Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Schild

Schild

, m., n.

auch Dim.; glossiert scutum, clipeus, parma AhdGlWB. 542 und tutela CorpusGl. 180

I eine Schutz- und Verteidigungswaffe, mit deren flächigem Körper feindliche Attacken abgewehrt werden
Sachhinweis: D. Hüpper-Dröge, Schild und Speer. Waffen und ihre Bezeichnungen im frühen Mittelalter (Frankfurt a.M, Bern, New York 1983)

I 1 als Teil der Bewaffnung eines Mannes

I 1 a Grundbesitz verpflichtet zur Bewaffnung und Teilnahme an Kriegszügen des Grundherrn (II) bzw. Lehnsherrn (I); mit Schild und Speer dienen Kriegsdienst leisten
  • deer haet toulif pund wird eerwes, dy schol habba spera ende schiuld toe der landwere iefta mey twam pondum beta [wer Land im Wert von zwölf Pfund besitzt, soll Speer und Schild für die Landesverteidigung haben oder mit zwei Pfund büßen] 
    2. Hälfte 11. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 82
  • was er [Lehnsmann] in seinem haus [seiner Burg] essen oder trinken wil, das sol er umb den landesherren dienen mit seinem schilde 
    1278? ÖLR. Art. 68
  • ist das wir der selben lüte bedurfent in urluge ... so sölen si und alle die uf den vorgenanden gütern sizent uns dienen ... mit schilten und mit speren
    1313 VorarlbAgrU. 6
  • welich ouch in dem fryenampt sitzet, der ... sol ouch das ampt dienen mit schilt vnd mit sper, also dass sy ze nacht daheim syend
    vor 1415 BeitrArg. 101
I 1 b im Kriegswesen: binnen Schild auf Heerfahrt [nach neuerer Forschung: unter der Haftung des Fehdeleiters]; Land mit dem Schild behalten Land mit Waffengewalt behaupten
Sachhinweis: O. Vries, Binna skelde. Zur Deutung eines Ausdrucks des friesischen Fehdewesens/Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik 77 (2017) 457-475
  • de Sassen wereden sic manlike ... unde behelden dat lant mit irme schilde al umbe sic
    um 1260? SächsWChr. 260
  • al tha deda, ther skiath oppa houwe, inna hemme and binna skelde, thribete te betande [alle Taten, die auf dem Kirchhof, im Ring (des gerichtlichen Zweikampfes) und unter dem Schild (auf Heerfahrt) geschehen, (sind) dreifach zu büßen] 
    Ende 13. Jh. BrokmerR. 44
I 1 c
als Bestandteil des Heergewätes, das an den nächsten männlichen Erben vererbt wird, auch als Geldablösung
  • beon þa heregeata swa fundene, swa hit mæðlic si: eorles swa ðærto gebyrige, þæt syndon viii hors, iiii gesadelode ⁊ iiii unsadelode, ⁊ iiii helmas ⁊ iiii byrnan ⁊ viii spera ⁊ eallswa fela scylda ⁊ iiii swurd ⁊ twa hund mances goldes [es seien die Heergewäte so festgesetzt, wie es standesgemäß ist: eines Grafen, wie dazu gehört, nämlich 8 Pferde, 4 gesattelt und 4 ungesattelt, und 4 Helme und 4 Panzer und 8 Lanzen und ebenso viele Schilde und 4 Schwerter und 200 Mancus (25 Pfund) Gold] 
    um 1027 Liebermann,AgsG. II Cn 71a
  • armwapen, stalne hanschen, benwapen, zwerd, glaven und schild efte tarsen. desset herwede und stucke schal men geven ... oft ze dar zint edder weren in lyve und in dode
    1349/1416 BremRQ. 118
  • eines husmans herwede na vnsem landrecht dat is des mannes pantzer vnd schild, vnde isern, swert vnde speer, vnde ene dagelick steckemest vnde ene armbost mit nie tüge
    nach 1426 Richth. 567
  • czu dem hergewete nach wichbilde gehoret des mannes beste pferd gesattelt, vnd sein beste harnisch czu eynes mannes leibe, schilt, pöckeler, swert [usw.]
    1460 Neumann,MagdebW. 49
  • neme de vader ock ein ander huszfrowe, jodoch schall de vader iszlich sohne geuen 3 mark penninge, tho schildt und speedt
    1514 ApenradeStR. Art. 3
I 2 als Waffe beim gerichtlichen Zweikampf

I 2 a in Regelungen des gerichtlichen Zweikampfs; meton. Zweikämpfer (Beleg 1. Hälfte 15. Jh.)
  • de richtere sal tvene boden geven ir iewederme die dar vechten solen, die dat sen, dat man se gerwe na rechter wonheit ... en blot svert in der hant, unde en umme gegort oder tvei, dat stat an irme kore; enen senewolden schilt in der anderen hant, dar nicht denne holt unde leder an ne si, ane die bokelen, die mut wol isern sin
    1224/35 (Hs. 1369) SspLR. I 63 § 4
  • die richtere sal ouch phlegen eines schildes vnde eines swertes deme den man dar schůldeget
    1261 Magdeburg/CorpAltdtOrUrk. I 83
  • so sal der vorderer ienen suchen mit drin howen, alse recht ist: zwene howe sal he howen uber sime schilde, umme sin houbt in der luft; mit dem dritten slage sal he zu ieme kume also nahe, daz he treffe sinen schilt oder sin swert oder den man selbe
    um 1300 FreibergStR. 27 § 18
  • sullent die cleger kummen myt schilde und myt kolben an gerichte
    vor 1350? Bacharach/GrW. II 213
  • ist das eyner den anderen kampflichen ansprechen will ... so spricht ... er: ... ich heische den N. ... unter mynen schilt und unter mynen hut mit mynen kolben nach kamphsrecht
    Mitte 14. Jh. (Hs. 17. Jh.) MittFrankf. 5 (1874/79) 298
  • were auch des pfaltzgraven dinstman kampffs anesprech, der rugrave soll vor ine kempffen mit kolben und mit schilde 
    14. Jh. ArchHessG. 14 (1875/79) 712
  • of den man, die vechtin sol des camf geschirris gebrichit, der richter sol ime ein lien, einen schilt unde ein swert
    14. Jh. GörlitzLR. 214
  • [beim gerichtlichen Zweikampf] sollen [die Kämpfer] uf beider seiten gleich wöt u. wer haben ... ein kampfrock ... einen kolben ... ein schilt, der uf ieder seiten hat drei spitzen u. als lang der man ist
    um 1447 WürzbZ. I 2 S. 1281
  • ne mey ma nout farra seka vr mar ne vr merka, ne vr tha thredda hond nene fortledene dwa, nen strid fortleda vr then dregande schild [man soll nicht weiter über Graben und Grenzen (seines Besitztums) einen belangen, noch über die dritte Hand hinaus an den Gewähren ziehen, noch über den gestellten Zweikämpfer hinaus den Kampf weiterführen] 
    1. Hälfte 15. Jh. FivelgoR. 162
  • [er] wil des seinen mogen vertreten mit schilde und mit schwert ... wan sich der tode nicht verantworten kan
    vor 1524 LeipzigSchSpr. 524
  • [Übschr.: achterclerung zwaier ungehorsamen landleut, welche ire zenten nit mit gewehrter hand besuecht] ... man soll dem cleger schilt u. kolben anhenken u. in die hand geben
    vor 1525 WürzbZ. I 1 S. 246
  • der richter der soll [beim gerichtlichen Kampf] lyhen dem, den man da schuldiget, einen schilte, vnnd auch daby ein schwerte
    1609 Goldast I 69
I 2 b eines Schildes Blick das Blinken eines Schildes, als Scheinbuße eines Lohnkämpfers, der als unehrlich gilt und dem deshalb kein Wergeld zusteht
  • kemphin unde irn kinderen gibet man zu buse eins schildis blig kegin der sunnen
    3. Viertel 14. Jh. (Hs.) Ssp.(Wolfenbüttel)LR. II 45 § 9
I 3 als Kennzeichen des freien Standes

I 3 a als Kennzeichen eines Ritters; Schildes Amt Ritterdienst, Rittertum, Ritterschaft; von einem Schild, zum, vom Schild (ge)boren berechtigt, Waffen zu führen, von ritterlicher Geburt, Abstammung, lehnsfähig; offen zu Bed. III 1; meton. Ritter (Beleg 1152/80), Ritterstand (Beleg 1300)
  • zvelf hunderit schilde brachter zo dem schalle
    1152/80 Rother(de Vries) V. 4053
  • schildes ambet ist mîn art
    um 1210 Wolfram v. Eschenb.,Parzival II 115, 11
  • daz si mit im nâmen schildes amt und ritters reht
    2. Hälfte 13. Jh. (Hs. 14. Jh.) Mai-Beaflor 83
  • sun du solt wizzen daz der schilt, hât werdekeit und êren vil
    1300 Winsbecke 17, 1
  • dede aver en man broke, dhe to dem schilde boren were, dhen schal man setten in dhen torn
    1334 LünebUB. I 212
  • sybenzic ritter ... dyͤ zů dem schilde geboren sin
    1345 DOrdHessenUB. II 542
  • ist er aber ain dienstherre oder ain dienstmann oder von ain schilt ... [ist die Buße] zehen march goldes
    1357 Herrgott,MAustr. I 228
  • daz die koufflute, dy nicht czu dem schilde [aL. Hs. Wolfenbüttel: herschilde] sin geborn, keyn gefencknisz halden sullen von rechte
    nach 1358 Rb.n.Dist. IV 41 Dist. 5
  • sieben siner mane oder dinstmane, die zu dem schilt geporn
    1407 Schöpflin,AlsDipl. II 316
  • myd hundert guden mannen toem schilde gheborn
    1410 CalenbergUB. IX 185
  • daz m.h.gn. oder ein amptman von sinen wegen einen knecht zum schilde geborn solt han
    1429 Hessen/GrW. IV 535
  • [Übertragung der Einnahmen eines Lehens als Leibrente an die Ehefrau] doch also dat sy uns [Lehensherr] ... eynen guden man van dem schilde geboiren setzen sall, der den zienden ... van uns ... entfange ... ind unser leene reicht
    1437 ClarenbergUB. 253
  • [dass] jgliche parthy zwene erber schiedsman setzen soll, die zu dem schilde geboren sint
    1452 Lossen,KirchePfalz 203
I 3 b meton.: Bergherr als Obereigentümer eines Weinbergs
  • [Vergleich zwischen zwei Brüdern und einem Kloster wegen eines Weingartens] in des schilt und des chruͤeg pergen der unsers vorgenannten gebruͤder gewesen ist und haben in den aufgeben und in geantwurt mit des schilten perkmaister hant
    1413 MittKrain 14 (1901) 44
I 4 bei der Übertragung bzw. Rücknahme eines Schildlehens 
  • sciltlen, dat scal enden mit dem scilde 
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)Lehnr. Art. 78 § 1
  • schiltlehen hat ein ende so der herre den schilt wider nimt. git in der man sinem herren wider, des mag im der herre nit geweiern, er mvͦz in enphahen. so hat daz lehen aber ein ende
    um 1275 Schwsp.(L.) Lehnr. Art. 98
I 5 im afries. Recht formelhaft in einer Aufzählung: hoher Helm, roter Schild und gerüsteter Ritter/nordisches Heer meton. (nach der roten Schildfarbe) der sächsische Feind, auch allgemein das nordische Kriegsvolk
  • sa wer sa en sceltata feret invr Saxena merka and hi halat ut thene haga helm ande thene rada sceld ande thene sereda riddere, sa hi kemth inna Fresena merka and hi men sleit, burga bernt, sa ach ma hine te ferane inna thet northhef [wenn irgendwo ein Skeltata in die Gebiete der Sachsen zieht und er von dort den hohen Helm und den roten Schild und den gerüsteten Ritter holt, so soll man ihn, wenn er in die Gebiete der Friesen kommt und er Männer erschlägt (und) Burgen niederbrennt, ins Nordmeer führen] 
    um 1300 HunsingoR. 46
  • tha bihelden thet tha Fresan ..., thet hia sines bonnes farra ne plegede than aster to there Wisere ..., thet wi vse londe bihalda machte with thene salta se and thene nord sereda ridder and with thene haga helm and thene rada schild and with then nordisca here [da setzten die Friesen es durch ..., daß sie seinen (des Kaisers) (Heer)bann nicht weiter zu befolgen hätten als ostwärts bis zur Weser ..., damit wir unsere Lande vor der salzenen See und dem im Norden gerüsteten Ritter und vor dem hohen Helme und dem roten Schilde und vor dem nordischen Heere schützen könnten] 
    1. Hälfte 15. Jh. FivelgoR. 34
I 6
bedeckt mit gemünztem Gold, selten: Silber, als Buße, häufig von Adligen für die Verletzung einer 1Freiung (IV) 
  • wer die freiung bricht, die soll uberlegen drei schilt mit golt; und da gehören die zwen schilt ainem fürsten von Ö. zu und der dritt dem herrn deß schloß zu P., wer ir herr ist; so er aber so arm wer ... daß er deß guets nichts vermöcht, so mueß ers mit dem leib verbiesen
    1413 NÖsterr./ÖW. XI 179
  • wenn aber im [Person, die den Schutz der Freiung aufsucht] iemant nachkam, der präch damit die freiung und der wär darumb phlichtig des halß dem erbern fursten zu O.; und ob er dan den halß wolt lesen so sol er niderlegen ain schilt auf das erdrich, den sol er außfullen mit gemallen golt, damit er sich lost von dem furstn
    1459 NÖsterr./ÖW. VIII 1045
  • unfueg ist swaͤrlich verpotten ... wer dan darüber thet, der ist ze wandel, ist er ain edelmann 3 mark goldes und ain schilt vollen silber, das ist der helm; ist er aber ain gleicher man, so ist er vervallen 5 tal. ₰
    15. Jh. NÖsterr./ÖW. VIII 622
  • wer aber ainer so stolz und wolt die freihait verachten ... wer er ... ain edlman oder ritter, rittermessig, so wer er umb ain schilt vol gemallens golt, und als oft ainer reitt und geet mit im, der ist auch sovil
    Anfang 16. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 31
  • ob ainer wollt greifn ainem auf seine gueter mit fraufl, der ist verfaln ain schilt golts [aL.: gulden]
    Anfang 16. Jh. NÖsterr./ÖW. VII 42
  • wolcher in meins herrn freiung ainem nachrennd ... für den marchstain daran sich meins herrn freiung anhebt, und den hinwider mainet zu nötten, hat derselb ain phand von im gelegt oder geworfen ... so sol er der freiung geniessen umb al erbar sach. welcher aber daruber verrer begriffen wirdet und das uberfuer, derselb sol meinem herrn einen schilt gemallens gold verfallen sein zu geben
    1520 NÖsterr./ÖW. VII 96
I 7 zur Gewährung von Beistand, Schutz und Hilfe; meton. Schutz
  • sîn winster hant den schilt treit, ze schermen, der unschuldic ist, unt der âne valschen list râche uber sînen vîent gert
    Ende 12. Jh. Konr.v.Fußesbr.(1973) V. 595
  • die [fryen wapens manne] sollend ... dz gottshuss allda schirmen, by seinem rechte, mit schilt vnd sper
    1302 GlarusUrkS. I 106
  • er was schilt und obedach, den armen fur ungemach
    1. Viertel 14. Jh. ÖRChr. I Vers 21836
  • ein rittir der si milde, kein den di sinem schilde, sich werlich undirtenjen
    1355 SchachbHecht 229
  • wenn man den ban wel undergan so sönd die zween meiger vorhin gan mit spiessen und mit schiltten, wittwen und weisen schirmen
    1383 Burckhardt,Hofr. 143
  • wer es sach, dass das dorf B. veden oder feindschaft hette, so soll der ... herr Friederich Greiffenclae seinen schild henken in das dorf vor sein hofe u. soll da das dorf beschirmen u. helfen behalten vor schaden
    1482 Hessen/GrW. I 600
I 8 beim Beweis des Vollbesitzes der körperlichen Kraft; diese ist Voraussetzung für die uneingeschränkte Verfügungsgewalt über das eigene Hab und Gut
  • alle varende have gift de man ane erven gelof in allen steden, und let unde liet gut, al de wile he sek (so) vermach, dat he, sek begort mit eneme swerde unde mit eneme schilde, op en ors komen mach, van eneme stene oder stocke, ener dumelnen ho, sunder mannes hulpe, deste men eme dat ors unde den stegerep halde
    1224/35 Ssp.(Eckh.) LR. I 52 § 2
  • varende haue dat is allerleige gud. dat geft eyn man di wile he sich mach begorden met eme swerde vnd met eme schilde vnd mach sunder hulpe von eynen klosse oder steyn vp eyn perd komen
    1397/98 BerlinStB.(Hs.) 107v
  • ist, das er [man, der zum heerschilde geboren] auff ein pferd one mannes huͤlffe kommen mag, von einem stocke oder steine eines knies hoch, gegurtet mit einem schwerte vnd bewaret mit einem schilde, so mag er sein eheliches weib inn lehen vnd erbguͤtern mit der herrschafft willen beleibdingen
    1561 Rotschitz 138
I 9 das Heben des Schilds ist das Signal für eine Vollstreckung
  • hwanne soo dy frana dene scheld opnyme, soe bete hi des keisers ban dae frana mey een ende tweyntigha scillengen [sobald der Frana den Schild (zur Zwangsvollstreckung mit dem Volke) erhebt, so zahle er (Abgabenschuldner) dem Frana die kaiserliche Bannbuße in Höhe von einundzwanzig Schillingen] 
    um 1080 (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 140
  • thet wi Fresan agen vsen frethepanning to iewane, for tha twa hws thre [panningan] Rethnates slachta; hirmithe kapaden wi thes keninges bon. hwasa him werne jefta sine weldicha boda and hit vrsitte bi sina dolla stride jefta bi sina vrmode, alhwan thi frana sinne skild vphalde, sa brecht hi thes keninges hagista bon [dass wir Friesen unseren Friedenspfennig zu entrichten haben, von je zwei Häusern drei Pfennige vom Gepräge des Rednath; damit erkauften wir den Schutz des Königs. Wenn jemand ihm oder seinem Bevollmächtigten (dies) verweigert und es aus Widerspenstigkeit oder aus Übermut versäumt, bis der Frana seinen Schild (zur Zwangsvollstreckung) erhebt, so verwirkt er die höchste vom König angedrohte Bannbuße] 
    1. Hälfte 15. Jh. FivelgoR. 32
  • hwasa thria keningis bon vrsit and thi frana sinne scheld vpnimth, sa ach hi thes keningis bon to fellane mith en ende xx scillingum [wenn jemand dreimal ein Gebot des Königs nicht befolgt und der Frana seinen Schild (zur Vollstreckung) erhebt, so soll er die königliche Bannbuße zu einundzwanzig Schillingen zahlen] 
    1. Hälfte 15. Jh. FivelgoR. 156
I 10 im Zsh. mit Maßangaben, Bestimmung von Entfernungen
  • hweer so een manne een garsfallich lappa ofeslayn wirth, soe scel ma vmbemeta bi tha egghe ... swerreth hi thrira benena wtgung, soe schil hit an sijn ethe habbe, thet math cleppa hera machte, als hit fole van sijn knee op an brunen sceld [wenn bei einem Manne ein Fleischlappen durch einen Hieb abgetrennt wird, so soll man (die Wunde) am Rande ringsum messen (zur Festsetzung der Buße) ... Beschwört er das Heraustreten dreier Knochensplitter, so soll er es auf seinen Eid nehmen, daß man ihn (den Splitter) könnte erklingen hören, wenn er von seinem Knie auf einen braunen Schild fiele (dh. er soll so groß sein, dass er einen Klang erzeugt)] 
    2. Hälfte 13. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 416
  • wärs, das der hübner einer also reich würde of der wildhube, und dasz er darauf erarbeithe, das er einen schalden möchte geladen, der soll frei geen bis in den sehe, als ferre man einen rothen schild mag gesehen
    1423 Lorscher Wildbann/GrW. I 466
  • wo grot schal dat land wesen, dar men vull landrecht vm doen schal? vm also grot landes alse enes kempen schilde breth vnde ene schefftes langk, dar hört voll lag vnde landrecht to
    nach 1426 Richth. 567
  • efft dar jenichman were ... de eneme sin hus vp stotte by nacht tiden ... alzo grot dar me mochte mit eneme eggheden schilde inghan, de schal betheren
    DithmLR. 1447 § 123
  • er [pfaltzgrave] hat auch das geleide von dem gehauwen stein ine den gesaltzen sehe also ferre als man sicht ein roden schilt an eym mastbaum
    1494 (Hs.) ArchHessG. 14 (1875/79) 713
  • welche zeyt der herr des walts durch den walt reyten wurde, und daß eem seyne ruͤter-knabe nachritte mit seynem schilt uffgethaen, was dan von eckern oben heraber fiele und dem knaben in seynen schilt fiele und lygen bliebe, das seyhe zufoͤrnt des herren und sunst nichts mehre, sunder das ander alles der marck zustaͤndig
    1499? Mader,Friedberg II 103
II Heerschild (III 2), Rangstufe in der Lehnsordnung; den Schild niedern bzw. höhen in der Rangordnung absteigen bzw. aufsteigen; auch: Lehen (I 1) oder Lehnsfähigkeit (I) (Beleg 1426/40)?
  • alse diu kristenheit in der sevenden werlt nene stedicheit ne wet, wo lange siu stan scole, also ne wet men ok an dem sevenden scilde, of he lenrecht oder herescilt hebben moge
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. I 3 § 2
  • dat de herscilt an deme koninge begint unde in deme sevenden lendet. doch hebben de leien vorsten den sesten scilt in den sevenden bracht, sint se worden der biscope man, des er nicht ne was
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)Lehnr. Art. 1
  • swen de herre sinen scilt mit manscap nederet, al siner manne len hevet he verloren, dat sin egen nicht n'is, unde de man scolen er gut van deme overen herren untvan, oder he scal se wisen an eres herren genot
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)Lehnr. Art. 54 § 1
  • dat echte kint unde vri behalt sines vader scilt, unde nimt sin erve unde der muder also, of it er evenbordich is oder bat geboren
    vor 1270 Ssp.(Eckh.2)LR. III 72
  • swenne der herre sinen schilt mit manschaft nidert, aller siner manne gůt hat er da mit verlorn daz sin eigen nvͥt en ist. vnd die man svln ir gůt enphahen von dem obern herren, oder ir herre sol si wisen an sinen genoz
    um 1275 Schwsp.(L.) Lehnr. Art. 92
  • wan der dienstman den sechsten schilt heft und die niderst hant ist an dem lêhen
    vor 1328 Ruprecht(Claußen) Art. 59
  • das rechte eekint und frey behert sines vater schild und nymt sin erbe, der muter als wol, ob es ir ebenburtick ist oder bas geborn; und ist lantrecht
    1357/87 MeißenRB.(Oppitz) I 33 Dist. 1
  • den fumfften schilt [haben] die körfursten und ouch, die man gefurste fursten heist. den sechsten hat der keyser
    um 1400 LiegnitzStRb. 132
  • soe wair dat kijnt echte ende vrij is, dat behelt sijns vaders schildt, dats sijn leen, ind oick den schildt [Bed. I 1], den hee plach toe voeren, ind nempt oick sijn erve ind sijnre moeder
    1426/40 KleveStR. Art. 49
III
Wappen

III 1 in die Form eines Schildes (I) eingefügtes heraldisches Bild, als zentraler Bestandteil eines Wappens neben Helm und Helmzier; auch: Wappen, das von einer Person, Familie, Stadt oder Körperschaft als bleibendes bzw. vererbbares Zeichen geführt wird; Schild und Helm Bezeichnung für das Vollwappen, das Bild, Helm und Helmzier einschließt; zu Schild (und Helm) geboren hier mit Bezug auf das Wappen: von ritterlicher, adeliger Abstammung, vgl. aber auch Bed. I 3 
Sachhinweis: G. Oswald, Lexikon der Heraldik (Leipzig 1984)
  • der edlen grafen von P. helm schilt vnd wappen ist komen an dy hochgeporen fürsten loblich von Payren
    1203 (Hs. 15. Jh.) MBoica XII 93
  • so sollen aber wir ... durch unseres veteren willen C.W. von Hadestat füren ... sinen schilt unde sine banier, mit allen denne ceichene als er si gefürt hat al da har
    2. Hälfte 13. Jh. Hauptmann,Wappenr. 452
  • daz ... her H. adir ... sin erben sollen hindir sich erben of ir menliche erben di noch in geboren werden czu erem schilde 
    1352 CDPruss. III 95
  • daz H. ... von sinen vier anchen zu dem schilde geborn were gewest
    1373 CDRhMos. III 2 S. 774
  • [Münzverein zwischen Kurpfalz, Baden u. Bistum Speyer:] wollen wir dri herren gemeyn gute pfennige munczen und slahen laßen jeglicher off syn schild und zeichen
    1409 Wielandt,BadMünzG. 336
  • höuetlüde de to schild vnd helm gebaren sint, de werden geschicket in de heruart to perde vor wapeners
    nach 1426 Richth. 567
  • [Ahnenprobe:] sint des ... H. aicht ainchen zum schilde und wappen geboren, wol und unvermenget bit einicher burgersart
    1427 Hunsrück/LSchrP. 207
  • der schmidenzunft sch[ild] und zeichen
    1440 SchweizId. VIII 729
  • das ein iglicher, der die geselschafft entpfangen und tragen wirt, sal eelich geboren sein von alle seynen vier anhen zu schild unnd helm
    1443 Storn,Schwureinungen 245
  • sint [die Weißgerber und Beutler] mit einander uberkommen, das sie eynen schilt mit einander machen und halten sollen, da an eyner sijtten ein reckpfal an stee als von der wyßgerwer wegen und uff der andern sijtten darneben ein buttel als von der buteler wegen
    1452 FrankfZftUrk. II 146
  • daz sie [Stadt Wien] den schild mit dem guldein adler in dem swarzen veld ... nu hinfur zu ewigen zeiten ... in insigeln, secreten, baniern ... geprauchen mügen
    1461 Tomaschek,Wien I 100
  • als mich die ... geuettern in geveͣngkliche behafftung genommen haben, vmb das ich mich irs wauppens, schilt vnd helms, ... in alle wege vnerloubt ... angenomen ... hab
    1477 FürstenbUB. III 448
  • wie dann daz alles ... N., herr zu A., der letzt seines namens schilt und helms vom heiligen reiche zu lehen gehabt und verlassen hat
    1493 Rockinger
  • das du ... hinfur des namens tittels, wappens, schildes noch helms von G. ... nit annemest noch gebrauchest
    1495 Hauptmann,Wappenr. 513
  • nachdem wir als unsers vettern nechster frund von recht und natur schilt und helm fürmunder sien
    15. Jh. WürtLTA.1 I 21
  • [Münzen mit] einem adler ... und in desselben brust alwegen eins röm. kaisers oder königs ... wappen und schilt 
    1521 AugsbChr. IX 127 Anm. 2
  • daß kaine vneelich gebornen personen ... sich der eelichengebornen ererbten namens vnd stammens, schildts vnd helms on vnnderschidliche zaichen gebrauchen soͤllen
    TirolLO. 1532 III 37
  • diese E. führen ein weisz panntherthier mit schwartz undt rotten strichen in gell feldung desz schildts 
    1550 HallChr. 213
  • daß in alten lehen die agnaten, so eins namens, schild und helms seyn ... einander succediren mögen
    1621 Sachsse,MecklUrk. 331
  • wer falsche sigel, schild, helm ... machet ... ist land-gerichtsmaͤßig
    NÖLGO. 1656(CAustr.) II 88
  • wann einer von adel eine durch urtheil ... als anruͤchtig erklaͤrete person heyrathete, soll derselbe seines geschlechts schild und helms, auch der mit-belehnschafft und anwartung verlustig ... seyn
    1688 MagdebPolO. 21
  • denen vom ritter-stand, welche zu schild und helm ritter- und stifftmaͤßig gebohren
    1711 RAbsch. IV 248
  • daß jede in der ahnentafel genannte person zu helm und schild gebohren, d.h. ein gebohrner edelmann sey
    1798 RepRecht I 332
  • das successionsrecht [in der Landeshoheit] wird ... nur vom ersten erwerber abgeleitet, und der beweis dieser abstammung ist die erste bedingung zur succession, die erbfolge nach gleichem schild und helm ist ein unding
    1804 Gönner,StaatsR. 349
III 2 (in unpräzisem Wortgebrauch:) durch Unterteilung eines Wappenschilds entstandenes Feld, Einzelwappen innerhalb eines mehrfeldigen Wappens
  • das pommersche wapen ist zweymal in die laͤnge und zweymal in die quere getheilet und dadurch in neun schilde abgetheilet
    1786 Gadebusch,Staatskunde I 334
III 3 zur Kennzeichnung angebrachtes städtisches oder herrschaftliches Wappen

III 3 a als Eichzeichen
  • all dise gwicht sind bezaichnet mit aim ainigen constanzer schiltli oder crutz
    1534 KonstanzWirtschR. 82
  • im faal si [neu hergestellte Maße und Gewichte] gerecht befunden, sol der richter solche ... widerumb mit des markts zaichen oder schilt verzaichnen und prennen
    1568 Steiermark/ÖW. X 17
  • welches geschier er [fächter] gefecht hat, das soll er mit der statt schilt oder zaichen usserhalb brennen
    16. Jh. KonstanzWirtschR. 52
III 3 b als Beschauzeichen auf Edelmetall
  • ain yeder der schmelzt vnd silber macht, sollen vnnserm perkrichter vnnd froͤner zu dem treiben sagen bey vermeydung vnnser vngnad vnnd straff, der pligkh vnnd prant durch sy aufgeschriben, vnnd an der wag mit vnnsern schillten bezaichent werden
    1517 MaxBO. Art. 174
III 3 c als Grenzzeichen
  • [Grenzbeschr.:] bis an den molboum, do swert und schilt an gehouwen sint und ouch mit andern czeichen geczeichent ist
    1408 DOrdStaatsvertr. I 61
  • das der von Z. hoche gericht gaͮn soͤllenn ... bitz ... an die eich ... die mit der statt Z. schiltt ... gezeichnot ist
    1516 ZofingenStR. 192
IV Gegenstand mit einem Wappen

IV 1 Wappenschild, der beim Erlöschen eines adeligen Geschlechts im Mannsstamm in der Grabbeigabe für den zuletzt Verstorbenen aufgegeben und oft zerstört wird
Sachhinweis: HRG.1 IV 1399ff und V 1139ff
  • er ist ... in seiner eltvordern begrept, sampt seinem schilt und helm ... seitmals er kain manlichen leibs erben hünder ime verlassen, begraben worden
    1566/67 ZimmernChr.2 II 201
  • daß die zerbrechung der wapen und schilder bey dem begraͤbniß dererjenigen, so die letzten eines stammes und nahmens sind ... im gebrauch gewesen, also, daß die stuͤcke der bey dem grabe zerrissenen fahnen, wapen oder schild, helm und siegel in dasselbe geworffen werden
    1720 Lünig,TheatrCerem. II 562
  • oͤme [dem erbenlos Verstorbenen] wart helm und schilt na in de kulen worpen
    oJ. Schiller-Lübben II 233
IV 2
Wappenschild (auch Aufschwörschild, vgl. Beleg 1720), der zur Strafe zerstört wird
  • es würt entschuldiget von diser clage, wo der magistrat eim seinen schilt durchsticht, so er im streyt übel gestritten oder geschlagen hat
    1436 (ed. 1516) Klagsp.(Brant) 12v
  • es wurde ein gericht über sie [rebellierende Mitglieder eines Ritterordens] gehalten, und ... beschlossen, daß ihre [Aufschwör-]schilde und wapen abgenommen und zerbrochen ... weren solte
    1720 Lünig,TheatrCerem. II 1113
  • daß er [der das laster beleydigter majestaͤt begangen] erstlich von seinen adlichen ehren und wuͤrden solte entsetzt [werden], sein schild und helm, doch allen andern (ausgenommen seinen kindern) so selbige wapen fuͤhrten, ohne nachteil und schaden, durch den hencker zerbrochen und aus dem fenster geworffen ... werden
    1720 Lünig,TheatrCerem. II 1424
IV 3 Totenschild, der zum Gedenken an den Verstorbenen in einem Gotteshaus aufgehängt wird
  • stirbt einer aus iren [St.-Hieronymus-Gesellschaft] mittel, so sal er das cleynod nebst seinen schild und wapen dahin [capelle der heiligen drey könige zu Meissen] schicken, dass sie aufgehangen werden
    1450 Storn,Schwureinungen 318
IV 4 (Wappen-[?]) Schild jedes Mitglieds einer Handwerkervereinigung oder Stubengesellschaft; in der Stube aufgehängt oder aufgemalt, belegt er die Mitgliedschaft; bei Verkauf oder Vererbung des Schilds werden die Mitgliedsrechte übertragen; jm. den Schild rücken, heimschicken usw. js. Wappenschild aus der Stube entfernen zum Zeichen der Beendigung der Mitgliedschaft, als Strafe; auf dem Schild werden offene (Wirts-)Rechnungen verzeichnet, den Schild räumen eine offene Rechnung begleichen, in Schild schreiben, schlagen usw. auf die Rechnung setzen
  • darzuo so haben wir [Mitglieder der Leineweberzunft] an disen kouf [eines Hauses] ... etwevil geltes geben; herumb unser ieklicher in disem hus sinen sch[ild] hat
    1393 SchweizId. VIII 730
  • wer och, das unser deheiner ald des nachkommen sinen sch[ild], so er hie hat, wölt verkouffen, der soll in einem geben, so in der [Leinweber-]zunft ist, und anders nieman
    1393 SchweizId. VIII 731
  • ob deheiner unser gesellen abstürbe ... so sol ye der eltest sun sines vatters sch[ild] und stubenrecht erben
    1453 SchweizId. VIII 731
  • ob deheiner unser gesellen sich verwürkte oder beschulte ... so mögen wir im wol sinen sch[ild] abmachen ... und inn von unser geselschaft tuon
    1453 SchweizId. VIII 732
  • welher sin schilt an der gesellen brett durch sin eigen gewalt abe důt, zerkretzt oder zerbricht, der bessert fünf sh d.
    1484 Freiburg i.Br./Schanz,Gesellenverb. 227
  • welicher ... in die [Schützen-]gesellschaft und einen sch[ild] und gesellenrecht mit den schützen haben wil, der sol an die gesellschaft geben zwen guldin
    15. Jh. SchweizId. VIII 731
  • die die ürti machen, was sy eim in den sch[ild] schlachen, dawider sol er nüt reden ... item haben gemein meister geordnet, das man den sch[ild] sol rumen, und für hin, was einer ferzert, sol er bezalen
    15. Jh. SchweizId. VIII 731
  • wer in dem ungehorsam erschine, so sollen si ime den schilt ruggen
    1535 SchweizId. VI 851
  • wann der sattler an stab globen mag, daz er nüt in sch[ild] gschryben, dann das er dem S. gmacht, das S. ine der gevorderten schuld usrichten und zalen sölle
    1558 SchweizId. VIII 731
  • so sich auch ein stubengesell der ordnung gemäß nit verhielte, oder seinen stubenzins oder anders nit erstattete, demselbigen haben wir fuog vnd macht, seinen schilt heimzeschicken vnd die gesellschaft vfzesagen
    1587 WaldkirchStR. 34
  • das J.O., alter bruwer ... ein urtel zu Speire am keiserlichn camergericht gegen ein bruamt zu C. erhalten het, das man in siner ehren restitueirn, sin schilt widder uffhangen sult
    1592 BuchWeinsberg IV 145
  • soll ... ein ider maister ... seinen schildt mit gewonlichem signet uf die stuben verferttigen und nach der ordnung anhafften lassen
    1596 FrankfZftUrk. I 416
  • daz ... die zunfftmeister ... macht haben sollen, gegen dergleichen saumseligen bezahlern [der urten oder glach] entweder die pfandung vorzunemen oder denselben ihre schilt von der stuben zu hauß zu schickhen
    1598 FrankfZftUrk. I 542
  • [ist] auch einem jeden in seinen schilt nit mehr zu rechnen ... dann er verzehrt
    1598 Cordes,Stuben 188
  • es ist auch ein stubenknecht wider seinen guten willen kheinem stubengesellen schuldig, uber fünff schilling an den schilt zeborgen
    16. Jh.? Cordes,Stuben 212
  • welcher [stubengsell] aber dise ihrtinen nit geben wolte ... der sol das stubenrecht ... verlohren han, auch sol sein schilt ab der tafelen oder schiben gethan ... werden
    1619 SchweizArchVk. 17 (1913) 239
  • wann er [neues Mitglied einer Gesellschaft] sein schilt in die taffelen zum müllirad ynhin zethun willens [soll er sich beim Pfleger anmelden]
    1683 ZürichZftG. II 693
IV 5 Marktzeichen (I) mit dem Stadtwappen
bdv.: Ratsschild
  • ok schal nement korn kopen, er de schild afgenomen worde
    Ende 14. Jh. HalberstUB. I 573
  • vorbieten wir, das kein hacke sall keinerley dingk, dieweil das der schilt steckt, kaufen, wer das breche, der sall vnser stadt zwu margk geben
    1482 Haltaus 1328
  • die ... hocken sollen an wharen undt allen dem, was zu marckte gebracht wirdt, am marckttage vor zehn uhren, ehe der schielt eingetragen ist ... keinen vorkauf thuen
    1591 QÄWGMD. II 80
V Abzeichen, das an der Kleidung getragen wird, uU. mit einem Wappen versehen

V 1 von Bediensteten getragenes Abzeichen aus Leder oder Metall, häufig mit dem aufgemalten oder aufgeprägten Wappen des Dienstherrn; als Legitimationszeichen, auch zum Schutz vor Angriffen
  • weilen alle postillons unsere [Landgraf von Hessen] wapen, schild und livrée fuͤhren ... so sol kein passagier ... sich unterstehen, sie ... uͤbel zu tractiren
    1724 HessSamml. III 940
  • sind die bothen [des Reichskammergerichts] angewiesen ... einen saubern rock nach der kaiserlichen lievrey anzuschaffen, auf welchem sie einen mit dem kaiserlichen wappen versehenen schild tragen, wogegen sie auch uͤberall im deutschen reiche sicheres geleit, sicherheit und schirm haben
    1791 Malblank,Kanzleiverf. I 258
  • reitende oder gehende boten [einer Kanzlei], welche gewoͤhnlich eine bestimmte livree tragen, und ... sich durch ein schild, oder eine sogenannte botenbuͤchse auszeichnen
    1798 Bischoff,Kanzlei. II 1 S. 157
V 2 von Bettlern, Almosensammlern und Spielleuten getragen zur Kenntlichmachung der obrigkeitlichen Genehmigung ihrer Tätigkeit
  • man sol auch keinerley spilleut noch lotterer zu keiner hochzeit nit [in die Stadt] herein ... lassen. aussgenumen die ... die der stat schilt tragen
    15. Jh. Moser,MusikerGen. 41
  • man ... soll den heimpschen petlern jedem ein schiltli gäben, das er tragen soll, wann er an die spend gatt
    1527 SchweizId. VIII 735
  • von der spill lüten wegen ... die der heren oder stett schilt vnd wapen tragend ..., die selbigen sind des [Brücken-]zolls lidig vnd fry
    um 1530 AarauStR. 191
  • das niemand solch schalcksnarrn oder spilleutn, die nit in sein prot gehoͤrig, ainig schilt, wappen, ring ... anhencken oder geben [soll]
    BairLO. 1553 VI 4, 4
  • derjenigen armen verlassenschaft, so den schild tragen und keine kinder haben [soll] dem allmosen heimfallen
    1580 Lahner,Samml. 705
V 3
Erkennungs- und Zugehörigkeitszeichen
  • zu dem ersten send gangen fünff bruderschafft ... send all [bruder] in weyss kutten geklait gewesen ... und auff der lincken [prust] ain schiltlin der bedeutnuss irer bruderschaft
    nach 1495 Pilgerreisen 309
VI Aushängeschild, Hinweisschild

VI 1 eines konzessionierten Wirtshauses, in dem das Wirtsgewerbe dauerhaft ausgeübt wird iU. zu einer Straußwirtschaft
bdv.: Tafel (V 1), Tafernenschild
  • niemand sol wirten, är hab dann ein offnen schilt 
    nach 1537 GraubdnRQ. III 175
  • soll ... niemand ... kein schildt nit ußhenken, er sige dann zu der wirtschaft gerüft, also daß er sechs pfärdt ze stellen und ze halten und sechs gerüster bettstatten vf die gest wartende hab
    1560 Moser-Nef,SGallen III 900
  • is [im witbeckerampte] belevet unnd vor guedt angesehen worden, einen offentlichen kroch tho holdende, darsulvesten ein offenbahrer schildt uththohengende
    1620/50? HambHandw. 527
  • sollend die wirt, welche die bewilligung haben, offene schilt, die weinschenk aber reif oder tanngrötzlin an die heüser henken, damit der underscheid der wirts- und schenkheüseren erkennt werden möge
    1671 GasterLsch. 541
  • [Privileg:] daß er, seine erben ... dieses hauß, darinnen zue herbergen, zue speisen vnnd deßwegen einen schild außzuhengen cum jure prohibendi befugt ... sein sollen
    1681 ZHarz 2, 1 (1869) 135
  • wan die zeit, die wirtschafften wiederumb auff ein jahr hinzugeben vorhanden, werden am abend zuvor durch den großweibel alle schilten abgenommen und in das rathaus getragen zum zeichen, daß das jahr ußgeloffen und das recht der hinlichung wieder heimgefallen
    17. Jh. ArchBern 29 (1928) 220
  • ein jedtweder, so willens ist, wirtschafft zu dreiben, ehr vndt zuvor er kan schilt oder strauss auffhangen, ist schuldig dem herrn verlaubnuss zu fordern
    1709 JbLothrG. 5, 2 (1893) 159
VI 2 eines Handwerks- oder Gewerbebetriebs bzw. eines Geschäfts; einen Schild stürzen ein Schild auf den Kopf stellen, zum Zeichen der Beendigung des Geschäftsbetriebs?
vgl. Badschild
  • ob einer verarmt, das er sinen bew nicht gehalten kan, sol er einen schilt sturtz uf sin erb oder gut, sol er us dem batschildt geben des bestn, das er vermag
    1511 Hessen/GrW. III 386
  • ihre hochfürstlichen gnaden haben ... supplikanten ... verwilliget, daß er mittels aushengung einer tafel oder schildes seine profession mit caffesieden ... exercieren möge
    1697 Memminger,Würzb. 129
  • den schild einziehen, das ist, das handwerk nicht mehr treiben
    1741 Frisch II 181c
  • handlende handwerker ... sind ... berechtigt, offene laͤden zu halten, auch vor ihren haͤusern ein schild ... woran die vorbeigehende die profeßion des darinn wonenden meisters erkennen moͤgen, auszuhaͤngen
    1780 Weisser,RHandw. 234
  • das recht zur anlegung von werkstaͤtten und bezeichnung mit schilden kann dem aufgenommenen meister nicht verwehrt werden
    1824 Mittermaier,PrivR. 462
VI 3 einer Gesellenherberge für die Handwerksgesellen auf der Wanderschaft; den Schild haben die Pflicht zur Beherbergung der durchreisenden Handwerksgesellen haben
  • we tom jungen mestere gekoren wert, de schal den schylt hebben eyn jar unde de knechte herbergen
    1561 ZNdSachs. 1886 S. 183
  • wann ein frembd gesell wandern kömbt, der soll sich auf der verordneten herberg verfügen, alwo das schild außhänget
    1733 Kolz,LütjenbHandw. 134
VI 4 Tafel, Platte mit einer Aufschrift
  • pfaͤhle mit schildern ... und darauff ... geschriebener straffe [zur Verhinderung von Frevel an Bäumen]
    1729 HessSamml. III 1032
  • ein separates lokal, oder wenigstens die abwechslung in blechernen schildern mit der aufschrift peinlicher arrest und bürgerlicher arrest soll den unterschied zwischen dem infamirenden und dem blos bürgerlichen gefängnis bezeichnen
    1806 Schindler,VerbrFreib. 96 Anm.
VII geheimes Zeichen eines Landstreichers, Gaunerzinken
  • das schiltli zuo R. am spycher hab er mit kolen gmalet, H.I. hab ins glert für ein wortzeichen machen
    1551 SchweizId. VIII 733
VIII Brett am Hals eines freilaufenden Schweins, um es am Durchbrechen von Zäunen zu hindern
  • wär ... schwin hat, der sol eim schwin ein schilt an den hals henken ... und einen hirten uff dem ars haben, der es am zun erlösen mög
    1556 LuzernRQ. II 317
IX eine Goldmünze, urspr. in Frankreich geprägt und nach dem Wappenschild im Münzbild benannt, auf dem der König sitzend dargestellt ist; mit unterschiedlichem Wert in anderen Herrschaften nachgeahmt; auch Rechnungseinheit für Münzwerte; einen Schaden ablegen unter Schilden einen Schaden mit Schilden berechnen (Beleg 1309)
  • thi fresca sceld is xxx grata fan Staweren to Groninge to. ende ti groninga sceld is ix grate. ende qwaed thet, teth ti sceld is xlj grate ende ti grate is fior scubben iefta fyff lyodera panninghen [der friesische Schild gilt von Staveren bis nach Groningen 30 Grote. Und der Groninger Schild gilt 9 Grote. Und das heißt, dass der Schild 41 Grote gilt, und der Groot gilt vier Schuppen oder fünf Leeuwardener Pfennige] 
    2. Hälfte 13. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 424
  • dat men allen scade ... aflegen sal onder scilde 
    1309 GroningenUB. I 160
  • ducentos aureos scutos vulgariter dictos schilde 
    1345 SiegenUB. I 181
  • xx vlaemsche scilde van xliiij grote tstic
    1366 InvBruges III 140
  • tijt die richter nae uytwijsinge der scepene yement sijn lijf af wynt ind richt aenden doet, dan is hie van sheren wegen den scepenen oir kost schuldich, dat is een maeltijt van enen alden gulden schilde 
    1390/1401 KalkarStR.(Flink) Art. 84
  • is dat roof twe olde scilde of min, den heere vier olde scilde to broeke
    1398 Schwartzenberg I 286
  • thio merck is jn thisse botem twene scildan and ti schild fijf scillinghen [eine Mark gilt in diesen Bußtaxen zwei Schilde und ein Schild fünf Schillinge] 
    2. Hälfte 14. Jh. (Hs. 1424) WesterlauwersR. I 494
  • dat alle onse borgere ... jaerlix geven ... eenen ouden vrancricschen schilt 
    1410 UtrechtRBr. I 260
  • dat wy hebben ontfanghen enen staf ende dre schenckvate van den abbat van L. voer vierhonderd olde schilde to pande
    1420 OstfriesUB. I 235
  • enen penninck von goude, geheiten enen halven schilt, die houden sal inder aloye vijftien karaet
    1430 Fruin,Dordrecht II 58
  • soe we enen doetslach doet ... soe sal wesen een mangelt tsestych olde schilde, ende half soe voele toe broke, den schilt gherekent voer dertich olde vleemsche
    1448 (Hs. 1532) GroningenLR. 320
  • soe wie dat stelt bouen een vrancxsche schilt, die verboert zyn lyf
    1456 SneekStB. Art. 137
  • [wer] mit dem rechten niderlit vnd sin sach verluͥrett, das der vnser stat uon B. vmb zechen schilt veruallen sin sol
    15. Jh. BernStB. 61
  • 500 gude alde gulden schilde, munten des kaisers van Romen of des conincks van Frankrich, 26 guede colsche witpenningen vur einen jedern schilt gereckent
    16. Jh. NrhAnn. 5 (1857) 10
  • sollen die erben das churmut enden mit einem alten scheldi, welches der hoefer erachtet vor achtzehn rader albus
    1602 Untermosel/GrW. VI 539
X
Medaille, die eine Zunft zu besonderen Anlässen erhält und die als Ehrenzeichen an ihren großen Pokal gehängt wird
  • wann einer ... von denen [Sager-]brüdern ein unterschneyder wird und von den alten aus der reige genamen wirdt, derselbe soll und musz ein silbern schildt zur verehrung an der brüderschafft hänse geben
    1581 HambZftRolle 207
  • wan ein meister einen lehrjungen annimpt zu lehren, sol der junge dem ampt zu geben schuldig sein 4 rthlr und dabey ein pfund wachs und ein silber schild an die wilköhm
    1709 Kolz,LütjenbHandw. 140
XI nur Dim.
in Aachen vor dem Rathaus: dreieckiger (schildförmiger) blauer Stein, auf dem Hinrichtungen stattfinden, im 18. Jh. steht der zum Tode Verurteilte nur noch auf diesem Stein bei der Urteilsverkündung
  • welche aber durch bürgermeister und rath mit dem schwerd zum tod verurteilt, sollen die bürger und reichs-unterthanen ... auf dem schildgen für dem rathhauss ... die fremde aber ... ausserhalb der stadt Aach ... auf der heiden ihre verschuldete straf empfangen
    1660 Fürth,AachPatrizier 275
XII abgegrenztes (schildförmiges?) Stück Land, Parzelle, auch: Teil eines Gartens mit Beeten
  • der sch[ild] gelägen an dem morgen gilt järlichen 10 ß
    15. Jh. SchweizId. VIII 739
  • ein garten mit 6 grossen sch[ild]en 
    1812 SchweizId. VIII 739
  • by den 5 morgen eyn schildeken 3 schepell. eyn schildeken, dar men vnse vlas seyet
    oJ. Schiller-Lübben IV 90
XIII ein Fleischstück von Rindern und Schweinen
  • sy [Metzger] sond ouch die schluchbraten nach die schilt vnder den bůgen vf den rindren nit naͤmen, dann die darin howen by einem lib. zebůß
    um 1510 AarauStR. 166
  • da auch ein wildschwein gefangen, davon gebühret dem richter anstad vnsers gnädigsten churfürsten vnd hern der kopf vnd rechtes schilt 
    1580 Westfalen/GrW. III 76
  • schild heißt ... der breite, dicke knorpel, welchen die starken keuler und hauptschweine uͤber den blaͤttern oben auf dem ruͤcken im herbste bekommen, wenn sie feist werden
    1810 JagdWB. II 205
XIV ein Hilfsmittel bei der Jagd
  • es soll ... aller paurschafft ... fliegent wildpraet mit den netzn, pern, schiltn vnd allem andern zeüg zefahen in vnserm land gentzlichen vnd gar verpotn sein
    BairLO. 1553 IV 23, 4, 1
  • die [Bürger und Bauern] sollen sich auch alleß vogelfangs mit netzen, pern, schilten ... enthalten
    1654 NÖLO. V 2, 8 § 6
  • schild ist ein stuͤck leinwand, worauf eine kuh, ein pferd etc. gemahlt ist, und welches die jaͤger bey dem rebhuͤnerfange mit dem treibezeuge brauchen
    1810 JagdWB. II 205
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):