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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Schinder

Schinder

, m.

auch Schinner 

I Abdecker, der toten Tieren die Haut abzieht und die Kadaver verscharrt, Kloaken reinigt, herrenlose Hunde totschlägt, Selbstmörder ua. auf unehrenhafte Weise begräbt usw.; aufgrund seiner Mitwirkung bei Tortur und Hinrichtung wird die Bez. auch auf den 1Büttel (II 3), Henkersknecht und Scharfrichter (I) übertragen; er und seine Familie gelten bis ins späte 18. Jh. als in der Ehre gemindert (unehrlich) und daher zunftunfähig
Sachhinweis: HRG1 IV 1409f
  • fleisswerg ... ist eyn houpthantwerg und hat vel andir hantwerke undir em, alz jeger, weydelute, fleisshouwer, schinder, koche, garbreter
    Ende 14. Jh. EisenachRB.(Rondi) III 119 § 6
  • was [bei der Fleischbeschau] iii heller nit wert ist, das sol der schinder uff das espan tragen und sol der metzger dem schinder davon geben iii den.
    1464 IsnyStR. 241
  • 12 sh dem schinder mit synem karren und dem pferde dem zuchtiger nachzufahren als man die junge dirn lebendig begraben solt
    1498 Rau,BeitrFrkf. 31 Anm. 92
  • nen man unses werkes [Schusterzunft] schal don deme schinnere effte deme dodengravere offte paghenvilre vordel noch mit etende effte drinkende
    nach 1512 (Hs.) PommMbl. 28 (1914) 131
  • der wasenmeister oder schinder soll schweren ... einem schultheissen vnd rat sampt gantzer gemeind nutz ze fürdern vnd schaden ze wenden ... vnd gehorsam zu sein
    um 1540 RheinfeldenStR.(SchweizRQ.) 287
  • am selbigen ort vor des nachrichters hausz stott der schrancken unter einer linden, do man disz gericht haltet, ... vor disem gericht rechtfertigen die scharpffrichter und salvo honore die schinder einander
    1597 Basel/GrW. I 819 Anm.
  • soll ... der coͤrper des verstorbenen [duellanten], wann er ober-officier, adellicher ... in loco inhonesto, in der stille, durch den toden-graͤber, andere aber durch den schinder an einem unehrlichen ort eingescharret ... werden
    1723 Lünig,CJMilit. 923
  • schaͤfer und schinder sind geschwister kinder
    1724 Pistorius,Thes. VII 561
  • was das recht der schinder wegen der hunde anbelangt, so muͤssen sie ... durch der stadt ... ihre gassen gehen und die hunde, welche keine von ihnen vorhero geloͤßte zeichen anhaͤngen haben, wegfangen und toͤdten
    1727 Pegius,JurErgötzl. 19
  • [dass der,] welcher sich selbst gewaltsamer weise das leben nimmt, ... vom schinder oder buͤttel, anderen zu desto groͤsserem abscheu ... oͤffentlich weggeholet und verscharret ... werden solle
    1731 CCMarch. II 3 Sp. 159
  • sollen ... die kinder derer land gerichts- und stadtknechte, ... gassen-kehrer, bach-feger, schaͤfer, und dergleichen, in summa keine profeßion und handthierung dann bloß die schinder allein bis auf deren zweyte generation, in so ferne allenfalls die erstere eine andere ehrliche lebens-art erwaͤhlet, und darinn mit denen jhren wenigst dreyßig jahr lang continuiret haͤtten, ausgenommen, verstanden, und bey denen handwerckern ohne weigerung zugelassen werden
    1731 RAbsch. IV 379
  • die scharff-richter, abdecker und schinder sind von der accise nicht frey, jedoch entrichten sie dieselbe nicht von den pferden, welche sie vor ihren karren zum heraus-schleppen gebrauchen
    1736 CCMarch. IV 3 Sp. 490
  • findet sich aber, daß er [Soldat] eine solche infamie, welche ihn zum ferneren dienst untuͤchtig gemacht haͤtte, faͤlschlich angiebt, so soll er eben so, als wenn sie wahr waͤre, bestrafet, durch den schinder zum schelm gemacht ... werden
    1749 CCMarch. Cont. IV 160
  • untuͤchtige und exceptions-maͤßige gezeugen seynd: ... leute ... veraͤchtlicher profession, z.e. blut-schergen, schinder, henker
    1751 CJBavCrim. II 5 § 9
  • die scharfrichter, abdecker, schinder, und hundsschlaͤger sollen, sobald als selbe ihre handthierung ablegen, ... keinerdings mehr fuͤr unehrlich angesehen ... werden
    1753 SammlKKGes. II 246
  • in dem Kur-Brandenburgischen muͤssen die scharfrichter und schinder dunkelgraue kleider ... und rote huͤte ... tragen
    1757 Estor,RGel. I 431
  • die geringschaͤzung der schinder ist ... aus den roͤmischen und geistlichen rechten herzuleiten
    1757 Estor,RGel. I 431
  • des schinders grausame verrichtungen bestehen 1) im angriffe bei der folter, der auskleidung etc, auch vollzihung der folter selbst, 2) im aushauen mit ruten, 3) oren und nasen abschneiden, 4) brandmarken, 5) haͤnde und finger abhauen, 6) wippen, ersaͤufen, ... 18) die vollstreckungen im bildnisse, als hencken
    1757 Estor,RGel. I 432
  • der scharfrichter leget an keinen missetaͤter hand an, solchem nach foltert er nicht, ... sondern er laͤsset dises ... durch seine leute verrichten, wofern kein besonderer hencker, oder schinder bestellet ist
    1757 Estor,RGel. I 434
  • daß der schafmeister B. an einigen aus seinem schafstall gefallenem viehe selbsten hand angelegt, und somit hierdurch denen schinderen sich gleich gemachet habe
    1763 Cramer,Neb. 37 S. 13
  • [mit einem schandflecken behaftet sind] die unehelichgebohrne, von schlecht- und veraͤchtlicher profession ... die schinder, henker, blutschergen, und andere mit dem malefitz beschaͤftigte amtsknechte
    1768 CompCodBav. 420
  • sollen keine als bloß allein die kindere der schinderen bis in die zweyte geschlechts fortpflanzung ... von erlernung deren handwerken ausgeschlossen seyn
    1769 BadZftO. 125
  • wie man ... in lebzeiten mit henkern, schindern und schergen nicht gern umgang pflegt, so werden auch diese nach dem tod auf dem freythof von andern abgesondert, und nahe an der mauer an einem eck begraben
    1772 Wagner,Civilbeamte II 139
  • nur diejenigen, welche bisher die geschäfte eines schinders oder abdeckers wirklich getrieben haben, ist eine zunft oder innung aufzunehmen nicht schuldig
    1794 PreußALR. II 8 § 280
  • ehrlosigkeit: sie ist folge aller strafen, welche der schinder vollzieht, und deswegen auch von dem ausstellen an den pranger oder schandpfahl
    1798 Grolman,KrimRWiss. 135
II insb. mnd.: Wegelagerer, Straßenräuber, Plünderer 
  • schulle we vnde vnse ammychtlude ... vnses vedderen straten rouere, schinnere, mordbernere vnde syne ver vesteden lude ... nicht heghen noch husen laten
    1362 BrschwHzgUB. III 93
  • dat nemand schal husen odir vordedingen schynnere, rouere odir vnrechtferdige lude
    1386 CDBrandenb. I 25 S. 271
  • schal de jene, dem schin, rof, mordt brandt geschen is, an sinen schinre, raver, morder ofte berner ... an rechte nogen laten
    um 1457 PommMbl. 18 (1904) 73
III
übtr.: Schlächter, Blutsauger, hier auch: als Beiname der Armagnaken
  • von der schinder wegen, da uns eigenlich geschriben ... ist, wie der talphin mit 5600 pferd ufbrechen und sich für B. schlachen ... wellen
    1444 SchweizGForscher 6 (1827) 383
  • von solchs überzugs wegen, so der telffin des künigs von Franckrich sun, mit den franzosen und bösen lüten, den man spricht den schindern, in dis land getan, vil stette, dörffer, lande und lüte darinnen verderbt
    1445 Schöpflin,AlsDipl. II 378
  • und stiesent die schinder der guotlüt hus an vnd verbrandent das
    1446 JbGlarus 32 (1896) 138
  • weilen nun etliche geizhäls, schinder und wucherer gegen ihrem nebenmenschen und mitburger keine christliche liebe bezeiget, sondern nur [sie] zu unterdrucken und auszusaugen begehrt
    1634 JbNördlingen 21 (1939) 119
  • von den Helvetiern wurden sie [Franzosen], weil sie gar übel im lande hauseten und jederman unträglich geldschätzten, die schinder ... genennet
    1668 Fugger,Ehrensp. 552
IV pejorative Bez. für den jüdischen Schächter?
  • das selb kint hab gesechet und getoͤtet der iuden schinder oder secher genant Abraham
    2. Hälfte 15. Jh. (Hschr.) ZGO.2 2 (1887) 319
V Person, die gewerbsmäßig Rinde von Bäumen abschält
  • sollent die von O. eym schynder alle jare ein huͤndert holczs geben uß der geeygetten buͤsche
    1428 ZGO. 2 (1851) 23
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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