Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Ruder

Ruder

, n.


I Steuer eines Schiffes; mit der Wegnahme des Ruders als pars pro toto wird die Rechtsherrschaft über das Schiff entzogen; übtr. auf den politischen Bereich
  • iefter en scip oen dyn ower komt ende dat met penda wille, soe aegh hi ti gaene mitta scelta ende mitta tolwem ende toe iariane, dat hi him dine roewer iowa wille [wenn ein Schiff ans Ufer kommt und man es pfänden will, so soll er [der Gläubiger] mit dem Skelta und den zwölf (Gemeindezeugen) hingehen und verlangen, daß er (der Schiffer) ihm das Ruder gebe] 
    12. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 226
  • roerende de schepen sal betaelt werden van yder roer cultodor (of staende roer) thien penninghen, van't roer leprodor (of lepel roer) agt penningen, van't hangende roer vier penningen, ende van't hantroer twee penninge
    1213? Mieris I 159
  • daz man von dem ruder des flosses geben sol vier pfenning
    1291 Schweiz/CorpAltdtOrUrk. II 655
  • von einem schiffe mit einem hangenden roder ... vunff pfenninck colschs, von einem schiffe mit einem handtroder dry pfenninck
    1382 bei Andernach/GrW. I 830
  • dat ma ioe alle deye, dan j alle ayn wirde, dan ma ioe en schip iouwe alsoe sterck, deer enen ebba ende enen floed ienstaen moege, ende dat sonder allerhanda remen ende roer ende tauwe [ob man euch alle töte, oder ob ihr alle leibeigen werdet, oder ob man euch ein so starkes Schiff gebe, daß es nur eine Ebbe und eine Flut auszuhalten vermag, und das völlig ohne Ruder und Steuer und Takelage] 
    1464 (Hs.) WesterlauwersR. I 128
  • ein lehrknecht, de sine lehrjahr vthgedenet, schal thom provestücke maken ein rhaa, mast vnd roer 
    1593 Wehrmann,Zftr. 412
  • [einfahrende Schiffe haben die Verpflichtung,] der stadt wegen des ruders [zu] bezahlen
    1674? ZHambG. 44 (1958) 248
  • in einer monarchie führt der regent allein das ruder 
    1757 RechtVerfMariaTher. 209
  • der arrest uͤber ein schif wird dergestalt verhaͤngt, daß ihm das rohr und ruder abgenommen, und der mast mit einer kelle belegt wird
    1785 Fischer,KamPolR. III 74
II Stange mit Ruderblatt
  • [es] hautt ain ratt den vier fronvisschern gesetzt ..., das sy nit anders vnd nit ferrer von dem wasser holtz hawen söllen, denne so wyt vnd ferr sy mit den ruodern von dem wasser gelangn mügend
    1456 LauingenStR. 1439 S. 45
  • wär aber, dass er [richter von Kling] oder sein gewaltig amptleut nit kämen, so soll dann unser richter den dieb gepunden an ein ledigs schiff setzen und soll in an alle rueder rinnen lassen: käm er dann davon, dess sullen wir ... unentgolten sein
    1462 MBoica II 507
  • [es] soll keiner mit dem breidtgarn fahren oder vischen, weder mit fahrbaumen oder rutern, auch mit steinen oder etwas anders dreinschlagen oder werffen
    1557 UFrkFischerei. 262
  • [als Strafe] auf die ruder verdammet
    1705 KlugeBeamte I2 530
  • wer von einem boots- oder andern schiffsmann einiges schiffsgeräthe, als tauwerk, segel, ruder, und dergleichen, ohne vorwissen des schiffers kauft, ... soll nicht allein selbiges ohne entgelt wieder herausgeben, sondern auch überdies, gleich demjenigen, der von verdächtigen personen gekauft hat, bestraft werden
    1794 PreußALR. II 8 § 1403
III bair.
Fahrwasser als Gebietsgrenze
  • [es] wurd mit recht auz bracht, daz der Lech ie dem man alz daz ruder gat, geben vnd nemen mag gantzer wasem weis oder griess weiz
    1367 MBoica 22 S. 349
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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