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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): schichten

schichten

, v., schiften, v., auch scheften, afries. (schiffen), v.


I vermögensrechtlich trennen, besonders eine Erbschaft teilen, jm. ein Erbe zukommen lassen, formelhaft mit scheiden (I 1) und teilen 
  • se man, þe on þam fyrdunge ætforan his hlaforde fealle, si hit innan lande, si hit of lande, beon ða heregeata forgyfene; ⁊ fon þa erfenuman to lande ⁊ to æhtan ⁊ scyftan hit swyðe rihte [der Mann, der im Kriegszug fällt in Gegenwart seines Herrn, sei es im Land, sei es fern vom Land: seien die Heergewäte (seinen Erben) erlassen; und mögen die Erbnehmer Land und Fahrhabe ergreifen und es sehr rechtlich teilen] 
    um 1027 Liebermann,AgsG. II Cn 78
  • ac beo be his dihte seo æht gescyft swyðe rihte wife ⁊ cildum ⁊ nehmagum, ælcum be þære mæðe, þe him to gebyrige [vielmehr werde unter seiner (des Herrn) Anordnung die Habe höchst gerecht verteilt an Ehefrau und Kinder und nahe Verwandte, jedem nach dem Maß, das ihm gebührt] 
    um 1027 Liebermann,AgsG. II Cn 70, 1
  • weren kindere van eren olderen ghescheden vnde schicht so eruet een kind vp dat andere
    1270 (Hs. 1493) HambOrdB. C 12
  • so war is en wedewere odere en wedewe, de kindere hebbet, volt se ghut an van erue, uan gaue oder uan ghewinne, dat scholen se schichten like mit eren kinderen
    1294 Hach,LübR. 264
  • und ob ich [Vater] zu dir [Sohn] pflichte / min gut, daz ich ouch schichte / mit dir her nach den gewin
    Ende 13. Jh. Passional(Köpke) 407 V. 46
  • dat sy gheen goet en heeft, dat sy mit rechte sciften of sceiden off delen sel yeghen H. ende joncfrou Z.
    1364 (Hs. 15. Jh.) UtrechtRBr. II 14
  • man eder wif dey sick veranderen in brůtlochten na doder hant, dey moghen schighten mit aren kinderen na rechte der stades
    2. Hälfte 14. Jh. DortmStat. 89
  • we nen ghud up gheboret hevet van vader unde van moder de wile se leveden unde ores ghudes na erme dode nicht up bort, hevet de ghud ghe wunnen van bloter hand, de en darf mit sinen broderen nicht schichten 
    14. Jh. HannovStR. 393
  • wat to jenigher tit mer tinses eder pleghe vallen mach van dessen ... vertich marken unde hunderden wen alse hir vore schichtet is, dat scal stan in des provestes unde uses capittels macht, uses stichtes beste mede to donde
    1405 HildeshUB. III 727
  • wor de eine frembde handt schefftet jegen de ander, so schall dat gudt glick to [lies: ton] midden entwei, na uthwising unses rechten olden landrechtes
    1432 Panten,RQNordfriesl. 106
  • dat J. sculdich is voirt te gaen ende mit hem te schiften ende te scheyden van alle, dat sy gemeen hebben
    1434/1542 LeidenRbr. 209
  • do B. de dochter scholde fan sich scheften, jodoch wol, dat er men den 5. dl. börede uth B.s buw
    1439 Panten,RQNordfriesl. 102
  • dat sy mit horen kinderen scifften ende deelen mochte sulke goede als hem aen bestorven waren van haren vader
    1439 UtrechtRBr. I 178
  • na deme dat C.G. dat betugen kan ... dat sin broder G. jn siner krankheid bekande by guder vornunft, dat he van sinen broderen geschichtet vnde gescheden was
    1478 OberhLüb. 188
  • mynen negesten erven ... geve ik ... 10 mark lub. unde wil, dat se darmede gantzlichen scholen geschichtet unde gescheden wesen van alle mynen anderen nalatenen guderen
    1485 MittLübeck 10 (1901/02) 45
  • dewyle dat dar erüe tusscen broderen vnde susteren is vngedelet, so scolen ere baren fründe ... delen vnde schiften tüsscen en
    1492 FlensburgStR. Art. 8 (S. 61)
  • were dat eyn frouwe storve, de kynder achter leythe, eyn offt meer, de man mochte schichten, unde nemen de helffte van de guede, unde verandersathen sich, offt he wolde
    1530 MünsterStat. 231
  • tho schichten und tho anthworden
    1543 LübRatsurt. III 362
  • wollte ... der überlebende ehegatte zur zweiten ... ehe schreiten ... muß [er] ... mit seinen kindern schichten und theilen, also daß der vater und mutter das halbe gut und schulden ... und die kinder die übrige halbscheid guts und schulde erblich ... behalten
    1580 Lippstadt 260
  • wie dan auch vatter und mutter, so mit ihren kinderen schichten wollen, vor der schichtung und pflicht der vormuͤnderen selbst aͤydtlich anloben ... sollen, daß sie alle ihre saͤmbtliche guͤter auffrichtig einbringen ... woͤllen
    1592 MünsterPolO.(Schlüter) 134
  • na sinem [des Vaters] dode ... schal men dat landt schifften unde deelen under alle sinen kinderen, de mit eme in gemenschop weren
    1593 JütLow.3 I 6 § 7
  • willen se [Erben] oͤverst sick darmede [was sie vor dem Tod des Vaters erhalten haben] nicht genoͤgen laten ... so bringen se in allent, wat se gekregen hebben, unde schifften unde deel darna alles, alse recht is
    1593 JütLow.3 I 15 § 2
II
etwas beilegen, schlichten, hinfällig machen
  • thet skilun alle tha mena friond skifta ieftha thet skil ma al mith ethon riuchta [alle gemeinsamen Verwandten sollen die Sache schlichten, oder man soll sie ganz mit Eiden entscheiden] 
    um 1300 RüstringerR. 102
  • thetter ne mi under swesternon ne under swesterna bernon nen stef ni nen strid risa, buta thet skilun al menne friond skifta ieftha al mith ethon biriuchta [dass unter Geschwistern und unter Geschwisterkindern weder ein (vom Richter) gestabter Eid noch ein (gerichtlicher) Zweikampf erfolgen darf, sondern die gemeinsamen Verwandten sollen dies alles schlichten oder alles mit Eiden entscheiden] 
    1327 RüstringerR. 140
  • darmede schal ok dessulven B.s arbeit, dat he H.V. to gude gedaͤn hefft, belonet unde geslichtet wesen, dergeliken alle rekenscup, in H.V.s unde dessulven B.s bokeren geschreven, gedodet unde geschichtet wesen
    1498 Bergenfahrer 192 Anm.
III jn. durch (Schieds-)Urteil befrieden
  • H.Z. und H.B. hant gesworen vor dem rate von allen ergangenen sachen gegen einander ... gericht und geschicht zů sinde, und keiner dem andern weder laster noch leide zů tůnde
    1426 SchlettstStR. 600 Anm.
  • es sollen auch die partheyen ... freyen handel und wandel geprauchen und gegenainander üben, auch desshalben für sich und all jr verwandten baiderseit gericht, geschicht und versönt sein
    1497 UrkSchwäbBund. I 246
IV entscheiden
vgl. Schiffene
  • hwersa mar en thiaf feth, sa skel ma hine brensza a liudawarf ... and tha redia ne moten nawet vnga leta, hwara tha liude skelin thervmbe skiffa [wenn man einen Dieb ergreift, so soll man ihn vor das Volksgericht bringen ... und die Redjeven dürfen ihn nicht laufen lassen, sondern das (ganze) Volk soll darüber entscheiden] 
    Ende 13. Jh. BrokmerR. 82
V ernennen, in ein Amt berufen
VI (zur Arbeit) einteilen
  • die slaven ende die timmerlude ende die steenmessere ende die ander werclude die sal hi te wercke schichten ende sal die besien an horen nootdorften
    um 1450 MnlWB. VII 498
VII Pfennige schichten neu geprägte Münzen nach Nominalen sortieren und Fehlprägungen und minderwertige Münzen aussondern
  • [de gemeynen uthgave:] de sittende rad ... alszmen de penninge schichtede, 9 1/2 p., 2 1/2 s.
    1447 HildeshUB. VI 741
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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