Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Schlagschatz

Schlagschatz

, m., Schlägeschatz, m.

vereinzelt Schlägel-; Grundwort auch dissimiliert zu -satz 

I bei der Herstellung von Münzen erzielter Gewinn, der auf der Differenz beruht, die sich zwischen dem Nennwert der Münze einerseits und dem Materialwert und den Prägekosten andererseits ergibt; im engeren Sinne die im Rahmen des Münzregals für die Münzherstellung an den Münzherrn (I) zu zahlende Abgabe
  • in der stat ze Z. ... ist ein muͥntze; da git man je von der marche ze schlegsatze 6 ₰
    1306 ZofingenStR. 45
  • do sol der ... munssemeister eime yeglichen alle die pfenning geben, die davon [vom Silber] werdent, ussgenomen den schlegeschatz, den machelon und das davon geburte
    1322 StraßbUB. IV 2 S. 151
  • wi sullen hebben van sleyscat van elker ghewrachter ... marc gouts een haluen gouden hallinc
    1355 Dordrecht(Wall) I 251
  • hait ein montzemeister sine teil an dem schlageschatz 
    1356 MainzChr. I 350
  • xiijc x moutons, desquels il sont assigné sur le moitié du sleyscat de tout le buillon, tant dor comme dargent quil mettront as dictes monnoies
    1357 CartLouisdeMale II 192
  • sullen ouch dieselben vnserr münzze ze W. ... slahen ... vmb rechten vnd gewonlichen slaizshatz 
    1359 Kurz,Rud. 327
  • daz in den vier steten ... haller geslagen werden ... davon wir [Wenczlaw romischer kunig] auch unsern slahschatz haben sullen
    1385 NürnbChr. I 240
  • slagschaczs ... sol halb in unsre kunigliche camer und das andere halb teyl den egenanten burgern von N. gefallen
    1422 NürnbChr. I 246
  • dar ze van uthgheven scholen alle jar, dewile ze de munte hebben, unsen capittele eyn unde twyntich bremer mark to sleschatte 
    1423 BremUB. V 222
  • hierof sullen ons onse ... muntmeesters geven ... ten sleystat van elc marck fijns gouts
    1430 Fruin,Dordrecht II 58
  • [der Münzer] sol von jeklicher geschickten marck steblern vnd fuͥnfern minen herren einen plaphart zuͤ slegstab geben
    1468 BernStB. 4
  • maister H. soll ... uns geben von yeder geschickter marck zu schlegschatz zween schilling heller
    1478 Wielandt,BadMünzG. 341
  • sollen die ... monzmeister M. und J. uns von dem golde, so sie munzen werden, von ieder mark werks ein ort eins gulden zw schlechschacz geben
    1507 ArchUFrk. 22 (1874) 180
  • die [alten munzherren] sollen bey des reiches munz, wie die verordent werden, iren munzvortail oder schlegschatz nach erkantnus haben
    1525 Fries,OstfrkBauernkr. I 439
  • den halben batzen schlegschatz nachglassen dem müntzmeister hie
    1549 BernRatsman. II 263
  • 123 ℔ 2 ß tho slegeschatte, praesentatum per ... dominos monetæ
    1552 HambKämmRechn. VI 460
  • soll ... ein muntz auffgericht, und mit dem schlagschatz, wie von alter herkommen ist, gehalten werden
    KrainLHdf. 1598 Bl. 32v
  • ist ... [der] münzmeister aber obligiert, den verglichenen schlagschatz allein zu bezahlen
    1622 NeuburgKollBl. 86 (1921) 19
  • müntzarrendator bittet moderationem des schlägeschatzes 
    1663 ProtBrandenbGehR. VI 793
  • dabey ... uns neben abtrag aller muͤntz-kosten ein billiges ... zum schlag-schatz uͤberbleiben ... moͤge
    1667 CCMarch. IV 1 Sp. 1265
  • 500 mark fein, welche sr.hochf.d. ohne davon zu nehmenden schlagschatz vor mich ... ausmünzen zu lassen ... concedirt
    1733 Stern,JudSüß 194
  • schlageschatz ... eine ... abgabe, welche dem landesherrn fuͤr das muͤnzrecht entrichtet wird
    1762 Wiesand 965
  • ausgemünzet wird ... silber die mark vom thaler bis zum groschen abwärts zu 13 loth 6 grane sein, folglich mit 2 loth 12 grane schlagschatz 
    1804 Gönner,StaatsR. 663
II obrigkeitliches Recht auf Erhebung und Einnahme des Schlagschatzes (I) 
  • percussio numismatis, que slegelscath vulgo dicitur
    1255 KölnReg. III 1 S. 251
  • mandamus ... quod priorisse et conventui ... monasterii Se. Crucis in Tulna, singulis annis, sexaginta marcas denariorum wiennensium ... sine requisitone iuris, quod slaschaez dicitur, fabricetis
    1281 Herrgott,MAustr. II 1 S. 253
  • den slegeschacz damyte ... wir dy genante stat W. bygnadit vnd bewirdigit haben
    1371 Weimar/Michelsen,Rdm. 515
  • [wir, Bischof von Basel] gebent inen ... unser muͥntze ... mit allen rechten ... es sie slegschatze, muͥntzen ze gebende und ze wandelonde
    1373 BaselUB. IV 343
  • wille wij, vnse eruen vnde nakomelinge noch en schullen neyne rente noch sleyschat ane vorlenen, vorpenden, vorkopen ... sunder de muntye schal vry wesen
    1412 BrschwUB. I 185
  • das wir [Hzg.] vorkouft haben ... dem ... burgermeister, ratmannen und ... stat zu T. - funf schog groschen - slegeschatz gnant
    1456 TorgauUB. 40
  • da ... der lehnsherr die oberlehnsherrlichen befugnisse behaͤlt, so bleiben ihm folgende gerechtsame: ... das muͤnzrecht ... der schlagschatz 
    1799 RepRecht III 228
III beim Umtausch alter oder fremder Münzen in neue, einheimische zu leistende Abgabe an den Münzmeister, ua. zur Deckung der Kosten der Münzstätte; auch bei Geschäften, die eine Umtauschpflicht umgehen, zu leisten
  • swa man ouch silber koͮfet oder verkoͮffet, da ist man schuldich dis slegschazis, von der marche vier pfenninge
    um 1270 BaselRQ. I 1 S. 8
  • swaz [silber] auch der burger mer kaufen wil, danne als davor geschriben ist, daz sol er mit des munzmaisters worte kaufen, unde sol ez auch waegen vor dem munzmaister. swelich burger diu selben reht brichet, als si da geschriben sint, der git dem munzmaister sinen slahschatz von dem silber, daz er wider reht kaufet hat
    1276 AugsbStR. Art. 8 § 8
  • swaz auh verslagener phenninge ist, swelher hande munzze die sin, die ensol niemen waehseln, wan der munzmaister ... swaer daz brichet, bewaert ez der munzmaister vor dem vogte, der ist dem vogte schuldik eins phunt phenninges unde dem munzmaister des schlahschatzes, als dicke so er ez brichet
    1276 AugsbStR. Art. 8 § 9
  • swaz kornes kumet zu E. ... daz sal man koͧffen mit nuwen phenningen, oder man sal davon geben slegeschatz 
    1289 ErfurtWeist. 12
  • daz cimmerholtz ... sal man choͧffen mit nuwen phenningen. koͧffet man es mit alden phenningen abir, so sal man da von geben slegeschatz 
    1289 Höfer,ÄltesteUrk. 42
  • swelich munzer wonet uzer der stat und cofet silber in der stat, der sol geben der munzen reht, dem man sprichet slegeschatz 
    Ende 13. Jh. Straßburg/ZGO.2 14 (1899) 280
  • welt aber dehainer des müntzmaisters mitburger, ze ansicht und kuntlich sin notdurft, silber kouffen, der sol dem münssmaister an des schlagschatzes statt ainen schiling, und umb die mark silbers .xl. schiling pfening geben
    um 1340 ThurgauUB. II 495
IV eine (urspr. vom Käufer zu entrichtende) Umsatzsteuer auf unterschiedliche Waren; Handelsabgabe, mancherorts nur von auswärtigen Kaufleuten zu entrichten; meton. auch das Recht, den Schlagschatz einzuziehen; in Marburg erfolgt die Schlagschatzerhebung unter Beteiligung der Zünfte
  • debito cujusdam exactionis, quod sleischat dicitur, eos alleviavimus
    um 1181 BremUB. I 66
  • keuft ein gast einen kauf der do vorborget ist, und bleibet in der stadt, der sal nicht schleyschatz geben
    13./16. Jh. GothaStR. 222
  • furit ein man wolle, hofphe, vleiczh, vnslit ... durch die stat czu L., der ist schuldik czu czolle von dem pherde eyn scot ... vorkouft her is zu L., so gibt her von der marke ein quart, das heysit slegeshacz 
    1328 LiegnitzUB. 56
  • wir ... lantgrave zu H. ... bekennen ..., daz wir unsirn ... scheffen, rad und burgern zu M. unsern slegeschatz daselbis geluwin han
    1363 MarburgRQ. I 91
  • wie wollenwebermeister, die gebin erin sleschatz ... von eyme kluder wollen, das er eyner deme andern virkeuffed, eynen pennig zcu sleschatz 
    1420/24 MarburgRQ. I 475
  • virlihed die staid den sleschatz vor der barfussenporten
    1420/24 MarburgRQ. I 483
  • nachdem bey inen in vnser stadt ein gemein niderlage ist vnnd dry iarmarckt, dohin zu seiner zeidt vill volckes vnnd außlendischer koufflewt komen, vnnd als man in allen stetten, wue solch handel ist, einen schlageschatz hadt, der bey inen so ... gering ... haben vnns fort gebeten, solchen schlegeschatz zwhoen
    1464 LeipzUB. I 303
  • ye teuͤrer eyner seynen weyn gibt, ye mehr slegsacz dovonn gefellet
    1470 LeipzUnivUB. 188
  • wie viel eyn iglicher von einer iglichenn wahre die zu E. gekauft, zu wagen oder zu karn gefurdt, oder dohiene getragen wurdet, zu zoll oder zu schlegeschatz geben sal
    um 1520 Michelsen,MainzErfurt 33
  • daß ihr, der rath, von jedem brantweinbrenner und schencken jaͤhrlich 2. thl. 18 gr. unter dem titul eines schlaͤge-schatzes erheben sollet
    1707 CAug. II 1322
  • regierungs-ausschreiben den schleyschatz und licent von denen außer landes gehenden rohen haͤuten und fellen betr.
    1768 HessSamml. III 583
  • der licent oder sogenannte schlagschatz, welcher bey der handlung der rohen wildhaͤute und felle ... in unsere casse bezahlt werden muß, wird von dem kaͤufer ... entrichtet
    1776 Bergius,SammlLandesG. II 404
V
Abgabe im Silberbergbau
  • [Graf D. befreit Kloster W.] a censu cupri et a jure, quod vulgo sleyschat dicitur
    1237 WalkenriedUB. I 153
  • de woltlude, de dar sint vnd gheuen sleyscat vnd koppertollen deme rike, de hebbet dar wedder recht vp orer hutten
    1271 GoslarBR.(Frölich) 19
  • was ihre f.gn. nu am schleschatz ... haben, das wird gehalten wie in andern stheuern
    1509 Wutke,SchlesBergb. I 165
  • dahero ... marggraf H. ... dem bischoffe zu Meissen als einem ... reichs-fuͤrsten ... das ihm vom kayser verliehene jus regale fodinarum auf des stiffts-guͤtern anders nicht gestatten wollte, als wofern er sein silber und gold in die fuͤrstl. muͤntze nach Freyberg zum behoͤrigen zehndten und schlaͤge-schatz lieferte
    1721 Knauth,Altenzella IV 21
  • schlag-schatz ... ist auf bergwercken ein gewisses antheil, so der landes-herr, welchem das muͤntz-regale zustehet, wegen ausmuͤntzung der berg-brand-silber, von jeder marck aus dem zehenden zu gewarten hat
    1742 Zedler 34 Sp. 1672
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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