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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): peinlich

peinlich

, adj., adv., peinlichen, adv.


I für Leib-, Lebens- und Ehrenstrafen zuständig, diese Strafen betreffend oder nach sich ziehend; im Gegensatz zu bürgerlich (II 3) bezeichnet peinlich die Klageart, die auf die Verurteilung zu Leibes- und Lebensstrafen gerichtet ist
  • in borgerliker klage unde nicht in pinliker 
    nach 1325 Buchsche Glosse/SspLR. III 52
  • ob ez ieman an daz leben gieng, oder ein peinlich getat, di der geleich wer
    1356 RegensbStat. 142
  • der so obiz bricht nachtczeit, der tut eine deube; bricht ers dez tagis, er tut eine gewalt. dorum hot der clegir eine wilkur, ab er peinlichin clagen wil odir burgelich
    um 1390 BlumeMagdeb. 34
  • vngerichtis clagin sint peynlich genant, vnd ist dorum peinlich genant, daz der cleger nicht me begert, wen daz man den antworter peinige vm seine mistat
    um 1390 BlumeMagdeb. 71
  • in burglicher clage, also umme schult, richtit der schultheis obir den voit; daz ist solliche clage, die nicht pynlich wirt gevordert ... ist aber die sache pynlich, daz ist, ab sy pyn vordert an libe ander an glidern, an hut adir an hare; in sollichin sachen mag der schultheise nicht richter gesien obir sinen obirrichter
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 253
  • wenne kempflichen gruzin ist alzo vil, alzo pynlichen ansprechen
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 330
  • nu vornemet wy die sache pynlich ist; wen was smelich unde schedelich ist, das ist ouch pynlich 
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 402
  • pynliche clage ist anders nicht mehr, wen die do vordert von dem bruchhaftigin sine vordinte pyn
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 258
  • dat we alsodane unrechte pynlike klaghe over se nicht ghescreven hedden
    1417 HildeshUB. III 321
  • in pijnliken claeghen sijnt drierleye dingh sunderlick. toe den irsten, datmen dese claeghe verborghen sall aen beyden sijden. toe den anderen, datmen susghedaene claeghen beclagen sall, dair dat gheschiet is of dair die woent, die men beclaeghen wil. thoe den derden mail, datmen sich van dese claege nyet verlijken en mach, als se voir gherichte beghrepen is
    1426/40 KleveStR. Art. 237
  • dat gi ... over use frunt also pyneliken nicht enscriven edder seggen
    1427 HildeshUB. III 627
  • die andere [clage] heitet een piinlike clage ind is, dat men een dinck claget, dat op piin geet ind anders niet en begeert, dan dat men den anderen om die broike piiniget
    1430 KleveÄltStRHs. 46
  • van eyner yszligen pinligen klage gefft men vier unde twintich groschen
    um 1430 BrandenbSchSt. I 9
  • forder is besproken, dat alle pynlike sake, de orer eyn to dem anderen mochte hebben, genszliken syn affgestelt unde in borchlike sake gewandelt
    1454 HanseRez.2 IV 229
  • die gerichte obir die studenten yn grosßen pynlichen sachen die lyep unnd lebenn belangen
    1466 LeipzUnivUB. 173
  • darto is den ... knokenhowern ... gegeven, dat se under sik in der morgensprake richten und erkennen mogen von allen saken, uthgenomen pinlike edder bluthsaken
    1470 OsterwieckStB. 71
  • umb pynlike saken, dei sich dregen an ere ind lyf, sall men nemant verbargen
    1473 BeitrEssen 20 (1900) 148
  • wen der greffe belehnt wirdt durch unsern gnedigen herrn von Magdeburg, so richtet er nicht in peinlichen, sondern in börgerlicher clage
    1476 Spittendorff 175
  • so die kinder ire eltern vor gericht beschuldigen vnd ansprechen vmb fraiss oder peinlich sachen. oder vmb sachen leib vnd leben anruͤrend. das dann zu latein crimen capitale genennt wirt
    NürnbRef.(1479/84) XV 2
  • der peinlich richter moͤchte amptshalb oder auf anruͤffen der parthey souil darinn handeln, als sich nach gestalt der sachen gepuͤret
    NürnbRef.(1479/84) XXIX 2
  • hwaso orem pynlick oenspreckt, deer gaen mey inoer dat lyff jeff inoer da era, ende riuchtloes bringa wil
    1480/81 JurFris. II 204
  • ein jetzlicher, der einen todtschlag zu fordern gehabt, oder dergleichen peinlichen sachen
    1482 CAug. I 11
  • na deme dat B.K. L.B. anspreket pinliken unde borchliken in eyner sake unde clage
    1485 LübRatsurt. IV 214
  • wenn einer, der peinliche thaten oder anders dergleichen begangen haͤtte, und sich in unserer hoͤfe einen wendet, der soll unerlanget des rechtens, durch keinen amtmann oder voigt herausgenommen, sondern durch die rathsmeister rechtlich geantwortet werden
    1491/1736 Buttelstedt 324
  • alle pinlich, straͧfflich und frevenlich hendele, und darzů all burgerlich sachen
    1493 TübStR.(Rau/Sydow) 6
  • P. und M. ... haben U.H. auss geburgt auss seinen peinlichen gefencknis
    1496 FalkenauStB. 58
  • mit peinlichen rechten gestrafft
    1496 KärntLHdf. 38
  • daz unser richter nicht pynlich sunder burgelichin zcu ym fordern mochte
    15. Jh. Wasserschleben,Samml. 315
  • welcher hinfüro pynlich gesträfft wirdt, der sol in zünfften nit gebrucht [werden]
    um 1500 RottweilStR. Art. 375
  • ist ... P.B. der vorhandelung halben ... peynlichen angenomen und derwegin gefencklichen enthalden wurden
    Anf. 16. Jh. PössneckSchSpr. I 331
  • ob ... jemandts ... empoͤrung machte ... dem soll man ... das peinlich recht ergehen lassen
    1502 Reyscher,Stat. 11
  • so einer fur lantgericht kome vnd zeigt an, das er ymant entleibt hett in einer not vnd gegenwerhe ... das ime durch recht kein peinlich straff mocht auffgelegt werden
    1503 BambLGRef. [10]
  • B.A. heth pynlyk vnnd vhemlik geclaget auer N.J., darvumme dath hüe ohnn bij nachtßlapendere tyde by syner wyse inn synen huße alße eynen dyff gefunden heth
    1505 ZerbstFemb. 3 [darvumme !]
  • das in peynlichenn statuten, als relegacion, exclusion, impedicion unnd reiection nicht in geldtstraff gewandelt werde
    1506/37 LeipzUnivUB. 323
  • abtrag, busen oder straven ... die nit den leib, glieder oder peinlich strafen inhaltend
    1509 Carlebach,BadRG. I 120
  • laijen spiegel. von rechtmässigen ordnungen in burgerlichen vnd peinlichen regimenten
    Layensp. 1510 Titelblatt
  • misshendel ... die nit malefitzisch oder peinlichen 
    1511 RheinfeldenStR.(SchweizRQ.) 192
  • also das die sach peynlich bleybe, dorumb das sie mit dybstalh begriffen ist
    1511 ZSchles. 4 (1862) 7
  • wan die peinliche tete burglich und tzu geltbusze gewandelt werden
    1516 MansfeldKlUB. 667
  • inn peinlichen sachen soll der richter des clegers person mit fleiß ansehen, erforschen
    1523 Köbel,GO. 10r
  • soll hinfurt kain mitburger gestraft werden mit dem diebs oder mördersturn, dann er habs peinlich verschult
    1525 BauernkriegQ. II 133
  • der provos solle ain nachtrichter [!] haben, der in peinlichen fellen, was mit urtail und recht erkant wurt, volstreckung thun solle
    1525 Fries,OstfrkBauernkr. I 146
  • soll ein erbar rath ... nach deß vbelthätters peinlichen [Bed. II] bekhanntnus vnd vrgicht auch vor vnnd ehe sie ihme einen peinlichen rechtstag ernennen, den stattrichter zu dem selben vbelthätter beschaiden
    1526 NürnbHGO. 547
  • unser burgermaister und rat sollen ... ir aufsehen haben, damit sie zu burgern oder zu den ambtern khainen aufnemen, so ... umb ubeltat peinlich verurtailt [wer]
    1526 Tomaschek,Wien II 151
  • so der peinlich rechtag bestiembt wurd, sollen die gerichtschopfen drei tag bevor verbotet werden, die urgicht zu horen
    1527 WürzbZ. I 1 S. 221
  • so man zugesagt, peinlichs rechten uber einen zu gestatten
    1527 WürzbZ. I 1 S. 221
  • also das sie [Reichsstände] ein ordnung, wie es hinfuro inn peinlichen sachen allenthalben im reich gehalten werden soll ... auffgericht
    1527 Aschaffenburg/ZRG.2 Germ. 18 (1897) 181
  • ap ... eure stadtdyner angezceygter zunotunge und geweltiger thad L.M.s und eurer dyner nothdransaligs ufhaltens und entschutzen von seynem vather und fruntschaft mugen peynlich angelangeth und vorfolgt werden
    um 1530 MagdebSchSpr.(Friese) 227
  • das wir ... von den entleibten ... das leiptzeichen nehmen mogen, damit wir daruff nach landesgebrauch unser peinlich achtrecht grunden ... konnen
    1531 LeipzUnivUB. 490
  • des allerdurchleuchtigsten ... keyser Karls des fünfften: vnnd des heyligen roͤmischen reichs peinlich gerichts ordnung
    1532 CCC. Titelblatt
  • soll zu seinem [beclagten] ... willen stehen, den peinlichen ancleger vor desselben anclagers ordenlichen richter oder dem peinlichen gericht ... rechtlich furzunemen
    1532 CCC. Art. 12
  • so der thatter der thatt on leugknen were, aber desshalb redliche enntschulldigung, die jne, wo er die bewiese, vonn peinlicher straff entledigen möcht, anzeigt
    1532 CCC. Art. 13
  • dem, so man vff pitt des anclagers mitt enndtlicher peinlicher rechtfertigung straffen will
    1532 CCC. Art. 79
  • wo einer oder mer wären, die die vorgeschryben artickel nit hielten, so soll der oder dieselben peynlich als aydpruͤchig gestrafft werden
    1532 Bonin,Reichsheer 67
  • besetzung des peinlichen halsgerichtes
    1537/38 MainfrJb. 13 (1961) 122
  • das die fursten, so die hohe obrigkeit uf der vom adel guter erlangt, weder in peinlich- oder burgerlichen sachen kein angriff in der vom adel schlosser oder dorfer nit gehabt
    1539 JbFrkLf. 22 (1962) 202
  • moget ir sye solcher yrer myssehandelunge halbenn nicht peynlich durch den leyplichenn todt, sundern nach gestalten sachenn verweysenn
    1. Hälfte 16. Jh.? JenaUB. II 517f.
  • ob auch ... dieselben zum dritten male mit solcher gotteslesterunge vorbrechen, als denn sie an iren leibern oder mit benemunge etzlicher glieder ... peinlich gestraft werden
    1556 Sachsen/Sehling,EvKO. I 1 S. 228
  • was peinlich gericht sein
    1556 WürtLändlRQ. I 740
  • weil ... das peinlich ... recht durch keinen nachgesetzten richter, der ban oder acht insonders nicht empfangen, nicht gehandelt ... kan werden
    1559 Österreich/Haltaus 1389
  • [Anordnung, daß das Konsistorium] auch allen öffentlichen und peinlichen lastern nach gnugsamer verhör und erkäntnüss durch den bann und anderer kirchen strafen zu steuern und zu wehren [habe]
    1560 Mansfeld/Sehling,EvKO. I 2 S. 196
  • herr richter, weißer herr, ich bedinge mir auf daß leibzeichen aus peinlichen halßgericht und wieder zu gehegter peinlichen dingsbank, so offt ichs zu meinen rechten bedarff
    1560/71 Fischel,Komotau 163
  • das ander gericht wirdt genant peinlich, iudicium criminale, ist das, in welchem übelthaten vnd laster, als diebstal, todschlaͤg, mordt ... beklaget ... werden
    1562 Gobler,GerProz. 1r
  • sollen dieselbige ... peinlich fuͤr gericht gestellt ... werden
    1563 Moser,KreisAbsch. I 228
  • peinlich gericht, wenn man vmb vbelthat vnd laster klagt, vnd begert solche mit leibsstraff oder andern rechtmessigen peenen von dem richter zu straffen
    1564 Schwartzenbach(Haß) fol. 47v
  • [untauglich zum Richteramt sind,] die vmb vbelthat peinlich verurtheylet [wurden]
    TeutschForm. 1571 8r
  • wol bi dage effte nachte ihn kercken brickt und dar wath uth entfereth ... de schal pinlich ahn sinem levende mith dem rade gestraffet werden
    1572 NordstrandLR.(nd.) III 47
  • in faͤllen aber, so peinliche straffe auf sich haben, aber peinlich koͤnnen geklagt werden, soll ... der richter ... einen jeglichen fremden uebertreter, der nicht buͤrger, in eines jeglichen buͤrgers-hauß unersucht desselbigen wohl nachfolgen
    Zeitz 1573 Art. 69
  • pijnlick claegen is, wan een sijn bidden ende begeren settet mit recht to erkennen, dat die hem smahe off iniurie gedaen had, sall gestrafft worden na deser stats rechten
    3. Viertel 16. Jh. KampenStROntw. 431
  • sollen peinliche handlung und leib-brüchten ... hochgeml. churfürsten ... als dem landt-fürsten ... vorbehalten sein
    1577 Seibertz,UB. III 264
  • alle peinliche hendell, so man nenth dasz halszgericht, als wan jemandt das leben verwürckt hett, stehet der hohen obrigkeitt zu straffen und zu verurtheillen
    1579 Pfalz/Wasserschleben,RQ. 263
  • soll der probst [d. Rostocker Jungfrauenklosters] die buͤrgerliche und peinliche jurisdiction ... auff dem klosterhoffe und in des klosters land-guͤthern ... behalten
    1581 Cramer,Neb. 112 S. 547
  • so ein huͤter der peinlichen gefaͤngnis einem, der peinliche strafe verwuͤrket hat, aushilft
    1582 CCBrandenbCulmb. II 2 S. 84
  • haben wür ... nachfolgende malefiz oder peinliche halsgerichts-ordnung ... publiciren lassen
    BadLR. 1588 S. 306
  • alle peinliche sachen, die leib vnd lebens straffe, verweisung vnd verfestung auff sich tragen
    1603/05 HambGO. I 12 Art. 1
  • in burgerlichenn vnnd peinlichen sachen
    1614 PfälzW. I 305
  • hat uff rechtlichen zuelaß ... stabhaltters vogt ... durch seinen erlaupten füersprechen L. ... einen deß gerichts, einen offenen gewaldt ... samt peinlich schrifftlicher anklag ... vnd klag libell ... vbergeben, solche offenlichen abzulesen
    1616 ZWirtFrk. 1, 2 (1848) 67
  • [ist] nach gestalt der verwürkung mit peinlicher vorstellung, landsverweisung oder anderer weg männiglich zue offentlichem warnenden exempel zu verfahren
    1625 FreibDiözArch. 27 (1899) 324
  • so der herr, dessen unterthan der entleibte gewesen, über den mörder ein peinlich recht begehrt
    1627 BöhmLO. T 23
  • die güet- und peindlichen außagen
    1638 Steiermark/ÖW. X 233
  • von linderung peinlicher strafen
    1650 EstRitterLR. 459
  • alle wichtige peinliche und bürgerliche justiciensachen
    1655 Leiser,Strafgerichtsb. 70
  • die peinliche gerichtsvoigtey in ieztgedachter stadt
    1657 Kretschmann,LeipzOHofg. 143
  • [Übschr.:] formirung eines peinlichen kriegsgerichts
    1657 ZRG.2 Germ. 25 (1904) 58
  • Freyburg hat peinlich über leib und leben, haut und haar zue richten
    1664 Schindler,VerbrFreib. 17 Anm. 1
  • von peinlichen sachen
    1669 GesSammlMecklSchwerin I 94
  • peinlicher anwald oder fiscal
    1676 Moller,CarpzovRep. 525
  • die peinlichen gerichtsgelder ... davon die bergleuthe aus der ... general clausul der personal befreyung exempt zu seyn prætendieren
    1699 HessSamml. III 460
  • schmaͤhungen die peinlichen geklaget werden
    1705 KlugeBeamte I2 799
  • welchemnach dann sich wider den peinlich innhafftirten so viel verificirt, daß er ein zügeiner und denen künsten wohl erfahren
    1714 Württemberg/ZRG.2 Germ. 114 (1997) 244
  • wurde aber die sachen zu peinlicher sachen condemniert, so wirt aber von ainen ersamen rath und gericht Thaur ... dahinn in den thurn verordnet
    1716 Tirol/ÖW. XVII 199
  • ober-acht, ist eine harte straffe in saͤchsischen rechten, dadurch die fluͤchtigen und peinlichen verbrecher, nachdem sie vorhero durch einen anklaͤger, oder durch den fiscal angeklaget, und in 3. herren lande oͤffentlich citiret, aber wegen ihres ungehorsamlichen aussenbleibens in die unter-acht erklaͤret worden, nach verfliessung eines jahres wiederum etliche mahl citiret, im fall ihres fernern ungehorsames aber vor infam und in die ober-acht erklaͤhret, an leib, ehr und guth durchs gantze land gemein gemacht, ihrer guͤter beraubet, und von jederman, der sie ertappet, dem richter zur leib- und lebens-straffe koͤnnen uͤbergeben werden
    1717 Hübner,ZtgLex.8 1201
  • die loͤcher [zum Galgen] machet an theils orten der nachrichter mit seinen knechten, darzu der peinliche richter picken und eiserne schauffeln kauffen muß, welche der nachrichter, vorschuͤtzender gewohnheit, und weil er solche in haͤnden gehabt, und seiner meynung nach, dadurch gleichsam anruͤchtig worden, nebst dem lohn behaͤlt
    1720 Lünig,TheatrCerem. II 1405
  • es wurde auch zu unterscheidung der peinlich- und burgerlichen processe etlich jahre hernach das malefiz-glöcklein dahin verordnet aufzuhängen
    1752 Sattler,Würt. 25
  • die sogenannte frevel und geringere verbrechen, welche vermoͤg des codicis criminalis nicht peinlich und malefizisch, sondern civiliter und niedergerichtlich verhandlet ... werden
    1756 CMax. IV 16 § 1
  • peinlich, peinliche sache. wird den buͤrgerlichen entgegen gesetzt und gehet auf die bestrafung der verbrechen, welche leib- und lebensstrafen nach sich ziehen. man siehet hier nicht so wohl auf die ersetzung des zugefuͤgten schadens, als vielmehr auf eine oͤffentliche ahndung, wodurch die allgemeine sicherheit befoͤrdert werden soll
    1762 Wiesand 804
  • insbesondere pfleget man ... die eigentlichen peinlichen kosten (expensas criminales) von den peinlichen proceßkosten (expensis processus criminalis) zu unterscheiden
    1783 Quistorp,GrundsPeinlR. 1536
  • wurde ... der prozes nach vorschrift der peinlichen gesätze informirt
    1790 SteirGBl. 6 (1885) 93
  • die peinliche gerichtsbarkeit übt der kaiser durch den reichshofrat aus
    um 1795 StaatsRHeilRömR. 56
  • ein separates lokal, oder wenigstens die abwechslung in blechernen schildern mit der aufschrift peinlicher arrest und bürgerlicher arrest soll den unterschied zwischen dem infamirenden und dem blos bürgerlichen gefängnis bezeichnen
    1806 Schindler,VerbrFreib. 96 Anm.
  • die einfuͤhrung neuer civil- und peinlicher gesetze [soll] ... in dem staatsrathe vorbereitet ... werden
    1810 Pölitz,Verf. I 1 S. 47
  • verbrechen ... die sphaͤre des peinlichen rechts
    1821 Hegel,PhilosRecht 93
II
adj.: mit Tortur verbunden, bei Folterungen eingesetzt; adv.: unter/mit Anwendung der Folter
  • der [richter] gewallt haben [sulle] ... nach vbeltettigen lewten zugreiffen, die zufahen, peinlichen zufragen
    1500 Wartinger,Eisenerz 2
  • so bißher zu peinlicher rechtfertigung lewt eingepracht und dieselben, wie sich gepurt, gefragt worden sind, so ist das uf dem rathaws in der rathstuben gescheen so offenbarlich, daß yderman daselbst am markt gesessen der armen urgicht, bekanntnus und merterlich geschray gehort hat
    1502 QFürstentBayreuth I 135
  • mit peinlicher marter fragen
    1504 Reyscher,Stat. 49
  • so der argkwan vnd verdacht einer geclagten vnd verneynten mysshandlung ... fur bewisen angenomen ... wirdet, so sol dem ancleger auf sein begern alssdann ein tag zu peynlicher frag ernant werden
    1507 BambHGO. Art. 56
  • ihnen umb ferner erkundigung der warheit peinlich anzugreiffen und vorhoren zu lassen
    um 1520 MagdebSchSpr.(Friese) 95
  • wo aber sollich peinlich frag disser ... ordnung widerwerttig gepraucht wurde, so weren dieselbenn richter alls vrsacher sollicher vnpillicher peinlicher frag strefflich
    1532 CCC. Art. 61
  • als bekennerin wiederum von der peinlichen bank losgelassen, hat sie ... gesagt, das hätte man von ihr wissen wollen vnd darauf peinigen lassen
    1539 ZKulturg. ErgH. 2 (1898) 24
  • dat de beklagte ... des clegers husfrouwen dorch peinliche vorhor mergliche grote gewalt und injurien thogefoget hebben scholde
    1546 LübRatsurt. III 520
  • wowoll se pynlich nicht bekant, und ock darup geschwaren, so hedde se idt doch darna in der gude thogestanden
    1546 LübRatsurt. III 520
  • von peinlicher frag vnd tortur vnd was massen dieselb fürzenemen sey
    Perneder,Malef.(1547) 1v
  • dweil er aber zu ettlichen malen peinlich befraget worden und weythers nichts bekhennen wöllen
    1551/52 Schindler,VerbrFreib. 241
  • das er von solcher famen were, und durch den scharprichter peinlich solt versucht werden
    1555 NrhArch. 3 (1860) 364
  • one peinliche verhoer wegen begangener diebstale
    1560 BrandenbSchSt. III 8
  • welcher massen bey den eingezogen gefangenn in und mit peinlicher scherffer frage zu verfahren
    1562/77 LünebNGO. 386
  • [habe er ihn] pinlich umb sin harkommen und waͤsen ersůchen [wollen]
    1568 SaanenLschStat. 205
  • wan ein vbeltehter von wegen des gerichte wirdt eingezogen seiner bösen thatt halben vnd das göttliche und brandenb. recht einen peinlichen zutritt erkennt, soll das obergerichte mit dem regirenden richter bey der tortour gezogen werden
    1577 CDBrandenb. I 12 S. 138
  • wann auch von sehr jungen personen, so jre viertzehen jar noch nicht erreicht, die warheit zu erforschen, dieweil dieselbigen mit peinlicher marter nicht zu beladen, moͤgen die mit ruthen gehauwen ... werden
    KurpfLR. 1582 V 5
  • so dann jemandt peinlich zu fragen befehl gegeben were, so sollen vnser ober vnd vnderamptleut ... in beyseyn zweyer oder dreyer ... redlichen personen ... fuͤrzunemmen anstellen
    KurpfLR. 1582 V 5 § 1
  • soll eine jede genugsame anzeigung, darauf man peinlich fragen will, mit ein oder zwey guten leuten beweiset werden
    1583 HadelnLR.(Spangenb.) V 1
  • ob es recht und billich das man des thäters so hie vor gericht steht mißhandlung und artickl so er güetig und peinlich bekannt und ausgesagt, offentlich verlesen soll
    Ende 16. Jh. NÖsterr./ÖW. VIII 275 Anm.
  • mit bedräuung und vorstellung des scharfrichters, doch noch zur zeit ohne peinliches anstrengen
    1603 Frauenstädt,MalefB. 273
  • gühtliche vnd peinliche ausag
    1615 ZWirtFrk. 1, 2 (1848) 64
  • so in einer peinlichen frag ein ubelthäter etwas auf einen burger ... bekennete
    1627 BöhmLO. R 18
  • zur peinlichen fragh verfahren mit der corden und wolff ahm rechtten bein
    1631 BonnArch. 5 (1893/94) 42b
  • solle er [der verdachte] nach dem bey-urtheil zur bekantnuß auff ungefaͤhr nachfolgende fragen peinlich angestrengt werden
    NÖLGO. 1656(CAustr.) 87 § 3
  • es seynd in denen rechten gewisse persohnen ausgenommen, welche man nicht torquiren kan ... ein schwangeres weib, oder kindelbetterin: aber nach der kindelbett soll man dem kind ein ammel zustellen, so dann kan mans auch, doch etwas leichter, peinlich fragen
    NÖLGO. 1656(CAustr.) Art. 38
  • solle ... erkennet ... werden, ob die indicia zur peinlichen frag genug? auch ob, und auff was fuͤr ein weiß der bezuͤchtigte gepeiniget werden solle
    NÖLGO. 1656(CAustr.) 35 § 8
  • wenn ... die peinliche frage ... im urtheil mit der gemeinen maͤßigungs-formul erkennet, so soll ... der gefangene durch den scharffrichter anfangs mit den schnuͤren angegriffen ... weitere pein aber in diesem fall dem gefangenen ... nicht ... [zugefügt] werden
    1670 GothaGO. III 7 § 2
  • dem nachrichter vor einen gang auf die canzley oder in newen thurn, er greife gleich den maleficanten mit peinlicher frag an oder nicht [Entgelt:] 5 ß
    1692 Nordhoff-Behne,StrafRSchwäbHall 123
  • sollen und wollen die unterthanen zu F. zum peinlichen unkosten auch im fall, wenn ein inquisit zur tortur gebracht, die helffte geben
    1708 Klingner I 385
  • lassen wir es ... bey der peinlichen frage ... ferner bewenden
    1717 BrandenbKrimO. IX § 1
  • es soll ... keine peinliche frage oder tortur fuͤrgenommen ... werden, es seyn den lautere unzweiffeliche anzeigungen ... vorhanden
    PreußLR. 1721 III 6, 3 § 1 [oder: III 43]
  • wie die urthel, worin die peinliche frage erkant worden, dem gefangenen zu eroͤffnen
    1736 BrschwLO. II 868
  • ob die tortur oder peinliche frage in den gerichten dem natürlichen recht gemäß sei, wollen einige darum zweifeln, weil viele dieselbe ausstehen, ohne die wahrheit zu bekennen, andere aber die unwahrheit sagen, um die marter loszuwerden, folglich ihr endzweck nicht erreicht werde
    1757 RechtVerfMariaTher. 260
  • der heutigen tags gewoͤhnlichste weg die uebelthaͤter zu erfahren, ist die inquisition, oder peinliche nachforschung, welche nichts anderes ist, als eine von dem hals- oder blutgericht veranlaßte erkundigung, um eine begangene missethat ... in verlaͤßliche erfahrung zu bringen
    1769 CCTher. 25 § 1
  • die peinliche frage ist ein rechtliches zwangmittel, um einen laugnenden uebelthaͤter, welcher der veruͤbten that halber stark beschweret ist, in abgang eines vollstaͤndigen beweises zur bekanntniß zu bringen
    1769 CCTher. 38 § 1
III eine (Kirchen-)Strafe androhend
  • hat sein heylickeit ... etlich peinlich briue wider vnns außgeen lassen
    1462? MittDBöhm. 42 (1904) 399 Anm.
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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