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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Obmann

Obmann

, m., pl. auch Obleute


I Vermittler, Schiedsrichter, auch oberster Schiedsmann, der bei Stimmengleichheit der Schiedsleute entscheidet, dann auch Vorsitzender eines Richterkollegiums
  • der krieg wart gelazen an den schvltheizen von E. ... an den vogit von L. ... vnd waz da obeman der herre von V.
    1258 Freiburg im Breisgau/CorpAltdtOrUrk. I 70
  • dise vuͤre sulnt urvarn bi gesworneme eide, obe der vride gebrochen si; unde swen si schuldig vindent, der sol bessern; were aber, d(as) si unsliegent an der urteil, so ist unser herre der urwelte von Basile obeman; unde swa der heisset bessern, da sol man bessern
    1263 FreiburgUB. I 165
  • vber dise viere ist ze obeman genommen ... min herre W.
    1273 Baden/CorpAltdtOrUrk. I 213
  • si ... kvͤsent ... mittenandere einen obeman. swederthalb der gevellet, des solman bedesite gevolgig sin
    1274 Baden/CorpAltdtOrUrk. I 229
  • dirre schidelvͥte alder der obeman 
    1281 Breisach/CorpAltdtOrUrk. I 394
  • swes der mer teil der ratliute vber eîn koment, oder swaz der obeman geseit ob si missehelle weren des sullen wir gebunden sin ze leistenne
    1281 Basel/CorpAltdtOrUrk. I 403
  • zerslahent sú an deme rehte, so súlen sú uf den eit einen gemeinen obeman nemen
    1281 NeuenburgStR. 6
  • dô nam der hübsche Pârîs / sich der frouwen krieges an, / sô daz er drunder obeman / und ein scheider wolte sîn
    nach 1281 Konr.v.Würzb.,Troj. V. 1854
  • sont sich ze Costenze antwrtin, unz das si es verrihtin oder ainen obman genemen, ob si zerhullin
    1285 SchrBodensee 34 (1905) 82
  • mugent sie aber nit verslihtet werden also, so geben wir in den herzogen ... zi einem obmanne 
    1288 Reyscher,Stat. 70
  • wande sie missehelle wurdent, wande wir denne ein obeman daruber von beiden siten erkosen warent
    1294 SchlettstStR. 18
  • wir und unser oheim ... han bede site genomen zů einem obmanne ... den bischof von Spire
    1306 MGConst. IV 177
  • schidlúte und oblúte, die das us tragen nach minnen oder nach rechte
    1331 FRBern. V 789
  • weder ... vor schideluͥten noch vor obmannen 
    1335 ZürichStB. I 125
  • sol man ... daz ... guͤtlich mit einanderen verrichten; moͤchte man dez nit getůn, so sol man vier und den fuͥnften, dar zů nemen, die daz ustragen mit dem rechten; kuͥnden aber die einez obmannes nit uͥberein komen ... dar umbe sol uͥnserz brůderz und vettern lantvogt ... und der schultheis von Berne ... ein gemein man sin
    1340 BernStR. III 109
  • sol der ... bischof ze Strazberg ... der selben mizzhelung ein gemein obman sein, und zu welhen zwayn er vellet und gestet, daz sol kraft und macht haben
    1341 Frankfurt am Main/Böhmer-Ficker 539
  • wir von beiden teiln in disen sachen einhelliclich ze gemeinen obelùten erwelt vnd erkosen sint ein reht har vmb ze sprechende
    1356 RappoltsteinUB. I 542
  • sol ... derselb obman, beider teilen tag für sich geben nach gelegenheit der sachen, an gemeine stette, vngeuarlich, vnd sol ouch da ietweder teil, zwen erber man ze schidlüten, zu den obman setzen
    1359 Kurz,Rud. 329
  • solte der ammanmeister ein gemein obeman sin
    1363 Schanz,Gesellenverb. 154
  • wa die schidluͥte die sache nit ubertragen und berichten moͤchtin ane einen obman, denne sullent die selben schidlu̍te einen gemeinen obman zů inen kiesen
    1385 InterlakenR. 80
  • sy my an beyden syden gebeden und tu eyme obmanne williklyke gekoren hebben
    1392 CDBrandenb. I 7 S. 344
  • daz anderteile der ... geuellen sol man keren vnd wenden als danne die ... ehte mit sampt dem obman oder dem mererteil erkennen zugeben
    1398 MWirzib. VIII 528
  • so söllet beide ... parthyen je eine der andern geschriffte ... dem ... gemeinen obmann in sin gewarsame und sinen gewalt antwurte, derselb also dann in viertzechen tagen darnach ongeverlich beiden teilen tag für sich setzen und stellen soll
    1435 ArchSchweizG. 3 (1844) 303
  • das ... obe sü sich zweyetent einen gemeinen obeman zü in nemen sullent, und wie sü derselbe obeman mit sime sprechen entscheiden wurt, das es doby verliben und volzogen werden soll
    1438 HagenauStatB. 182
  • geb sich aber alsdan das sich vielleicht die vier oblewte ... nicht veraynen vmb solch zuspruch mochten, von welichem taile dann der clager were, der sol vnd mag in dem lande des anderen tail einen obristen obmanne kiesen, wie es denn derselb obman in sone ader rechtlichem ausstrag schaidet also sol es ... volfuret werden
    1450 UrkGeschBöhm. 2
  • einen obman oder gemeinen
    1473 ZofingenStR. 162
  • die eruordrung der tail oder partheyen, so von dem obman, ortman oder spruchleutten fuͤrgenomen werden soͤllen
    NürnbRef.(1479/84) 33, 7
  • solich ... guttern soll igliche parthey zwey bauers menner kiesen vnd iglich ein obmann vnd vmb den obmann lossen, so ferrn sie sich nit eins werden megten
    1481 ArchHessG. 14 (1875/79) 327
  • von erst sol man horen den klager vnd darnach sol man horen den antburter vnd darnach den obman 
    15. Jh. MHungJurHist. IV 2 S. 17
  • erkennen auch zweene eine meinunge, vnnd zweene wos anderst, so solten sich die vier eins obmans der beiden fursten oder keinenn verwant were, vereinigen, konten sie sich des nicht vereinigen, so solten sie vmb den obman lotzen
    1512 HoyerUB. I 390
  • darmit das eegricht fürderlich gehalten werde, habend wir zů richteren verordnet acht man ... under denen deß kleinen rhats sol einer allweͣgen zwen manot obman oder richter sin; der soll ouch beruͤffen, gepietten, versamlen, anfragen und söllichen gerichts handel, wie die notturft ervorderet, uͤben und vollstrecken
    1533 BernStR. VII 1 S. 406
  • soͤlte die kuͤnigin Agnes von Ungern ... ein gemeiner obmann sin, und einer urteil gehellen, die si bedunckte die gerechtere sin
    Mitte 16. Jh. Tschudi,ChrHelv. I 395
  • so fern aber ... die glaubiger je vf die bezalung trungen, so sollen von der oberkheit vier personen vnd ein obman verordnet werden, die bey jren pflichten vnd eiden ... dem schultner alle seine habe vnd narung schetzen
    1552 ErbachLR. 110
  • da wir ... als der bewilligte ob-mann, nachfolgender gestalt gesprochen, laudiret und entschieden haben
    1556 Sachsse,MecklUrk. 244
  • erwoͤlen wir denen einen obman vnnd geloben jnen, was sie ... sprechen vnd erkennen, dasselbig ... zuhalten
    1574 Frey,Pract. 197
  • die unterhaͤndler vnnd maͤchtigen obmanne sollen den parten keine vorsetzliche auffzuͤge machen
    BöhmStR. 1614 C 28
  • nach guetachten der obleithen 
    1649 VorarlbWB. II 586
  • obmann, ober-mann oder dritmann ist eine solche person, die aus freyer der partheyen beliebung die befugnis erhalten, ihre obwaltenden rechts-streitigkeiten rechtlich zu untersuchen, und darinnen zu erkennen
    1760 Hellfeld III 2202
  • wenn sich diese eines gütlichen ausschlags oder entscheidung durch einstimmige oder die mehrern vota nicht vereinigen können, mit zuzug eines obmanns, verglichen ... werden [sollen]
    1780 Zorn,BayrSchwabHG. 272
  • obmann am chorgericht. soll in jeder kirchgemeinde, wo kein unterbeamteter ist, der erste vorgesetzte des weltlichen gerichts sein
    1796 Obersimmental(BernRQ.) 220
  • sind die meinungen der taxatoren getheilt, so entscheidet die mehrheit der stimmen; sind sie aber gleich getheilt, so muͤssen sich die parteien uͤber die wahl eines obmanns unter den taxationsmaͤnnern des districts vereinbaren
    1811 SystSammlSchleswH. II 2 S. 753
II
Richter in einem Landfriedensbund
  • ob dhein bischof fuͤrste graf herre stat oder ander di zu disem lantfride vnd buͤntnuͤsse gehoͤrn von iemant beschedigt wuͤrden, daz sol man an den obman bringen
    1353 MWirzib. VI 70
  • 1389 Eger/RAbsch. I 92
  • so haben wir ... den edeln Philipps grafen zu Nassaw ... zu einem obman und hauptman des lantfrides an dem Reyn und in der Wedreb gemacht
    1398 RTA. III 29
III Vorgesetzter eines Gremiums, Vertreter der Obrigkeit, auch Gemeindevorsteher oder Mitglied des Gemeindevorstands, Vorsteher der Zünfte oder eines Handwerksverbands, allgemein mit Aufsichtsfunktionen betraute Person
  • wenn ouch die nun reder von den viiii hantwerken erwellet ... werdent ... so sullent denn die selben viiii reder ainen obman zu in erwellent
    1358 KemptenStB.(Beck) p. 37
  • das ... seins gotzhaus ... underthanen ... kainen andern vogt noch obman haben dem si von vogtei oder öbbrigkait ettwas schuldig zu raichen noch gehorsam zu thun sein, dann allain ainem landesfürsten ... soverr si aines nottürft sein würden mag in die k. maj. auf ir begern ain obman oder schutzman zuegeben
    1438/52 NÖsterr./ÖW. VIII 15
  • [ordnung der strubferigen:] auch enphelhen wir unserm phleger zu G.und sezen den zu ain obman, doch also, das er ân unsern willen weder auf noch ab zu erlauben noch zu handeln hab anders, dann das er uns solich uber vorn anbring und die wandel zu unsern händen inneme
    1456 Steiermark/ÖW. VI 47
  • desgleichen unterstehen sich die obleute in den landgerichten auf geistlichen und weltlichen guͤtern, die dann ohne alles mittel unser seyen, allein um deßwillen, daß je zu zeiten ein armer mann erbrecht auf einem gut hat, das dann um besserung der guͤter beschieht, steuer und scharwerk zu legen, und die davon zu haben
    1471 BairLT. VII 270
  • wann ... die ehehafft verlesen wirt ... sollen die obleut zu der herrschafft an disch syzen
    1521 Wilhelm,NBayrRpfl. 74
  • sollen die rottmaister oder obleut in ainem yegelichen gericht oder stab auf ain yegeliche feuerstat vier gulden rainisch schlagen
    1526 MittSalzbLk. 27 (1887) 354
  • ob ainer in der hofmarch T. ... mit dem feuer unfleissig umgieng, soll solches den obleuten angezeiget werden; die sollen den amtmann und einen nachparn ... zu ihnen nehmen dasselbig beschauen
    1554 Bayern/GrW. III 643
  • sollen die verordnete mülschauer und sonderlich ir obman deren ein abschrift bei im haben und denjenigen müllerknechten, so zwischen den zilen zu den meistern dingen ... verlesen
    1563 SchlettstStR. 794
  • wan die gemeine meyster ein gebott halten wellen vnd der obman, den sy ye zu zeyten haben möchten, vmbieten lassen will
    1591 RheinfeldenStR.(SchweizRQ.) 341
  • wann die zeugen fürgestelt, [sollen] die obleut und obmannschaften ... zusammentretten
    um 1600 Innviertel/ÖW. XV 127
  • obwohlen bißhero uͤber unsere underthanen zu den jagens zeitten obmaͤnner dergestalten geordnet geweßen daß sie die jagen besuchen und selbige zur gebuͤhr anweisen sollen
    1626 Reyscher,Ges. XVI 1 S. 365
  • es sollen alle geschworne und beambte alles was sie sehen und hören, es seye mit schelten, fluchen, schweeren und andern sachen, so sich der ehren nit ziemen, dem obmann anzeigen
    1662 Bächtold,BeitrSchaffh. 97
  • damit dies [Asylrecht] weltkundig werde, soll ein jeder obmann es auf seiner gesellschaft bei nächster gesellschaft nachrichtlich anmelden
    1666 Stutz,Abh. 32/33 S. 208
  • sollen sich alle meistere neben dem graafschaft undervogt (da sie dann ein jewesenden für ihren obmann haben sollen) zusamen thun
    1673 ArgauLsch. I 334
  • hat ein ganz erbar handtwerckh mit genehmhabung ... des ... herrn burgermeisters alhier, alß ihres großgünstigen herrn vnd obmann, wegen ihrer maisters söhne ... vereinbahret
    1675 EgerZftO. 151
  • ist von einer gantzen gemeind abgerahten worden, daß einer aus ihrem mittel der gemeind zum obmann gesetzet, by jederweilen vorsejender besatzung deßelben etliche datzu von einer gemeind in die wahl geschlagen und dan selbige einer herrschaft vorgetragen werden sollen
    1707 KonolfingenLGR. 512
  • ist ... unser ernstlicher befehl, ... daß unsere beampten jedes orts ..., da kirschner wohnen, zu handhabung solcher ordnung [deß kirschner handwercks] aus der burgerschafft daselbsten ... einen obman setzen
    1715 BadLO. 219
  • wie dann solche handwercks vorgesetzte an verschiedenen orten auch verschiedene namen haben als obleut, pfleger, handwercks-meister ... alter-leut
    1727 Leu,EidgR. I 615
  • aus befelch der ... unterbeambteten und obleüthen der landschaft
    1758 Niedersimmental 183
  • bey dem obmann selbiger gemeind
    1760 Niedersimmental 184
  • [Zunftordnung für das Schiffertum:] diese zwen obmaͤnner, welche zugleich sekelmeister sind
    1766 Weisser,RHandw. 476
  • bey andern gemein-hoͤlzern [macht] die obrigkeit jedes orts ... mittelst der fuͤhrer und obmaͤnner [die bestellung der gemein-foͤrster]
    1774 Wagner,Civilbeamte II 259
  • daß alle quatember ... die feuer- und rauchfang-visitationes von denen obrigkeiten vorgekehret, und dazu allezeit obleute von einer fremden obmannschaft zur beschau an handen genommen werden sollen
    1774 Wagner,Civilbeamte II 220
  • der obmann wird von der obrigkeit (und in Wirtemberg von dem gericht) desjenigen orts, wo die zunft-lade sich befindet, erwaͤlt
    1780 Weisser,RHandw. 26
  • einen ... obman nach handtwerckß brauch, sitt vnd gewonheith zu erkießen
    1786 MellingenStR. 467
  • bey dieser feuerbeschau-commission sollen ... auf dem lande aber die dorfsfuͤhrer und obmaͤnner beygezogen werden
    1791 KurpfSamml. V 216
  • die orts-vorgesetzten und richter schicken die, durch die werbung oder das loos ausgehobene, rekruten mit einem obmann ... zu ihrem hoheits-amt
    1808 BadKriegspflicht. 24
  • obmann nennt man denjenigen von einer gesellschaft arbeitern, welchem die aufsicht uͤber seine cameraden aufgetragen ist
    1809 Hartig,ForstSpr. 40
  • die obleute (gemeinde-vorsteher)
    1816 RepStaatsVerwBaiern V 92
IV wie Obermann (IV) 
V Mitglied einer Vormundschaftsbehörde, auch Vorsitzender des Waisengerichts
  • von obman und schirmvoͤgten, durch waͤn und in was anzal dieselben verordnet werden soͤllindt
    1615 BernStR. VII 2 S. 743
  • von obman, schirmvögten und dem schryber in vorderung ihres lohns alle gepürliche bescheidenheit gebrucht werden
    1617 BernStR. VII 1 S. 164
  • daß allzůofft angeordnete änderung deß obmans und der schirmvögten eine ursach ist, daß unmöglich selbige der witwen, weysen ... gebührende auffsicht haben können
    1722 BernStR. VII 1 S. 168
  • damit die dem waͤysen-gericht in vogts-sachen anvertrauete oberaufsicht ihre wuͤrksamkeit ... erhalte, so soll ein jeder vogt ... sich sogleich nach seiner bestellung bey dem obmann des waͤysengerichts anmelden
    1762 BernStR. VII 2 S. 837
VI
"Verwalter aller säkularisierten Klostergüter seit der Reformation" SchweizId. IV 245
  • demnach mag den seckelmeistern bey uns zu Zuͤrich zugezehlet werden der kloͤsteren obmann, dieser hat die aufsicht uͤber die geistlichen einkommen so der stadt zudienen
    1735 Leu,RegEidg. 473
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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