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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Oberhand

Oberhand

, f., Überhand, f.


I in einer Hierarchie die jeweils übergeordnete Stufe, zB. Obrigkeit (II), (Lehns-)Herrschaft, Hochgericht(sbarkeit), Appellationsinstanz, Vormundschaft
  • wer sich auch doselbst beschweert betunkt, der mog die selben vrtheil ferner an ein thumbprobst, als die rechten oberhand ziehen, der mag denn syn eigen richter zu ime setzen
    1403 Schauberg,Z. 2 (1847) 72
  • die selben gůter lehen sind gewesen von ... graͧff H.v.L. ... von der oberhand, dar naͧch von mir ... J.v.G. von der underhand
    1426 SchwäbWB. VI 233
  • sye doch unser herr von T. die oberhand gewesen, und beruͤrtint oͮch die gerichtt von im ze lechen dar
    1437 SGallenOffn. II 509
  • sol er die andren gericht zühen gen B. für die ober hand 
    um 1450 SGallenOffn. II 222
  • will einer vngehorsam sin, mag er [juncker] die oberhannd ankomen, vnnd inn ... zwanggehörig machen
    1472 Zürich/GrW. I 125
  • vnd stellen das zcuerkennen an die vberhant des gerichts eynen ersamen rath zcu Erffurt
    1487 ErfurtRatGB. 376
  • an solchen bußen hab die oberhandt vnd derselben statheltter keinen teil
    1489 StStephanWürzbUB. ErgH. 72
  • wart hie durch die oberhandt geordnet ..., mit dem kreutze ... zu wallen gen G.
    1490 WürzbDiözGBl. 23 (1961) 59
  • wie ettlich stuck von der herrschafft komen, versetzt und verendert sient, one verwilligunge der oberhant 
    1491 Schöpflin,AlsDipl. II 429
  • wir ... vorsprechin ... diese ... vorschreibung ... vnnverbrüchlich zw haltin gleicherweyse ..., als ob sollichs alles von der oberhandt confirmirt ... were
    1494 WasungenUB. 52
  • das die appellacion vnd berufungen von vrteylen, zu H. gesprochen, ordelich an graue W., sin ... nachkomen, vnd obe von den selben ... wyter appellacion vnd berufungen not wurde, dannenthin an die oberhandt geen sollent
    1496 FürstenbUB. IV 188
  • die höheren buoßen ... so der oberhand zuostand
    15. Jh. SchweizId. XIII 360
  • ob aber sach were, das einer vermeinte beschwert sin mit der urteil, die mag er zühen für gemein grafschaft Kyburg oder appellieren für unser gnedigen herren von Zürich als die oberhand und nit wyter
    1502 ZürichOffn. I 212
  • offenlich in branger gestelt, bede oren abgeschnitten vnd des lands biss auff kundtliche erlaubung der oberhandt verweyst werden sol
    1507 BambHGO. Art. 223
  • wenn aber derselben stoͤt magistrat oder burger irn herrn widersaͤssig ... haben [sie] nit macht für sich selb ane der oberhand gunst ainich bintnus, satzungen oder ordnungen zůmachen
    Layensp. 1509 C 5r
  • die weltliche oberhant 
    1514 Riedner,SpeierGeistlG. 138
  • das were widder gebruch des rechten, das do vermocht, das ein iedes gericht sinen gezog fur sin oberhanndt haben solt; dwil dan das gericht zu K. dem stifft zu A. zustunde, und ein abtissin ein schultheissen da zu setzen hett, so were billich, das fur sie als die oberhanndt geappelliert werden solt
    1519 SchlettstStR. 174
  • welcher aber von vns oder dem stattgericht, so die ansprach über zwentzig guldin louffet, für die oberhand ... geappelliert hette
    1520 FreiburgStR. I 11, 9
  • einer stat oberhandt soll ein graff sein
    1521 Eberlin v.Günzburg I 122
  • tutores dativi, das sein die vormund, die von uns, dem rate als oberhant, aus guten ... ursachen ... gegeben werden
    1521 WindsheimRef. 145
  • daß hinfuro vnser hofmeister ... den supplicirn an den beklagten pfleger, richter oder sein oberhand onmittel weise
    1525 AmbergKzlO. 33
  • do schryen sie: "woe ist unser oberhand, die frid gebieten?"
    1525 Fries,OstfrkBauernkr. II 176
  • was mir [burgermainster] von der oberhandt oder in rath befolhen ... wurdt
    1526 MosbachStR. 591
  • das ainer oder mehr, sich ... mit wortten wercken schrifften ... horen ... liesen, das zu vngehorsame der oberhand zu auffrur oder empoͤrung ... dienet
    1527 ArchUFrk. 3, 3 (1836) 147
  • dann ich mich ... der gemeinen recht und sunderlichen freiheiten, von der oberhand oder sunst aufgesatzt und gegeben ... begeben habe
    1528 Franken/Sehling,EvKO. XI 109
  • welcher meister, desgleichen ire süne und knecht mit gewalt handel wolten, der kertzenmeister gebot und verbot, was in dann von der oberhandt ir handwergk betreffendt befolen ist, nit halten würden
    1528 UFrkFischerei. 232 Anm.
  • wellicher den anndern vom leben zum thod brynngt mit sin selbs gwalt vnnd er betretten wirt, soll baar gegen baar gericht vnnd der oberhannd das gut vff gnad zubekennth werden
    1534 Zürich/GrW. IV 343
  • das solcher leüt vil vnder dem adel weren, die also jhr freyheyt hoͤher, dann der oͤberhandt gepott achteten
    1534 Schwarzenb.,Zutrinken 21
  • bin ich [Pfarrer] awf die kanzeln gestanden, hab das evangelium gesagt, hab sihe [Unruhestifter] darfür gebetten, mich bey alter cristenlicher verordenung pleiben zu lassen, wue aber solchs nit mog sein, muß ichs bei der oberhand anzeigen
    1535 Franz,BauernkrAkt. 341
  • ob aber einer sin fach mit fräfner hand hinder dem vorster neme, dem sol ein vogt zu stund gebieten die try schilling vszerichten, vnd vm den fräfel der oberhand an ze gäben, damit er gestraft werde
    1536 Zürich/GrW. I 134
  • wellicher ... sollichs sicht ... der soll das angeben und laiden der oberhand unverzogenlich
    1543 SGallenAbteiRQ. II 1 S. 75
  • das ein rath einen buͤrger zu unvorpflichter bezalung dringen will, und derselbe buͤrger die summa geldes bey die oberhandt im gericht in Gotha hinderlegen thut
    1546 GothaStR. 296
  • die ankleger sollen die oberhandt darumb ersuchen und den ubelthätter ... für gericht bringen
    1546/61 Boxberg 791
  • gehört die straf der oberhand von den acht alten orten der eidgnossenschaft
    1550 Argovia 4 (1864/65) 328
  • wellichem das land verpotten ist, mögen umb ir gut nit klagen an erlaubung der oberhand 
    1558 WürtLändlRQ. I 669
  • perßonen, die unter keinem veterlichen gewaldt oder oberhandt mehr und sich miteinander verlobt ... hetten
    1563 Kurpfalz/Sehling,EvKO. XIV 301
  • vnß beyden stetten als der oberhand 
    1570 MurtenStR. 410
  • imperium, herrschafft, die oberhand, das reich
    1571 Roth 317
  • nachdem vnnd inn den appellierenden beschwerten an die oberhand durch geystlich vnnd weltlich recht zu widerbringung ihrer belestigung heylsamlich befunden vnnd miltiglich zůgelassen ist
    TeutschForm. 1571 81r
  • wann einer vor gericht ze thund hat, der soll sich erbarer worten gebruchen; dann der das nitt thäte, soll dem gericht 1 ℔ verfallen sin. es möchtend aber die wort so grob sin, ein gericht wurde ine der oberhand höher ze straffen zubekennen
    1579 LuzernRQ. I 401
  • alles wie deß hailligen reichs vnd diser herrschaft auch oberhandt hochgerichtl. gewohnhait ist
    1600 Günzburg/Schuhmann,Scharfrichter 115
  • so einer in der gemeind ... schaden thete, so hatt ein gemeind den selben an ein pfund zů straffen, es möcht einer so vnbürlich handlen, es stünd dann an einer oberhand 
    1601 Zürich/GrW. I 99
  • wo iemants wider den andern sprich ze sözen vermaint, der soll es vor der geordneten oberhand thuen und alda rechts erwarten
    17. Jh. Salzburg/ÖW. I 184
  • wann nun ein frembder auslaͤndischer ... zum meister angenommen wird, so soll derselbige zehen gulden, darvon uns, wegen der oberhand, der halbe theil, und der ander halbe theil dem handwerck ... erlegen
    1715 BadLO. 262
  • die herrschafft und oberhand solcher guͤter
    BöhmStR. 1720 Tit. F 40
II
Leitungsfunktion
  • die vrome here ... die van den heere van Brabant ghemeenlic hadde doverhant 
    14. Jh. MnlWB. V 2171
  • diesen schragen zu mehren oder zu mindern, die ober-hand vorbehalten
    1578 Gutzeit,Livl. II 300
  • zwene geschworne meistere, ... die also die oberhandt im handtwergk haben sollen
    1584 EgerZftO. 21
  • hefft he [koning] doch eine averhandt unnd superintendenten upsicht gehat
    1598 Neocorus,Ditm. I 288
III Vorrang
  • daß er dem herrn general ... allezeit die præ-ordre und oberhand lassen moͤge
    1668 Lünig,CJMilit. Anh. 177
  • befehlen wir ..., dass ihr ... so wohl caplane als auch schulbedienten mit zuziehung und vollwort des inspectoris daselbst vociret, auch denselben in unterschreibung der ausstellenden vocationen billig die oberhand gebet
    1678 DZKirchR. 15 (1905) 426
  • daß bey visiten die kaͤyserl. commissarien den churfuͤrstl. gesandten, aber nur einem die oberhand, auch den titul excellenz geben solten
    1719 Lünig,TheatrCerem. I 1412
  • der so die visite gibt, hat die ober-hand 
    1738 Moser,StaatsR. II 357
  • [im Zeremoniell:] endlich ist auch das ausgemacht, daß ein jeder anderen, die seines gleichen sind, in seinem hause die oberhand laͤßt
    1765 Pütter,JurPraxis I 213
IV Übermacht
  • daz ouch ir ie alsô gar / diu armuot oberhant gewan, / daz weste lützel ieman
    um 1180 Hartm.,Erec(Leitzmann)3 V. 422
  • [im gerichtl. Zweikampf] nemet Morant overhant 
    1220/30 Morant(Frings/Linke) V. 2979
  • gewinnet er dîn oberhant, / sô bist dû bürge unde phant / für alle die im haben genommen
    2. Hälfte 13. Jh. Helmbrecht9 V. 351
  • welher den andern angrift in einer trostung, wirt denn der, so angriffen wirt, der waͤger und oberhand gewint, was der dem andern so angriffen hatt, tůt, darumb sol er nieman nûtz ze antwurten han
    1454 Niedersimmental 44
  • aldo ist uns fürbracht, wie man in etlichen unsern gerichten nit wol frid noch sün muge gemachen und die früntschaften ainander darzu sterke geben, damit sy ain gericht und gewalt die oberhand gewinnen und villicht jedikainer dardurch von land kome
    1498 GraubdnRQ. II 94
  • woͤlcher ouch den andern angrifft in zornigem můt mit fraͤvener hand ... und nit pillich ursachen haͤtt, und der oberhand gewint, so angriffen ist, und was er dan dem andern tůt, der inn angriffen hat, ussgenomen den tod, darumb soll er niemand zů antwurten haben
    1521 InterlakenR. 295
  • deshalb büt er in' für das gricht. / was nun ein ieder daruf spricht / und welcher teil nem überhand, des werden ir han gůt verstand
    1548 Manuel(HR.) 309
unter Ausschluss der Schreibform(en):