Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): schinden

schinden

, v., subst.

verkürzter subst. Inf. schin; Prät. auch schant, Part. Prät. auch geschunnet; glossiert excorio, decortico, revello AhdGlWB. 544

I die Haut abziehen

I 1 bei Tieren: häuten, das Fell abziehen, auch: schlachten (I) 
  • ist das einer ... ein ros oder ein rint schindet newer umb di haut, daz si di verchauffen, und lazzent das flæsch ligen ... man sol di diup hâhen
    vor 1328 Ruprecht(Claußen) Art. 100
  • swas vehes dehein fleismetziger kouffet, daz sol er ouch selb schinden 
    14. Jh. LuzernRatsbüchlein 12
  • man het bestelt umb solt 6 flaischhacker und gab einem den solt als fußknecht, darzu hetten sie auch alle heut von dem vihe, daz sie schunten im feld
    Mitte 15. Jh. NürnbChr. II 256
  • keyns schefers sone sol man auf das hantwergk zue leerknecht nit nemen ..., der selbs mit der hant schelmen geschunden, dortzue hant angelegt oder geholfen hette
    1464? BayreuthStB.2 21
  • sol füro kein beck oder metzger kein swein mer schinden, denn das zwair guldin wol wert ist oder darüber
    1488 NördlingenStR. 241
  • do ließ er das [kranke Rind töten und] schinden, darnach vierteilen und verkauft das ein teil [verbotenerweise] unserm mitburger
    vor 1524 LeipzigSchSpr. 549
I 2 bei Menschen: als Strafe an einem Toten, strafverschärfend bei lebendigem Leib; part.: von Haut entblößt (Beleg 1428)
  • in wil sîn ouch niht brennen noch zerliden noch schinden noch mit dem rade zerbrechen noch ouch dar ûf binden
    1190/1230 WaltherVogelw. 85, 14
  • is dat een steefslach of dat sal [lies: fel?] ghequesset, dat dat het [lies: g., dat het?] schinnen sy, daer gheve hie van dubbelde beterijnghe
    1428 VerslOudeR. 4 (1903) 145
  • do ließ er den venedigern allen ir haubt abschlachen und irn haubtman schinten 
    1445/55? SächsWChr. 4.Bair.Fs. 377
  • [C. strafte den ungerechten Richter] schand in, hankt d hut an richtstuol
    1525 SchweizId. VIII 902
  • das B. zů erst geschlagen, darnach geschunden, zů letst enthaupt wurde
    1531 Franck,Zeytb. 266r
  • hat der türck ... Famangusta, die andere hauptstadt in Cipern, mit geding aufgenommen ... alle gesabelt, den obristen haben 2 juden schinden müssen, die haut dem türcken gen Constantinopel geschickt
    vor 1578 Schertlin(Schönhuth) 159
  • das ertrencken, wie auch das schinden, lebendig vergraben und pfaͤilen ... [sind] in diesen unsern erb-laͤndern nicht gebraͤuchig
    NÖLGO. 1656(CAustr.) 48 § 7
  • Sysamnes [Richter im Perserreich] soll andern ungerechten richtern zur abscheu und vorbild lebendig geschunden, dessen haut uͤber den richter-stuhl gespannet [worden sein]
    1712 Abele,Gerichtshändel I 314
  • daß sie [scythen] die im kriege gefangene nicht nur lebendig geschunden, sondern haͤnd und fuͤsse abhaueten, und zu felde in ihrem lager verzapeln liessen
    1737 Fuhrmann,Öst. IV 87
II von einem Baum Rinde abschälen; in einer spiegelnden Strafe wird dem Frevler für verbotenes Schinden ein entrindetes Holzstück angehängt
bdv.: 2schelmen
  • ob ain aych geschunden wurd vor ainß gütter, vnd der waibel oder der keller daß ... sycht, dye sond es fürgen, dye sond sy mytt recht vernemen
    2. Hälfte 15. Jh. Alemannia 9 (1881) 15
  • das ... niemand in den holtzern gemeiget oder geschunden holtz, noch sust grün holtz ... howen solle
    1500 BernRatsman. III 86
  • [ist er] darumben in gefenknus komen, das er ... etliche bäum geschunden und verderbt ... ist weyter erkant, ine ins halsysen zu stellen, ein geschunden baum ime anzuhenken und der statt vier meyl wegs weyt und breyt zuverweisen
    1576 Schindler,VerbrFreib. 312
  • auf das geschlagen holz, man schints oder schints nit, soll man das march darauf schlachen
    1586/1604 OÖsterr./ÖW. XIII 189
  • wöllicher ainer dem andern ainen schlachtbaum schint oder ausgruebt, der ist in der herrn straff
    16. Jh. Steiermark/ÖW. VI 109
III einen (Raub-) Überfall verüben, jn./etw. ausrauben; plündern; jn. von etw. schinden jn. einer Sache berauben; eine Straße schinden Straßenraub begehen
  • dat we husen unde heghen de one schinnet unde rovet hebbe ute der stad unde inte der stad
    1369 HildeshUB. II 178
  • [sie] slogen ... B.v.G. unde H.v.G. doͤt mit exsen unde mid swerden, unde schindeden do ere huͤs
    1374 HanseRez. II 90
  • dat ik ... hebbe see schinnet uppe hanthafter dat, dar see myns heren man schinneden unde sine strate
    1377 LünebUB. II 275
  • do wart he in uses heren lande gheschunnet, gherovet unde ghemordet
    1384 StralsVerfestB. 57
  • were auͤch, daz unser keiner in dieser eynunge geschint odir gerauͤbet wurde, den, der daz getan hette, en sal under uns nyemant husen, halden, spisen, schuren, schirmen odir verantworten
    1391 Storn,Schwureinungen 71
  • oek enschullen dusse ... vnse strate vnde vnse geleyde nicht schinden 
    1393 BrschwHzgUB. VII 229
  • dat wy [Städte] vns vereynet ... hebben vp diegene, dy ... die straten roͤven, schinden vnd des nachtes puchen vnd vpstoten
    1393 Fidicin IV 95
  • dat he van juwen mannen unde borgeren to H. ... gheschindet vnde rovet werde
    1399 HildeshUB. II 619
  • W. die bestridde de stad to S. ... vnde wan sie vnde schinnede zee van alle ereme gude
    2. Hälfte 14. Jh. BremGQ.(L.) 68
  • [Klage, dass] unse utleghers tor zee juwe vrunde ... solden gerovet hebben unde geschynnet up der zee
    1402 HanseRez. V 60
  • [Klage, dass sie] arme luthe ... off freyer strassen, widder den eyth, den sie sampt mit euch gesworen haben, geschyndet und gerowbet haben, und haben das genomene getreben off ire slosse
    1403 CDPruss. VI 151
  • myt roue, myt schynne, myt brande odir ... myt ghewald
    1408 Riemann,Colberg Anh. 34
  • des lantgraven van Doryngen man mit den irbarn lewten gesessen an der Sael ... schynten vff des reiches strasse die kouflewte die von Behemen ... zogen mit ir koufschatz [kegen Frangkfort]
    1421 Rothe,DürChr. 565
  • L. ... schant einen bylgram
    1430 BambEchtb. 60
  • offt saicke weer, dat yemant in V. onse straten schinden, gewalt, roeff, brant off dinghtale dair in dede
    1432 Nijhoff,Ged. IV 85
  • oft denne etlik were, de ... mit rave, morde, schinne, brande, gripende ofte jennige ander ungelimpe und unrecht dede
    um 1457 PommMbl. 18 (1904) 72
  • schal de jene, dem schin, rof, mordt brandt geschen is, an sinen schinre, raver, morder ofte berner ... an rechte nogen laten
    um 1457 PommMbl. 18 (1904) 73
  • dat de jenen, de schinnet, rovet, brandt und grepen szint, sick sulven wolden wreken und sick an rechte nicht nogen laten und de schinre, rover weder schinneden ofte brande, so dat de ock breken ... an uns und de herschop
    um 1457 PommMbl. 18 (1904) 73
  • dat dee van S. vns alle gewalt schyn vnde roff ... gedan hebben
    1459 LübUB. IX 786
  • schindede effte rovede ok jemand uppe des hilgen rykes unde uppe unsen bisscop M. vryen straten ... deme eder den schulle wi ... sturen
    1476 HildeshUB. IV 183
  • do vergadderden sik 180 houetlude ... to scindende de strate twisken Luneborch vnd Molne
    Mitte 16. Jh. HambChr. 36
  • zoe wen dat die stadt utsenden, die reden off gyngen schynnen off um enigherhande roverie van den banner
    16. Jh. VerslOudeR. 3 (1898) 340
IV
übtr.: herauspressen, aussaugen, ausbeuten; formelhaft mit schaben (II) 
  • in 36 jarn haben sie geschunden und zesamen tragen ab den webern und [dem] armen man ob den zwaimal hunderttausent gulden
    1512/36 AugsbChr. VI 48
  • von dem, was sie ... beschirmen sollten, haben sie uns geschunden und geschaben
    1525 Zimmermann,Bauernkrieg II 105
  • [dass die zu Rom das Kloster einer kleinen Schuld wegen] biß auf das bar bein schundend und einen scharpfen stachel füertend
    1546 v.Watt,DtHistSchr. I 277
  • verbeut alle ungerechtigkeit ... auch falschen schein der gerechtigkeit, als nit allein ist das offentliche rauben, stelen, scharren, kratzen, schinden, schaben ... wuchern ... sondern auch das heimliche stelen mit geizen, triegen
    1567? Regensburg/Sehling,EvKO. XIII 469
  • von dem verteufelten ... geiz, schinden und schaben
    1634 JbNördlingen 21 (1939) 119
  • [daß der juͤden] trachten dahin zielet, daß sie sich des schindens, schacherns und heimlichen betrugs wider die christen gebrauchen
    1672 Wüst,Policey II 667
V geschunden Bett abgezogenes Bett, Bett ohne Laken und Bettbezug
  • die banherren hant ouch macht zuo nún jaren eins einen leger zuo B. zuo haben und nit mee, und uff sollich zite sol man ime stro und howe und ein geschunden bette geben
    1458 Hanauer,Constd'Alsace 330
  • [Pflicht zur Beherbergung:] soll des meyers frauw den dinckhoffsherren auf ein geschunden bette legen mit krachenden [frischen, unbenutzen] lailachen
    oJ. Alsatia 1854/55 S. 41
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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