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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Oberherr

Oberherr

, m., Überherr, m.


I in einer Hierarchie übergeordneter Herr, zB. Landes- oder Gerichtsherr, Schutzherr (offen zu III), Zunftvorsteher, Mitglied der Oberverwaltung, oberster Beamter (beim Bergbau), Hausherr (I) 
  • dat hire sinen seghel ane dowe hanghen alse ouer here omme de mierre ghestadecheide
    1277 CorpMnlTekst. I 338
  • weme dy urbarer [aL.: oberhern] mit rate der gesworen us der stat czunehst dem bergwercke icht vorlyhen
    Ende 13. Jh. IglauBergR. 283
  • al vser rechten saken scal vse here de konnich van Denemarken eyn ouerhere wesen
    1314 MecklUB. VI 74
  • onsen ... heere ende prince als overheere 
    um 1350 CoutFrancBruges II 117
  • die schöffen weisen fürter zu recht, dasz ein reichsfaut desz heiligen reichs uf Triefelsz sei ein oberherr desz gerichts zu richten mit dem strank und mit dem schwert yber ybelthäter
    1382 GrW. V 563
  • fulit ... der beswerte man, daz em der herre nicht bystehn wolle, er mag is sinem obirherren ouch vorlegen
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 245
  • ab eyner obir eynen richter clagen welde sotaner vor gerurten sachen? ... her sal is clagen des richters obirherren 
    um 1400 LiegnitzStRb. 98
  • ich, alse ein uberhere uff demselbin erbe
    1447 KamenzUB. 221
  • ist ... das mer worden, das die fryweibel soͤmlich růf und gebot in miner gnedigen herren hohen grichten wol moͤgind tůn als die oberherren 
    1470 Twingherrenstreit 22
  • so abir ... dy sachen uff scheydeßrichter, uff schult unde uff antwert zcu entscheyden, befolen sint worden von deme obirhern 
    1474 PössneckSchSpr. I 146
  • dat wy den ouerheren vnde alle den, dy der goider to doende hebben an schote, an deynste willen doen wes vnß gehoͤrt
    1484 DrübeckUB. 130
  • woͤlche vͥnnser burger an vͥnnser oberherren oder deren voͤgte wirbet oder schaffet dhein sach, die wider vͥnnser stat frighait recht vnnd gewonhait ist
    1485 MellingenStR. 328
  • herr Ph. graf zu H. als der oberherr und waldbott
    1493 Wetterau/GrW. III 491
  • wanner eyn coͤpmann mit deme anderen schellafftich worde unde denne sulvest ... by jenigen averheren beschaffede ..., den olderluden durch desulven averheren to vorbedende, in der sake nicht to richtende ..., dat desulfften coͤpluͤde ... scholen darmede der henze ... rechticheit vorbort ... hebben
    1498 HanseRez.3 IV 92
  • der hofherr ... als ein oberherre 
    15. Jh. Burckhardt,Hofr. 105
  • warth dosuluest gefunden, wer in deme schomborgeschen wolde berechticht sy. de greue van Schaumborch to einem oberhern vnd de in dem karspell van Frilde höfe hebben vnd beseten syn
    1501 Freudenstein,WaldSchaumburg 77
  • ein spittelmeyster soll jerlichs sweren ... einem schultheissen vnd rath, als oberhern des spitals zů Rh., desselben nutz vnd eere altzeit ze fürdern
    1530 RheinfeldenStR.(SchweizRQ.) 216
  • solches haben auch gericht, raht und ganze gemeindt daselbsten ... bekendt und beid vauthsherrn ... für ihr recht oberherren erkandt
    1537 Neckarsteinach 377
  • sollen ... vnseren g. herren vnd obren der statt Bern ... als oberherren des lands belyben all trostung- vnd fridbruͤch
    1541 ArgauLsch. I 112
  • im weltlichen regiment hat man oberherrn ... so von gott dazu ... beruffen sein
    1542 Calenberg-Göttingen/Sehling,EvKO. VI 2 S. 729
  • gott wil die oberherrn, sie seien böse oder gut, geehrt haben
    vor 1546 Luther/DWB. VII 1091
  • die uberherrn haben gewalt
    vor 1546 Luther (Mt. 20, 25)/Lindmeyr,Wortsch. 93
  • sieben churfürsten im außschutz / die wehlen zu gemeinem nutz / ein haupt, das man den keiser nennt, / der wird der oberherr erkennt
    1546 HistVolksl.(Lilienc.) IV 304
  • etliche halten, das der vndersass inn sachen seines oberherren nicht muͤge gezeugen
    1561 Rotschitz 37v
  • soll sollich der belaidigt ... vor dem gerichts oder oberherrn beklagen
    1574 SteirPGO. III 1
  • wir, als als der erb-, ober- vnd eigenthumbsher des closters
    1596 IlsenburgUB. II 361
  • baußen landes, da frembde ober-herren sindt
    1599 DirschauWillk. 43
  • ihren angebornen erb-, ober- und landhern 
    1599 Ostfriesland/Sehling,EvKO. VII 1 S. 428
  • ein jeglicher mann soll oberherr in seinem hause sein
    16. Jh. Mathesius II 194
  • könden die kinder ihre eltern enterben, wan vater, muoter oder andere eltern ire kinder uebergeben und außerhalb des lasters belaidigen hals- und oberherren in tod bringen oder antwurten wolten
    1609 Vorarlberg/ÖW. XVIII 332
  • weisßet die gemein, das ein abt zu L. oberherr sey vber [einen bach]
    1614 PfälzW. I 305
  • darauf sollen bey einer jeglichen zunft der ober- und rathherr auch zunftmeister ... zusammenkommen
    1617 Schmoller,StraßbTucherZft. 244
  • dasz also unsere könige, fürsten und oberherrn unter dem last der dienstbarkeit getrungen, allein der bapst herr und erb der gantzen welt seie, er allein sei der oberfürst und das haupt
    1619 DWB. VII 1085
  • dan die reichsständ alle einen oberherrn, namblich den keiser erkennen
    1696 Büeler 63
  • auf gleiche weise ist der oberherr eines staats der obrigkeitlichen gewalt des andern, dessen land er betritt, nicht unterworfen
    1757 RechtVerfMariaTher. 304
  • wer ein erbherr ist, ist auch ein oberherr 
    1792 Eisenhart 635
  • ein befehl ist uͤberhaupt die willenserklaͤrung, wodurch ein oberherr den ihm subordinirten personen zu erkennen giebt, was sie thun oder lassen sollen
    1799 RepRecht III 134
  • die obrigkeit hat jederzeit eine gewisse gerichtsbarkeit, welche sie im namen des oberherrn ausuͤbt
    1803 RepRecht XI 148
  • seitdem ... mit auflösung des deutschen reichsverbandes ein theil der landesherrn in die rechte der souverainität getreten, ein anderer diesem unterworfen worden ist, gilt die bürgerliche unsträflichkeit von allen deutschen oberherrn 
    1808 Feuerbach,PeinlR.4 30
II
(oberster) Lehnsherr (I) 
  • dodet en man sinen herren, he hevet verwarcht sinen lif unde sin ere unde dat gut dat he van eme hadde. dit selve verwerkt de herre, of he sinen man dodet, unde de overherre ne mach sine kindere mit deme gude an den herren nicht weder wisen
    vor 1270 Ssp.(Eckh.2)LR. III 84 § 2
  • wil aber der oberherre dem man daz gůt lihen, daz sol er gerne von im enphahen
    um 1275 Schwsp.(L.) Lehnr. Art. 32
  • mijn here ... die ouerhere es van den vorseiden lene
    1291 CorpMnlTekst. I 1559
  • do ok de man, eft sin here sik jegen sinen overheren vorsumet hedde, also eft de overhere sineme heren sin gud to lenrechte afgedelet hedde, edder eft dat sin here upgelaten heft; so mod em de overhere vorwisen binnen jar unde dage
    2. Hälfte 14. Jh. RichtstLehnr. 24 § 7
  • mach oec die overhere ghetughen dat syn man hem dat goet opghelaten hebbe
    Anf. 15. Jh. NlSsp. I 128
  • daz wir als eyn rechter obirherre ... unsir dorf yn ... von nuwens ... geben wollin
    1419 MansfeldKlUB. 210
  • vnse gheld ... an dem haluen tegeden ... alse wy van ... den ... hertogen to Brunssw. ... alse des ... gudes ouerhern dar vpp hebben
    1427 CalenbergUB. VIII 119
  • itlike goidere ... de H. ... mit willen ... siner sone unde des gudes overhern ... vorpendet hebben
    1444 HildeshUB. IV 466
  • der oeverhere is alletzit schuldich, gewalt aff tzu doyn dem leynhere, als deck he des noit hait
    1456 Loersch,AachRdm. 146
  • welle ouch von minen gnedigen herren oder andren personen, so der lechen ober herren sind, enpfachen
    1465 BernStR. VII 1 S. 197
  • sint solliche gutter deme obirheren vorlediget unde hat der obirhere solliche gutter [dem] W. ... gelegen
    1474 PössneckSchSpr. I 270
  • die [leen-herr] sal hen beyden eenen dagh bescheyden, ende daer by hebben een deel van sijnen mannen of van sijn over-heeren mannen
    1531/61 Kennemerland 185
  • leengoederen ende alle vordelijcke goederen by vercoopinge behouden altijt den overheer zijn recht
    1544 Amersfoort 333
  • von solchen muten, bestaͤttigen und quatembergeldern aber seyn billich exempt und befreyet, welche auf ihren eigenthuͤmlichen guͤtern den eisen-stein unnd daruͤber, in der belehnung des ober herrn, special concession haben
    1673 Span,Bergurthel 8
  • das afterlehn erreichet seine endschaft ... durch felonie, welche der afterlehnmann entweder wider seinen oder den oberherrn begeht
    1798 RepRecht I 319
III Herr (VI), Gremium als obere gerichtliche Berufungs- und Entscheidungsinstanz, auch Obmann (I) 
  • scholde unse gnedige here de domprovest eyn overhere wesen, dat de sake twisschen on gevlegen werde
    1463 HildeshUB. VII 289
  • fürgebrachte gerichtshendel ... an vns ratismeister vnd rathmanne ... als oberherrn gelangt
    1482/92 ErfurtRatGB. 374
  • so behalten wir denen den zug oder appellats luter vor, die sich in der vnsern vrteil beswert funden, das die vor vns als oberherren zu J. ... appelliern
    1505 ZSchweizR. 22 (1882) RQ. 47
  • wann ain urtel zu krieg kombt, sol man die dingen wie vor auch geschehen ist ... wo es ân mittel an des fürstn hof geschehen, dabey sol es besteen. wo aber ander gewonhaitn, nemblich für minder oberherrn zu dingen verhanden, daselbst hin sol es allermas geschehen
    1514 BairFreibf. 192
  • wo sich aber iemand ainicher beschwärung für uns oder unsere richter beruefen oder waigern wurde, das in allweeg wür als oberherr die ermessigung darin zu schaffen ... haben
    1530 Innviertel/ÖW. XV 43
  • der so sich dardurch beschwert vermeinet, mag alls balde zu des gerichts nechste oberhernn odder richter ... appelliren
    1530 Schenck,GerichtsO.(Günther) 31
  • sie scholden noch up den freuntliegen handell gaen und die overhern ... tho sich nemen, die sache, schelinge und gebreke in ... freuntschop vortasten
    1541 RevalRatsurtb. 105
  • so aber die vorgetragen vrsachen von den wilkuͤrlichen richtern vortraͤglich erkandt wuͤrden, soll die principal sach vor dem ... raht als oberherrn ... entscheiden werden
    1570 KölnStat. I 160
  • fragt der schultheisz: wen erkennet man für einen überherrn uf diesen tag? antwort der lehnmann: meinem gn. herrn, dem grafen zu S.
    oJ. (Hs. 18. Jh.) Hunsrück/GrW. VI 484
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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