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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Schande

Schande

, f.

glossiert ignominia, dedecus AhdGlWB. 533

I Verhalten, das js. Ansehen erheblich schadet, dessen Ehre verletzt; Schandtat, insb. in sexueller Hinsicht; in Wendungen mit richten und heben Unfrieden stiften, Streit beginnen
  • liet abir ein man bie eimi wibi ... mit urin willin undi daz doch nicht elich inis, undi wil su dan daz lazi, durch sundi edir durch scandi ... so sal su dazu neimi guiti luiti, daz su selbi dirti sie, undi sal un dan bieti, daz (he) sogitani dinc me lazi, wandi da sundi undi scandi ani sie
    um 1230 MühlhsnRb.2 110
  • ez geschehit ... offte, daz von der ordinunge des probistis svere scande in deme clostre wachsint
    1. Hälfte 13. Jh. Selmer,RegSBened. 85
  • vnd mag man in [j., der eine Todsünde begangen hat] dez niht ermanen von ergrung wegen anderr laͤut vnd von seiner schand wegen, so sol man im daz sacrament geben, dez er pitet
    1390 (Hs.) BerthRechtssumme 344
  • we deme andern synen stul utwerpt des pynxstens, de schal em schande bewisen konen, edder hee schal see sulven by syk beholden
    14. Jh.? Anklam/PommMbl. 26 (1912) 54
  • und ob gëst schant hueben an den selben tägen [Festtage], mit wemb das wër, die wërn der herschaft wandl verfallen
    Anf. 15. Jh. (Hs. 1543) NÖsterr./ÖW. VIII 709
  • drey erwirdig man ... dem gerichte zw gehilff, dy selbigen sullen sweren ir ampt treulich zu volfüeren, vnd darnach zu gleicherr weis, als ein hantwercherr derr stat schande zu melden
    1403/39 OfenStR.(Mollay) Art. 33
  • welicher einen bi sinem wip an siner schand in sinem hus oder zins vindet, was imm der an tůt, der ist aller urfech ledig gen der statt und den fruͥnden
    1452 BernStR. VII 1 S. 374
  • wo jemand denn anderen an sinen offnen schand laster vnnd getanen wercken vindet, wirdt der, so den anderen also vindt, der waͤger, er sol gantz vrfech sin von einer herschafft, dem geletzten, sinen fründen vnnd allermengklichem
    1471 ArgauLsch. I 194
  • das er in by sinem wyb vf sin schand vnd laster gefunden
    1503 FreiburgÜStB. 11
  • [Behinderten, dauerhaft Kranken und Verschwendern] sollen sorger und trager von der oberigkhait gegeben werden, damit ir guet mit mass ainer erberkhait gehandelt und nicht mit schanden und schaden auch verderben missbraucht werde
    1528 ZeigerLRb. 436
  • were avest apenbare unlidelike schande vorhanden under unsen broderen, de mit uns plegen tom sacramente gaen, so vormane se ersten, ... vorharden se, so lateme den christenen ban aver se gaen
    1529 Hamburg/Sehling,EvKO. V 504
  • commissarii, [die] wo es vonnoten die visitation zu tunde, ouch gewalt neben dem superintendenten, die ungehorsamen pfarrer zu citirn, offentliche laster und schande zu strafen
    1539 PommVis. I 301
  • [es] ist ... beschlossen, wär die werind, man oder wyber, die ire schand und laster von des eebruchs wegen selber an tag brächtind ..., dieselben sol man strafen ... an er, lyb und gut nach gerichts erkantnus
    1543/61 GraubdnRQ. II 99
  • das der pastor zu A. ... ein alter papist, lange zeit eine concubin in unpflichten ... gehalten ... hat, und hat seine schande daselbs so lange und groblich mit ir getrieben, das in itzo ... der marcktmeister ... offentlich aufgehaben, in das gefengnis gefurt und dem rathe zu strafen heimgestellt hat. deme er dann xx gulden zur schandbusse, wie nicht unpillich, hat geben müssen
    1544 QNdSachs. IV 146
  • und als ... einer aus missbrauch christlicher freiheit, welche er zum schanddeckel machte, seine stiefmutter zum weibe genommen, und die kirche ... damit geergert ... schreibet P. ... was für eine öffentliche schande und ergerniss unter ihnen sei, nemlich, dass einer seines vaters weib habe
    1585 Lauenburg/Sehling,EvKO. V 456
  • damit sich jedermann vor schandt vndt lasteren zue hütten [hat]
    BadLR. 1588 V Eingang § 1
  • nachdem auch durch das jung ungezämte gesindt in den spinnstuben ... schand vnd unzucht ... bisweilen geuͤbt wird, ... sollen demnach die spinnstuben bey 1 fl. gäntzlich verboten ... seyn
    1594 ArchUFrk. 5, 2 (1839) 105
  • wer ... schant richtet, den sollen die andern underbössern mit trucknen schlëgen alß oft unzt das er davon lasst
    Ende 16. Jh. (Hs.) NÖsterr./ÖW. VII 747
  • und sollen ... die folgenden verbrechen ... abgestrafft werden: ... 6. der mit weibs-personen über daß ermahnen deß landt-commenthurs und über die erlittene zweite straf ... in offenen schanden und sünden lebt
    DOrdStat. (1606/1740) 131
  • ein pasquill oder schmachschrifft wird genambset, wann jemand einem anderen in einer schrifft ... zu seiner grossen unehr ... ein schand, laster und ubelthat zumißt
    1709 Mutach 143
II
Ehrlosigkeit, Ehrenminderung, schlechtes Ansehen, insb. infolge einer Straftat oder Verurteilung; Zustand der sittlich-moralischen Verdorbenheit; böser Leumund (I 3); Buch der Schande wie Schandbuch (II) (Beleg 1781)
  • von den uffsetzigen weddir der kurfursten lip und lebin ... arm und gebrestin sullin sie eweclichin sin, fedirliche schande sal in alle zyt nachfulgin, zů keinen erin zu keiner werntlichir wirdekeit sullin sie nummer komen
    um 1360 GoldBulle 139
  • in also vil also sie steygen in der höe der ere, in alsovil fallen sie ynant in schanden, ab sie an ichte misseteten. versus: nam cito sepe ruit qui super alta volat
    um 1400 LiegnitzStRb. 137
  • o herr ... durch all din guͤt ein icklich form mensch du behuͤt, daz es nit empfah schand noch mail von solchem rechtspruch vnd vrtail
    nach 1471 Beheim,RChr. 64
  • de juge en behoort hem niet te scamene zyn erreur te corigierne, want beter eyst dat hy hemzelven corigiert dan dat hy openbaere scande daeromme lede
    1515/16 Wielant,InstrCrim. 177
  • dann die gesatz verpieten, das vnerlich vnd mit schanden vermerckt auch arckwenig verleümpte person ... die ... moͤgen nit richter sein
    1523 Köbel,GO. 12v
  • die ... zů vermehlung der kinden ... vor stat verhelfent, die sach brittelen ... hilf ... darzů geben, die alle ... woͤllen wir gfenklich annemmen ... und ... mit einer weltlichen schanden oder verbietung des landts ohne gnad ... strafen
    1533 BaselRQ. I 1 S. 271
  • welicher glaubiger einen anderen ... an seiner schuldners statt ... aufhalten vergweltigen ... lässt, ... der solle ... sein schuld ... verfallen haben, wie auch dem aufgehaltnen ... allen erlitnen gewalt uncossten schaden schand spott und versaumbnus ... abzutragen schuldig sein
    1599 NÖLREntw. II 8 § 21
  • tho B. ... haßen gestalenn; most myt schanden weddergeuen
    16. Jh.? (Hs.) ZerbstFemb. 3
  • es sol aber bey keinem ... criminal-process ... offendlich und mit namen auff eine person, so auß denen ständen, zu derselben schand und spot gefragt werden
    1627 BöhmLO. R 23
  • die [Ursache für] schande ist ...: i. wann man von dem richter mit einem schandmahl wegen veruͤbter untat belegt wird (infamia juris) ii. wann eine jede boͤse that, von dem allgemeinen wahn ... fuͤr schaͤndlich gehalten wird (infamia facti). also ist ein schlemmer und vergeuder ... ein schaͤndlicher mann, wann er gleich von der obrigkeit noch nicht bestraffet worden
    1712 Abele,Gerichtshändel I 615
  • eine ... regierung muß ... dieses unheil durch gute policeygesetze ... durch die auf das volltrinken gesetzte schande, und durch andere kluge maaßregeln auszurotten suchen
    1758 v.Justi,Staatsw. I 174
  • straft die frevel oder geringere in das malefiz nicht einschlagende verbrechen mit geld, gefaͤngniß, schande und anderen buͤrgerlichen strafen
    1770 Kreittmayr,StaatsR. 434
  • daß für jede schule zwei verschiedene bücher angeschaffet werden, wovon eines das buch der ehre, das zweyte das buch der schande oder der unehre genannt werden
    1781 MGPaed. 30 S. 375
  • hauptpflicht des staats [ist] ..., daß er, wenn der verbrecher ... seine freyheit wieder erhaͤlt, es sich angelegen seyn laße, in ihm dem staat einen brauchbaren buͤrger wiederzugeben, der nicht durch uͤbriggebliebene schande, oder durch vorurtheil ... genoͤthigt ... wird ... an den ort zuruͤckkehren zu muͤssen, aus welchem er kaum befreyt war
    1798 Grolman,KrimRWiss. 83
  • so irgends einer ergriffen ... würde [beim Diebstahl von Feldfrüchten], selbiger soll geoffbaret und andern zum abschei mit schand und spoth bestraffet werden
    18. Jh. Schlesinger,Weist. I 187
  • doch soll diese [Straf-] arbeit nicht mit schande, oder außerordentlichen beschwerden verbunden, vielmehr desselben persoͤnlichen faͤhigkeiten ... angemessen seyn
    1802 Bewer,Rechtsfälle VI 192
III (von anderen herbeigeführte) Ehrenkränkung oder Ehrverletzung bis hin zur Entehrung; (durch andere herbeigeführter) Zustand des Verletztseins in der eigenen Ehre oder des Entehrtseins
  • þeh þe atheniensum se sige ⁊ seo reafung þæs persiscan feos to maran sconde wurde
    890/901 (Hs. 1. Hälfte 10. Jh.) EETS. SS. VI 48
  • iefter enigh landis hera wille enich seland skada dwan iefta skanda, se hit biscop iefta grewa, dat wi se alle mene, in da rede and in der dede, mit liew and mit guede were den frydoem to biskyrmen [wenn da irgend ein Landesherr irgend einem Seeland Schaden oder Schmach zufügen will, sei es Bischof oder Graf, dass wir alle mit Rat und Tat einig seien, mit Leben und guter Wehre die Freiheit zu schützen] 
    1323 Upstalsb.(Steller) 143
  • swe enes mannes knecht sleyt oder veyt nicht men dorch sines herren schult, na rechte scal he in beyden bůte, he ne bewere dat uppen hilghen dat it deme herren neweder to laster noch to scanden [aL. 1224/25: scaden] ghedan hebbe, so is he der enen bůte leddich
    1342 Ssp.(Eckh.2)LR. II 34 § 1
  • kunden wir se ... nicht vorgeben ... so sullen wir on eyne abelegunge machen nach vnser frunde und manne rate doran se mogen gehabin eyne narunge vnd vns nicht zcu schanden vnd smaheid dorffen not liden
    1433 MittOsterland 5 (1862) 128
  • einer claget an einen, wie er yme sin elichen husfrauwen gebulet habe und by nacht und nebel ime in sine hus gangen sy, ime und sinen kinden zu schande und off laster
    um 1445 Erler,NeustadtWeinstr. I 69
  • die boten die zu W. gewesen sein bei ew. kun. gn., die vermeinen ihn in schmach und schande zu bringen, dass ihm das erzbisthum zu P., daran er gekohren sei worden, nicht folgen sull
    1452 UrkGeschBöhm. 37
  • nv riowath mi wirlike seere, dat ic a ief dine reed, nv hia wieldich sint dere steed; hit is him wol eginsen, wy habbeth emmer dae scanda [es reut mich jetzt wahrlich sehr, dass ich je den Rat gegeben habe (die Friesen zur Verteidigung des Papstes nach Rom) zu schicken, nun da sie Herr der Stadt sind; es ist ihnen wohl ergangen, uns gereicht es gewiss zur Schande] 
    1464 (Hs.) WesterlauwersR. I 392
  • M.V. schuldiget H.R. umbe hoen unde smaheyt, daz er syner tochter habe nachgegangen unde dy obirgangen, geswecht unde geuneret, ym zcu hoen, schaden, schande unde laster
    1474 PössneckSchSpr. I 167
  • da sy ... dass dem frien keysirlichen rechtin zu schanden vnd in smochheyt gethan felschlich vnd verretlich
    1496 ArchSchweizG. 3 (1844) 318
  • eine gemeine landschaft zu L. soll ... schwehren des lands U. lob, ehre und nutz zu förderen, schand und schaden zu warnen und wenden mit guten treuen ohne alle gefährde
    1617/1748 LivenenStat. 79
  • vnd da auß seinem bericht erfunden wird, daß er [wegen Selbstmords Angeklagter] auß vngedult etwan einer kranckheit, grossen bekuͤmmerniß oder schande ... darzukommen, so waͤre sein mit der straff zu verschonen
    1670 Carpzov,PractNov. I 14
IV
Zustand des Zerstörtseins oder der Verdorbenheit einer Sache, in der Wendung etw. zu Schanden bringen, machen etw. in einen schlechten Zustand bringen, etw. unbrauchbar machen (Beleg vor 1400), verderben
  • so waert hem beiden verderflic ende so hadden sij malcanderen dat half huus te scanden gemaect
    vor 1400 UtrechtRBr. II 194
  • ende men sall oick hueden, deser weghe ennich te verderven myt ennighen quick of ve, datmen weydt, dat wroeten of yet the schanden maect
    1426/40 KleveStR. Art. 446
  • wer etwas zu schanden brengt in dem huße der bruderschaft, der sall das beßeren aen widerspruch by der hoester boyßen
    1456 TrierWQ. 416
  • wo aber solch gut [Backwerk] durch einen becker zu schanden gemacht, als verbrendt, nicht gebacken oder wie solch geschehen mag, sol er im solches zu erstatten schuldig sein, wie es durch ein hengeredt erkant wurdt
    um 1571 RheingauLändlRQ. 373
  • so jemandt umb meytagh seinen kehr auff seines nachbahren landt nimbt undt seines nachbahren winterkorn dadurch zu schande machet, der soll ... den schaden bezahlen
    1715 WestfLR. 129
V Geschlechtsteil
  • huasa ene frouwe nime bitha sculderem anda hia vterbec beye anda hire nene skonda ne blike ... there bota twelf pannigar [wenn jemand eine Frau an den Schultern fasst und sie zurückbeugt und bei ihr die Schamteile nicht sichtbar werden, ... (so ist) die Buße ... zwölf Pfennige] 
    Mitte 15. Jh. EmsigerR. 202
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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