worden
    1588 JbOldenb. 15 (1906) 254
  • welcher underthon von dem nidern für das obergericht appellieren will, derselbig soll für der oberkeit hofgericht, so zu desselben zeit gehalten werden, appellieren
    um 1600 WürtLändlRQ. II 341
  • die ordinari, oder ordentliche gerichte sind zweyerley: nemlich civil oder buͤrgerlich als das nieder- und ober-gerichte, und dann criminal oder peinlich
    1606 StadeGO. 291
  • als veel persoonen onder verscheyden gerichten syn geseten, die om een saecke aengesproken werden mogen, soo magh der heyscher die al voor een overbanck, oft behoorlyck overgericht in recht betrecken
    1619 GeldernLR. V 2 § 5
  • ober- und erbgerichte, ... die seynd im dorfe, feld und seiner flur mit aller ober- und niederbothmäßigkeit dem herrn ... berg-rat ... zuständig
    1631 LampertswaldaErbr. 21
  • [schwedisches Kriegsrecht] so verordnen wir bey unserer armee ein unter- und ober gerichte 
    1632 v.Frauenholz,Heerw. III 1 S. 411
  • es moͤgen aber die parten, welche sich durch des nieder-gerichts spruch beschweret finden ... an das landgericht fuͤrm ritterschafts-hauptmann, als praͤsidenten, appelliren, und darauf die appellation ... beym ober-gerichte introduciren
    1650 EstRitterLR. 169
  • wann aber von einer unserem koͤnigl. ober-gericht nicht subordinirten instanz ... ein urthel gefaͤllet wird, so solle keine provocation, sondern nur der gnaden-weeg erlaubet seyn
    1707 SudetenHGO. Art. 21 § 3
  • dagegen die ober-gerichte eben keine ober-appellations-gerichte, sondern jeder stadt oder dorff angewiesene gerichte waren, wo sie in zweifelhafften fällen sich raths erholen, oder die partheyen wegen beschwerung über ergangene urtheile hinweisen konnten
    1752 Sattler,Würt. 144
  • ober-gerichte sind die hoͤhere instanz, wo allerhand rechts-haͤndel entweder per modum simplicis querelae oder durch den weg der appellation angebracht, eroͤrtert und entschieden, auch schwere verbrechen geruͤget, untersuchet und bestrafet werden
    1760 Hellfeld III 2199
  • die pfaͤlzer-kolonie zu Stendal aber, weil sie mit der dortigen französischen kolonie vereinigt ist, erkennt das obergericht zu Berlin als zweite instanz
    1785 Fischer,KamPolR. I 383
  • der zweite und dritte senat formirte sich aus dem theile des kammergerichts, der zeither das gemeine obergericht, das hoͤchste tribunal der Kurmark genennt worden war
    1785 Fischer,KamPolR. II 49
  • obergerichte ... es sind das solche gerichte, welche die gerichtsbarkeit in der zweiten instanz besizen. es gehoͤren daher alle die hof- und appellationsgerichte hieher, die noch oberhof, oberappellationsgerichte und tribunale uͤber sich haben
    1785 Fischer,KamPolR. II 56
  • von den sachen so in erster instanz vors ober gericht gehoͤren
    1786 Gadebusch,Staatskunde I 8
  • von allen diesen gerichten ... gehen die appellationen in der zweyten instanz an den rath, als dem staͤdtischen obergericht 
    1786 Gadebusch,Staatskunde I 94
  • [Oberappellationsgericht] diesem obergerichte stehet die aufsicht uͤber die saͤmmtlichen appellationsgerichte unsers reiches zu
    1808 Pölitz,Verf. I 1 S. 108
  • daß er [Staatsschreiber] fuͤr sich und in absicht aller, kraft seines amts bewirkender, handlungen seine dienstpolizeyliche und richterliche behoͤrde des ersten rechtszugs bei dem obergericht der provinz, der er angehoͤrt, zu suchen und zu finden habe
    1809 SammlBadStBl. II 316
  • die gerichtsbarkeit geht vom könige aus. sie wird unter seiner oberaufsicht durch eine geeignete zahl von aemtern und obergerichten ... verwaltet
    1818 Bayern/QStaatsR. 79
  • bei dem holsteinischen obergerichte fielen die besonderen benennungen oberamts- und kanzeleigericht weg
    1823 StaatsbMag. III 164
  • sind in Bayern die ober- oder appellations-gerichte fast allein auf die entscheidung streitiger rechtsfälle beschränkt
    1829 Puchta,Justizämter I 19
  • für den ganzen canton besteht ein obergericht von eilf mitgliedern ... das obergericht ist die höchste behörde für rechtssachen
    1831 Zürich (Kt.)/QbSchweizVG. 256
III
die Gerichtsbarkeit eines Obergerichts (I und II), insb. mit ihren finanziellen Erträgen
  • wer dasselbte forwergk G. hinfur besiczen wirdet [soll] die obirgerichte im forwergke vnde in den czewnen mit den czinsen ... haben
    1452 HMeißenUB. III 107
  • hath dye konigliche stad G. dye obergeherichte jm gantzen wigbilde ... also das alle pynliche sachen vnd vngerichte nergent anderßwo denn in der stad G. ... vor dem stadrichter do selbist mußen gefordert werden
    1484 Neumann,MagdebW. 153
  • [3 Dörfer] dorauf dem probst die obergericht zcustehen
    1545 LeipzUnivUB. 583
  • [wir] haben in namen eines bestendigen unwiederruflichen erbkaufs ... erblichen und ewiglichen abgetreten, aufgelassen und ubergeben, die geschosser und obergerichte auf den dorffen P., D., Sch.
    1575 SchlesDorfU. 275
  • zu dem ober und halsgerichten gehoͤrt nemlich ketzerey, zauberey, kirchenbrecher, rauberey, mord, mordbrand, blutschand, notziher, wegelagern, friedbruch, ehebruch, vergifften, verrath, meineyder, aufruhr [usw.]
    1589 Sachsen/Wiesand 787
  • im felde ausserhalb des dorfs seint die obergerichte des ambts, inwendig den zeunen gehoren solche sambt den erbgerichten gegen W.
    16. Jh. MittSächsVk. 1, 3 (1897) 13 Anm. 3
  • die ober- und niedergerichtt gehören dem stifft allein zue vermöge ihres ... von der kay. maj. erlangten erbbriefs
    1601 SchlesDorfU. 310
  • [Kaiser Rudolph verkauft einem Stift] die ober- und nieder-gerichte zusampt allen awrechten in den dörfern und dero gärtten, wo das stifft zuvorn solche ober- und halszgericht durch sonderliche privilegia ... nicht gehabt
    1601 SchlesDorfU. 311
  • das wir ... unnsere herrschaft ... verkhaufft haben ... mit ober- unnd nidergerichten, hohen und niderjagten
    1605 Zivier,SchlesBgw. 360
  • 67 mann im stedtlein M. darüber vnsern gned. herrn obergerichte, volge, steuern u.a. fürstliche hoheiten zustendigk
    1625 NMittThürSächs. 21 (1903) 60
  • es sol sich aber keiner der obergerichte anmassen ..., es sey ihm dan solches zuvor von uns ... verlihen
    1627 BöhmLO. T 26
  • die obergerichte und oberherrschaft über solche stadt ... mir ... unverletzt vorbehalten
    1639 Wuttke,Städteb. Anh. 15
  • es soll kein landsaß, welcher mit denen ober-gerichten beliehen ist, zu hegung des peinlichen gerichts, oder hebung derer leichen ... die hof-gerichte zu requiriren schuldig ... seyn
    1674 CAug. III 279
  • ein allodial-guth ... mit ober- und unter-gerichten 
    1748 SchlesDorfU. 122
  • die verschiedene gattungen des gerichts-zwang, als nemlich jurisdictio superior, das ober-gericht, jurisdictio inferior, die nieder-gerichtbarkeit
    1752 Greneck 1 Anm. a
  • verschiedene gattungen des gerichts-zwang, als nemlich jurisdictio superior, das ober-gericht, jurisdictio inferior, die nieder-gerichtbarkeit, jurisdictio criminalis, das peinliche gericht, jurisdictio territorialis, die grundherrliche hohe obrigkeit
    1752 Greneck 1 Anm.
IV Gerichtsbezirk eines Obergerichts (I) 
  • er [der echter] wirt ... rechtlos gemacht, also dieweile er in der ocht, das er am leben vnd tode jn den obirgerichten, so weit sich die erstrecken, keyn recht hat
    1509/16 GörlitzRatsAnn. I/II 61
V Bannbezirk einer am Oberlauf eines Gewässers gelegenen Bannmühle 
  • ein müller der die muhl bestanden hat ... der soll kommen in dasselbe bestendnuß und soll bringen seine säck und soll gehen da sein gericht angehet ... und wan der müller kombt und bringt das mehl, so soll die frauw ihr gefäß da haben, und ihm sein säck entledigen. das ist das obergericht 
    1590 ArchHessG.2 3 (1904) 139
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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